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Cardhu Amber Rock im Test

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Vergangenes Jahr erhielt ich die Pressemitteilung zum Cardhu Amber Rock ins Postfach. Im darauffolgenden Artikel schrieb ich, dass der Informationsgehalt jener Meldung recht mau ist, der Amber Rock uns vielleicht dennoch aromatisch umhaut. Kommt ja nicht immer auf’s Äußere an. Heute weiß ich: Nö, er haut einen nicht um.


740472_cardhu_amber_rockWenn ich in der ganzen Debatte um Whiskys ohne Altersangabe eines gelernt habe, dann, dass ein gewisser Teil qualitativ zwar hinkt, es aber doch sehr viele Perlen darunter gibt. Man muss sie eben nur entdecken.

In dieses Scharmützel um des Kunden Gunst warf DIAGEO Ende letzten Jahres den Cardhu Amber Rock. Ein Whisky, über dessen Herstellung man nicht mehr erfährt, als dass er „zweifach in Ex-Bourbonfässern“ reifte. Leider keine sehr ergiebige Information.

Auch über das Alter der enthaltenen Whiskys erfährt man nichts. DIAGEO spricht in Fällen wie dem Cardhu Amber Rock dann lieber von „flavor led“. Das Produkt wurde also entsprechend des Aromas ausgewählt. Wobei ich mich frage, was dann die letzten 50 Jahre in den Lagerhäusern getrieben wurde, als es noch genügend alte Whiskys gab.

Positiv ist jedoch, dass der Cardhu Amber Rock mit seinem vielversprechenden, soliden Beinamen am Ende preislich doch deutlich unter der vorhergesagten Preisempfehlung liegt. 50,- Euro sollten es sein, knapp 40,- sind es.

Degustation des Cardhu Amber Rock

Sein Name „Amber “ suggeriert es: Bernstein. Allerdings würde ich seine Farbe vielmehr als Goldgelb beschreiben. Sieht man einmal von dieser Haarspalterei ab, ist entscheidend, was der Cardhu Amber Rock in Nase und Mund zu bieten hat.

Er beginnt in der Nase zunächst angenehm weich. Kein Anflüge von störenden, beißenden Alkoholnoten. Vielmehr wirkt er samtig. Hie und da zeigt sich neben typischen Whiskynoten zunehmend ein Hauch Birne. Allerdings war es dies dann auch schon. Mit markanten Aromen, gar einem komplexen Bouquet kann er nicht punkten. Vielmehr wirkt er in der Nase aussagelos und flach. Schade, eine solide Basis wäre dagewesen. Aromatisch wurde darauf aber leider nicht aufgebaut.

Eine ähnliche Linie fährt der Cardhu Amber Rock dann auch im Mund. Er beginnt süßlich, hat anschließend aber nicht mehr viel zu bieten. Was bleibt sind Noten, die ihn natürlich ganz klar als Whisky definieren, die ihm allerdings keinerlei Komplexität oder Raffinesse verleihen. Nichts was diesen Blended Whisky spannend macht.

Er bleibt konsequent. Denn auch im Nachklang ändert der Whisky nichts an seinem vorherigen Eindruck. Kurz und ohne markante Noten oder Nuancen verschwindet er vom Gaumen.

Zusammenfassend besitzt der Cardhu Amber Rock keine Punkte, die ihn völlig disqualifizieren. Er ist, wie sein Name bereits andeutet, ein „solider“ Whisky. Meiner Ansicht nach fehlt es ihm allerdings derart stark an Ausdruck und Individualität, dass die Whisky-Welt mit ihm weder reicher oder ärmer ist.

Details:

Art: Single Malt Scotch Whisky

Alter: k.A.

Alkohol: 40 %Vol.

Preis: ~ 40,- €

Region: Speyside/Schottland

Bottler: k.A./DIAGEO

Fazit: 5/10 Punkten


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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4 Kommentare für Cardhu Amber Rock im Test

  1. kallaskander 9. Juli 2015 zu 09:48 #

    Hi there,

    2003 kam der Cardhu Pure Malt heraus, der sich äußerlich fast kaum vom Cardhu Single Malt unterschied.
    Schon 2004 wurde er wieder zurückgezogen, nachdem u. a. William Grant & Sons Diageo mit Klage gedroht hatten.

    Was war geschehen? Die Spanier und Griechen hatten so viel Cardhu 12 Jahre gebechert, daß die kleine Destillerie nicht nachkam.

    Was macht ein Großkonzern von Welt? Richtig. Er mischt einen seiner Klassiker mit anderen malts aus dem eigenen Stall – Glendullan soll drin gewesen sein, Dailuaine – vielleicht wars aber auch nur ein 12 Jähriger Johnnie Walker ohne die grains – und bringt ihn in fast identischer Aufmacheung auf den Markt.

    Der Cardhu incident war geboren.

    2004 war das berechtigte Gebrüll gegen diese zwielichtige Praxis zu Ende und 2009 wurden die whisky Regeln geändert und der Begriff pure malt durch blendet malt ersetzt.

    Nich nur weil zu dieser Zeit der Diageo big boss Cheffe der federführenden SWA war, hat man sich gefragt, welche Arten von whiskies die blended malt Regel hervorbringen würde….

    nun wissen wir mehr.

    Hat noch jemand einen Cardhu Pure Malt? Würde mich im Direktvergleich zum Amber Rock interessieren.

    Andererseits ist in der Zwischenzeit der Trend zur NAS-tiness aufgetaucht, so daß der Amber Rock mit Sicherheit viel jünger ist als es der Pure Malt je war.

    Überall Trickser.

    Greetings
    kallaskander

  2. Reto Marxer 9. Juli 2015 zu 10:42 #

    Guten Tag

    Ob er einem passt oder nicht ist geschmackssache.
    Amber Rock ist ein single malt. So wie es auch auf der Flasche steht. Kein Blend.
    Vor dem Schreiben mal einen kurzen Blick auf die Flasche riskieren schadet nie. 🙂

    Gruss

    Reto Marxer

  3. kallaskander 9. Juli 2015 zu 11:14 #

    Hi there,

    wäre mir vielleicht auch aufgefallen – wenn ich eine da hätte… 😎

    Also Philip…. woher das Gerücht?

    Greetings
    kallaskander

  4. Philip Reim 9. Juli 2015 zu 12:16 #

    Kein Gerücht 🙂
    Amber Rock ist natürlich ein Single Malt, kein Blended.
    Habe es soeben ausgebessert.

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