Seit diesem Jahr bahnt sich langsam und schleichend ein neuer Szene-Drink seinen Weg in deutsche Gläser: der Hugo Cocktail. Mit Prosecco, Minze und Holunderblüten startete er 2011 von Südtirol aus, um seinen ärgsten Konkurrenten Aperol Spritz von der Top-Position deutscher Sommerdrinks zu verdrängen. Ernsthafte Sorgen braucht sich Aperol Spritz aber nicht zu machen.

- aboutpixel.de © Sergei Brehm
In Bars und Blogartikeln hörte man es dieses Jahr immer öfter munkeln: “Kennst’ den Hugo Cocktail schon? Das soll der neue Aperol Spritz sein! Da is’ Minze, Holunder und Prosecco drin!”
Schleichend und über Mundpropaganda versucht also ein neuer Drink aus Südtirol in Deutschland und Österreich Fuss zu fassen. Dass der Hugo Cocktail dies schaffen wird, bezweifel ich nicht, dafür sind die Zutaten viel zu erfrischend und ansprechend.
Prosecco als trocken-alkoholische Basis und sowohl Minze als auch Holunderblüten als erfrischende Komponenten. Alles auf Eis im Sekt oder Weissweinglas. Dass dies Anklang finden wird, steht außer Frage.
Vielmehr irritierte mich die immer wieder genannte Aussage “Der neue Aperol Spritz”. Hat der Hugo Cocktail wirklich das Potential Aperol Spritz von der Position des beliebtesten Sommerdrinks in Deutschland und Österreich zu verdrängen?
Nachdem ich längere Zeit darüber nachdachte, kam ich immer wieder auf einen Schluss: Nein, hat er nicht!
Wer übernimmt die Werbung für den Hugo Cocktail?
Man musste in den letzten Jahren nicht lange vor dem Fernseher sitzen und sah doch mehrmals die bekannte Aperol Spritz-Werbung, in der lediglich ein Fingerzeig ins Glas reichte und man wusste, es war Aperol Spritz gemeint.
Schöne Frauen. Schöne Männer. Alle gut gelaunt. Trink Aperol Spritz und du gehörst dazu. Genau dies war die Botschaft, die der Werbespot vermittelte. Wer aber übernimmt dieses Botschaftvermitteln für den Hugo Cocktail?
Um in den nächsten 1 bis 2 Jahren ein ernstzunehmender Konkurrent für Aperol Spritz zu werden, bräuchte es im Hintergrund eine enstprechende Marketingabteilung, die das Produkt omnipräsent macht. Und wenn dies kein namhafter Hersteller von Prosecco oder Holunderblütensirup/-likör, wie z. B. St. Germain, übernimmt, sehe ich für eine Spitzenplatzierung schwarz.
Natürlich wäre auch ein eindrucksvoller Gastauftritt in Filmen hilfreich. Cosmopolitan und White Russian machten es vor einigen Jahren vor. Aber so lange der Hugo Cocktail nicht medial “gepusht” wird und keine bestimmte Lebensart vermittelt, wird er es sehr schwer haben, sich gegen den großen Konkurrenten zu behaupten.
Die Krux mit der Minze

- aboutpixel.de © Christoph Ruhland
Ein weiteres Problem, das im Kampf Hugo Cocktail vs. Aperol Spritz für den letztgenannten sprechen dürfte, sind die Zutaten.
Während man beim Szenedrink von Aperol nur den gleichnamigen Aperitivo sowie Prosecco und Soda braucht, wird es beim Hugo Cocktail etwas komplizierter.
Variieren kann beim Spritz nur der Prosecco, d.h. man hat prinizipiell nur eine geschmackliche Variable enthalten. Im Hugo Cocktail wird es da schon etwas difficiler: Welcher Holunderblütensirup? Oder doch lieber Likör? Und vor allem welche Minze?
Da Drinks mit Minze sich seit jeher und zurecht großer Beliebtheit erfreuen, bezweifle ich nicht, dass der Hugo großen Anklang finden wird, aber wie auch beim Mojito stellt sich hier die Frage nach der Art der Minze. Die geschmacklichen Unterschiede sind immens.
Und während man bei der Zubereitung des Spritz nicht viel falsch machen kann, schafft man es alleine durch das Zerreißen der Minze den gesamten Drink zu ruinieren. Folglich ist der Zubereitungsaufwand bei einem gewissenhaft hergestellten Hugo Cocktail höher und das schlägt sich natürlich auch im Preis nieder.
Die hohe Variabilität der Zutaten und somit des gesamten Drinks, sowie einhergehend der etwas höhere Preis, sind meiner Meinung nach zwei weitere Gründe, die dem Hugo Cocktail die Spitzenposition unter den Sommerdrinks in nächster Zeit verwehren wird.
Alles in allem sollte man aber schlussendlich bei jeglichem Sinnieren über Erfolg und Misserfolg, das Wesentliche nicht aus den Augen verlieren: den Genuss eines weiteren interessanten Sommerdrinks!


Klingt nach einem tollen Cocktail – wenn ich auch Aperol Spritz wie die meisten Deutschen und Österreicher weiterhin bevorzugen werde.
Zum Thema Cocktails habe ich vor einer Weile eine interessante Entdeckung gemacht.
Ein Barcatering mit mobiler Bar für erstklassige Cocktails. http://bit.ly/o3bK36
Grüße vom ScoutConcierge
Es gibt ja, nicht zu vergessen, auch noch eine süße Alternative zum Aperol Sprizz, bei deren Zubereitung man auch nichts falsch machen kann: PineauSecco! Pineau des Charentes mit Prosecco. Mehr auf http:www.pineau.de
Bin in der derzeitigen Wintersaison grad in Saas Fee (CH) am schaffen und hier heisst eine abgewandelte Version lustigerweise “Schneegold”. Ist aber quasi nur ein Prosecco mit 1cl Bols Holunder (Likör). Und das kommt sehr gut an! Liebe Grüsse…
@ David Hoffmann
Danke für die Info aus der Schweiz.
Zur Hugo-Variante fehlt dann nur noch die Minze.
@David
Vielen Dank für den Hinweis auf das Schneegold Rezept. Aber wird im Hugo nicht Holunderblütensirup anstatt Likör verwendet?
Nun das Jahr 2012 ist rum und der Hugo Cocktail kahm meiner Meinung nach überall gut und und auch bei uns in der Bar wurde dieser Drink des öfteren bestellt.
ich nehme mal langsam an, dass sich der Hugo in das kollektive Gedächtnis eingeschlichen hat, ich denke das liegt unter anderen auch daran, dass sich einige Proseccohersteller ans Werk gemacht haben und den Hugo fertig abgefüllt in die Regale der Supermärkte platzierten.
Auch wenn das sicher nicht das gleiche ist wie ein echter Hugo den man richtig zubereitet.
Ich bin mal auf dieses Jahr gespannt, wie der Hugo ankommt, ich denke mal die Welle hat schon ihren Höhepunkt erreicht, mal sehen wie dieses Jahr der Lillet Berry ankommt, oder vieleicht wird es ja irgendwas mit Gurke, denn an fast jeden Stand von Gastromessen, sah man dieses Jahr des öfteren ein Gurkenscheibchen im Glas.