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Inside Rum III: Die neuen Kategorien von Rum

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Bildquelle: Steve/FlickR

Vor einigen Jahrhunderten war die Einteilung von Rum-Sorten so schön simpel. Und vor allem aromatisch auch so übersichtlich. Englisch, Spanisch und Französisch. Das war’s. 3 Rum-Kategorien entsprechend ihrer Kolonialherren. Nun sind aber nicht nur die meisten der alten Herrschaftsansprüche passé, auch Rum-Fans und eine umtriebige Barszene sorgten für einen Umbruch. Neue Rum-Kategorien mussten her.


Lassen sich viele kleine Untereinheiten in größere Klassifizierungen einteilen und so systematisch ordnen, erleichtert dies vieles. Sowohl in der Kommunikation als auch in der Produktion und im Handel.

So gab es auch im Rum-Genre über Jahrhunderte eine mehr oder minder fest etablierte Einteilung verschiedener Rum-Stile. Eine Einteilung entsprechend der herrschenden Kolonialmächte. So waren Rums aus den ehemaligen britischen Kolonien wie Jamaica, Barbados, Trinidad oder Guyana in erster Linie bekannt für ihr „schweres“, hocharomatisches Duft- und Geschmacksprofil. Sie wurden meist ausschließlich aus Melasse produziert und in Pot Stills gebrannt.

Hat man es Rum-technisch lieber etwas leichter und filigraner gewollt, bediente man sich einfach bei den Spaniern bzw. deren Kolonialstilen. So lieferten Cuba, Puerto Rico, die Dominikanische Republik und Nicaragua vielmehr so genannte „light bodied rums“ ab. Ebenfalls auf Melasse basierend wurden diese entweder mehrfach in Pot Stills gebrannt oder gleich im kontinuierlichen Brennverfahren in Column Stills.

Die etwas exotischeren Rums lieferten hingegen die französischen Übersee-Départements wie Martinique und Guadeloupe. Um an dieser Stelle nur einmal im amerikanischen Raum zu bleiben. Aufgrund verschiedener Embargos zwischen anderen Weltmächten und deren Kolonien litten viele französische Brennereien an chronischem Melasse-Mangel. So wurde aus der Not eine Tugend bzw. in diesem Fall ein eigener Rum-Stil gemacht. Man pflanzte sein eigenes Zuckerrohr und nahm dessen Saft gleich direkt zur Rum-Produktion. Geboren war der Rhum Agricole der französischen Übersee-Départements.

Natürlich lässt diese recht simple Klassifizierung der Spirituose Rum Spielraum zu. Dennoch waren es die vorherrschenden Kategorien für Jahrhunderte. Bis…nun ja….bis die US-Amerikaner trocken gelegt wurden.

Go light or die!

Prohibitionen, das heißt umfassende Alkoholverbote, gab es schon immer. Keine dieser temporären Testphasen veränderte die internationale Spirituosenindustrie jedoch derart nachhaltig wie die US-Prohibition von 1919 bis 1933. Gin, Whiskey, nahezu alle Kategorien wurden durchgeschüttelt. Auch Rum.

So waren es US-amerikanische Touristen die in dieser Zeit ihre Zuneigung für kubanischen Rum entdeckten. Die Karibik-Insel vor den Küsten Floridas lieferte den leichten spanischen Stil, auf den die „trockenen“ Amerikaner regelrecht abfuhren. Die Nachfrage nach leichten, filigranen Rums stieg in den USA in jener Zeit derart rasant an, dass sie die britische Konkurrenz zwang nachzuziehen, sofern sie denn weiterhin produzieren und exportieren wollten. Im Prinzip nach dem Motto „go light or die!“.

Jamaica und andere Märkte begannen Pot- und Column Still Destillate zu verschneiden und so aus ihren full-bodied Rums gemäßigtere medium-bodied Rums zu machen.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sich die unterschiedlichen Rum-Stile vielleicht verwaschen, die Grenzen verschwommen. Wirklich Neues gab es auf den internationalen Märkten allerdings nicht. Nicht bis 1980.

Auch in jenem Jahrzehnt war es wieder das jüngere amerikanische Klientel, das eine gänzlich neue Rum-Kategorie ins Leben rief: Spiced Rum. Nun gut, mit Gewürzen und Früchten aromatisierte Rums gibt es schon so lange wie das Destillat selbst. Für den internationalen Export spielten diese kleinen Insider-Produkte jedoch keine Rolle. Bis Captain Morgan das Schiff betrat.

