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3 Tipps, wie du Spirituosen und Aperitifs haltbar machen kannst

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Bildquelle: Photos By Clark/FlickR

Eine wertvolle Flasche fallen zu lassen, ist das mit Abstand Ärgerlichste, was einem Connaisseur oder Bartender passieren kann. Dicht gefolgt auf Platz 2 drängt allerdings die Situation, eine Flasche nach langer Zeit aus dem Schrank zu nehmen und festzustellen, dass sie untrinkbar wurde. Um aber Whisky, Vermouth, Gin und Co. genießbar zu halten, gibt es 3 Möglichkeiten.


Das erste Mal, dass ich einen Whisky in den Abfluss geben musste, war vor knapp 4 Jahren. Ich hatte mir eine Flasche Elijah Craig 18 Jahre für besondere Anlässe oder Momente aufgehoben, immer nur wenige Zentiliter entnommen.

Und irgendwann, ich nehme die Flasche aus dem Schrank, waren die restlichen ca. 0,3 Liter stark eingetrübt. Das vormals kräftige Rotbraun war jetzt nur noch ein nebeliges Hellrot. Und spätestens im Glas kam dann die ganz große Ernüchterung: das Teil ist hinüber.

Der Grund für diese Ungenießbarkeit war recht simpel. Weder war es die falsche Lagertemperatur, noch war der Whiskey lange Zeit Sonnenlicht ausgesetzt. Die Ursache war ganz einfach die Dauer. Ich hätte einfach bisschen schneller genießen sollen. Denn schlussendlich war es die in der Flasche enthaltene Luft, die meinen letzten Elijah Craig 18 Jahre gekillt hat.

Seither war ich auf der Suche nach einer geeigneten Methode besondere Spirituosen, sofern sie angebrochen waren, haltbar zu machen. Theoretisch gab es viele Möglichkeiten, praktisch waren sie jedoch nur selten umsetzbar.

Zu bekämpfen galt es nicht irgendwelche Mikroorganismen wie Bakterien oder Pilze. Das übernehmen Spirituosen aufgrund ihres hohen Alkoholgehalts völlig selbstständig. Was der Farbe, dem Bouquet und dem Geschmack einer Spirituose über einen gewissen Zeitraum aber schaden kann, sie sogar ungenießbar machen kann, ist der Luftsauerstoff.

Dieser führt mit unzähligen Verbindungen im Destillat zu chemischen Reaktionen, die den Alkoholgehalt reduzieren können, das Aroma stark verändern oder Farb- und Trübstoffe bilden.

Über einen durchschnittlichen Zeitraum von ca. 6 Monaten bis 2 Jahren kann der Einfluss des in der Luft enthaltenen Sauerstoffs auf Whisky, Rum, Gin & Co. enorm sein. Vorausgesetzt verschiedene Faktoren sind erfüllt:

  • Flasche muss angebrochen sein
  • Luftvolumen in der Flasche beträgt ca. 1/3 oder mehr des Flascheninhalts
  • Lagerzeitraum liegt bei 6 Monaten oder darüber

Natürlich können sich geschmackliche Veränderungen schon deutlich früher zeigen. So hatte ich bereits von dem ein oder anderen Blogger und Whisky-Connaisseur gehört, dass er bei dem ein oder anderen Sherry- bzw. rauchigen Malt geschmackliche Veränderungen nach ca. 3 Monaten feststellen konnte.

Um aber nicht ab dem Zeitpunkt des ersten Ploppens des Korkens einer neuen Flasche einen Countdown im Hinterkopf zu haben, nicht die ganze Zeit zu überlegen, wann denn das neue Destillat kippt, hatte ich über Monate nach verschiedenen Möglichkeiten gesucht, Spirituosen vor zu viel Sauerstoff-Kontakt zu schützen.

Inert-Gase

Inert-Gase sind gasförmige Stoffe, die auffallend reaktionsträge sind. Dies bedeutet, bei Kontakt mit anderen Substanzen kommt es meist kaum zu chemischen Reaktionen.

Inert-Gase finden in der Industrie unzählige Anwendungsmöglichkeiten. In der Schifffahrt, beim Schweißen, in Glühlampen….die Liste ist ellenlang. Der Einsatzgrund ist allerdings immer derselbe: Inert-Gase sollen ungewollte chemische Reaktionen verhindern. Im Prinzip wie geschaffen für die Lagerung von hochwertigen Destillaten. Für eine Whisky- oder Cognac-Flasche also das perfekte Werkzeug. Wären da nicht 2 kleine Probleme: ein praktisches und ein finanzielles.

