Gin Botanicals Teil 7: Lakritze und Paradieskörner

Auch wenn für die Herstellung von Gin eine Vielzahl an Kräutern, Gewürzen und Früchten verarbeitet wird, so gibt es eine Handvoll Botanicals, die fast als Standard gelten und jene, die eher Raritäten sind. Mit Lakritze und Paradieskörnern beschäftige ich mich in diesem Artikel mit zwei eher seltenen Zutaten, die aber ohne Frage einem Gin einen Hauch Individualität verleihen.

Wie fast alle Botanicals, die bei der Gin-Herstellung verwendet werden und die ich bis zu diesem Teil der Serie beschrieben habe, so sind auch Lakritze und Paradieskörner mancherorts für ihre Heilwirkung bekannt.

Im Gegensatz zu Lakritze hängt den Paradieskörnern, entsprechend ihres Namens, der Ruf an, sie stammen direkt aus dem Garten Eden. Lakritze hat hingegen weniger mit Mythologie um ihre Bezeichnung zu kämpfen, sondern viel mehr um die Doppeldeutigkeit ihres Namens. Zum einen wird damit die Pflanze selbst gemeint, zum anderen die daraus gewonnene Süßigkeit.

Lakritze (Glycyrrhiza glabra)

Bild: Jeansef/wikipedia.fr

Lakritze ist eine Pflanze, die aus dem Mittelmeerraum bzw. Westasien stammt. Hierzulande wird sie oft auch als Süßholz bezeichnet. Ich finde die Verwendung dieses Begriff allein deswegen schon besser, da es Verwechselungen mit der Süßigkeit Lakritze ausschließt.

Als Botanical zur Gin-Herstellung wird die Wurzel des Süßholzes benutzt. Sieht man sich einmal die chemische Zusammensetzung dieser Wurzel an, wird auch sehr schnell deutlich, warum sie sich so optimal eignet.

Wie der wissenschaftliche Name bereits andeutet, enthält die Wurzel das Glycosid Glycyrrhizin. Dieses organische Salz (!) ist ca. 50-fach süßer als Rohrzucker. Hinzu kommen Aromastoffe wie Geraniol oder auch Anethol.  Letzteres sorgt neben der Lakritze auch bei Anis und Fenchel für charakteristische Aromen.

Süßholzwurzel hat, wie so viele andere Kräuter, aufgrund seiner chemischen Zusammensetzung auch Heilwirkung. Es wird neben der Behandlung von Husten bzw. Atemwegsproblemen unter anderem auch wegen seiner antibakteriellen Wirkung eingesetzt.

Paradieskörner (Aframomum melegueta)

Bild: innamoo/FlickR

Aus Westafrika stammt die Pflanze Aframomum melegueta, die zur Familie der Ingwergewächse zählt. Ihre Körner, die landläufig als Paradieskörner bezeichnet werden, findet man allerdings auch unter Bezeichnungen wie Guinea Pfeffer, Meleguetapfeffer oder seltener Malagettapfeffer.

Die Bezeichnung Paradieskörner stammt vermutlich von mittelalterlichen Gewürzhändlern des 15. Jahrhunderts, die durch einen Hauch Religion den Preis künstlich erhöhen wollten. Es wurde die Geschichte verbreitet, dass diese Pfeffersamen im paradiesischen Garten Eden wuchsen und mit den Flüssen in die Welt hinaus getragen wurden. Fakt ist allerdings, dass sich zur damaligen Zeit Gewürze wie Pfeffer aus Afrika großer Nachfrage erfreuten und Paradieskörner als häufiger Ersatz für schwarzen Peffer diente.

Eher nüchtern und wissenschaftlich betrachtet, kann man den würzigen und scharfen Geschmack der Paradieskörner heute auf chemische Substanzen zurückführen, die auch dem Ingwer seine besonderen Noten verleihen.

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