Wien ist seit Anfang Oktober um eine kulinarische Attraktion reicher. Ab 21.00 Uhr wird im Scotch Club Vienna „Late Night Cooking“ mit einer eigens konstruierten Showküche angeboten.

- Bild: aboutpixel.de/Don Espresso
Das Thema Bar Food wird in regelmäßigen Abständen in der Barszene diskutiert. Während einige Bartender auf dem Standpunkt beharren, dass die Bar ein Ort des gepflegten Trinkgenusses sei und für die kulinarische Versorgungen Restaurants und Cafés zu Verfügung stünden, versuchen andere dem Bedürfnis des Gastes nachzukommen, indem sie kleine Snacks anbieten. Dass diese oftmals nicht über einen, relativ einfach herzustellenden Toast, Clubsandwich, oder Prosciutto mit Grana hinausgeht, mag einerseits daran liegen, dass der Hauptfokus der Bar nach wie vor das Getränk und schließlich und endlich der Bartender ja kein Koch ist.
Einen eigenen Angestellten für die Küche zu haben, erscheint, abgesehen von Personalkosten, auch nicht besonders sinnvoll, da die Bar ja nicht in ein Restaurant umgewandelt werden soll. Daher bleiben viele Bars dabei, entweder gar kein Essen oder eben die einfachen Snacks anzubieten, die allerdings dem Niveau der Drinks oft weit hinterher hinken.
Der Scotch Club Vienna setzt Trends
Der Scotch Club Vienna, gelegen am Parkring 10, 1010 Wien, geht in dieser Hinsicht neue Wege. Nachdem diese Wiener Institution, die seit 1955 für gepflegte Club-Atmosphäre steht, seit etwa 2 Jahren in neuem Glanz erstrahlt, bietet sie nun ein einzigartiges Konzept für die Verpflegung der Nachtschwärmer mit besonderen Schmankerln an. Im ebenerdigen Teil des Scotch Clubs wurde eine komplette Küche auf engstem Raum eingebaut. Diese ist für alle Gäste nicht nur einsehbar, sie ist im Stil einer kleinen Bar gestaltet. Ein besonderer Blickfang ist das „Backboard“. Wo normalerweise die Flaschen mit feinsten Spirituosen aufgereiht sind, befinden sich auf zwei Holzregalen Glasballone, die edle Öle und Essigbalsame von Destille.at enthalten
Scotch Club Burger
Auf zwei Seiten können es sich Gäste auf Barhockern bequem machen und bei der Zubereitung ihres Barsnacks zuschauen. Gleich einem Bartender berät Chef Andreas Zeitelhofer seine Gäste. Neben Standardgerichten, wie dem Scotch Club Burger, wechselt ein Teil des Angebots wöchentlich. Um den Gaumen schon mal zu erfreuen wird ein kleines „amuse bouche“, das gleich Appetit auf mehr macht, gereicht. Der Scotch Club Burger ist eine gelungene Adaption des wohl amerikanischsten aller Gerichte. Zwei kleine Burger mit Gurke, Tomate, Zwiebelringen und geschmolzenem Käse werden mit zwei hausgemachten Saucen, Kartoffelstroh und einer Gemüseauswahl mit Dip serviert. Auf dem üblichen, faschierten Laibchen wird zusätzlich ein Stück Schweinsfilet aufgelegt.
Serviert wird stilvoll auf einem, geschwungenen Teller, die Saucen, das Gemüse und die Kartoffeln à part in Schüsselchen. Damit trifft die Präsentation des Essens genau den Stil, der im Scotch Club hochgehalten wird. Das Besondere zeigt sich, wenn man dem Küchenmeister bei der Arbeit zusieht. Wie ein guter Bartender arbeitet Andreas nur mit hochwertigsten Zutaten, die er frisch vor dem Gast zusammenstellt. Die Fleischlaibchen werden per Hand geformt und auf der Grillplatte gebraten. Währenddessen werden die Burgerbrote vorbereitet, der obere Teil mit Käse überbacken und das Kartoffelstroh frittiert. Das Burgerbrot macht der Chef übrigens selbst. (Bild: tiffa130)
Details, wie die Bereitstellung von violetten Ledertischsets, einer Stoffserviette und schönem Besteck unterstreichen den Anspruch der gehobenen Qualität. Sicher sind das Kleinigkeiten, aber man möchte seinen Cognac XO ja auch nicht im Wasserglas serviert bekommen. Nun kann sich der Clubbesucher in Ruhe dem Verzehr seines Gerichtes zuwenden. Da er direkt bei dem Koch sitzt, kann auch direktes Feedback gegeben werden; wo ist es sonst üblich, dass man sich mit dem Küchenchef direkt unterhalten kann? Auch für die Küche ist es eher selten die Reaktionen der Gäste unmittelbar zu sehen.
Als Gast kann man sich von den Servicekräften auch noch eine Getränkeempfehlung, sei es Wein oder vielleicht doch einen Cocktail, geben lassen, um das kulinarische Erlebnis zu optimieren. So zeigt sich, dass ein Crossover zwischen Bar und Küche gut funktionieren kann, wenn Kreativität und aktiver Service am Gast kultiviert und gelebt werden.
Persönlich bin ich schon sehr gespannt, was sich aus diesem viel versprechendem Anfang alles entwickeln wird, denn die Zusammenstellung frischer Speisen und edler Getränke, besonders auch Spirituosen, ist ein weites, hoch interessantes Feld, das es zu ergründen gilt.







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