VL92 Gin im Test

Ohne Holland kein Genever, ohne Genever keinen Gin. Diese kurze Aussage verdeutlicht die Bedeutung unseres westlichen Nachbarns an der Wacholder-Spirituose. Während andere Länder den Holländern in Sachen Gin-Innovationen allerdings davonzogen, gibt es seit wenigen Jahren einen Neuankömmling aus Rotterdam. Der VL92 Gin vereint dabei inhaltlich Tradition und Moderne: Genever und Gin. Ein Destillat, bei dem einen die Aromen nur so um die Ohren fliegen.

VL92 GinVL92 hört sich eher nach einer Mittelstrecken-Rakete oder einem Bibliotheks-Register an. Gin wäre nicht unbedingt das Erste, das ich mit diesem Namen assoziiert hätte. Die beiden Gründer der VL92-Marke, Leo Fontijne und Sietze Kalkwijk, haben allerdings eine interessante Geschichte über die Namensherkunft parat.

Entlang des Seeweges von Holland nach England verschifften Fontijne und Kalkwijk ihre erste Ladung Gin nach London. Sie nahmen also exakt jenen traditionsreichen Weg, der Jahrhunderte früher bereits Genever auf die britische Insel brachte. Und das Schiff auf dem sie fuhren? Das war die VL92.

Fontijne und Kalkwijk verschmelzen mit ihrem Gin Tradition und Moderne. Besser kann ich nicht ausdrücken, was man beim Tasting erfährt. Die Grundlage des VL92 bildet dabei Malt Wine, also genau jener Rohstoff, der typisch für die Genever-Produktion ist. Die Getreidemischung als Maische und die Botanicals mit Fokus auf Koriander-Blätter sorgen für Extravaganz. Vor allem Letzteres ist so bemerkenswert, da meist die Samen und nicht die Blätter von Koriander für die Gin-Herstellung verwendet werden.

Degustation des VL92 Gin

Häufig ist es ja so, dass der Eindruck in der Nase jene an Mund und Gaumen überragt. Beim VL92 ist dies genauso. Und wie! Sofort nach dem Einschenken zeigt der VL92 Gin ganz deutlich, was er zu bieten hat: Zimt, Kümmel und Lavendel im Überfluss. Dazu kommt auffallendes Roggen-Aroma, was deutlich an Genever erinnert. Dies dürfte vermutlich am Malt Wine liegen. Zwar sind Wacholder und Zitrus-Noten eher dezent, aber trotzdem hat man in der Nase eine Fülle an klar definierten Aromen. Eine solche Komplexität habe ich bis jetzt bei nur sehr wenigen Gins erlebt.

Wie auch in der Nase hat der VL92 keinerlei negativen Alkohol-Einfluss im Mund. Er präsentiert sich eher süßlich und vollmundig. Auch hier erkennt man wieder den Genever-Einfluss und dezente Wacholder- und Zitrus-Noten. Einzelne Aromen sind im Mund jedoch nicht mehr so klar erkennbar wie in der Nase.

Zum Glück stolpert der VL92 auch im Nachklang nicht. So verabschiedet er sich weich und cremig, mit einem Hauch Vanille und Getreide-Noten vom Gaumen.

Details:

Art: London Dry Gin

Alter: —

Alkohol: 41,7 %Vol.

Preis: ~ 45,- €

Region: Vlaardingen/Holland

Bottler: Distilleerderij H. Van Toor

                            Fazit: 10/10 Punkten

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One Response to VL92 Gin im Test

  1. Cees Maree 22. Februar 2013 zu 12:28 #

    ik heb de eer gehad van Dhr. Fontijne de gin uitgebreid te mogen proeven.
    Als ex horecaondernemer was dat een verademing omdat deze gin toch een heel eigen karakter heeft.

    De conclusie is dat deze gin alleen gemaakt kan worden als hart enziel daarbij gebruikt worden. Ode aan Leo Fontijne.

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