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Glenrothes und die Frage: Sind Altersangaben noch zeitgemäß?

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Woran erkennt man einen guten Single Malt Scotch? Wenn man diese Frage einem beliebigen Passanten auf der Straße stellt, wird man meistens die sinngemäße Antwort erhalten: „An der Altersangabe auf dem Etikett.“ Und tatsächlich haben die schottischen Destillerien jahrzehntelag nach Kräften das angegebene Alter als ein wesentliches Kriterium für guten Single Malt Whisky beworben.

Bei Blended Scotch, besonders im niederpreisigen Sektor wird auf das Alter schon länger großzügig verzichtet. Die Hersteller wissen längst, dass oftmals das Alter nicht der einzige Faktor für einen guten Whisky sein muss. Dass die Rechnung älter = besser nicht immer aufgeht, findet sich erst in den letzten Jahren im Bewusstsein der versierten Malttrinker wieder. (Bildquelle: tienvijftien)

Nun haben auch Marketingstrategen darauf reagiert und so findet man zunehmend Abfüllungen ohne Alter in den Regalen. Was für amerikanische Whiskies schon längst funktioniert (die verkaufsstärksten Bourbon- und Tennessee-Whiskeys haben normalerweise auch im Premiumbereich keine Altersangabe), kann auch beim Scotch nicht ganz verkehrt sein.

So folgen immer mehr Schotten dem Leitsatz von Jack Daniel´s: „We bottle by taste, not by age!“ Tatsächlich findet man bei genauerem Hinsehen einige bekannte Destillerien, die ihre Single Malts eher Eigennamen als Altersangaben auf die Etiketten schreiben. So manche verzichtet, oftmals erst seit kurzer Zeit, auf genauere Altersbezeichnungen. Ardbeg (Louis Vuitton Moёt Hennessy) hat zwar eine 10 jährige Abfüllung als Basis, der Rest der Reihe wartet jedoch mit klingenden Namen auf: „Uigeadail“, „Corryvreckan“, „Supernova“ etc.

Bruichladdich hat eine enorme Zahl an Abfüllungen (auch mit Alter). Allerdings fällt auf, dass „Rock“, „Peat“, „Waves“, „3D3“ uvm. ohne Alter am Etikett auskommen. Auch Firmen, wie Ian MacLeod verwenden bei „Smokehead“ oder dem Blended Malt The 6 Isles mit Whisky keine Altersangabe. „The IIeach“, Aberlour „A´bunadh“, The Arran Cask Finishes, sowie „Monkey Shoulder“ (ein Blended Malt von Glenfiddich) sind weitere Beispiele.

Zwar ist es für den Verkäufer vielleicht etwas schwieriger dem interessierten Kunden einen solchen Whisky (besonders im höheren Preissegment) näherzubringen, da das Altersargument wegfällt, dennoch ist es grundsätzlich positiv, dass der Geschmack als das Kriterium für einen guten Scotch Single Malt entscheidend sein soll.

The Glenrothes Way

Die Glenrothes Destillierie, malerisch in der Speyside gelegen, hat sich der Idee der Vintage Malts verschrieben. Seit 1994 werden Jahrgangs-Whiskys angeboten, die vom amtierenden Malt Master ausgewählt werden. Der damalige Master John Ramsay hat die erste Abfüllung, einen 1979 destillierten Whisky ausgewählt, der in einer Auflage von knapp 50.000 Flaschen produziert wurde.

Die besondere Herausforderung an den Malt Master bestand und besteht heute noch darin Fässer auszusuchen, die für die Zusammenstellung des Whiskyjahrgangs ideal gereift sind. Da es sich nicht um Single Cask Abfüllungen handelt, aber nur ein Jahrgang herangezogen wird, eine schwierige Aufgabe. Die Prämisse dabei ist, dass nicht die Jahre der Reifung entscheidend sind, sondern die Reife an sich. Daher wird bei der Auswahl ein Jahrgang festgelegt, von welchem ausreichend Fässer vorhanden sind, die verwendet werden können. Auf der Flasche wird auch zunächst nur der Jahrgang an prominenter Stelle angegeben. Das Alter kann der Konsument allerdings auch ausrechnen, da kleingedruckt auch das Abfüllungjahr aufscheint. Trotzdem zählt Glenrothes mit diesem Konzept zu den Destillerien, die sich von der strikten Einhaltung einer willkürlich festgelegten Altersangabe losgesagt haben und ihren Whisky nach anderen Kriterien abfüllen. (Bildquelle: Yvescosentino)

