Woodford Reserve New Cask Rye im Test

Selten bekommt man die Gelegenheit zwei nahezu identische Whiskeys zu probieren, bei denen lediglich die Fässer den Unterschied machten. Die kürzlich veröffentlichten Abfüllungen von Woodford Reserves Rare Rye Selection gaben mir die Möglichkeit zwei 100% Roggen-Whiskys aus Kupferbrennblasen zu verkosten. Der eine in neuen Eichenfässern gereift, der andere in Refill-Fässern. Den Verkostungsanfang machte der Woodford Reserve New Cask Rye.

Vor wenigen Wochen las ich über diverse Gewinnspiele verschiedener Online-Magazine, bei welchen 2 Rye Whiskeys von Labrot & Graham, dem Hersteller des Woodford Reserve, verlost wurden. Streng limitiert und nicht im Handel erhältlich gehören diese beiden Abfüllungen daher wahrscheinlich eher in die Sammler- und Raritäten-Schublade.

Sehr interessant finde ich jedoch das Konzept hinter diesem Whiskey-Doppelpack. Zwei Whiskeys, die dieselbe mash bill, nämlich 100% Roggen, haben und beide in Kupferbrennblasen 3-fach destilliert wurden. Auch sonst war bei beiden Destillaten alles identisch, bis auf die Reifung in Eichenfässern. Es erinnert etwas an das Buffalo Trace Single Oak Project.

Der hier verkostete Woodford Reserve New Cask Rye fristete dabei, wie sein Name bereits sagt, eine gewisse Zeit in neuen Fässern aus amerikanischer Weisseiche.

Degustation des Woodford Reserve New Cask Rye

Bereits bei der Farbe machte sich das neue, ausgebrannte Eichenfass bemerkbar. Die Farbe war um einiges dunkler als beim New Aged Rye und zeigte sich in goldbraun.

Der Woodford Reserve New Cask Rye brauchte für mein Empfinden einige Zeit Ruhe bevor er in der Nase zeigte, was er kann. Beginnt man jedoch unmittelbar nach dem Einschenken mit dem Nosing, überlagern Alkoholnoten noch das ein oder andere Aroma. Sehr positiv ist die Vielzahl an Aromen in der Nase. Dabei hat man vor allem eine gewisse Würzigkeit durch den Roggen und eine leichte Süße, die an Brot erinnert, das man schon längere Zeit im Mund hat. Und auch wenn hier eine auffallende Komplexität vorhanden war, konnte ich den typischen Rye-Charakter nur schwer entdecken.

Im Mund zunächst süßlich zeigten sich nach einer Weile deutliche Lakritz- und Holz-Noten. Aber auch hier präsentierte sich der Woodford Reserve New Cask Rye aus geschmacklicher Sicht als eher unkonventioneller Rye-Whiskey.

Positiv war schließlich der Nachklang, der recht lange süßliche Karamell-Noten am Gaumen hinterließ.

Details:

Art: Kentucky Straight Rye Whiskey

Alter: k.A.

Alkohol: 46,2 %Vol.

Region: Kentucky/U.S.A.

Bottler: Labrot & Graham/Brown-Forman

Fazit: 7/10 Punkten

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4 Responses to Woodford Reserve New Cask Rye im Test

  1. Petra Milde 21. Februar 2012 zu 13:36 #

    Sie schreiben “Bereits bei der Farbe machte sich das neue, ausgebrannte Eichenfass bemerkbar”. Heißt das also, dass der Whiskey ungefärbt ist? Sonst ist die Farbe ja nicht unbedingt ein Indikator. Die Info konnte ich leider bisher nirgends im Netz finden. Steht etwas auf der Flasche?

  2. Patrick Seidel 21. Februar 2012 zu 17:07 #

    Beide haben 46,2%vol. alc. und nicht wie die hier angegebenen 40% vol. alc.. Guter blog, aber was ist mit geschmacklich unkonventionell gemeint? In der Nase Würzigkeit vom Roggen und dann kein typischer Rye Charakter?

  3. Philip Reim 21. Februar 2012 zu 18:25 #

    @ Petra
    Rye Whiskey darf ähnlich Bourbon Whiskey nach amerikanischer Rechtslage keinen Farbstoff enthalten. Auf der Flasche steht daher auch nichts darüber, da es unnötig wäre, es zu erwähnen.
    Aber Sie haben Recht: Wenn Farbstoff im Spiel wäre, würde die ganze Geschichte farblich völlig uninteressant sein.

    @ Patrick
    Das mit dem 46,2 %Vol. stimmt. Hatte es überlesen. Danke!
    Rye Whiskeys können zwar sehr verschieden sein, haben aber dennoch ein typisches Aromenprofil. Ich fande aber, dass der Woodford Reserve New Cask eben dieses bekannte Profil eines Rye Whiskeys nicht hatte. Dies soll nicht negativ sein, sondern bloß eine Feststellung.
    Wenn Sie noch keine Gelegenheit hatten den New Cask zu probieren, kann ich Ihnen gerne ein Sample schicken. Vielleicht finden Sie ihn ja auch unkonventionell :)

  4. Patrick Seidel 21. Februar 2012 zu 22:09 #

    Vielen Dank, aber machen sie sich keine Mühe, mir eine Probe davon zukommen zu lassen. Finde den Blog sehr interessant und es wäre schade um das Produkt, es mit 40% Vol. Alc. hier verkümmern zu lassen, da sie sonst so sehr auf die Details achten, wie mir schon in vielen ihrer Artikel aufgefallen ist. Gerne weiter so, auch mit der konstruktiven Kritik; sonst wäre es wohl auch etwas zu langweilig und die “Drinks” etc. könnte ich dann auch abonieren.

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