Lagavulin – Islay’s erster Classic Malt Vertreter

Spricht man von Scotch und insbesondere von Single Malts, driftet das Gespräch meist sehr schnell in Richtung der bekanntesten schottischen Whiskyinsel Islay. Auf knapp 620 Quadratkilometern findet man hier unzählige stillgelegte sowie acht aktive Single Malt  Brennereien, von denen der Großteil ihr torfiges Malz nach Rezept von den heimischen Port Ellen Maltings bestellt.

Umgeben von zwei namhaften Scotchdestillerien Laphroaig und Ardbeg liegt hier auch Lagavulin. Man braucht hierbei nicht zu erwähnen, dass Lagavulins charakteristischstes Merkmal ebenfalls der für Islay typische salzige Torfgeschmack ist und so zählt jene Islaydestillerie zu den absatzstärksten Single Malt Produzenten des Spirituosenkonzerns Diageo, unter deren Führung es seit 1927 steht.

Geschichte

Wie für eine Vielzahl an Scotchdestillerien üblich wurden jene Standpunkte bereits sehr früh für die illegale Whiskyproduktion (“illicit distilling”) genutzt. Aufgrund ihrer Abgeschiedenheit und damit schwierigen Erreichbarkeit für Zoll- und Steuereintreiber, eignete sich hierfür die Insel Islay hervorragend und so erscheint es als nichts Besonderes, dass sich um das Jahr 1740 herum am Standort der heutigen Lagavulin-Destillerie zeitweise bis zu zehn Schwarzbrenner niederließen.

Diese Periode des Schwarzbrennenes und Schmuggelns endete erst als 1816 John Johnston und gefolgt von Archibald Campbell 1817 jeweils eine eigene Brennerei im Bereich der heutigen Lagavulin-Destillerie gründeten. Erst jedoch als 1825 beide Destillerien von John Johnston übernommen wurden und 1837 von seinem Sohn zu einer einzigen Brennerei zusammengeführt wurden, bekam diese den Namen Lagavulin, in Erinnerung an eine Mühle, die an eben diesem Ort gestanden hatte. (Bild: Hjorthefoto)

Als problematisch erwies sich die Zukunft von Lagavulin im Jahr 1852, als sie von John Graham aufgekauft wurde und dieser sie 15 Jahre lang ohne marketingstrategisches Geschick leitete. Als dieser keinen Profit mehr in der heruntergewirtschafteten Destillerie sah, verkaufte er Lagavulin’s Destillerie zusammen mit den Namensrechten an James Logan Mackie & Co. Erst unter deren Führung und Renovierung setzte der Erfolg und die Qualität der Lagavulinabfüllungen allmählich wieder ein.

Für einige Jahre blieb Lagavulin in Familienbesitz von Mackie & Co. bis sie schließlich 1923 mittels Fusion Eigentum von White Horse Distillers Ltd. wurde. Durch weitere Firmenzusammenschlüsse ergaben sich 1927 die heutigen Besitzansprüche an Lagavulin, die bei dem internationalen Spirituosenkonzern Diageo plc liegen, zu deren Classic Malt Serie Lagavulin heute als einziger Islay-Vertreter gehört.

Eine Besonderheit, die heute nur selten Erwähnung findet, ist die Tatsache, dass ab 1908 auf dem Gelände der Lagavulin-Destillerie eine zweite separate Brennerei betrieben wurde. Diese als “Malt Mill” bezeichnete Destillerie wurde von Peter Mackie, Neffe von James Logan Mackie, einige Jahre nachdem Lagavulin wieder optimale Zahlen erwirtschaftete, gegründet. Heraus kam hierbei ein Whisky mit sehr starkem Torfgehalt.

Aus wahrscheinlich wirtschaftlichen Gründen wurde Malt Mill jedoch nach bereits 40-50 Jahren wieder eingestellt und produzierte nach ihrer Schließung noch kurze Zeit für Lagavulin als zweite Destillationslinie weiter. Als Lagavulin 1962 renoviert wurde, wurden die Räumlichkeiten sowie Stills von Malt Mill aufgelöst und in die Gebäude von Lagavulin integriert.

Produktion

Mit einem Destilliervolumen von 2.500.000 Litern reinen Alkohols pro Jahr liegt Lagavulin im Durchschnitt der Islaybrennereien. Mit zwei wash sowie zwei spirit stills wird hierbei gebrannt, wobei die vier stills eine sehr markante Birnenform aufweisen.

Der Sinn und die Absicht dieser Bauweise liegt laut dem stillman von Lagavulin darin, dass durch die spitz zulaufenden Stills der Alkoholdampf und mit ihm viele Aromastoffe ungehinderte Bahn nach oben haben und erst sehr spät vom abknickenden Krümmungsstück umgeleitet werden. Aroma und Alkohol können sich dadurch besser aus der brodelnden Maische lösen und abgetrennt werden.

