Blended Whisky: Die Kunst des Vermählens

Man kennt es aus der Küche: Kartoffeln allein schmecken langweilig, Fleisch allein kann ebenfalls recht unspektakulär sein und Soße nimmt man ohne Beilage sowieso nicht zu sich. Diese einzelnen Zutaten jedoch zusammen können in richtiger Menge und bei guter Zubereitung ein Mahl ergeben, das einem das Wasser im Munde zusammen laufen lässt. Ähnlich verhält es sich beim “Blending” bzw. beim “Vatting” von Whisky, nur mit dem gravierenden Unterschied, dass meist die Ausgangsdestillate bereits pur ein Genuss sind.

Beim Blending (Verschneiden von Whiskies unterschiedlicher Art und Alters) als auch beim Vatting (Verschneiden von ausschließlich Malt Whiskies) werden die Destillate verschiedener Fässer miteinander verschnitten bzw. vermählt um am Ende einen einheitlichen und gleichbleibenden Geschmack zu erhalten. Entscheidender Faktor ist hierbei welche Fässer nun  zum Verschneiden herangezogen werden. Obwohl zwei Fässer im gleichen Land, im gleichen Ort, im gleichen Lagerhaus und direkt nebeneinander liegen kann das Aroma doch unterschiedlich sein.

Zwar ist dies oft nur minimal, gelegentlich aber auch immens. Dies kann zum einen daran liegen, dass ein Fass mehr befüllt wurde als das andere und dadurch ein anderes Verhältnis von Holzoberfläche zum Destillat entsteht oder auch, dass die Fässer übereinander gestapelt wurden, und in der Vertikalen deutliche Temperaturunterschiede herrschen, die das Aroma beeinflussen. (Bild: Okko Pyykkö)

Welche Whiskies schlussendlich für den Blend in Frage kommen, entscheiden die so genannten “Nasen”. Hierbei handelt es sich um erfahrene Blender mit jahrzehntelanger Erfahrung in Geschmacksbildung und Sensorik. Diese wählen bei der Herstellung des Blended Scotch üblicherweise zwischen 20 und 50 verschiedene Grain und Malt Whiskies aus, die dann entsprechend einer Verschnittrezeptur “vermählt” werden.

Sollte jedoch einmal das gängige Problem auftreten, dass ein oder mehrere bestimmte Whiskies für den Blend gerade nicht zur Verfügung stehen, so kann der Blender heute auf digitale Listen zurückgreifen, bei dem ihm der Computer “Ersatzwhiskies” vorschlägt, die zusammen den gesuchten Whisky geschmacklich ersetzen können.

Standard, Premium und Deluxe

Unter anderem um dem Kunden eine Vorstellung von den verwendeten Teildestillaten zu geben (schottische Blend Whiskies können zwischen 5 und 70 Prozent Malt-Anteil enthalten), die verschnitten wurden, kategorisiert man Blended Scotch Whiskies in “Standard”, “Premium” und “Deluxe”. In der genannten Reihenfolge nimmt auch der Malt-Anteil im Blend zu, was bedeutet, dass der Scotch dadurch meist schwerer und intensiver im Aroma wird. Leichte Blended Whiskies haben hingegen eher einen höheren Grain Whisky-Anteil. (Bild: PeterJot)

Wie der gesamte Herstellungsprozess von Whisky, so gliedert sich auch das Blenden in mehrere Phasen, von denen die meisten bestimmten Gesetzen und Vorschriften unterworfen sind. Im ersten Abschnitt des Blending-Procederes werden die Whiskies fassweise in die Blendinganlage gebracht, geöffnet und in Behälter aus Edelstahl gegossen. Anschließend mit speziellen Vorrichtungen durchgerührt um vor dem Abfüllen in Flaschen auf Trinkstärke reduziert zu werden. Eher selten aber durchaus möglich ist, dass vor dem Abfüllen des Blended Whiskys dieser nocheinmal in Fässer gefüllt und nachgereift wird.

Oftmals werden Blended Whiskies in die zweite Reihe degradiert um Single Malt Whiskies Platz zu machen. Gelegentlich ist dies, vor allem bei Supermarkt-Blends, durchaus verständlich, sollte meiner Meinung nach jedoch nicht pauschalisiert werden, da einem hierbei durchaus gute Tropfen verwehrt bleiben könnten.

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