Rum-Logistik ganz im alten Stil. Diesen Vorsatz hatten Arjen van der Veen, Jorne Langelaan und Andreas Lackner im Jahr 2000. Rum sollte dabei wie vor 200 Jahren von der Karibik per Segelschiff nach Europa gebracht werden. 2009 stachen die drei erstmals gen Hispaniola in See. Erhard Ruthner über die Seefahrt im Piraten-Stil.

- Bildquelle: savagecat
Die Geschichte von Tres Hombres beginnt im Jahr 2000. Drei abenteuerlustige, junge Männer heuerten auf dem Dreimaster Europa, der über den Atlantik nach Südamerika unterwegs war, als Schiffsjungen an. Die beiden Niederländer Arjen van der Veen, Jorne Langelaan und der Österreicher Andreas Lackner waren nicht nur von der Reise und dem Segeln fasziniert, sondern ihnen kam auch die Idee, dass es doch möglich sein müsste, wie vor 200 Jahren, komplett ohne den Ausstoß von CO2 Waren aus der Karibik nach Europa bringen zu können.
Die Idee reifte nach ihrer Rückkehr weiter und so bahnte sich eine kleine Revolution auf dem Rum-Markt an. Tatsächliche dauerte es noch einige Zeit diese Vision wahr werden zu lassen. Schließlich fanden die drei ein Schiffswrack und beschlossen ihre Idee in die Tat umzusetzen.
Da sie allerdings nicht über ein großes Budget verfügten, suchten sie sich die Öffentlichkeit. Die Idee kam so gut an, dass es möglich war in 160 000 Arbeitsstunden unter Mithilfe von ca. 150 Freiwilligen aus aller Welt das Schiff in 9 Monaten Arbeit buchstäblich von der Planke wieder aufzubauen. Im Dezember 2009 erstrahlte die 32m lange Schonerbrigg „Tres Hombres“ in neuem Glanz und war endlich bereit zum Auslaufen.
Nach erfolgreichen Testfahrten war die „Tres hombres“ bereit für die langersehnte Überfahrt. Als sich am 12. Jänner 2010 die große Erdbebenkatastrophe in Haiti ereignete, reagierten die Jungs sofort. 10 Tage später lief das motorlose Schiff mit 35t Hilfsgütern in Richtung Karibik aus. Nach einer problemlosen Überfahrt wurde die Ladung in Port-au-Prince gelöscht und man konnte sich dem eigentlichen Zweck der Reise widmen, dem Einkauf von Rum. In Hispanola, auf dem Teil der Insel, der die dominikanische Republik bildet, wurden sie fündig. Da sie kurz davor auf eine sehr große Welle aufgefahren war, war der Vormast gebrochen und musste repariert werden Kapitän Andreas erkundete einstweilen die Insel und fand schließlich die Destillerie Mardi.
Der Rum: Tres Hombres Gran Añejo 2010
Mardi produziert bei Santo Domingo Rum in höchster Qualität. Andreas hat sich für die erste Tres Hombres Abfüllung einen 8 Jahre im Soleraverfahren gereiften Rum entschieden. Dieser wurde von Hand mit einem eigenen Label versehen, bevor die 3000 Flaschen starke Erstauflage verschifft wurde. So beladen machte sich die „Tres Hombres“ als erster segelnder Rumrunner des neuen Jahrtausends auf den Weg zurück nach Holland. Seit Juli 2010 war die erste Auflage in Deutschland erhältlich.
In Mund & Nase

- In diesen Kartons wird der Tres Hombres Rum nach Europa gebracht; Bildquelle: Erhard Ruthner
Zunächst zeigt sich eine deutliche Melassesüße, danach umspielen Noten von reifen Früchten, Vanille und Kakao vielschichtig die Nase. Am Gaumen gesellen sich zu Kakao und Vanille noch schöne Röstaromen und feine Gewürze, etwa Zimt, Kardamom und weißer Pfeffer. Der Abgang ist weich, feine Anklänge von Holz und eine leichte, aber nicht störende Adstringenz bleiben zurück.
Im Jahr 2011 ist die Tres Hombres bereits ein zweites Mal in die Karibik gereist und hat diesmal bereits 5000 Flaschen bei Mardi geladen. Wiederum ist es ein achtjähriger Solerarum, der geschmacklich nahtlos an die Version von 2010 anschließt. Übrigens ist bei einer Auflage von 15000 Flasche pro Fahrt Schluss – mehr passt in das Schiff leider nicht rein!
Derzeit ist die „Tres Hombres“ wieder in der Karibik unterwegs. Allerdings ist dieses Mal geplant den Rum in Grenada zu besorgen, so dass die Version 2012 wahrscheinlich einen schönen geschmacklich Unterschied bieten wird. Insofern darf man gespannt sein, welche Rumspezialitäten in Zukunft von Bord der „Tres Hombres“ gelöscht werden und welcher Rumgenuss mit Umweltgedanken möglich sein wird.







Interessanter Artikel. Hier verbinden sich offensichtlich der guter Zweck, Selbstverwirklichung und gutes Marketing. Selbst habe ich den Rum nicht verkostet, bin aber schon lange Liebhaber Dominikanischer Rums.