Vodkaherstellung in Russland nach der Revolution

Der Vodka hat alles besiegt – die kirchliche Orthodoxie, den Zarismus. Er ist die eigentliche Geschichte Russlands. Wenn man nämlich die Zeit zusammenrechnet, die der Russe dem Trinken von Vodka widmet und alle Folgen, alle seelischen Ausbrüche, den Fantasien, den wochenlangen Trinkgelagen, den Familienkatstrophen, den Morden und Selbstmorden, den Unglücksfällen, dem schamhaften Kater nicht zuletzt, dann muss man erkennen, dass es neben der Geschichte des russischen Staates noch eine zweite, geheime gibt.

Das Mitleid des russischen Volkes mit Betrunkenen, undenkbar in anderen Ländern, einschließlich Polen, ist nicht weniger stark als das Mitleid der alten Intelligenz mit gefallenen Seelen. Doch der Kampf war noch nicht vorbei. Auch die neuen Herren sahen die Vor- und Nachteile der Trunksucht ihrer Landsleute.

1917 verlängerte die sowjetische Regierung das Alkoholverbot aus der Zarenzeit, bis1923 die Herstellung und der Verkauf von Vodka wieder aufgenommen werden konnte. Im Jahre 1937 kamen dann die ersten sowjetischen Rezepturen auf den Markt und das Sortiment vergrößerte sich rapide. Von 1939 bis 1940 wurde Vodka nur aus Getreide hergestellt (Roggen, Weizen, Gerste, Hafer) und durch Holzkohle aus Birken und Linden, die es bis zum zweiten Weltkrieg in großen Mengen gab, gefiltert. (Bild: swanksalot)

Vodka dieser Zeit war von hervorragender Qualität. Allerdings wurde von 1941 bis 1944, also während des zweiten Weltkriegs, die Vodkaproduktion massiv gedrosselt, da aufgrund des Krieges und der Hungersnot in dieser Zeit Getreide nicht mehr zur Produktion von Vodka herangezogen werden konnte. Erst im Jahre 1948 erreichte die Vodkaproduktion wieder den Vorkriegsstand und die Technologien wurden weitreichend verbessert.

1970/71 erblicken 2 der bekanntesten Vodkasorten, nämlich Moskowskaja und Stolitschnaja das Licht der Welt und 1986 verkündete Michail Gorbatschow per Dekret ein Alkoholverbot, was die Liquidierung einiger Vodkafabriken oder deren Umrüstung auf alkoholfreie Getränke nach sich zog.

Es folgt ein vermehrtes Brennen des Samogon und die Verwendung von technischem Alkohol, der in vielen Fällen zum Tod, zum Erblinden und zu Krankheiten führte. Erst 1991, mit dem Putschversuch in Moskau und dem Sturz von Gorbatschow wird dieses Verbot aufgehoben. Es beginnt der Wiederaufbau der alten Vodkafabriken und die Wiederherstellung der Reputation des russischen Vodkas.

Aber trotz aller Bemühungen der Vodkaindustrie kommt es zu einer Krise als Folge des vorangegangenen Alkoholverbots. Um dem entgegen zu wirken, erlässt Boris Jelzin 1992 einen Ukas, der das Staatsmonopol über die Vodkaherstellung und den Verkauf aufhebt. Es kommen Fälschungen auf den Markt , Vodkasorten mit niedriger Qualität, giftiger Vodka aus technischem Alkohol. Auch viele ausländische Marken werden gekauft. Dies hat negativen Einfluss auf die Finanzlage des Staates, abhängig vom Vodkaverkauf, vor allem von den Steuern. (Bild: True Russian Vodka)

Erst 1993 erkannte Boris Jelzin seinen Fehler und nimmt seinen Ukas zurück und führt das Staatsmonopol wieder ein. Seit 1993 wird der europäische und amerikanische Markt mit unzähligen angeblichen Premiumvodkas aus Russland überschwemmt von denen gerade 5 % den hohen Anforderungen eines echten russischen Qualitäts-Premium-Vodka aufnehmen kann. Eine Trendwende ist nicht in Sicht, da es zur Mode geworden ist minderwertigen Vodka in Design oder speziell von Designern kreierte Flaschen abzufüllen um über den meist kläglichen Inhalt hinwegzutäuschen.

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