Mit der Verkostung des Lillet Rouge ist die Lillet-Serie vorerst beendet. Nachdem ich allerdings vom Lillet Rosé und vor allem vom Lillet Blanc ziemlich begeistert war, finde ich dies auf der einen Seite Schade, auf der anderen bin ich gespannt, ob man sich in Podensac, Frankreich bei Lillet in naher Zukunft was neues einfallen lässt. Interessant wäre es auf jedenfall.
Es ist schwer unvoreingenommen an eine Verkostung heranzugehen, wenn die beiden Vorgänger-Produkte bereits sehr überzeugten. Dies bedeutet, dass die Erwartungshaltung gegenüber dem Neuen relativ hoch ist.
So war es auch beim Lillet Rouge, dessen Verwandte Lillet Blanc und Lillet Rosé vor einiger Zeit auf Eye for Spirits verkostet wurden.
Die Basis des Wein-Aperitifs Lillet Rouge bilden Merlot- und Cabernet Sauvigon-Trauben. Bis jetzt ist es allerdings “nur” Wein, also wird noch mit einigen Zutaten verfeinert, um einen Wein-Aperitif zu erhalten. Dabei werden die Schalen von Curacao Orangen, Rohrzucker, Chinarinde, Sternanis und Bourbon-Vanille verwendet. Anschließend erfolgt im Eichenfass eine mehrmonatige Reifung.
Während die ein oder andere Zutat bei der Verkostung jedoch etwas untergeht, sticht so manch andere Ingredienz deutlich hervor.
Degustation des Lillet Rouge
Farblich zeigte sich der Lillet Rouge in intensivem Dunkelrot. Zusätzlich hatte ich den Eindruck, dass der Wein-Aperitif beim Schwenken im Glas recht schwerfällig ist.
In der Nase hatte der Lillet Rouge meiner Meinung nach aus aromatischer Sicht am meisten zu bieten. Neben dem dominanten Trauben-Aroma kamen hier vor allem diverse Gewürznoten durch, die an Glühwein erinnerten. Zusätzlich zeigten sich ein auffallend erdiges Aroma sowie Orange- und Kirsch-Noten.
Im Mund empfand ich den Lillet Rouge als relativ trocken und herb. Allerdings wurde dies durch eine gewisse Süße und den Aromen von Orange, Zimt und Muskat aufgelockert. Wie bereits beim Schwenken des Glases, so hatte ich auch im Mund den Eindruck, dass der Lillet Rouge relativ schwerfällig erscheint. Zusammen mit dem süßlichen Charakter geht er für mich daher schon fast in Richtung Digestif und weniger Richtung Aperitif.
Der Nachklang, den der Lillet Rouge am Gaumen hinterließ, war süßlich-herb und recht langanhaltend.
Details
Art: Weinaperitif
Alter: k.A.
Alkohol: 17 %Vol.
Preis: ~ 15 €
Region: Podensac /Frankreich
Bottler: Lillet Frères/Pernod Ricard
Fazit: 8/10 Punkten


Ein Ingredient scheint übersehen geworden sein: Neutral Sprit – 17% abv kommen nicht von der Fermentation.
Ausserdem ist eine Klassifizierung so eine Sache. Wie “chunked” man Vermouth, Sherry, Port und andere “Fortified Wines” zusammen?
Normalerweise würde ich hier Wein-Aperitifs nennen: jedoch Cream Sherry, P.X. und Moscatel Sherries, Ruby Ports, LBV’s und Vintage Ports, Roter Wermut – und viele andere sind keine Aperitifs. Sie sind eher Digestifs.
Ich schaue manchmal gerne darüber hinweg, um es nicht schwieriger zu machen, als es eh schon ist. Also Wein-Aperitifs, die nicht unbedingt Aperitifs sind…