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Der Sazerac Cocktail: das schönste franko-amerikanische Joint Venture

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Bildquelle: © diamant24 - fotolia

Er ist einer der Urväter der alkoholischen Drinks: der Sazerac. Stilprägend, alkohol-schwer und eine Ikone der Bitters- Kultur. Der Drink, der die Augen eines Cocktail-Nerds zum Leuchten bringt, der offizieller Cocktail von New Orleans ist und der weit über ein Jahrhundert Geschichte auf den Schultern trägt, ja, dieser flüssige Franko-Amerikaner hat es verdient, genossen zu werden.


Heute ist der Begriff „Cocktail“ eine sehr großzügige Umschreibung jeglicher Art von alkoholischen Mixgetränken. Ganz anders als noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts als jene Art von Drink klar definiert, klar umrissen war.

Die Rezeptur eines Cocktails verlangte zu jener Zeit nach kaum mehr als einer Basis-Spirituose, irgendeiner, gesüßt mit etwas Zucker, 1 bis 2 Spritzer Bitters, ein bißchen Wasser und eventuell noch ein kleines Stück Zitronenschale. Schaut man sich diese, heute als Old Fashioned bekannte Rezeptur an, dann ist der Sazerac eine Art New Orleans-Interpretation des klassischen „Cocktails“. Eine Coverversion mit eigenem Stil.

Häufig kann man die Rezeptur und Kreation eines bestimmten Drinks auf exakt eine Person zurückführen. Durch mündliche Überlieferung, das geschriebene Wort oder moderner: Internet-Einträge. Im Falle des Sazerac waren dies 3 an der Zahl. Da das Grundgerüst des Cocktails zu jener Zeit bereits existierte, waren es für den Sazerac nur noch einige Stellschrauben, an denen gedreht werden musste.

Sewell T. Taylor zeichnete sich Mitte des 19. Jahrhunderts in New Orleans verantwortlich für den Import diverser Alkoholika. Eines der Destillate, die er unter seinen Fittichen hatte, war der Cognac Sazerac-de Forge et Fils. Auf Basis des französischen Weinbrands eben dieser Marke servierte Aaron Bird in seinem Sazerac House den gleichnamigen Cocktail. Seine Bitters für den Sazerac Cocktail bezog er dabei von einem Franzosen, dem ganz in der Nähe befindlichen Antoine Amedie Peychaud.

Über Jahrzehnte war der Sazerac ein Kind New Orleans, das nur selten die Stadtgrenzen verließ. Zumindest nie im großen Stil. Er blieb der Signature-Drink des Sazerac House, auch trotz mehrmaliger Besitzerwechsel der Bar. Erst Thomas Handy nahm für den Sazerac den Stift zur Hand und veröffentliche die Rezeptur des Drinks. Seine Zutatenliste war es auch, die schließlich auch den Absinth-Part enthielt. Ob dies seine Eigenkreation war oder nicht, ist heute nicht mehr überliefert. Fakt ist jedoch, dass es die Sazerac-Rezeptur von Handy war, die 1908 erstmals in William Boothbys Buch The World’s Drinks and How to Mix Them publiziert wurde.

Während in der Mitte des 19. Jahrhunderts in New Orleans einer der bekanntesten Cocktails auf Cognac-Basis kreiert wurde, kam es in anderen Teilen des Landes zur selben Zeit zu einer Entwicklung, die den Sazerac grundlegend veränderte. Die Reblaus Phylloxera verließ in Teilen gegen Mitte des 19. Jahrhunderts Nordamerika und startete in Europa einen für die Wein- und Weinbrandwirtschaft katastrophalen Feldzug. Dieser Parasit befiel zu jener Zeit die Weinreben Europas in derart großer Zahl, dass vor allem Frankreich gegen Ende des 19. Jahrhunderts Ernteeinbußen von über 2/3 hatte. Logisch, dass die weltweite Nachfrage nach Cognac nicht annähernd bedient werden konnte.

Auch in den USA tropfte der bekannte französische Weinbrand nur noch langsam aus der Flasche. Derart langsam, dass man zur Zubereitung des Sazerac kurzerhand auf Rye Whiskey umsattelte.

Je nach Vorliebe gibt es daher heute 2 Varianten des Sazerac. Eine mit Cognac, die andere mit Rye Whiskey.

Zutaten:

  • 6 cl Cognac oder Rye Whiskey
  • 1 Zuckerwürfel
  • 2 – 3 Dashes Peychaud Bitters
  • 1 BL Absinth

Zubereitung: 

Einen Tumbler oder Old Fashioned-Glas mit zerstoßenem Eis füllen und einen Barlöffel Absinth hinzugeben. Einige Mal umrühren. In ein Rührglas wird anschließend der Zuckerwürfel mit etwas Wasser gegeben und zerstoßen. Nun mit Eiswürfeln auffüllen und die restlichen Zutaten hinzugeben. Circa eine halbe Minute verrühren und anschließend in das zuvor entleerte und wieder mit neuen Eiswürfeln aufgefüllte Gästeglas abseihen. Abschließend den Glasrand noch mit einer Zitronenzeste aromatisieren und diese dem Drink beigeben.

Zum Wohl!


 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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Ein Kommentar für Der Sazerac Cocktail: das schönste franko-amerikanische Joint Venture

  1. Andreas Fink 13. September 2016 zu 10:45 #

    Ich bevorzuge den Sazerac ohne Eis, er soll beim Rühren schön kalt werden aber dann langsam während des Genusses wärmer werden. So kommen die komplexen Aromen besser raus als wenn man durch noch mehr Eis alles totschlägt…

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