Die erste Whiskydestillerie Österreichs – Waldviertler Roggenhof

In mehreren Artikel habe ich bereits einiges über die Herstellung von Whisky in Österreich geschrieben und doch höre ich auch von einheimischen Kunden oft den etwas erstaunten Ausspruch: „ In Österreich wird Whisky produziert?!“

Ja, zwar haben wir keine Jahrhunderte zurückreichende Tradition, wie etwa Irland, Schottland, die USA, oder Kanada, trotzdem ist es immerhin 16 Jahre her, dass die Produktion von usighe beatha in Österreich begonnen hat.

Der erste Brenner, der die Idee Whisky zu produzieren in die Tat umgesetzt hat, war Johann Haider vom Waldviertler Roggenhof. Der Roggenhof war damals eine mittelgroße Landwirtschaft im Herzen des Waldviertels in Niederösterreich. Ackerbau und etwas Viehwirtschaft waren bereits seit 1904 in der Familie Tradition.

Mit dem EU-Beitritt Österreichs in Jahr 1995 erkannte Johann Haider die Risiken, aber auch die Chancen des freien Marktes und schuf sich mit der Brennerei sein zweites Standbein. Er begann mit Getreidebränden zu experimentieren und entwickelte so den ersten Kornbrand, der zu Whisky werden sollte. Die Grundüberlegung war allerdings nicht etwas Bestehendes zu kopieren, sondern etwas Eigenständiges zu schaffen. Schon damals war der regionale Bezug der Produkte besonders wichtig. Im Hinblick auf die Produktion von Whisky, beschäftigte sich Haider besonders mit dem Ausgangsmaterial, dem Getreide.

Wie der Name des Roggenhofs und auch der Name des Ortes, in dem er steht, Roggenreith, nahe legen, wird seit Jahrhunderten in der Umgebung Roggen angebaut. Also lag die Auswahl des Hauptgetreides für den Whisky doch recht nahe. Die Mischung aus 60% Roggen und 40% Gestenmalz erwies sich als ideal für die Herstellung. Das Gerste als zweites Getreide Verwendung findet ist auch nicht weiter verwunderlich, da es immerhin das beliebteste Getreide bei den Waldviertler Bierbrauern ist.

So entstand also der Waldviertler Original Rye Whisky, der 1998 dem Publikum vorgestellt wurde. Schon zu dieser Zeit wurde der Whisky in Fässern gereift, die aus der „Manhartsberger Sommereiche“ hergestellt werden. Damit ist auch bei den Lagergefäßen ein regionaler Bezug gegeben. Die Fässer haben einen Inhalt von 56 Eimern, einer traditionellen Maßeinheit. Heute entspricht so ein Fass 226 Liter, also ca. die Größe eines Barrique-Fasses (225l).

Nach der erfolgreichen Markteinführung wurde das Sortiment sukzessive erweitert und so stehen dem Konsumenten heute folgende Whiskies zur Auswahl:

  • Rye Whisky – Original Waldviertler Roggenwhisky J. H. (60% Roggen und 40% Gerstenmalz)
  • Pure Rye Malt – Waldviertler Roggen-Malzwhisky J.H. (100% gemälzter Roggen)
  • Special-Pure Rye Malt Nougat – Waldviertler Roggen-Malzwhisky J.H. “Nougat“ (100% gemälzter Roggen)
  • Single Malt – Waldviertler Gersten-Malzwhisky J.H.(100% helles Gerstenmalz)
  • Special – Single Malt Karamell – Waldviertler Gersten-Malzwhisky J.H. „Karamell“ (100% dunkles Gerstenmalz und geröstete Gerste)
  • Northern Dream J.H. – Roggenwhisky-Likör (Roggenwhisky mit Honig, Kräutern und Früchten)

Dabei liegt das Hauptaugenmerk der Familie Haider wiederum auf dem Getreide. Verschiedene Darrungsgrade des Roggen- bzw. Gerstenmalzes bilden die Basis für den späteren Whisky. Gebrannt werden alle Whiskies nach einem doppelten Raubrand- Feinbrandverfahren, wobei jeweils der Vor- und Nachlauf sorgfältig abgetrennt wird. Vor- bzw. Nachläufe werden auch nicht weiter verwendet, anders als in anderen Herstellungsorten üblich. Alle Whiskies des Roggenhofs werden in besagten heimischen Eichenfässern gereift. Die Fässer werden dafür bis zu dreimal verwendet. Bei Erstbefüllung reift der Whisky 3-4 Jahre im Fass, bei der Zweit- und Drittbefüllung entsprechend länger.

  Whisky-Erlebniswelt

Dem positiven Echo der Öffentlichkeit folgte der stufenweise Ausbau des Roggenhofs. Eine moderne Hochleistungs-Destillationsanlage wurde errichtet, ebenso Lagermöglichkeiten und ein Verkaufsraum. 2004-05 wurde das Konzept Whisky-Erlebniswelt umgesetzt. Eine besuchergerechte Anlage, die Einblicke in die Whiskyproduktion von der Malzmühle, über die Brennerei bis hin zum Whiskylager gewährt, erfüllt die Welt des Whiskies mit Leben. Zusätzlich sorgen das Whisky-Café, der Verkostungsraum und der Whiskyshop für den nötigen Wohlfühlfaktor. 2008 kam der Feuer-Wasser-Garten dazu.