Durch die Lagerung in Bourbon- als auch in Sherryfässern sowie einem sehr hohen Torfgehalt sind Abfüllungen von Lagavulin seit 1890 wichtiger Bestandteil des White Horse Blended Whiskies. (Bild: ifyr)

Portfolio

Seit der Übernahme durch Diageo ist das unumstrittene Flaggschiff in Bezug auf Verkaufszahlen die 16 jährige Abfüllung von Lagavulin. Waren in den 1980ern der 12 und 15 jähriger Single Malt noch die Verkaufsschlager, sind Malts aus jenem Jahrzehnt heute nur noch schwer zu bekommen. Und obwohl Lagavulin eine recht überschaubare Serie an Standardabfüllungen hat, ist es doch bemerkenswert welchen Erfolg sie damit erreicht. Im folgenden ist eine Liste der gängigsten und meist verfügbaren Scotchs von Lagavulin, ohne hierbei auf die Vielzahl an Flaschen von unabhängigen Abfüllern einzugehen.

Kennen sie weitere Abfüllungen oder Trivia und Erlebnisse in Bezug auf Lagavulin?

{lang: 'de'}
    Ähnliche Artikel:
  1. Lagavulin 16 Years Old im Test
  2. Lagavulin 12 Years Old Cask Strength im Test
  3. Laphroaig – Islays Fels in der Brandung

, , , , ,

6 Responses to Lagavulin – Islay’s erster Classic Malt Vertreter

  1. Oliver Klimek 31. August 2010 zu 22:27 #

    Man könnte vielleicht noch erwähnen, dass Malt Mill eigens gebaut wurde, um Laphroaig nachzuahmen. Lagavulin und Laphroaig waren zeitweise verbandelt, hatten sich dann aber verkracht. Das Buch “Peat, Smoke and Spirit” von Andrew Jefford stellt die Geschichte sehr ausführlich dar.

  2. Philip Reim 31. August 2010 zu 22:51 #

    Danke für den Hinweis. Werde bei Gelegenheit mal nach dem Buch suchen. Dass Malt Mill extra gegen Laphroaig gerichtet war, war mir neu. Ist aber durchaus interessant, wenn man auch bedenkt, dass Laphroaig vor einigen Jahren Ardbeg nach ihrer Schließung über die Runden geholfen hat und Ardbeg heute einer der stärksten Konkurrenten Laphroaigs ist.

  3. Bernd Schäfer 1. September 2010 zu 12:41 #

    „Salziger Torfgeschmack“…du bist doch Chemikus…erklär doch mal woher das Salz kommt ;-)
    Malt Mill wurde wohl bis 1962 gemacht, ging aber da schon einige Zeit in Blended Whiskies, bei Lagavulin haben sie noch ein Bild mit einigen alten Etiketten von MM. Dass Malt Mill als Konkurrent zu Laphroaig aufgebaut werden sollte kam daher, dass Peter Mackie, der in Lagavulin verantwortlich war, bis 1907 auch Agent für Laphroaig war aber mit den Besitzern über Kreuz kam. So entstand 1908 Malt Mill um Laphroaig den Rang abzulaufen…(hat aber nicht geklappt)

  4. Philip Reim 1. September 2010 zu 12:47 #

    Der Torf von Islay wie eben bei Lagavulin hat nur “salzigen” Charakter. Damit wollte ich nicht sagen, dass tatsächlich mehr Salz drinnen ist, sondern lediglich, dass die Torfzusammensetzung von Islay, u.a. durch hohen Seealgenanteil, ein salzigeres Aroma aufweist als getorfte Festlandmalts.
    Ausserdem spielt, allerdings nur untergeordnet, die Seeluft eine Rolle, die die Warehouses auf Islay umgibt.

Folgende Websites verweisen auf diesen Artikel

  1. Dalwhinnie 15 Years Old | Eye for Spirits. - 1. September 2010

    [...] einen Vertreter der Classic Malt Serie von Diageo berichtet. Der Artikel beschrieb die Destillerie Lagavulin, die als erster Vertreter der Islay Malts im Single Malt Portfolio des internationalen [...]

  2. Laphroaig – Islays Fels in der Brandung » Destillerie/Hersteller » Cask Strength, Islay, Laphroaig, Rauch, Scotch, Single Malt, Torf, Whisky - 21. April 2011

    [...] wurde die Leitung von Laphroaig für zehn Jahre an den damaligen Manager der benachbarten Lagavulin-Destillerie übergeben. Betrachtet man den heutigen Erfolg von Laphroaig und die damit einhergehende [...]

Hinterlasse eine Antwort