Gin Botanicals Teil 6: Kümmel und Schwertlilie

Denkt man an eine Kümmel-Spirituose, kommt einem meist zunächst Aquavit in den Sinn. Und auch die Schwertlilie dürfte als typische Zutat eines Gins kaum bekannt sein. Schaut man sich allerdings einmal den Teil der Schwertlilie genauer an, der eigentlich bei der Gin-Mazeration verwendet wird und übersetzt das Ganze dann noch ins Englische, dürfte es einigen Gin-Liebhabern bekannt vorkommen.

Wacholder hatte ich bereits beschrieben. Koriander, Zitrusschalen und einige andere ebenso. Die Botanicals, die meist fester Bestandteil jeglicher Gin-Rezepturen sind, gehen mir also langsam aus. Gut, dass den Produzenten von Gin im Hinblick auf kreative Zutatenzusammensetzungen keine Grenzen gesetzt sind. Die meisten modernen Gins setzen sogar noch eins drauf und verwenden gezielt einzelne Zutaten, die entweder äußerst exotisch sind oder sehr heimatlich. The Duke aus München ergänzen ihre Rezeptur beispielsweise mit Hopfen und Malz, Monkey 47 aus dem Schwarzwald mit heimischen Preiselbeeren und Whitley Neill London Dry Gin mit wildwachsenden Zitrusfrüchten des afrikanischen Affenbrotbaumes. Sie sehen, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Kümmel und Schwertlilie gehören allerdings noch zur konventionellen Liga.

Kümmel

Bild: FotoosvanRobin

Das lateinisch als Carum carvi bezeichnete Gewächs zählt heute zu den ältesten bekannten Gewürzen. Selbst in antiken ägyptischen Grabkammern und Bauten aus der Stein- und Bronzezeit konnten Reste von Kümmel nachgewiesen werden.

Aufgrund fehlender Destillierkenntnisse war die Verwendung von Kümmel zur Aromatisierung von Spirituosen zur damaligen Zeit noch nicht bekannt. Die Wirkungsweise beim Verzehr kannte man damals jedoch schon. Blähungen und andere “Winde” förderte und fördert Kümmel aufgrund seiner entkrampfenden Wirkung. Aufgrund dessen und wegen seinen verdauungsfördernden Eigenschaften ist es der perfekte Zusatz im Digestif.

Natürlich sind die gesundheitsfördernden Merkmale des Kümmels ein netter Nebeneffekt bei der Verwendung im Gin, der Hauptgrund sind diese allerdings nicht. Weitaus mehr Wert wird auf das würzige und dezent bittere Aroma des Kümmels gelegt, welches überwiegend von der chemischen Verbindung Carvon herrührt. Weitere geschmacksrelevante Inhaltsstoffe des Kümmels sind u.a. Fette, Kohlenhydrate und Kaffeesäure.

Schwertlilie

Bild: dottieg2007

Das auch als Iris bezeichnete Gewächs findet bei der Herstellung von Gin kaum Beachtung. Zumindest nicht Stängel, Blätter und Blüte. Für viele Gin-Rezepte aber unerlässliche Zutat ist die Wurzel der Schwertlilie (engl.: orris root).

Laut Literatur soll sich das Aroma der Wurzel auch deutlich von dem der Blüte unterscheiden und eher an den Duft von Veilchen erinnern. Allerdings muss ich an dieser Stelle hinzufügen, dass sprachlich bei der Schwertlilie, dasselbe Problem auftritt wie bei Ingwer. Verwendet wird nämlich das Rhizom.

Neben der Gin-Herstellung ist aber auch die Parfüm-Industrie sehr an den Rhizomen der Schwertlilien interessiert. Nicht umsonst ist die Nachfrage an dem “Veilchenwurzelöl”, das in Produkten von u.a. Prada und Yves Saint Laurent die Kunden besser duften lässt, so hoch.

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Folgende Websites verweisen auf diesen Artikel

  1. Die Geschichte des Gins Teil 14 - Cocktails Old Fashioned - 4. Dezember 2011

    [...] Kümmel und Schwertlilie [...]

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