Dieser steht ganz im Zeichen des keltischen Lebensbaumkreises, der die vier Elemente Feuer, Wasser Erde und Luft umfasst. Neben der Erläuterung der verschiedenen Baumarten in Bezug auf die keltische Tradition, gibt es außerdem einen großzügigen Kinderspielplatz. 2009 entstand schließlich das 3. Whiskylager (für 500.000 Liter Whisky = ca. 8900 Fässer) und Getreidesilos, so dass die Produktion der kommenden Jahre auch entsprechen Platz finden kann. Mit ca. 75.000 Besuchern im Jahr stellt die Whisky-Erlebniswelt inzwischen einen großen touristischen Faktor in der Gegend dar und gehört zu Niederösterreichs Top-Ausflugszielen.

Den neuesten Streich stellte der Roggenhof erst im Juni 2011 vor. Der erste getorfte Whisky. Dieser wird in mehreren Versionen angeboten:

  • Der Special Single Malt Peated J.H. besteht aus 100% dunkel geröstetem Gerstenmalz, das anschließend über Torffeuer (aus Waldviertler Torf) geräuchert wird. Gelagert wird der Whisky in gebrauchten Süßweinfässer der Weingüter Jurtschitsch und Leithner, die beide aus Langenlois im Kamptal stammen.
  • Im Herbst wird zusätzlich der Special Rye Malt Peated J.H. vorgestellt. Auch hier wird das Roggenmalz (100%) getorft. Der wohl auf der Welt einzigartige Peated Rye Malt bekommt ebenfalls eine Lagerung in Ex-Süßweinfässern. Hier sind neben den erwähnten Weingütern noch Fässer von Bründelmayer, Loimer und Schloß Gobelsburg (alle Kamptal) eingesetzt worden.

Diese Spezialversionen sind in limitierter Auflage in Flaschen zu 0,35l und 0,7l erhältlich.

(Bildrechte: Erhard Ruthner/destille.at)

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4 Responses to Die erste Whiskydestillerie Österreichs – Waldviertler Roggenhof

  1. Johannes Busley 10. August 2011 zu 16:03 #

    So gerne ich Ihre Seite lese, aber da ist Ihnen bereits in der Überschrift ein gravierender Fehler unterlaufen: Von ERSTER kann leider nicht die Rede sein. – Beispielsweise WIESER aus der Wachau produziert bereits seit Jahren – in Zusammenarbeit mit Highland Park – 4fach destillierte Whiskys.

  2. Erhard Ruthner 10. August 2011 zu 17:00 #

    Vielen Dank für diesen Einwand. In Österreich produzieren etliche Brenner Whisky, bisher habe ich 27 gefunden. In meinem ersten Artikel zu österreichischem Whisky spreche ich zwar von weniger, die restlichen finde ich seither nach und nach. Artikel dazu folgt. Den ausgezeichneten Wiesky von Markus Wieser kenn ich und habe auch einen Artikel darüber geschrieben. Der Roggenhof gilt aber als der erste Whiskybrenner in Österreich und bezeichnet sich ja auch selbst als 1. Whiskydestillerie, was Markus Wieser im persönlichen Gespräch auch nicht bestreitet. Von Wieser kenne ich den 7 jährigen WIESky und der Rauchmalzbrand. Ebenso ist mir einen Murray MacDavid Abfüllung von Bruichladdich bekannt, die exklusiv für Wieser abgefüllt wurde. How ever, dieser in Schottland gebrannte Whisky, erfüllt er das Kriterium “in Österreich hergestellt” ohnehin nicht. Da mich diese Sache aber natürlich selbst sehr interessiert, habe ich soeben Herrn Wieser eine mail geschrieben, in der ich ihn frage seit wann genau er in der Wachau Whisky brennt. Damit kann ich diese Frage sicher bald eindeutig klären.

  3. Erhard Ruthner 12. August 2011 zu 11:37 #

    Ich habe von Herrn Wieser Antwort bekommen. Er hat Mitte der 1990er angefangen mit Kornbränden zu experimentieren und hat dabei mit anderen Brennern zusammengearbeitet (darunter auch Johann Haider). Sein Hauptproblem war damals einen vernüftigen wash zu bekommen, da er die Ausrüstung selbst noch nicht hatte. Tatsächlich hat er seine ersten Whiskies in Schokolade verarbeitet. Inzwischen hat er das richtige Braugerät und schöne Lagermöglichkeiten, um seinen Produkten die optimale Reifung zu ermöglichen.

Folgende Websites verweisen auf diesen Artikel

  1. Roggenmalz & Torf – Neuer Whisky vom Waldviertler Roggenhof » Rye, Whisky, Peated, Waldviertel, Roggenhof » Eye for Spirits. - 1. Oktober 2011

    [...] hat man in der Waldviertler Roggenhof-Destillerie Rye Whisky bereits im Angebot, jedoch lediglich ungetorft. Diesen Monat kommt allerdings mit dem [...]

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