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Die 10 besten Spirituosen 2010 – 2015

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Bildquelle: haru__q/FlickR

Der Titel ist reißerisch gewählt. Zugegeben. Allerdings beschreibt er recht präzise das, was es ist: eine Galerie der herausragendsten Destillate, die in den letzten 5 Jahren hier auf Eye for Spirits verkostet wurden. Von Pisco bis Gin, von Cognac bis Scotch, wir wurden die letzten Jahre wahrlich mit unbeschreiblichen Qualitäten versorgt. Doch 10 davon stachen ganz besonders heraus.


Knapp 1500 Artikel sind es, die seit der Online-Schaltung von Eye for Spirits im Jahr 2010 hier veröffentlicht wurden. Knapp 500 entfallen dabei auf Degustationsartikel und -berichte. Verkostet wurde dabei alles, das als hochprozentig gilt. Liköre, Single Malt Scotch, Gin, Brandy etc. Die Liste ist lang.

Innerhalb dieser Liste stachen diverse Tropfen durch Qualität in Bouquet, Aroma und Geschmack hervor, die ich dann folglich mit 10 von 10 Punkten und dem entsprechenden goldenen EfS-Kranz bewertete. Ausnahmslos Destillate, die ich uneingeschränkt empfehlen würde.

Müsste ich diese Liste jedoch noch einmal herunterbrechen auf lediglich 10 Produkte, es wären diese hier.

Stählemühle Sizilianische Blutorange

Dieser Tropfen hatte mich bereits zu dem Zeitpunkt umgehauen, als der Korken aus seiner braunen Flasche ploppte. Dieser Brand liefert nicht mehr ab als auf der Flasche steht: sizilianische Blutorange. Dies erledigt er allerdings in einer Perfektion, die unbeschreiblich ist. Eine Melange aus süßlich und säuerlich, perfekt ausbalanciert.

Verantwortlich für den Stählemühle Sizilianische Blutorange ist Brennmeister Christoph Keller. Der Destillateur, der sich auch für die Monkey 47 Gins verantwortlich zeichnet, zählt in meinen Augen zu den begnadetsten und talentiertesten seiner Zunft.

Compagnie des Indes Guadeloupe 16 Jahre

Was die Perola GmbH aus Nürnberg Endes letzten Jahres erstmals hier nach Deutschland holte, war eine wahre Bereicherung für den Markt. Das gesamte Sortiment der Compagnie des Indes Single Cask Rums strotzt vor Individualität und aromatischer Raffinesse.

Jener Einzelfass-Rum, der für mich persönlich die Speerspitze des Portfolios bildet, ist der Compagnie des Indes Guadeloupe 16 Jahre. Diese Qualität reifte über eine für Rum stolze Zeit von 16 Jahren auf dem bekannten französischen Überseedépartement Guadeloupe bzw. auf Marie-Galante. Und was dort im Fass erzeugt wird, ist ein Potpourri aus Karamell, Birne, Scotch und Vanille.

Booker’s Small Batch Bourbon

Im Zuge der Bourbon- und Rye-Welle, die von den USA aus Fahrt aufnimmt, ist Jim Beam mit seinem Dachkonzern Beam Suntory der mit Abstand eifrigste Hersteller, wenn es um den deutschen Markt geht.

Zwar werden dadurch auch viele künstlich-schmeckende, ultra-süße Liköre auf Bourbonbasis angeboten, das Sortiment erstreckt sich aber auch in die ganz andere Richtung. In die, in der die Crème de la Crème zu finden ist.

In meinen Augen ist der Booker’s Small Batch Bourbon einer der überwältigendsten Straight Bourbon Whiskeys, die es hierzulande gibt. Gereift im zentralen Bereich von Beams Lagerhäusern in Kentucky sind die Fässer des Booker’s einem trocken-warmen Klima ausgesetzt. Hierdurch verdunstet meist mehr Wasser als Alkohol aus den Fässern, wodurch das Enddestillat auch gerne mal mit mehr Alkohol in die Flaschen kommt, als es ursprünglich in die Fässer gefüllt wurde.

 

OMG – Oh my Gin

Im Gin-Markt, der in der vergangenen 5 Jahren von einem kleinen Wacholderbusch zu einem undurchdringlichen Zypressenwald wurde, gab es einige hervorragende Destillate. Jener Gin, der mich allerdings am meistern begeisterte, war OMG – Oh my Gin. Jener Wacholdertropfen mit dem einprägsamen, kurzen Namen stammt aus der Brennblase des kleinen tschechischen Familienbetriebs Zufanek. Neben Honig und Absinth wird dort eben auch Gin produziert. Und was für einer.

Mit einem klassischen, wacholder-lastigen Geschmacks- und Aromenprofil bringt der OMG eine Extravaganz und Raffinesse ins Glas, die ich bisher bei nur sehr wenigen Gins finden konnte.

Pisco Cascajal Mosto Verde Italia

Sie waren eine der spannendsten Neuerscheinungen auf dem deutschen Markt 2013: die Piscos von Cascajal. Als Spirituosen-Kategorie in Deutschland eher ein Nischenprodukt, hatte ich Piscos bis vor 2 Jahren sträflich vernachlässigt.

Erst als ich 2013 eine Einladung vom peruanischen Generalkonsulat nach München erhielt, bei deren Veranstaltung sich verschiedene peruanische Pisco-Produzenten präsentierten, entdeckte ich dieses Genre für mich. Und mit ihm: Pisco Cascajal.

Abgefüllt in milchig-trübes Glas mutet der Pisco in jenen Flaschen edel und elegant an. Genau diesem Credo folgt aber auch der Inhalt. Er ist geprägt von einer Raffinesse und einem Aromenprofil, das mir bis dato von hier etablierten Spirituosenkategorien völlig unbekannt war.