Glenrothes 1998, bottled 2011 (13 years)

Für diese Abfüllung zeichnet sich erstmals Gordon Motion verantwortlich. Er ist seit 2009 Malt Master und Nachfolger von John Ramsay, der dieses Amt vom 1994 bis 2009 innehatte. Die runde, einer klassischen Sampling Bottle nachempfundene Flasche von Glenrothes fällt auf. Ebenso, dass sie nicht in einem geschlossenen Kartonmoder einer Blechbüchse, sondern zu zwei Seiten offen in einer Kartonage geliefert wird, garantiert einen gewissen Wiedererkennungswert. Unter dem Schriftzug mit dem Destillierienamen findet sich rechts in großen Lettern der Jahrgang 1998. Daneben eine Beschreibung des Charakters in einer Schreibschrift, darunter die Unterschriften der jeweiligen Malt Master zur Zeit der Destillation und der Auswahl der Fässer.

In der Nase dominieren brotige und fruchtige Noten. Grüner Apfel, Vanille, allerdings ist anfangs etwas Alkohol spürbar. Mit zunehmendem Sauerstoff entfaltet sich eine angenehmer Duft nach Nuss und getrockneten Früchten (Studentenfutter).
Beim Kosten kommen zunächst die Trockenfrüchte wieder, etwas grasige Noten gesellen sich dazu. Der Körper ist schlank, ein bisschen Schärfe durch den Alkohol ist spürbar. Das Finish ist trocken, würzig und relativ kurz. Eine Idee von Mandeln bleibt am Gaumen.

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3 Kommentare für Glenrothes und die Frage: Sind Altersangaben noch zeitgemäß?

  1. Dennis Neumann 19. Januar 2012 zu 14:09 #

    Hallo Hr. Ruthner,
    wenn ich auch sonst den meisten Berichten aus diesem Blog zustimmen kann muss ich mich zu diesem Thema melden da ich Ihre Einschätzung nicht teilen kann:

    Blended Scotch im niedrigpreisigen Sektor hat vor allem deshalb keine Altersangabe weil dort auch sehr sehr junge Whiskies (ab 3 Jahren Fassreife gilt das Destillat als Whisky) zum Blenden verwendet werden und man als Altersangabe lt. Gesetz den jüngsten Whisky als Referenz nehmen muss.
    Das sich die Hersteller dann natürlich keine 3, 4 oder 5 Jahre als Alter auf die Flasche schreiben wollen macht Sinn wenn man die „Konkurrenz“ Single Malt anschaut die oft mit einer Standardabfüllung 10 Jahre bwz. 12 Jahre „punkten“ kann; das sich hier aber auch nicht jeder Blend danach richtet zeigen Ausnahmen wie der tolle Bailie Nicol Jarvie (Altersangabe 8 Jahre).

    Im mittleren bis hohen Preissegment gibt aber auch genug Blended Scotch mit Altersangaben da es sich dort wieder „lohnt“ mit dem Alter zu werben; Beispiel Cutty Sark 25, Ballentines 21, Campeltown Loch 21, Dewars 12 + 18, u.s.w.

    Die von Ihnen genannten Distillerien Bruichladdich oder auch Ardbeg haben viele Whiskies ohne Altersangabe im Sortiment einfach aus dem Grund da sie erst nach 2000 wiedereröffnet wurde und sich folglich keine ausreichenden Mengen älterer Whisky in den Lagerhäusern befindet um ältere Single Malts in großen Stückzahlen und vor allem regelmäßig anzubieten (was bei Standardabfüllungen der Fall sein sollte).

    Die von Ihnen genannten Bruichladdich Abfüllung Waves, Peat, Rocks, aber auch Ardbeg Rollercoaster, Uigeadail, Alligator u.s.w. sind meiner Meinung nach vor allem dazu da Kosten zu decken bis es genug gereifte Fässer gibt um Standardabfüllungen auch mit hohem Alter anzubieten.

    Ich teile aber voll und ganz Ihre Meinung das das Alter nicht zwingendermaßen etwas über die Qualität des Whiskies aussagt; es gibt genug junge Whiskies die hervorragend schmecken und Ältere die wohl nicht umsonst so lange von niemandem angefasst wurden 😉

    Wobei jeder natürlich einen anderen Geschmack und Vorlieben hat!

