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Peruanischer Pisco: Neuer Traubenbrand auf dem Vormarsch?

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Denkt man, Gin wäre im Vergleich großer etablierter Destillate in Deutschland ein Nischenprodukt, kennt man Pisco nicht. Pisco ist ein Destillat, dass auch in Deutschland noch weit von der Bekanntheit eines Gins entfernt ist. Dieses Schattendasein ihrer National-Spirituose möchte die peruanische Regierung nun ändern. Mit Marketing-Veranstaltungen in ausgewählten Großstädten Europas soll Pisco hier mehr in den öffentlichen Fokus rücken.

Bild: Pisco Sour; Bildquelle: Lindblom

Sofern man in Deutschland oder Europa schon von Pisco gehört hat, war dies meist die chilenische Version. Dieser in seinen Vorschriften lockerer Weinbrand gibt es in Europa häufig mit Zusätzen wie z. B. Farbstoff.

Um ihr Produkt jedoch deutlich vom südlichen Konkurrenten abzusetzen, gibt es klare Definitionen die peruanischen Pisco auszeichnen und charakterisieren. Mit dieser Einzigartigkeit wirbt aktuell die peruanische Regierung in Europa mithilfe ihrer Botschaften und Generalkonsulate.

Steigender Export: von 40.000 auf fast 4 Millionen US-Dollar

Der Export peruanischen Piscos stieg von 40.000 US-Dollar im Jahr 2002 auf mittlerweile knapp 4 Mio. US-Dollar. Unterstützt die peruanische Regierung diesen Trend mit Marketing-Veranstaltungen, und steigt der Export des Destillats weiter, führt dies unweigerlich zu mehr Arbeitsplätzen im Heimatland. Die Vermarktungs-Kampagne hat daher auch zwangsläufig praktische Gründe.

Als großer Markt, der für die ausländische Nachfrage nach dem Nationalgetränk Perus sorgt, ist die Westküste der USA. Dort wird Pisco allerdings in erster Linie zur Zubereitung eines bestimmten Cocktails verwendet: dem Pisco-Punch. In Deutschland ist Pisco nach wie vor ein kleines Nischenprodukt. Beiden Regionen ist jedoch gemein, dass Pisco dort hauptsächlich zum Mixen verwendet wird.

Bildquelle: tgraham

Im Unterschied zu vielen Spirituosen, die man „gewohnt“ ist, spielt Pisco vor allem im Cocktail-Bereich eine entscheidende Rolle. Der Pur-Genuss hat dabei nur eine untergeordnete Position. Wenn Pisco (zu deutsch: Vogel) in Deutschland in den letzten Monaten/Jahren in Erscheinung getreten ist, dann meist in Form eines Pisco Sours. Dieses aus Eiweiß, Zitronensaft, Zucker und Pisco bestehende Getränk, zeigt meiner Meinung nach ausgezeichnet die Mixbarkeit dieses Destillats. Wobei dies natürlich auch immer von der verwendeten Trauben-Sorte abhängt.

Strenge Gesetze: Identifikationsmerkmal oder Wachstumsbremse?

Während peruanischer Pisco durchaus das Potential hat, in Europa als nennenswerte Spirituose in die Riege der Mix-Destillate aufgenommen zu werden, sehe ich für den Purgenuss die Sache etwas pessimistischer. Der Grund liegt ganz einfach in den sehr strengen Reglements der Herstellung, die für Pisco-Produzenten gelten.

Hier ein kleiner Ausschnitt an gesetzlichen Vorgaben, die peruanischen Pisco bestimmen:

  • Destillation der Maische ausschließlich einmal
  • Rektifizierungen zur Erhöhung der Milde und Reinheit sind nicht zulässig.
  • Keine Farb- oder Aromastoffe
  • Keine Fassreifung. Die Aromen dürfen ausschließlich aus den Trauben stammen.
  • Keine Verdünnung mit Wasser. Es muss auf den Alkoholgehalt destilliert werden, der auch abgefüllt wird.

Sie sehen, dass peruanische Pisco-Hersteller hier Vorschriften zu beachten haben, die für Destillerien anderer Spirituosen abstrus und exotisch klingen. Dies schränkt zum einen deutlich die Kreativität und Vielfalt der Pisco-Hersteller ein und führt zu einem Destillat, dass es so in Europa nicht gibt.

Des Weiteren läuft der harsche Charakter eines peruanischen Piscos, bei dem der Alkohol deutlich hervorsticht, entgegen dem aktuellen Trend nach immer lieblicheren, süßeren und vanille-lastigeren Spirituosen. Aber vielleicht ist es auch genau das, was Pisco nützen wird. Diese Gegenposition. Ein traditionsreiches Destillat mit Ecken und Kanten.

Ob peruanischer Pisco in absehbarer Zeit den Sprung vom Insider-Tipp zur etablierten Spirituose schafft, bleibt abzuwarten. Das Potential im Mixbereich ist jedoch ohne Frage vorhanden. Man ist auf dem richtigen Weg zur Etablierung des Piscos. Ein deutlicher Beleg dafür ist, dass viele deutsche Industrie- und Handelskammern in die Lehrpläne für Barschulen Pisco bereits als Pflichtprogramm und prüfungsrelevant aufgenommen haben.