Auch wenn ich alle der 3 Qualitäten von Cascajal uneingeschränkt empfehlen kann, das i-Tüpfelchen setzt dem Ganzen jedoch der Pisco Cascajal Mosto Verde Italia mit seinen Hefe-, Oliven-, Trauben- und Pflaumenaromen auf.

The Glenlivet Alpha

Als zweitgrößter Produzent von Single Malt Scotch Whisky steht man unweigerlich im Rampenlicht. Unweigerlich hat man auch jede Menge Medienkontakt. Was die Destillerie im Besitz von Pernod Ricard 2013 mit einer ihrer mysteriösesten Abfüllungen neben Mundpropaganda eigentlich vorhatte, weiß ich bis heute nicht.

In einem Paket erhielt ich 2013 ohne Vorankündigung eine mattschwarzen Flasche mit dem Aufdruck „from the Glenlivet Distillery“. Es stellte sich heraus, dass jener Whisky, der unter dem Namen „Glenlivet Alpha“ firmierte, nicht offiziell für den Handel vorgesehen war.

Er war der Inbegriff eines modernen No-Age-Statements. Nur dass Glenlivet hier noch ein Stückchen weiter ging und überhaupt keine Informationen, zu denen sie gesetzlich nicht verpflichtet war, herausgab. Das Ziel von Master Distiller Alan Winchester war es, dass man selbst auf eine „Reise der Sinne“ gehen sollte.

Meist bin ich bei solchen Aussagen äußerst skeptisch. Im Falle des Glenlivet Alpha war dies jedoch mehr als unbegründet. Dieser Scotch glänzte im Glas mit einem filigranen Charakter, der ein derartig fruchtiges Bouquet hatte, dass ich aus dem Suchen und Sortieren gar nicht mehr herauskam.

Einer der wenigen Tropfen, die ich mir auf Vakuum gesetzt habe.

 

Aberlour A’bunadh

Dieser Single Malt Scotch aus der Speyside Brennerei Aberlour hat etwas, das man gut und gerne als „solide Fanbasis“ beschreiben kann. Dieser Tropfen erscheint in regelmäßigen Abschnitten in neuen Batches und protzt nicht nur durch seinen hohen Alkoholgehalt von teils 60 %Vol.

Der Aberlour A’bunadh ist ein Sherry-lastiger Whisky par excellence. Ein kraftvoller, aromatischer Tropfen mit vielen Pros, aber ohne Kontras.

Monkey 47 Distiller’s Cut

Seit 2011 erscheint der Monkey 47 Gin in einer limitierten Distiller’s Cut-Edition. Ein detailbesessenes Destillat, das im Gin-Segment seinesgleichen sucht.

Die Gins der Marke Monkey 47 gelten seit ihrem Marktstart vor wenigen Jahren als Koryphäe der deutschen Gin-Szene. Das Destillat aus dem Schwarzwald trat aus Vermarktungs- und aromatischer Sicht zu jener Zeit Türen ein, die den Weg ebneten für viele kommende Gin-Produzenten.

Für mich persönlich reichen allerdings bis heute nur wenige Gins an das markante Aroma aus Preiselbeeren, Wacholder, Cola, Limette und frischem Moos eines Monkey 47 Distiller’s Cut heran.

The Botanist Islay Dry Gin

Einer der ersten Gins, den ich für Eye for Spirits verkostete, war auch gleichzeitig einer der prägendsten. Der Botanist Islay Dry Gin war vor wenigen Jahren lediglich aus einer Notsituation der Scotch Whisky-Brennerei Bruichladdich entstanden.

Im Gegensatz zu Whisky benötigt Gin keine langen Lagerungsphasen. Es liegt also kein totes Kapital in den Lagerhallen herum. Aus diesem recht pragmatischen und ökonomischen Grund begann Bruichladdich um das Jahr 2010 herum mit der Destillation des Botanist Islay Dry Gin.

Und dieser Notnagel war letztendlich alles andere als ein Lückenfüller. Aromatisch ausgefeilt, komplex und klassisch im Geschmacksprofil war er derart erfolgreich, dass er mittlerweile zum festen Repertoire der Brennerei gehört.

 

Cognac Pitaud Extra

Eine Kategorie, bei der ich nicht müde werde, zu schreiben, dass sie in Deutschland mehr Aufmerksamkeit verdient, ist Cognac. Eines der mit Abstand eindringlichsten Argumente für diese These ist der Cognac Pitaud Extra.

Zugegeben, dieser Weinbrand kostet mit seinen ca. 300,- Euro eine ganze Stange Geld. Und selbst als Investitionsanlage dürfte man hierfür keine große Rendite erwarten, da hierfür die Brennerei viel zu klein und unbekannt ist. Aus sensorischer Sicht wird man allerdings etwas erleben, das man vorher und nachher selten erleben wird.

Der Cognac Pitaud Extra ist der Inbegriff an Fruchtigkeit und Komplexität.


 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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2 Kommentare für Die 10 besten Spirituosen 2010 – 2015

  1. Holger D. 13. Juli 2015 zu 10:19 #

    Oooooooch – schade, dass es kein einziges Agaven-Destillat in diese erlauchte Bestenliste geschafft hat… 😉

  2. M Lara Del Pozo 20. Juli 2015 zu 22:51 #

    Nun gibt es in Deutschland den ersten Premium Mezcal! probieren sollte man es auf jeden fall:

    https://www.galeria-kaufhof.de/p/mezcal-lvaro-carrillo/1020210274

    Dies wird garantiert auf der nächten Liste auftauchen 🙂

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