Eines der gängigsten Inert-Gase ist elementarer Stickstoff. Dieses äußerst kleine Molekül ist leichter als Luftsauerstoff. Dies bedeutet, man müsste den „Hohlraum“ einer Flasche komplett damit fluten, um jeglichen Luftsauerstoff zu entfernen. Ein kurzes „Oben-drauf-Gießen“ ist nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass Stickstoff meist in mehrere Liter-fassenden Stahlflaschen ausgeliefert wird. Ein handlicher Umgang im Wohnzimmer oder an der Bar ist daher ausgeschlossen.

 

Eine andere Möglichkeit der Inert-Gas-Methode wären Edelgase wie Helium, Neon, Argon oder Xenon. Schaut man sich aber die handelsüblichen Preise der meisten Edelgase an, kauft man sich dann doch lieber eine zweite Flasche Whisky.

In der technischen Industrie weniger verwendet, aber dennoch denkbar, wäre Kohlenstoffdioxid als Inert-Gas einzusetzen. Diesen Stoff gibt es zudem in handlichen Gaskartuschen. Einmal in die Flasche gefüllt, verhindert es recht gut die Reaktionen des Sauerstoffs. Das Problem bei Kohlenstoffdioxid ist jedoch, dass es sich gut in Wasser löst. Wenn man also den Luftraum einer Flasche ausschließlich mit Kohlenstoffdioxid flutet, ist der Druck des Gases entsprechend hoch und es geht in Lösung. Das heißt, es kriecht in die Flüssigkeit und bildet geschmacksneutrales Hydrogencarbonat und eine kleine Menge Kohlensäure. Am Ende also nicht besonders praktisch, sofern man keinen Port Ellen 32 Jahre Scotch & Soda haben möchte.

Am Ende hat also jedes der Inert-Gase als Schutzgas für Spirituosen seine eigene Achillesferse. Solltest du dich aber dennoch für eine der Varianten entscheiden, dann stecke auf keinen Fall das Verbindungsstück einfach luftdicht auf die Flasche. In diesem Fall gäbe es eine ziemliche Sauerei, denn nach einem kurzen Moment würde es die Flasche zerreißen. Denn wo sollte denn die entweichende Luft hin? Also unbedingt an der Flaschenöffnung einen Spalt frei lassen und die Flasche leicht schräg halten.

In kleine Flaschen umfüllen

Ein sehr probates Mittel, um hochwertige Spirituosen über einen langen Zeitraum möglichst sauerstoffarm zu lagern, besteht im Umfüllen in kleinere Flaschen. Das Volumen kann man dabei so variieren, dass möglichst wenig Restluft in den Flaschen enthalten ist.

Allerdings ist dies eine Methode, die mir nicht nur zu umständlich ist, auch finde ich es nicht besonders ästhetisch einen Scotch, einen Cognac oder einen Single Cask Rum lediglich in kleinen Sample-Flaschen anbieten zu können.

Vakuumieren

Nachdem mir selbst professionelle Vakuumiergeräte zu kostenintensiv waren, hatte ich die Idee Spirituosenflaschen praktikabel, günstig und schonend über einen langen Zeitraum zu lagern schon fast ad acta gelegt. Dann stellte sich mir allerdings die Frage: Warum nicht einfach in der Weinwelt bedienen? Den Sauerstoff-Kampf, dem Spirituosen gegenüber stehen, den haben Weine noch viel härter zu kämpfen.

Also kurzerhand einen Mini-Vakuumierer von Vacu Vin für knapp 10,- Euro bestellt und getestet. Mitgeliefert werden hier der Vakuumierer aus Kunststoff und die entsprechenden Verschlüsse aus Gummi.

Das Anwendungsprinzip ist dementsprechend auch recht simpel. Der Gummistopfen wird auf die Flaschenöffnung aufgesetzt, die Vakuumpumpe darauf und anschließend einige Male am Zuggriff angezogen. Je nach Luftvolumen mehrere Male. Ein kurzes, aber deutliches Klickgeräusch zeigt schließlich das erreichte Vakuum an.

