Noch vor einigen Jahren wäre das ein fast unverzeihlicher Fauxpas gewesen: Cognac mit Eis. Die einzige Variante, in der edler Cognac und profane Eiswürfel in einem Gefäß miteinander tolerierbar waren, war bis dato ein Cognac-Cocktail. Die Veränderungen am Getränkemarkt, beziehungsweise in der Getränkekultur sind aber auch nicht spurlos an der wohl traditionellsten aller Edelspirituosen vorbeigegangen.
Cognac versucht derzeit intensiv sich ein neues, jüngeres, zeitgemäßes Image zu verschaffen, neue, zukunftsträchtige Konsumentengruppen anzusprechen und dementsprechend die Präsentationsformen der Produkte zu verjüngen und anzupassen. Bereits seit einigen Jahren erschließen sich unerwartet neue Konsumgruppen in den USA.
Seit die Rap- und Hip Hop-Szene Cognac zum bevorzugten Getränk erhoben hat, steigen die Verkaufszahlen stetig. Beeinflusst von ihren Vorbildern, wie Busta Rhymes, P. Diddy (Pass the Courvoisier, B. Rhymes, featuring Pharrell and P. Diddy, 2001) und anderen Größen der Szene interessiert sich plötzlich ein junges, urbanes, hippes Publikum für das altehrwürdige eau-de-vie aus Frankreich. Und das nicht nur jenseits des großen Teichs. (Bild: Alan Vernon.)
Weniger interessiert ist dieses Publikum allerdings an gemütlichen Abenden im ledernen Lehnsessel vor dem Kamin, wo man den Cognac gepflegt aus großen Schwenkern zelebriert. Diese jungen Leute verbringen ihre Abende in angesagten Hip Hop und R&B Locations, wo möglichst intensiv die Musik und eben auch der Cognac konsumiert wird. Viele Cognac-Häuser haben diese scheinbar nicht kompatible Kultur als Markt erkannt und versuchen langsam dem Trend gerecht zu werden.
Einige Hersteller glauben jedoch, es sei damit getan zu propagieren. Glauben, dass es absolut okay sei, den altbekannten XO plötzlich mit Eis zu genießen. Zwar werden werbewirksam extra große Eis-„Diamanten“ (Formen, die oben Rund und unten wie ein geschliffener Diamant aussehen) entwickelt, das Produkt wurde allerdings nicht an diese Darbringungsform angepasst. Da Eis in einem Drink die Aromen ja bekanntlich verändert, ist es auch etwas schwer nachzuvollziehen, warum ein XO, der schöne, vielschichtige Aromen aufweist, jetzt (weil es hip ist) durch Eis an der Entfaltung derselben gehindert werden soll. So einfach ist ein Imagewechsel nicht zu Stande zu bringen.
Andere Wege geht in dieser Sache das Haus von Francis und Elodie Abécassis. Aus Claix in der Charente stammend, produzieren sie auf 90 Hektar Weine für Cognac in verschiedenen Vermarktungsschienen. Neben dem traditionell gehaltenen Cognac Leyrat (Appellation Fins Bois Contrôllée) gibt es Le Reviseur, der ebenfalls traditioneller ausfällt, und ABK6, die junge Linie des Hauses.
Bemerkenswert sind bereits der Name und die Schreibweise. Wenn man A B K 6 (franz. Six, [sis]) ausspricht, kommt man auf den doch etwas sperrigen Nachnamen der Familie: Abécassis. Dem Vernehmen nach pflegt die Tochter des Hauses ihre elektronischen Kurznachrichten mit diesem Kürzel zu signieren. Daraus einen Markenamen zu machen und damit der Generation web2.0 entgegenzukommen, ist ein cleverer Zug der Familie. Zusätzlich hilft es, die englischsprachigen Weltbevölkerung dazu zu bringen, den Namen halbwegs korrekt auszusprechen [A be kay six]. (Bild: Erhard Ruthner/destille.at)
Neben den klassischen Ausbaustufen den VS, VSOP und XO umfasst die Linie ABK6 auch den Extra und den Ice Cognac.
