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Der Vieux Carré Cocktail: Eine Hommage an das New Orleans der 30er

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Bildquelle: Kevin O'Mara

Er ist ganz sicher kein Drink für die Massen, kein so genannter „crowd pleaser“. Der Vieux Carré will verstanden werden. Und auch wenn dieser altehrwürdige Cocktail in geschriebener Form nicht unbedingt zu einer Bestellung einlädt: der Vieux Carré hat Power. Nicht nur alkoholisch, auch aromatisch. Und allein deswegen hat es der Vieux Carré verdient, auf vielen Barkarten neu entdeckt zu werden.


Wenn ich kurz und knapp erläutern müsste, wie ich den Vieux Carré als Drink einordnen würde, würde ich sagen: „Das Gegenteil eines Swimming Pool Cocktails“. Während der bunt-grelle, sahnig-süße Swimming Pool eher den oberflächlichen Beachboy darstellt, verkörpert der Vieux Carré einen in die Jahre gekommenen Gentleman, der auf Details achtet.

Denn exakt diese Details sind es, die in meinen Augen das aromatische Rückgrat jenes Cocktail-Urgesteins bilden. Wobei sich dessen Zutatenliste von Cognac bis Bénédictine im ersten Moment nicht sonderlich ansprechend liest. Zumindest solange nicht, bis man einen gut zubereiteten Vieux Carré vorgesetzt bekommt. Einen Vieux Carré im Sinne von Walter Bergeron.

Bergeron war in den 30ern Jahren des vergangenen Jahrhunderts Bartender in jenem Hotel, das einige Jahre später unter dem Namen Monteleone lief. In vielen Internetquellen wird Bergeron und die Erfindung des Vieux Carré an den Thresen des Monteleone und seiner berühmten Carousel Bar gestellt. Zeitlich ist dies allerdings nicht möglich.

Das Hotel Monteleone eröffnete seine Carousel Bar erst 1950, über ein Jahrzehnt also nachdem Bergeron erstmals den Vieux Carré zubereitete. Carousel und Vieux Carré haben also nur indirekt miteinander zu tun.

Fakt ist allerdings, dass egal welches Namensschild nun am Eingang jener Bar thronte, sie befand sich im French Quarter von New Orleans, dem französischen Viertel auch Vieux Carré genannt.

Ob Bergeron seinen alkohol-schweren Drink nun allein nach jenem Viertel benannte, oder ob doch Autor Tennessee Williams inspirierend nachhalf, ist heute nicht mehr überliefert. Williams begann zur ungefähr selben Zeit, in welcher der Vieux Carré erstmals zubereitet wurde, seine Arbeit am gleichnamigen Bühnenstück.

Auch wenn er durch diverse Literatur wie zum Beispiel Vintage Cocktails and Forgotten Spirits von Ted Haigh wieder etwas an Aufmerksamkeit gewann, steht dieser Drink heute noch fernab der Popularität anderer Cocktail-Klassiker.

Was nicht zuletzt daran liegt, dass der Vieux Carré lediglich aus hochprozentigen und meist krautig-herben Zutaten besteht. 2 Tatsachen, die die potentielle Fan-Gemeinde schon ungemein einschränkt. Mit einem Blick fürs Detail jedoch zubereitet, ist dieses alte französische Viertel im Glas eine wahre Freude für den Gaumen.

Zutaten:

  • 3 cl Cognac
  • 3 cl Rye Whiskey
  • 3 cl Roter Vermouth
  • 0,5 BL Bénédictine
  • 2 Dashes Angostura Bitters
  • 2 Dashes Peychaud Bitters

Zubereitung:

Alle Zutaten für den Vieux Carré werden im Rührglas mit Eiswürfeln ca. eine halbe Minute verrührt. Anschließend den Drink in ein vorgekühltes Martini-Glas abseihen. Wer es etwas kraftvoller und historischer möchte, kann den Vieux Carré auch auf Eis in einen Tumbler abseihen. Als Dekoration eine Orange- oder Zitronenzeste beigeben.

Zum Wohl!


 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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9 Kommentare für Der Vieux Carré Cocktail: Eine Hommage an das New Orleans der 30er

  1. Matthias 7. Juli 2015 zu 18:32 #

    Ein sehr interessanter Drink, den ich leider nicht zubereiten kann, da es ja momentan scheinbar nirgends in Deutschland peychaud bitters zu kaufen geben scheint.

    Wisst Ihr, was da los ist?

  2. Maddin 7. Juli 2015 zu 20:10 #

    Hab den auch schon ohne Peychauds gemixt und fand den sehr grandios.

  3. Heiko 8. Juli 2015 zu 11:20 #

    Habe es wegen kurzfristigem Mangel an Benedictine und Peychaud stattdessen mit Cointreau und nur Angostura direkt mal ausprobiert. Und statt Rye geht auch Bourbon, wenn man kein Kleinkrämer ist. War auch schon sehr lecker.

    Aber ich werde noch aufrüsten und mir die richtigen Zutaten besorgen.
    Für den Drink lohnt es.
    Danke!

  4. Maddin 8. Juli 2015 zu 19:25 #

    Ok, Benedictine ist ja jetzt von Cointreau schon Meilen entfernt. Ich glaube nicht, dass man den irgentwie ersetzen kann. Dafür ist der viel zu eigen(artig).

  5. Maddin 8. Juli 2015 zu 20:35 #

    Ein interessantes Element der Hier beschriebenen Zubereitung ist übrigens das servieren auf Eis. Recht untypisch für einen Wermut Drink. Aber gut, das Geschaoss hat genug Wumms und aromatische Schwere, da geht das schon.

  6. Heiko 8. Juli 2015 zu 23:47 #

    Peychaud ist online im Ausland zu bekommen,wenn man mit ein bißchen Versandkosten einverstanden ist.z.B.Belgien

  7. Matthias 9. Juli 2015 zu 20:27 #

    @heiko,
    welcher shop zb,
    mit googel hab ich nix gefunden, aber da spuckt es mir auch fast nur duetsche oder englische shops aus

  8. Heiko 10. Juli 2015 zu 09:20 #

    @Matthias

    Google Peychaud Bertem. Versandkosten € 9 nach Deutschland. Bei mehreren Bitter geht es dann.

  9. Armin Zimmermann 3. Oktober 2016 zu 10:01 #

    Einer unserer Favoriten, und leider viel zu wenig bekannt. Das war wohl auch schon in der Vergangenheit so, denn wir konnten nur in einem 1938 erschienenen Buch ein historisches Rezept finden. Erst vor wenigen Jahren wurde er dann wiederentdeckt. Wer an verschiedenen Rezepturen interessiert ist, findet sie am Ende unseres Beitrags: http://bar-vademecum.de/vieux-carre/

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