Am 10. und 11. Oktober 2011 war es wieder soweit. Bereits zum 5. Mal öffnete der BCB (Bar Convent Berlin) seine Pforten im alten Postbahnhof. In seiner doch recht kurzen Geschichte hat sich dieses Branchentreffen der Barszene zu einem internationalen Event gemausert, bei dem nicht nur deutsche Barkeeper zwei Tage lang sich über neue Trends, Spirituosen und ähnlichem austauschen, miteinander feiern und interessante Workshops miterleben können.
Nicht zuletzt der Andrang ausländischer Barleute, sei es aus Österreich, der Schweiz, oder Vertreter vieler osteuropäischer Länder bis hin zu Rumänien, sondern auch die hochkarätige Liste an internationalen Größen, die als Vortragende gewonnen werden konnten, zeigt die Bedeutung dieses Branchengipfeltreffens im deutschsprachigen Raum.
Die Rednerliste las sich wie ein who is who: Von Gary Regan, dem britischen Bar-Guru, über Angus Winchester, Jürgen Deibel, Jörg Meyer, Rum Ambassador Ian Burrell, Whiskey-Experte Alan Katz, Ardbeg Manager Michael Heads, Maestro de Ron von Bacardi Jose Sanchez Gavito bis hin zu der deutschen Barlegende Charles Schumann, um nur eine Bruchteil zu erwähnen.
Zwei Tage ging es darum, wie man den Gast in der Bar ein besseres Erlebnis verschaffen und sich selbst weiter entwickeln kann. In 4 verschiedenen Veranstaltungsräumen wurden insgesamt 35 Präsentationen, Verkostungen und Diskussionsrunden zu den diversesten Themen angeboten. Bei den, zeitlich sich teilweise überlappenden Veranstaltungen war es wirklich nicht leicht sich zu entscheiden, welche man besuchen sollte.
Im Taste Forum wurden nicht nur große Kategorien, wie Rum (Ian Burrell) und Gin (Gary Regan) behandelt, sondern auch Spezialitäten, wie etwa Mezcal (Steve Olson & Ron Cooper), oder American Whiskey (Alan Katz) verkostet und erklärt. Auch historische Vorträge über den Siegeszug der Cocktails, Wissenschaftliches über Barmythen, oder einfach Erfahrungen und Anekdoten alter Hasen, wie dem Maestro de Ron Jose Gavito waren vertreten, sodass jeder etwas finden konnte, was ihn schon immer interessiert hat. Darüber hinaus gab es die Möglichkeit mit den Experten vor Ort zu diskutieren, Fragen zu stellen und sich eventuell Tipps zu holen. Wann kann man schon so viele Größen der Bar auf einem Fleck finden?
Die Liste der Aussteller war nicht minder gut besetzt. Auf zwei Etagen und einem leider verregneten Außenbereich gaben sich kleine Hersteller und Importeure, aber auch die Großen der Branche ein Stelldichein. Aber das Wetter wurde mit Geduld und Humor genommen. Ardbeg Manager Micheal Heads meinte dazu, er fühle sich wie zu Hause auf Islay.
Vom BCB zu den Bar Awards 2011
Neben Altbewährtem wurden auch eine Reihe von neuen Produkten vorgestellt. Hauptaugenmerk lag für viele auf den Produkten, die zur Spirituose des Jahres, bzw. Bartender´s Choice nominiert worden waren. Unter den Kandidaten für diese Auszeichnungen fanden sich recht viele wiederentdeckte Klassiker, wie Duplais Absinthe, Angostura Bitters, oder Bollinger Champagner. Aber auch nicht so geläufige Namen, wie Gran Classico Bitters, Cachaça Magnífica, oder Lemon Hart Demarara Rum fanden sich auf dieser Liste. Die Nominierung des Feierabend Biers als Bartender’s Choice war wohl mit einem Augenzwinkern zu sehen. Das Rennen als Spirituose des Jahres machte der aus Jamaica stammende Overproof Rum Smith & Cross. Beim Bartender´s Choice Award setzte sich ein Klassiker durch: Bollinger Champagner.
Kurzes Warm-Up: Die minimalistische Cocktailkarte
Natürlich war auch außerhalb der eigentlichen Messe in Berlin jede Menge los. Schon am Sonntagabend erfreute sich die Berliner Bar regen Zulaufs. Der, dem Programm beigefügte Barführer, praktisch zum Einstecken, erlaubte auch Ortsunkundigen die Bars zu finden. Leider fand man in einigen Bars ein stark verkürztes Angebot an Drinks. Einerseits ist es verständlich, dass eine reichhaltige Cocktailkarte bei einem zu erwartendem Masseansturm schwierig umzusetzen ist, die Barkarte aber auf lediglich einen Horse´s Neck und einen Gin Tonic zu verkleinern, stieß doch auf breites Unverständnis. Natürlich wollen auch die ortsansässigen Barkeeper Kontakte pflegen, sind daher unter Tags auf der Messe, natürlich sind Kundenevents vieler größerer Firmen zu betreuen, trotzdem nimmt man sich mit zu sehr gekürzten Angeboten schon die Möglichkeit sich den nationalen und internationalen Kollegen, Industrievertretern und Gästen zu präsentieren und zu zeigen, dass man zu recht zur Spitze gehört.
Das traditionelle Abschlussevent Berliner Goya war wiederum geprägt von den Preisverleihungen der diversen Kategorien. Dabei gab die Stadt Basel ein kräftiges Lebenzeichen von sich – die Hotelbar Le Trois Rois konnte sich in zwei Kategorien (Hotelbar und Newcomer) durchsetzten. Zwischen den Verleihungen stand wiederum der Kampf um den Mixologie City Award auf dem Programm. Wien, Dresden und Freiburg ritterten um den gelungensten Auftritt, der das Lebensgefühl der jeweiligen Stadt wiederspiegeln sollte. Am Ende konnte die Vienna Bar Community mit ihrer Tanzeinlage zu Klängen von Michael Jacksons „Thriller“ und Wolfgang Ambros´ „Zentralfriedhof“ und dem Wiener Blut Cocktail das Publikum überzeugen und so ging der City Award zum zweiten Mal in Folge in die Stadt an der Donau. Nach Ende der offiziellen Programmpunkte wurde in den Berliner Bars bis in die Morgenstunden gefeiert.
Man darf sich schon auf den BCB 2012 freuen, der schon jetzt als Fixtermin in vielen Kalendern eingetragen ist.







Schöner Artikel.
Hatte auch viel Spaß auf dem BCB. Aber auch bei dem davor veranstalteten ersten German Rum Festival.
Ein kleiner Fehler ist mir bei euch dennoch aufgefallen. Duplais Absinthe war nicht nominiert. Diese Nominierung wurde aufgrund eines Regelverstoßes von der Liste der Spirituose des Jahres genommen.
Danke für den hinweis, das war mir in der Hitze des Gefchts wohl entgangen.:))