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7 Kater-Lügen und die Wahrheit dahinter

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Große Trinkweisheiten gehören ebenso zu unserer Kultur wie der Alkohol selbst. Viele dieser großen Worte beziehen sich dabei auf den Tag danach, also jene Stunden oder Tage, an denen man verflucht zu viel getrunken zu haben. Einige dieser Weisheiten, die angeblich Abhilfe bei einem Kater schaffen sollen, möchte ich im Folgenden genauer unter die Lupe nehmen.

Bildquelle: Wednesday Elf – Mountainside Crochet

Im Artikel „Wie entsteht ein Kater?“ hatte ich bereits vergangenen November beschrieben, welche Abläufe im Körper dafür sorgen, dass man am Tag nach zu viel Alkoholkonsum an Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel etc. leidet. Für die einen ein Zeichen von „Coolness“, für die anderen die verfluchte Konsequenz eines zu langen Abends gibt es einige Weisheiten, bei denen so manche recht sinnfrei erscheint. 7 davon möchte ich Ihnen vorstellen.

1. Ein Kater ist keine große Sache

Sieht man die Vergiftung seines eigenen Körpers als harmlos an – stimmt – dann ist ein Kater keine große Sache. Ethylalkohol C2H5OH ist als Reinstoff Nervengift, das heißt, dass sich Nerven- und Hirnzellen nicht besonders freuen, wenn Alkohol diverse physiologische Prozesse stört.

Hinzukommt, dass die Abbauprodukte von übermäßigem Alkohol wie z.B. Acetaladheyd diverse Organe schädigen und die verursachte Dehydrierung zu Kopfschmerzen führt.

2. Nur ein Besäufnis führt zum Kater

Prinzipiell führt ein Besäufnis schneller zum Kater, ist allerdings nicht der einzige Weg. Jeder Körper hat seine Eigenheiten und reagiert folglich etwas anders auf Alkohol. So kann bereits bei der ein oder anderen Person schon wenig Alkohol zu Kater-Erscheinungen am nächsten Morgen führen. Um dies weitmöglichst zu vermeiden, sollte man zwischen den wenigen Drinks ausreichend nicht-alkoholische Flüssigkeit zu sich nehmen.

3. Von Wein bekommt man keinen Kater

Dass das ein oder andere alkoholische Getränk einem keinen Kater verschaffen kann, ist wohl eine der sinnlosesten Aussagen in diesem Zusammenhang. Sobald ein Getränk Alkohol enthält und dieses übermäßig konsumiert wird, legt der Alkohol im Körper mit seiner Arbeit auch gleich los.

Zusätzlich führen Getränke, die zusätzlich zum Alkohol viele Aroma-Stoffe enthalten, in vielen Fällen zu ausgeprägteren Kater-Symptomen, da der Körper zusätzlich zum Alkohol mit dem Abbau diverser anderer Verbindungen beschäftigt ist und dadurch Ressourcen verbraucht.

4. Bier auf Wein, das lass sein!

Dieser Ausspruch ist ähnlich sinnfrei wie „Von Wein bekommt man keinen Kater“. Die Vollversion des Satzes „Bier auf Wein, das lass sein! Wein auf Bier, das rat‘ ich dir!“ ist demnach nicht gehaltvoller. Warum auch? Beide Getränke enthalten Alkohol und dem Körper ist es relativ egal mit welchem Getränk er zuerst fertig werden muss, die Gesamt-Alkoholmenge ändert sich ja nicht.

Mir persönlich erscheint dieser Satz als Stammtisch-Weisheit, bei dem man unbedingt einen Reim haben wollte. Genauso gut hätte es „Bier auf Wein, hau’s dir rein!“ lauten können.

5. Alkohohl fördert den guten Schlaf

Den Schlaf vielleicht, den guten aber nicht. Zwar hilft Alkohol vielen Personen müde zu werden und einzuschlafen, die Schlaf-Qualität leidet allerdings darunter. Der Grund: man hat weniger Tiefschlafphasen.

Hat man es zudem übertrieben, wird man sowieso schnell und unsanft aus dem Schlaf gerissen, da sich die Kater-Symptome bemerkbar machen.

6. Hangover-Cocktails oder Muntermacher helfen gegen Kater

Dies ist wahrscheinlich die dämlichste „Weisheit“ im Zusammenhang mit einem alkoholischen Kater. Anti-Kater-Getränke wie der Corpse Reviver und andere sind zwar an sich ausgezeichnete Getränke, aber gegen einen alkoholischen Kater so sinnvoll wie Benzin zur Bekämpfung von Feuer.

Abgesehen dessen, dass die meisten Personen mit Kater alkoholische Getränke selbst mit Mühe und Not nicht schlucken könnten, reicht schon der gesunde Menschenverstand, um zu erkennen, dass die Abbauprozesse gegen Alkohol nicht mit noch mehr Alkohol gefördert werden können.