Natürlich erhält man dadurch kein Hochvakuum, in dem jegliches Gas entwichen ist. Mal abgesehen davon, dass dies in einer Spirituosenflasche praktisch auch gar nicht möglich wäre.

Man sollte allerdings wissen, dass durch das entstandene Vakuum Teile des Destillats in die Gasphase übergehen. Meinem Empfinden nach sind dies allerdings nicht dramatisch viele. Und im Vergleich der Nachteile der anderen, oben genannten Methoden ist dies mehr als verschmerzbar.


 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.

11 Kommentare für 3 Tipps, wie du Spirituosen und Aperitifs haltbar machen kannst

  1. Dunveggan 25. Juni 2015 zu 09:31 #

    Danke für den Bericht!

    Auf jeden Fall ein interessantes Thema, gerade wenn man zwar gern, aber nicht viel Whiskey trinkt, aber trotzdem gern mehrere Flaschen gleichzeitig geöffnet hat.

    Gerade wo viele Whiskeyflaschen sehr schön und individuell gestaltet sind, tragen sie für mich schon auch etwas zum Whiskeytrinken bei und gehören zu einem bestimmten Namen dazu.

    Gibt es bei dem Wein-Vacuumierer bereits Langzeiterfahrungen?
    Unterschiede zum Wein sehe ich zum einen im teils deutlich höheren Alkoholgehalt, zum anderen in der längeren Lagerdauer. vertragen sich die Gummistöpsel auch auf Dauer mit Alkoholgehalten von 50, 60%?
    Wie lang hält das Vacuum in einer verstöpselten Flasche – eine geöffnete Whiskey-Flasche wird ja doch merklich länger aufgehoben als eine geöffnete Weinflasche (Weinkenner mögen mich korrigieren) – muss hier nach einer Zeit ’nachgepumpt‘ werden?
    Passen die Stöpsel beim Großteil der Whiskeyflaschen? Denke der Durchmesser der Flaschenöfnungen ist hier nicht immer identisch?

  2. Retti 25. Juni 2015 zu 10:42 #

    Ich habe Zweifel, dass das Vakuum für längere Zeit bestehen bleibt. Und in regelmäßigen Abständen immer wieder zur Pumpe greifen zu müssen, ist umständlich und wird sicher zu oft vergessen. Zudem haben viele Whisky- und Rumflaschen einen zu dicken Hals.

    Wie wäre es mit Auffüllen? Glaskügelchen ersetzen die Luft in der Flasche. Fragt sich nur, ob es beim Einschenken Probleme gibt.

  3. Heiko 25. Juni 2015 zu 11:04 #

    Besten Dank!

    Nicht zu viele Flaschen gleichzeitig aufhaben ist wohl das einzige Rezept, was ohne zusätzlichen Aufwand am Besten hilft. Und bis zu 1 Jahr offen, funktioniert nach
    meiner Erfahrung immer. Und dann, finde ich, ist es auch erlaubt, wenn was
    Neues Einzug hält. In den meisten Fällen handelt es sich ja auch um ein
    Verbrauchsgut und nicht um ein Sammlerstück.

    Auch über diesen Zeitraum kann sich der Geschmack verändern, das muss aber nicht automatisch negativ sein. Bei manchen Whiskys empfand ich den Einfluss der Luft über die Zeit eines Jahres sogar positiv für den Geschmack. Und die Erfahrung, das sich bei einem „lebenden“ Produkt der Geschmack nun mal eben über die Zeit verändert, erhöht
    im positiven Sinne auch die Kenntnis über das Produkt.

  4. Frank 25. Juni 2015 zu 11:48 #

    Danke für den Bericht.

    Mich hat vor ca. einem 3/4-Jahr das Whisky-Fieber gepackt. Der Neugier sei dank habe ich mittlerweile 13 geöffnete Flaschen Single Malt (ca. 50% rauchig). Mit 5-7 Drams pro Woche komme ich da natürlich lange mit hin.

    Meine Taktik zur Lagerung sieht wie folgt aus:
    Vor allem rauchige Malts werden in kleine Flaschen (250ml/ca. 10 Dram) gefüllt. Aus diesen wird auch eingeschenkt. Der Rest bleibt in der Originalflasche und wird vakuumiert (mit Vacu Vin, hält sehr gut, bislang drei Monate ohne Probleme). So muss das Vakuum nicht ständig neu hergestellt werden. Das hätte meiner Meinung nach zur Folge, dass ständig einige Aromen entweichen!?