    Gruß
    Dennis Neumann

  2. kallaskander 19. Januar 2012 zu 14:21 #

    Hi there,

    ein wesentlicher Aspekt dieser Betrachtungen fehlt. Eigentlich zwei: Schnelles Geld und Verfügbarkeit.

    Die jungen malts mit Eigennamen statt Altersangabe werden eben auch schnell rausgehauen um den cash flow zu verbessern und nicht 10-12 Jahre warten zu müssen bis man einen reifen whisky verkaufen kann.

    Nach wie vor schreiben die Konzerne in deren Besitz die distilleries sind gerne 10 Jahre aufs Etikett, 12 noch lieber und am liebsten 30 Jahre – denn dann gibt es richtig Geld.

    Daß man nicht gerne Zahlen unter 10 Jahren angibt, sondern lieber fancy names erfindet, ist so eine Art Aberglaube in der schottischen whisky Industrie. Zwei malts gab es, die stolz ein Alter unter 10 Jahren trugen, der Littlemill 8 und der Glen Garioch 8 Jahre.

    „Schuld“ an dieser Praxis, die heute so in Mode ist, sind junge oder nach Jahren des Stillstands wieder eröffnete distilleries, die schnell Geld verdienen mußten um wirtschaftlich zu überleben. Arran, Bruichladdich und ja, auch Ardbeg. Edradour in gewsisser Weise und auch Benromach, sowie Benriach und Glendronach. Glenglassaugh würden, wenn sie könnten und man wird sehen, was bei Tamdhu passieren wird.

    Damit sind wir bei der Verfügbarkeit. 10 Jahre dauert es, bis man einen malt hat der als Standard bezeichnet werden kann, mindestens drei bis man überhaupt whisky zum verkaufen hat. Jahre des Produktionsausfalls sind da nicht hilfreich.

    Daher gilt bei allen fancy name malts, daß der Kern, das Herz der Abfüllung irgendwo zwischen 5 und 7 oder 8 Jahren liegt.
    Da macht nur der Octomore oder die Kilchomans keinen Hehl draus, auch die PCs geben ihr wahres Alter an.

    Da der jüngste für die Abfüllung verwendete whisky das Alter auf der Flasche bestimmt, müßt Ardbeg beim Alligator vielleicht 5 years old drauf schreiben. Würde er dann so reißend Absatz finden, trotz der Faßstärke? Vielleicht nicht, obwohl sich alles was Ardbeg heißt verkauft wie geschnitten Brot, egal was sie da zusammenrühren.

    Ich halte diese fancy name whiskies übrigens für dem Prinzip nach unehrlich.
    Denn meist werden viel ältere Fässer beigememischt, um den Jungspund trinkbar zu machen und sein Niveau, sein Bouquet, Körper und Geschmack zu heben.
    Im Gegenteil wird uns das dann als neuer, hervorragender jugendlicher Glenbegdichaugh verkauft…obwohl die Klasse, die diese malts durchaus haben können, nicht von ihrer Jugend allein stammt sondern häufig von der Hilfestellung weit älterer Brüder im Fasse, die da gewaltige Nachhilfe geben.

    Dann für einen getunten, aber im Kern jugendlichen whisky 60-70 € zu verlangen ist schon frech.

    Greetings
    kallaskander

  3. Erhard Ruthner 19. Januar 2012 zu 16:32 #

    Liebe Whiskyfreuende,
    im Prinzip stimmt es schon, dass Destillerien ihren Cash Flow mit jungem Whisky aufbessern, obwohl einige darunter auch Bruichladdich und Ardbeg durchaus einen schönen Lagerstand an alten Whiskies aufweisen. Ein Loch in der Versorgung ist allerdings nicht auszuschließen. (Es verschwinden ja auch von anderen Destillerien immer wieder zeitlich begrenzt gewisse Abfüllungen – siehe Talisker 18y) Bruichladdich hat in der Vergangenheit durchaus auch kürzere Lagerzeiten angegeben, die erste Version des Waves weist 7 Jahre als Altersangabe aus. Natürlich ist es legitim bei Abfüllungen, wie dem Octomore das Preis-Leistungsverhältnis zu hinterfragen. Kilchoman hat natürlich keine andere Wahl als jeden Release zu Geld zu machen, da sie erst seit 2005 arbeiten. Glenglassaugh geht einen interessanten Weg um an Geld zu kommen. Dort kann man ein Quatercask New Make kaufen und bis zu 7 Jahre lagern lassen und anschließend eine eigene Abfüllung bekommen.
    Vielen Dank für euren Input.

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