7. Kaffee hilft gegen Kater

An sich schaden warme Getränke bei einem Kater nicht. Das Problem bei Kaffee liegt allerdings in der dehydrierenden Wirkung. Durch den Alkohol selbst und im Zuge der resultierenden Abbauprozesse verliert der Körper bereits zu viel Wasser, Koffein fördert dies zusätzlich. Am besten ist es auf Wasser zurückzugreifen und den Flüssigkeits- und Elektrolytmangel auszugleichen.

 

Natürlich gibt es auch Fakten zur Bekämpfung der Symptome von übermäßigem Alkoholkonsum. Besinnt man sich aber auf den Genuss von Alkoholika, erübrigt sich die Kater-Problematik ohnehin.

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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9 Kommentare für 7 Kater-Lügen und die Wahrheit dahinter

  1. Uncle Hut 29. Juni 2012 zu 08:49 #

    Bett und Zwiebelsuppe sind perfekt gegen den Kater danach 🙂
    Wenn man es schafft direkt vor dem schlafengehen noch eine Kopfschmerztablette einzunehmen, halten sich diese am nächsten Tag auch in Grenzen

  2. Patrick 29. Juni 2012 zu 17:59 #

    Ich meine einmal gehört zu haben, dass sich der Spruch von Nr. 4 darauf bezog, dass Wein früher als das Getränk der „besseren“ Leute, wohl des Adels und Klerus, galt bzw. dies auch war, während Bier das Getränk des „gemeinen Volks“ war.

    Und nun sollte man sich mit dem Armeleutegetränk Bier nicht den Geschmack des vermeintlich edleren Weins zerstören.

  3. Philip Reim 29. Juni 2012 zu 18:40 #

    Das ist mir neu. Aber der von dir beschriebene historische Hintergrund würde mehr Sinn machen als der im Text genannte.

  4. Pfisterer Franz Josef 30. Juni 2012 zu 19:39 #

    1989 war ich auf Martinique und bin mit dem dortigen Rum in Verbindung getreten. Der „day after“ war der „day before“. Keine Schäden davon getragen. Kater war einfach nicht.

    Sonderbar.

    Bekannte machten die selbe Erfahrung

  5. Stefan 16. Juli 2012 zu 07:13 #

    Zu Patricks Aussage ergänzend: Bier auf Wein folgend sollte vermieden werden, weil der soziale Abstieg, der darin begründet war niemandem zu wünschen ist. Also sollte man lieber aus den niedrigen sozialen Biertrinker Schichten aufsteigen in die Weintrinker Schicht als umgekehrt.

  6. Abrada 26. August 2012 zu 17:26 #

    @Uncle Hut
    So siehts aus. Bier wurde von den Klöstern gebraut und war das Getränk der armen Leute, während man in edleren Kreisen ausschließlich Wein trank. Von einem Wein auf Bier zu wechseln, bedeutet also einen sozialen Abstieg, wohingegen der Wechsel von Bier auf Wein eben einen sozialen Aufstieg bedeutet.
    Mit der Frage, ob das eine mehr Kater verursacht als das andere, hat das nix zu tun.

  7. Heiko 10. Juni 2014 zu 12:05 #

    Ich möchte noch anmerken, dass Kaffee keines Wegs dehydrierend wirkt. Er stimuliert die Niere und man muss schneller aufs Klo, allerdings ist der Wasserverlust der selbe wie bei einem Glas Wasser! nach wie vor ein verbreiteter Irrtum der sich auch sehr hartnäckig hält.

    hier könnte nochmal nachgelesen / gebessert werden 😉

  8. mensaman 14. Oktober 2014 zu 23:11 #

    Ok ist ja alles schön und gut äh schlecht 🙂 Aber wie sehen denn eure persönlichen Hannover-Therapien so aus?

  9. Cee 23. November 2014 zu 04:27 #

    Kaffee wirkt nicht dehydrierend, der besteht zu 98-99 Prozent aus Wasser und kann durchaus in den Wasserhaushalt mit einbezogen werden.

    Der Kater ist nichts weiter als ein Symptom, das durch Wassermangel entsteht. Also:
    -Während einer Feier zwischendurch 1 Glas Wasser trinken, um das Verhältnis von Alkohol zu Wasser zu verkleinern. Vor dem Schlafen gehen viel Wasser, evtl mit darin aufgelösten Brausetabletten, da Alkohol dem Körper u.a. auch Vitalstoffe entziehen.
    -Der Schwindel während des Katers liegt am niedrigen Blutzuckerspiegel(die Leber nutzt Glukose um den Alkohol abzubauen). Dagegen wirkt am schnellsten Traubenzucker, z.b. Dextro Energen, das wird schnell verdaut im Gegensatz zu Brot, Nudeln oder Reis(da diese aus Glukose-Ketten bestehen und diese erstmal zerlegt werden müssen).
    Man kann auch ne Aspirin oder Ibuprofen nehmen, aber bitte ken Paracetamol(führt u.u. zu bleibenden Leberschäden)!

    Also im Prinzip ganz banale Sachen, viel Wasser trinken, ne kleinigkeit essen.

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