    Sinnvoll? Was meint ihr?

  5. Maddin 25. Juni 2015 zu 18:05 #

    Es gibt ja auch schöne kleine Flaschen mit 200 ml. Da dann ein aus dem Internet gedrucktes Originaletikett draufgeklebt et voila. Praktikabel und dekorativ. Und da kann man den Rest dann auch drinlassen.

  6. Nic 26. Juni 2015 zu 12:08 #

    Hey Leute,
    Hab mich selber ein wenig damit befasst und festgestellt das ich die besten Resultate mit (So doof es auch klingt) Murmeln gemacht habe. Sprich kleine Glaskugeln vor dem befüllen in einem heißen Wasserbad keimfrei kochen und dann in die Flasche füllen. Soweit bis die Flüssigkeit wieder am Flaschenhals angelangt ist. Ist jedoch nur für den Hausgebrauch praktisch, nicht für eine Bar 😉

  7. Dunveggan 26. Juni 2015 zu 12:39 #

    Kleinere Flaschen kann man sich ja auch gut aufheben, wenn man mal Whiskey in z.b. einer 0.375er Flasche hatte, bzw. bevor man sie leer kauft, lohnt sich vielleicht auch eine Anschaffung mit Inhalt, was dann auch den schlechtere Literpreis etwas ausgleichen mag. z.B. die hübschen ‚halben‘ Highland Park.
    Davon abgesehen haben die kleinen Flaschen ja auch den Vortel mehr probieren zu können.

    @Nic:
    Wie gut klappt das beim Ausgießen?
    Ins Glas plumsende Murmeln würde die Whiskey-Zeremonie doch etwas stören. 🙂
    Wie sehr sieht man die Murmeln in der Flasche – sieht das noch ansprechend aus oder eher merkwürdig?

  8. Maddin 26. Juni 2015 zu 15:41 #

    Das mit den Murmeln hab ich auch schonmal gehört. Ich glaube, ohne mir da jetzt absolut sicher zu sein, dass der Marco von „Barrel Aged Thoughts“ das mal empfohlen hätte.

  9. Matthias 28. Juni 2015 zu 12:46 #

    Also man kann alles auch etwas übertreiben.

    Das mit den Murmel funktioniert zwar schon, aber bringt eben nachteile mit sich.

    Erstens klappert es ziemlich, was einen seeehr schnell nervt.
    Dann muss man immer noch aufpassen das einem keine Murmel aus der Flasche rollt und einem das Glas demoliert oder im Shaker landet (bei cocktailzubereitung)

    Wenn der Füllstanddann wirklich abnimmt, muss man einfach sehr viele Murmeln reintun und dann wird es langsam zur kunst, den verbliebenen Whisky etc wiede rrauszukriegen und das dauert dann auch länger.

    Ab einer gewissen Füllhöhe klappt das mit den Murmeln eh nicht mehr, also ist man wieder beim Anfangsproblem.

    Für whisky sehe ich das ganze eh nicht als Problem, so lange man nicht alle 5Tage die Flasche aufmacht und ein 1 cl entnimmt und dazwischen noch alles 2 Tage daran zu riechen.

    Hab hier ne Flasche die ist seit 8 Jahren offen, noch ca 60% voll und ausser das er etwas milder geworden ist, da wohl etwas alkohol entfleucht ist, schmeckt er wie eh und je

  10. Stefan 2. Juli 2015 zu 23:12 #

    Stickstoff ist sicher die beste Lösung.

  11. Catharina 9. September 2015 zu 13:25 #

    Ich benutze auch die VacuVin Stöpsel (ca. seit einem Jahr, oder zwei??) und bin damit ganz zufrieden. Man muss dadurch zwar den Whisky länger im Glas „atmen“ lassen, aber wenn ich Whisky trinke hab ich es ja auch nicht eilig.
    Mir sind schon mehrere Whiskies „gestorben“, nachdem die Flaschen ca. 2 Jahre offen waren. Das war dann immer sehr schade.

    Das Vakuum hält gut über längere Zeit.

    Murmeln halte ich eher für unpraktisch.

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