Allerdings müssen sich Hersteller und Importeure peruanischer Piscos fragen, welche Zielgruppe im Fokus steht. Wer soll sich damit identifizieren? Ohne klares Klientel dürfte die ganze Mühe bald im Sand verlaufen.

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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2 Kommentare für Peruanischer Pisco: Neuer Traubenbrand auf dem Vormarsch?

  1. Ana Rosa Trelles Santana de Elflein 25. November 2012 zu 14:43 #

    Lieber Philip,

    Deinem Artikel über Pisco muss in einigen Punkten sehr deutlich widersprochen werden.

    Zum Beispiel steht da geschrieben „Während peruanischer Pisco durchaus das Potential hat, in Europa als nennenswerte Spirituose in die Riege der Mix-Destillate aufgenommen zu werden, sehe ich für den Purgenuss die Sache etwas pessimistischer. Der Grund liegt ganz einfach in den sehr strengen Reglements der Herstellung, die für Pisco-Produzenten gelten.“ Auf diese Aussage folgt eine Auflistung von Vorgaben für die Pisco-Herstellung mit dem anschließenden Kommentar „Sie sehen, dass peruanische Pisco-Hersteller hier Vorschriften zu beachten haben, die für Destillerien anderer Spirituosen abstrus und exotisch klingen. Dies schränkt zum einen deutlich die Kreativität und Vielfalt der Pisco-Hersteller ein …“ und „Des Weiteren läuft der harsche Charakter eines peruanischen Piscos, bei dem der Alkohol deutlich hervorsticht, entgegen dem aktuellen Trend … Aber vielleicht ist es auch genau das, was Pisco nützen wird. Diese Gegenposition. Ein traditionsreiches Destillat mit Ecken und Kanten.“

    Was kann dem entgegengesetzt werden? Ein ganze Menge!

    Vielleicht fangen wir mit einem Zitat aus Meiningers Weinwelt Ausgabe Aug-Sep 2012 an. Es handelt sich hier um die Begründung der ISW Master-Jury zur Auszeichnung Spirituose des Jahres 2012 für den peruanischen Pisco Mosto Verde Moscatel Cosecha 2009 aus der Bodega Viñas de Oro : „ … Diese Piscos sind besonders aromatisch, so wie dieser Moscatel, eine Spielart des Muskatellers, der vielschichtig und höchst attraktiv nach schweren Blumen (Rose, Geranie …), Zitrusfrüchten, Orangenkonfitüre, reifer Melone und getrockneten Trauben riecht. Es gibt wohl kaum einen komplexer duftenden Brand.“

    Soweit als Gegenposition unter anderem zu Deiner Aussage „harscher Charakter“ des Pisco. Also bitte, ich denke, dass die Qualifikation der ISW-Master-Jury mit das beste an Fachwissen über Spirituosen in Deutschland vereint und dass man dort weiß was man tut, wenn man einen peruanischen Pisco aus über 600 eingereichten Produkten zur Spirituose des Jahres kührt! Und: Es handelt sich hier nicht um die „Mix-Spirituose“ des Jahres, sondern um ein Produkt das schier nach dem puren Genuß verlangt.

    In Deutschland ist in den letzten Jahren schon viel für peruanischen Pisco getan worden. Zum guten Glück ist dies den echten Kennern der Szene nicht entgangen.

    Mixology hat in der Ausgabe 1/2007 das Thema in einem Artikel aufgegriffen ( wenn auch dort mit einigen inhaltlichen Fehlern die korrigiert werden müssen ), in der Ausgabe 4/2009 wurde erneut zum Thema Pisco in der Mixology geschrieben. Auch das renommierte Szenen-Magazin FIZZZ hat in der Ausgabe 10/09 einen ausführlichen Artikel zum Thema veröffentlicht. Auch in der allgemeinen hochwertigen Barliteratur hat das Thema nun schon etwas länger Eingang gefunden. Beispielhaft nehme man bitte die letzte Ausgabe von Schumann´s Bar in die Hand und schlage die Seite 358 auf.

    Peruanischer Pisco von ausgezeichneter Qualität ist schon seit 2008 in Deutschland verfügbar. Er hat eine gute Zukunft, auch wenn hin und wieder sachlich und fachlich nicht fundierte Artikel über Pisco geschrieben werden.

    Für dieses erste Statement zum Artikel noch abschließend über den Pisco Sour: In Peru wird Pisco Sour nie mit Zitronensaft zubereitet, da die Zitrone in Peru nicht heimisch ist. In Peru verwendet man daher immer Limettensaft.

    Beste Grüße,

    Ana Rosa Trelles Santana de Elflein
    Pisco de Oro e.K. … der ausgezeichnete Pisco aus Peru

  2. Ana Rosa Trelles Santana de Elflein 25. November 2012 zu 20:36 #

    Ergänzung in Form eines Zitats aus Schumann´s Bar-Buch aktuelle Ausgabe Seite 357: „Peruanischer Pisco zeichnet sich durch eine delikate Süße und eine mitunter geradezu elegante florale Leichtigkeit aus“

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