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NAS Whiskys: Erstens nicht wahr, zweitens nicht so schlimm und drittens: Notwendig!

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Bildquelle: Simon & His Camera/FlickR

Horst Lüning bei den WhiskyExperts und Serge Valentin anlässlich des 13 jährigen Jubiläums von Whiskyfun haben ein paar nachdenklich machende Dinge über die neueste Masche der Whisky Industry gesagt: Whiskys ohne Altersangabe, No Age Statement oder NAS Whiskys. Ein Für und vor allem Wider gegen dieses Genre. Ein Plädoyer.


Das Thema NAS (No Age Statement) Whisky – von einigen auch NAS-ty Whiskys genannt („nasty“ = englisch für ekelig, gemein, garstig, scheußlich, hässlich, fies oder im cineastischen: nasty video. Also Horrorvideo genannt) –  kann man paradoxerweise mit einem ca. 20 Jahre alten Speyside Malt vergleichen.

Das Thema ist viellagig, komplex, hat viele Facetten, es gibt viel zu entdecken, es findet sich Süße und Frucht, Eichentannine und Holz, feine Noten und auch manches sehr bittere, was einem gar nicht liegt.

Ich oute mich kein Fan von NAS-Abfüllungen zu sein, aber gebe auch zu, nur weil ein Whisky kein Alter verrät, muss er deshalb nicht gleich schlecht sein. Und auch nicht so teuer wie es die meisten leider sind. Und um im Bild des Speyside Malts zu bleiben, gibt es vielfältig Gründe für NAS Whisky. Dazu später.

Wie alles begann…

Ein bisschen Geschichte ist immer gut – und man mag mich einen Romantiker nennen, wenn ich von der guten alten Zeit der Whisky-Herstellung rede.

Unabhängig von den Wurzeln des (schottischen) Whiskys zu Zeiten von Friar John Corr und seinen 8 boll Malt zur Erzeugung von aqua vitae für seinen König, wird Whisky erst mit der Zeit der Aufklärung und der noch später einsetzenden Industrialisierung ein Phänomen.

Mit der Aufklärung kommt das Wissen um die Kunst der Destillation aus den Klöstern in die bürgerliche Welt. Mit der einsetzenden Industrialisierung werden die Brennapparate auf einmal billig genug, dass sich ein Farmer entweder einen kaufen oder beim Dorfschmied einen machen lassen kann. Zum anderen bilden sich durch die Industrialisierung erstmals größere Absatzmärkte durch die wachsenden Städte.

Die Farmdestillerien der ersten Tage waren eine Möglichkeit, überschüssiges Getreide durch die Veredelung der Destillation haltbar zu machen. Dieses Getreide – Gerste eignet sich wegen seiner enthaltenen, Gärung-fördernden Enzyme am besten – nahm als Destillat weniger Platz weg. Es konnte zudem nicht mehr von Schädlingen befallen oder gefressen werden und war natürlich haltbar.

Wenn es nicht nur ein übel und scharf riechendes Gebräu war, war es auch jenseits der erzeugenden Farm gefragt und man konnte z. B. dem Grundherren die Pacht damit bezahlen. Zu jener Zeit reden wir von einer klaren Flüssigkeit, die wenn sie nicht sofort getrunken wurde in allen möglichen Behältnissen (wohl meist aus Ton, weil alles andere zu teuer war) aufbewahrt wurde. Von einer geplanten Lagerung war keine Rede.

Vielleicht hatte der ein oder andere adlige Grundherr leere Wein-, Port- oder Sherry-Fässer, die er seinem destillierenden Pächter schickte, um sie mit dem edlen Stoff zu füllen. Destilliert wurde auch nur einmal im Jahr nach der Ernte bis zur Winterzeit. Zum einen konnte man abschätzen, wie viel Getreide man übrig hatte, zum anderen war im Winter Zeit genug, sich der Destillation zu widmen. Die handvoll Destillerien in Schottland, die ihr Gründungsjahr mit einer 17 beginnen, waren für ihre Zeit groß, aber noch bei weitem keine Industrie.

Der klare Whisky wanderte vielleicht in kleinen Mengen in den lokalen Pub oder zum Lebensmittelhändler, der ihn in allem aufbewahrte, was gerade zur Verfügung stand. Weniger gute Brände wurden auch gerne mal mit Kräutern oder Früchten zu retten versucht. Oder sie wurden gestreckt, um mehr rauszuholen.