Erst mit der von DIAGEO gegründeten Spiced Rum Marke, benannt nach einem Walisischen Freibeuter, war aromatisierter Rum international eine fixe Größe. Egal, ob man diese neue Kategorie an Rums mag oder nicht, Fakt ist, dass sie den gesamten Zuckerrohrbränden einen markanten Aufschwung verpasste.

Rum heute!

Im Laufe der letzte Dekade waren es dann nicht ausschließlich US-Amerikaner, die dem Rum zu seiner bislang letzten Entwicklungsstufe brachten. Vielmehr sorgte das moderne Comeback gehobener Bar- und Cocktailkultur dafür, dass Bartender und Rum-Aficionados gezielt nach Rums dürsteten, die nicht glatt poliert waren. Rums mit Charakter, mit Ecken und Kanten.

Der Grund war, dass der Spirituose wieder ein größerer Stellenwert im Drink eingeräumt wurde. Das Destillat sollte nicht nur knallen und Wirkung zeigen, es sollte vor allem die aromatische Basis für individuelle Drinks liefern. Der Rum und andere Spirituosen traten von hinter dem Vorhang nach vorne auf die Bühne in einem Stück namens „Cocktail“.

Aus dieser Entwicklung im Laufe der vergangenen 100 Jahre heraus, ist es heute relativ unsinnig, Rum im Sinne der alten Kolonial-Stile zu klassifizieren. Vielleicht noch aus nostalgischen, nicht mehr aber aus praktischen Gründen.

Zum einen, da viele internationale Rum-Marken ihre Melasse von verschiedenen Märkten einkaufen und diese vor der Fermentation miteinander vermischen. Laut den Rum-Autoren Martin Cate und Eric Zandona ist es auf diese Weise gar nicht mehr möglich Spuren eines charakteristischen Terroirs bei den meisten Rums zu finden. Anders natürlich bei Rums, die aus direktem Zuckerrohrsaft bestimmter Ernten hergestellt werden.

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Rum-Kategorien: Zum Vergrößern Bild anklicken.

Zum anderen zogen in der Neuzeit einige Rum-Nationen innerhalb ehemaliger Kolonien nach und machten ihren konkreten Rum zu geographisch geschützten Produkten. So zum Beispiel Venezuela vor einigen Jahren.

Diese Gründe sowie die Tatsache, das heutzutage verschiedene Rum-Stile miteinander vermählt werden, um ein den internationalen Marktwünschen entsprechendes Produkt zu erzeugen, machen die alten Kategorien obsolet.

An deren Stelle traten dafür andere Klassifizierungen. 3 mal so viele.

 


 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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4 Kommentare für Inside Rum III: Die neuen Kategorien von Rum

  1. Stephan 19. Mai 2015 zu 09:29 #

    Sehr interessanter und informativer Bericht. Was zusätzlich noch von Interesse gewesen wäre: Wie die heutige Klassifizierung lautet…. ev. etwas für „Inside Rum IV“.

  2. Andy 19. Mai 2015 zu 16:50 #

    Ich denke, die „heutige Klassifizierung“ ist im Bild unten rechts zu sehen..? Wobei es die ja vermutlich auch „schon immer“ gab!?

  3. Maddin 19. Mai 2015 zu 20:07 #

    Wobei das ja keine wirkliche EInteilung von „echten“ Rumstilen ist. Es werden ehr die Begriffe, unter denen Rum verkauft wird, dargestellt.
    Ich finde, dass die klassischen drei Stile schon auch heute noch Sinn ergeben. Klar ist das heute nur noch bedingt gültig und es gibt vieles, dass von diesen Begriffen nicht direkt erfasst wird (Cachaca als Agricole-Verwandter, Mauritius, Madagaskar, Melasse Rums von Guadeloupe u.A.), aber zur grundsätzlichen Kategorisierung des Geschmacksprofiles eines einzelnen Rums kann man das System gut verwenden.

  4. marcus 4. Juli 2015 zu 15:20 #

    Also ich denke die alten Spezifikationen bzw. Klassifizierungen sind schon recht gut. Aber auch eine Info ob der Rum einem PotStill oder Column verfahren entstanden ist, konnte eine weitere Lösung sein.

    Der französische Stil, der englische Stil und der spanische Stil müssten dann aber auch erweitert werden um den spenglisch Stil der „blended“ Rums aus beiden Destilationsverfahren vereint..

    Es ist sehr schwierig, aber je länger man wartet ums schwieriger wird eine Vereinheitlichung werden.

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