Ice Cognac by ABK6 (so der offizielle Name) wurde speziell für den Genuss „on the rocks“ konzipiert. Schon das Design überzeugt. Die hohe Flasche ist komplett weiß ummantelt, was in den, oft mit Schwarzlicht gestalteten Räumen der Clubs einen coolen Effekt gibt und trägt die gut leserliche Aufschrift ICE COGNAC. Statt langer Erklärungen oder verschnörkelter Schriftzüge und Logos ist etwas darunter nur der kleinere Schriftzug ABK6 auffallend. Die Erklärung – auf Französisch und Englisch – wie der Cognac eingesetzt werden soll, findet sich auf der Rückseite der Flasche. Hier wird darauf hingewiesen, dass der Cognac speziell für den Genuss auf Eis kreiert wurde. Des Weiteren wird erwähnt, dass es sich um einen „Single Estate Cognac“ handelt, das heißt die Trauben stammen ausschließlich aus den Lagen der Familie Abécassis. Für Enthusiasten sei erwähnt, dass er sich als Appellation Cognac Contrôlée klassifiziert. Die aber wahrscheinlich interessanteste Information ist in der Mitte der Rückseite auf einer Grafik abgebildet. Die Temperatur wird von 18°C absteigend bis 5°C gezeigt und in einer Kurve werden die Aromen dargestellt, die sich entwickeln sollen.
Iced Cognac by ABK6: Die Probe auf’s Exempel
Variante 1:
Ice Cognac (ungekühlt) in einem großen Tumbler mit drei großen, massiven Eiswürfeln.
Erster Eindruck: Da der Cognac noch relativ warm ist, spürt man erst die Fasstöne. Vanille, gepaart mit Röstaromen, am Gaumen hat er durchaus Ecken und Kanten, ohne aber übertrieben scharf zu wirken.
Nach 5 Minuten: Zestige Zitrusaromen treten hervor. Die Vanille ist noch spürbar, aber deutlich gemildert. Das Mundgefühl wird weicher und zugänglicher. Im Finish sind Früchte merklich (Steinobst?)
Nach 10 Minuten: Die Temperatur im Glas ist deutlich runtergegangen. In der Nase kommen keine breiten Aromen mehr zum Vorschein. Eine deutliche Frische ist zutage getreten, was allerdings sicher auch an der Temperatur liegt. Am Gaumen zeigt sich jetzt ein sehr angenehmes Gefühl von Frische, etwas in Richtung Melisse, Minze und weiterhin Zitrus.
Eine tolle Entwicklung dieses eau-de-vie. Wie der Hersteller verspricht, gewinnt er mit zunehmender Kälte viel Profil und wird zum angenehmen, erfrischenden Drink. Auch die abgebildeten Aromen konnten wir größtenteils nachvollziehen.
Variante 2:
Ice Cognac aus dem Tiefkühler in einem großen Tumbler mit drei großen, massiven Eiswürfeln.
Erster Eindruck: Ein optisch schöner Effekt bietet sich, wenn die kalte Flüssigkeit das Glas beschlagen lässt. Die kalte Frische spürt man direkt und es bietet sich eine reiche Nase von Zitrus und Minze, fast wie ein „Fisherman´s Friend”, oder ein Gletscher Eis-Zuckerl. Tolles frisches Mundgefühl und ein weicher, allerdings kurzer Abgang. Ein Partygetränk der besonderen Art.
Alles in allem ein gelungenes Produkt, durchdacht und gut präsentiert. Man darf hoffen, dass aus dieser Limited Edition von ABK6 eine Dauereinrichtung wird. (Bild: Erhard Ruthner/destille.at)



Ich mag die komplette Linie von ABK6. Sie präsentieren sich modern, das gefällt, und ihre Cognacs gefallen durch die Bank. Für Gäste hab ich eigentlich immer den VSOP stehen. Eine gute, beispielhafte Anschauung eines tollen Cognacs.
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Bis auf den ICE. Erstens finde ich, nach wie vor, Eis verdirbt den Charakter, selbst dann, wenn es dafür konzipiert ist. Und Gletschereis kann ich lutschen, muss ich nicht trinken