1822 besuchte King George IV als erster Monarch des Hauses Hanover nach den Aufständen von 1715 und 1745 Schottland. Er trifft Sir Walter Scott, den Mann der den Besuch arrangiert hat und lädt ihn zu einem Drink ein – a glass of something completely illegal: The Glenlivet. In cask strength gemacht von Mr. George Smith, ein in Latein gelehrter Architekt und Pächter des Duke of Richmond and Gordon. Und ein Schmuggler. Es war eine Großtat, für die Malt-Liebhaber ewig dankbar sein sollten.

Der erste schriftliche Hinweis, dass Reifung in einem Fass dem Whisky gut tut, stammt aus dem Tagebuch von Elizabeth Grant of Rothiemurchus, „Diary of a Highland Lady“, in dem sie beschreibt, wie sie „pure Glenlivet whisky“ an ihren Vater nach Edinburgh schickte, wo der Whisky ebenfalls König George IV beim Besuch von 1822 serviert wurde.

1822 wurde in Schottland der Illicit Destillation Act (Gesetz über die illegale Destillation) verabschiedet, der das Steuerrecht vereinfachte, aber die Rechte der Großgrundbesitzer stärkte. 1823 wurde ein neuer Act of Excise vom Parlament in London beschlossen, der das Brennen von Whisky gegen eine Gebühr von 10 Pfund plus einen festen Steuerbetrag pro Gallone Whisky gestattete. Gleichzeitig legte man eine Mindestgröße von 40 Gallonen für die Brennblase fest. Dies richtete sich gegen illegale Brenner und ihre Schmuggler.

Jedenfalls war es bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts so, dass eine Farm-Brennerei mehr oder weniger regelmäßig destillierte, sich mit dem Produkt eine Anhängerschaft aufbaute und sich so der Ruf der Destillerie verbreitete. Mit der wachsenden Nachfrage nach Whisky wird aus dem „Farmdistiller“ erst ein Handwerker, der die Brennkunst beherrscht.

Dann spätestens nach der Steuerreform von 1823/24 wurde mit der Erlaubnis größerer Brennblasen gegen Steuerzahlung ein Klein-/Mittelunternehmer aus ihm und schon gab es eine Whisky-Industrie, die 1899 mit dem Pattison Crash vor massiven Problemen steht.

Auf diesem Weg reichten zunächst irgendwelche Ton- oder Steinzeugkrüge, die wenigen Flaschen,  die im Umlauf waren, doch mit der beginnenden Industrialisierung der Whisky-Herstellung längst nicht mehr aus. Oft gab es aber auch gar keine Notwendigkeit, den fertigen Whisky irgendwie zwischenlagern oder transportieren zu müssen. Er wurde klar „off the still“ getrunken und weiterverkauft.

Größere, effektivere Lagerbehälter mussten erst her als die Produktionszahlen den Absatz überstiegen. So begann sicher die zunehmende Verwendung von gebrauchten Fässern.

Der erste Brenner, der sich neue Eichenfässer machen ließ, um seinen frischen Brand zu lagern, dürfte seinen Kollegen sehr schnell erzählt haben, dass das nicht die beste Idee war. Daher dürfte die lange etablierte Praxis stammen, gebrauchte Fässer zu nehmen. Solche gebrauchten Sherry-Fässer standen z. B. im schottischen Hafen von Leith herum. Die SherryAbfüller dort hatten keine Verwendung dafür, wenn sie erst einmal geleert waren.

Mit der Massenproduktion von Whisky setzte auch die Werbung ein. Wer viele volle Fässer hatte und nicht alle gleichzeitig weiterverkaufen konnte, der stellte fest, dass der Whisky im Fass mit der Zeit besser wurde.

Die gesetzliche Verpflichtung, Whisky in Fässern reifen zu müssen kam dennoch erst 1915.

Verursacher war David Lloyd George, 1. Earl Lloyd-George of Dwyfor OM (* 17. Januar 1863 in Manchester; † 26. März 1945 in Llanystumdwy, Caernarfonshire), ein britischer Politiker. Er wurde während des Ersten Weltkrieges zum Premierminister gewählt und war der letzte Liberale, der dieses Amt innehatte.

Vor dem ersten Weltkrieg gab es im ausgehenden 19. Jahrhundert weltweit eine starke Temperance– oder Abstinenzbewegung. Es war eben leichter, Alkohol als Ursache aller gesellschaftlichen Probleme zu betrachten, als die Probleme einzeln und direkt anzugehen.

Ein langjähriger Unterstützer der Abstinenz war David Lloyd George.

