Abgeleitet von Tonikum fand Tonic Water besonders im 19. Jahrhundert vor allem für eines Verwendung, nämlich als Stärkungsmittel. Angereichert mit der kristallinen, organischen Verbindung Chinin sorgt Tonic Water seit jeher als Schutz vor Malaria. Moderne Tonic Waters wie Fever Tree, Thomas Henry oder auch Schweppes haben jedoch mit dem ursprünglichen Heilmittel nicht mehr viel gemeinsam.
Heutzutage konsumiert man Tonic Water in erster Linie im bekannten Longdrink Gin & Tonic. Die medizinische Wirkung des Tonics spielt dabei jedoch keine Rolle mehr, was mit der modernen Zusammensetzung jener Wässer auch keinen großen Sinn machen würde.
Vom Heilmittel zum Sommerdrink
Ursprünglich als Heilmittel gegen Malaria angewandt, gehörte es zeitweise zur Standardausrüstung der britischen Kolonialisten in Indien und Afrika. Im Gegensatz zur süßen, heutigen Variante bestand damaliges Tonic Water jedoch ausschließlich aus kohlensäurehaltigem Wasser und Chinin. Bedenkt man, dass bereits geringe Chinin-Mengen in heutigen Tonics für einen deutlich bitteren Charakter sorgen, kann man sich vorstellen wie bitter und abstoßend damaliges Tonic Water schmeckte. Einigermaßen erträglich und “trinkbar” machten es die britischen Besatzer, indem sie es mit heimischen Gin vermixten. Wie die meiste Medizin war auch Tonic Water aufgrund seiner Zutaten nicht gerade ein Genussmittel. Dafür sorgte das Alkaloid Chinin.
Bereits in der Mitte des 17. Jahrhunderts brachten Mitglieder des Jesuitenordens ein weißes Pulver von ihrer Reise nach Peru nach Europa. Dortige Landarbeiter bekämpften Fieber angeblich erfolgreich mit der Rinde eines gewissen Baumes. Das Gewächs wurde später bekannt als Chinarindenbaum, das “Jesuitenpulver” als Chinin.
Chinin vs. Malaria = 1 : 0
Durch den einzelligen Parasiten der Gattung Plasmodium, der über den Stich mancher Anopheles-Mücke übertragen wird, kommt es zu einem komplexen Krankheitsbild aufgrund des Befalls der roten Blutkörperchen. Nicht selten führte und führt dies bei Nichtbehandlung zum Tod. In hohen Konzentrationen unterbindet Chinin jedoch gewisse Stoffwechselvorgänge in Zusammenhang mit Malaria, was den Heilungsprozess durchaus unterstützen kann.
Es ist jedoch ausgeschlossen, dass die heutige Verwendung von Chinin als bitterer Aromastoff in Tonic Water oder Bitter Lemon vor Malaria schützen könnte. Dafür ist die enthaltene Chinin-Konzentration zu gering. Ein Gin & Tonic hat daher heute nur noch einen Zweck: Genuss.

- Bild: Chinin; Bildquelle: Liaocyed/wikicommons
Wie bereits geschrieben, haben heutige Tonic Water fast nichts mit dem ursprünglichen Heilmittel der britischen Besatzer gemeinsam. Zwar verwendet man nach wie vor kohlensäurehaltiges Wasser und Chinin, letzteres aber in deutlich geringeren Mengen. Schließlich zählt heute dessen Aroma und nicht dessen Heilkraft.
Aber nicht nur unterscheiden sich moderne von früheren Tonics, auch die heutigen variieren untereinander dank verschiedener Zutaten immens. Eine handvoll jener Wässer steht dabei dem deutschen Markt zur Verfügung, die im folgenden auf ihre Gin & Tonic-Tauglichkeit getestet wurden.
Natürlich ist es unmöglich für ein solches Tasting jeglichen Gin im Gin & Tonic zu verkosten. Die Zahl verfügbarer Gins ist dafür einfach zu hoch. Für diesen Vergleich beschränkte ich mich daher auf einen Gin, der meiner Meinung nach die typischen, klassischen Aromen eines Gins in hoher Qualität zeigt: The Botanist Islay Dry Gin. Verkostungen mit Destillaten, deren Aromenprofil deutlich anders ist, harmonieren natürlich auch anders mit den jeweiligen Tonics. Auch hier entscheidet schlussendlich die Subjektivität.
Der Tonic-Vergleich
1724 Tonic Water
Das spanische 1724 Tonic Water war eines der angenehmsten Tonics beim Purgenuss. Ein deutliches Pfirsicharoma verlieh ihm eine gewisse Frische und einen hohen Wiedererkennungswert. Leider ging dieses Aroma sowie jegliche andere Noten in Verbindung mit Gin, vor allem mit dominanter Wacholdernote, sehr schnell unter. Der 1724 gab dem Gin & Tonic zwar noch eine gewisse Süße, aber recht harmonieren wollte er nicht.
Thomas Henry Tonic Water

- Bildquelle: Thomas Henry GmbH & Co. KG
Das Tonic Water des Berliner Unternehmes Thomas Henry ist für mein Empfinden ein passabler Tonic in Kombination mit wacholder-intensivem Gin. Zwar setzte er sich geschmacklich sowie mit seiner Bitternote nicht markant durch, ergänzte jedoch die Aromen des Gins auf interessante Weise. Auch hier finde ich persönlich den Purgenuss des Thomas Henry Tonic Water empfehlenswerter.
Fever Tree Tonic Water
Fever Trees Tonic ist knapper Favorit in diesem Tasting-Vergleich. Der Grund liegt in den komplexen Aromen, die sich trotz intensiven Gin-Aromas deutlich hervorhoben und durch subtile Süße und Bitterkeit hervorragend ergänzten. Kleines Manko des Fever Trees, welches im die volle Punktzahl versagte, war die geringe Kohlensäure.
Fentimans Tonic Water
Das Tonic Water von Fentimans zeigte sich pur sehr zitronig und nur wenig bitter. Zwei Eigenschaften, die mit dem genannten Gin optimal harmonierten, jedoch etwas mehr Aromenfülle vermissen ließen.
Schweppes Indian Tonic Water
Im deutschsprachigen Raum als gängistes Tonic Water bekannt, liefert Schweppes in einem Gin & Tonic eine Menge Kohlensäure. Kein anderes Tonic bringt mehr Frische ins Glas. Jedoch bringt fast jedes andere Tonic mehr Aromen ins Glas. Und so liegt Schweppes, bedingt durch viel Kohlensäure und intensiv bitteren Noten, im guten Mittelfeld.
Thomas Henry, Fever Tree, Fentimans und 1724 Tonic Water wurden für dieses Tasting von trinkpaket.de zur Verfügung gestellt. Wer weitere Meinungen zu Gin & Tonic-Varianten lesen möchte, dem seien die Tonic- und Gin & Tonic-Tastings auf trinklaune.de empfohlen.









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