Dass man in Spanien Gin produzieren kann, der sowohl innovativ als auch massentauglich ist, zeigt unter anderem Gin Mare. Jodhpur Gin, der spanischen Firma Beveland Distillers, geht dabei einen ähnlichen Weg, zumindest bei optischen Aspekten. Aber auch wenn das bläuliche Flaschen-Design eine unverkennbare Ähnlichkeit hat, so unterscheiden sie sich inhaltlich immens. Der Jodhpur Gin könnte klassischer nämlich nicht sein.
Recherchiert man über den relativ unbekannten Jodhpur Gin gibt es widersprüchliche Aussagen bezüglich seiner Herkunft. So mancher Händler ordnet ihn England zu, manch anderer spricht von Spanien. Es ist jedoch vielmehr eine Mischung aus beiden. Beveland Distillers lässt den Jodhpur Gin in Großbritannien herstellen, importiert ihn und füllt ihn dann marktfertig in Spanien ab.
Fakt ist, dass Jodhpur Gin seinen Namen in Anlehnung an die Stadt Jodhpur im Nordosten Indiens trägt. Aufgrund der dortigen Vielzahl an blauen Häusern, die deren Einwohner früher als zugehörig zur Kaste der Brahmanen kennzeichnete, wird Jodhpur auch als “Blaue Stadt” bezeichnet.
Die Ähnlichkeit der Flaschenfarbe mit dem ebenfalls spanischen Gin Mare hat also keine billigen Nachahmer-Gründe, sondern basiert auf einer interessanten Produkt-Geschichte. Spinnt man die Geschichte um die blaue Farbe nun noch etwas weiter, wobei dies nur meine persönliche Hypothese ist, kommt man zum Gin & Tonic.
Britische Kolonisten konsumierten Chinin mit heimischen Gin zur Prophylaxe vor Malaria, ausgelöst durch einen Stich der Anopheles-Mücke. Mancherorts, wie im indischen Jodhpur, sagt man außerdem der Farbe “blau” nach, dass sie ein durchgreifendes Mittel zur Abwehr von Moskitos sei.
Degustation des Jodhpur Gin
Wie in den einleitenden Zeilen bereits angedeutet, ist der Jodhpur ein durch und durch klassischer Gin. Dies bedeutet, dass das dominante Aroma Wacholder ist und andere für Gin typische Aromen sukzessive aus dem Glas nach oben steigen. Dazu gehören markante Limetten-Noten, Koriander und dezente erdige Nuancen.
Im Gegensatz zum Eindruck in der Nase nimmt die Wacholder-Intensität im Mund wieder ab, wodurch es schon recht schwach wird. Prägnanter war hier vielmehr der Zitrus-Charakter. Allerdings auch dieser deutlich schwächer als beim Nosing. Ingesamt erschien der Jodhpur Gin im Mund daher leicht wässrig.
Der Nachklang, den der Jodhpur Gin am Gaumen hinterlässt, war zwar angenehm, aber kurz und ohne markante Aromen. Alles in allem ist dies also ein Gin mit Höhen und Tiefen im soliden Mittelfeld.
Details:
Art: London Dry Gin
Alter: k.A.
Alkohol: 43 %Vol.
Preis: ~ 28,- €
Region: Spanien/Großbritannien
Bottler: Beveland Distillers
Fazit: 7/10 Punkten
Die Verkostungsprobe des Jodhpur Gin wurde von vodkakultur.de zur Verfügung gestellt.


Noch keine Kommentare.