Wäre es nach ihm gegangen, wäre Großbritannien ein trockenes Land geworden. Im März 1915 war die Regierung neben dem Krieg in Frankreich so mit dem Thema Alkoholkonsum beschäftigt, dass David Lloyd George in einer Rede sagte: „We are fighting Germany, Austria and drink; and as far as I can see, the greatest of these deadly foes is drink„. Lloyd George bewegte den König „to take pledge„, den Abstinenzeid zu schwören, ebenso den Duke of Portland – doch dieser blieb der einzige Adlige der dem König folgte.

Schon im Februar 1915 hatte Lloyd George als Chancellor of the Exchequer in Bangor, Nord Wales, eine Rede gehalten, bei der er sich Gedanken um die Effektivität der britischen Rüstung machte. „I hear of workmen in armament works who refuse to work a full week for the nation’s need“, erzählte er dem Publikum. „What is the reason? Sometimes it is one thing, sometimes it is another, but let us be perfectly candid. It is mostly the lure of drink … Drink is doing more damage in the war than all the German submarines put together.“

Zuerst erreichte Lloyd George, dass eine zentrale Regulierungsbehörde für den Alkoholhandel eingerichtet wurde, das Central Control Board. 1915 regelte der Immature Spirits Act, dass es gesetzlich vorgeschrieben war, von nun an Whisky mindestens zwei Jahre reifen zu lassen und diese Frist wurde 1916 auf drei Jahre erweitert. Noch ein Jahr später kam durch das Central Control Board der Zwang zu einem Proof-Gehalt, der heute 40% vol. entspricht, dazu.

Warum drei Jahre? Die Abstinenzbewegung war lange der Meinung, dass ungereifte Spirituosen von unter zwei Jahren mehr Trunkenheit verursachten als solche, die älter waren. Peter Mackie – Restless Peter von den White Horse Distillers, Lagavulin – war vehement für drei Jahre und griff den „raw whisky“ an. Mit „raw whisky“ meinte er den mit Patent stills erzeugten Grain Whisky. „Experience teaches that most of the riotous and obstreperous behaviour of drunks comes from the young and fiery spirit which is sold, while men who may over-indulge in old matured whisky become sleepy and stupid, but not in a fighting mood“.

1915 hatte die Erfahrung die Blender bereits gelehrt, dass Whiskys mit mehr als drei Jahren geschmeidigere und aromatischere Blends ergaben.

Die Chemie kann erklären wieso. Die Unreife schwindet in den ersten drei Jahren in einem First Fill oder Rejuvenated Cask, also einem Active Cask, dramatisch. In einem Inactive Cask mit vielen Refills dauert diese unreife Periode länger… bis zu 12 Jahren. Ha!

Das erklärt den übermäßigen Einsatz von junger Eiche in so vielen modernen und alterslosen NAS Abfüllungen.

Uff, was hat das nun alles mit der Komplexität eines 20 Jahre alten Speyside Malts zu tun? Das Thema NAS Abfüllungen ist genau so komplex.

Marketing heißt Bedürfnisse wecken, zu schaffen um Produkte zu verkaufen, die für diese Bedürfnisse entwickelt werden. Das ist tautologisch, aber so funktioniert es.

Eine sehr erfolgreiche Marketing Kampagne war dabei die Kampagne für Whisky mit Altersangabe!

Als in den 1960ern Single Malt Whiskys breiter verkauft wurden, gab es nur wenig, die ein Alter angaben. Glenfiddich, einer der Pioniere im Single Malt-Verkauf nannte sich Pure Malt und war NAS. Dann wurde er zur Special Reserve NAS und erst um 2007 wurde er zum Glenfiddich 12 Jahre, den wir heute kennen.

Grund für die Entwicklung zu Whiskys mit Altersangabe war der „Whisky-See“. Nach dem Crash von 1983 wurden zwar die Kapazitäten der Destillerien heruntergefahren und weniger Casks gefüllt, dennoch füllten sich wegen des eher schleppenden Absatzes von Blends und Malts die Lagerhäuser langsam aber sicher. Dann nahm Ende der 1990er Jahre und bestimmt ab 2000 der heutig Whisky Boom Fahrt auf, in dessen abflauendem Ende wir uns gerade befinden.

Dabei ging es bei dem ab 2000 einsetzenden Boom nicht darum jungen und vielleicht unreifen Whisky zu verkaufen, der frisch in den Warehouses lagerte. Nein, es ging darum, die seit 1983 ff. angehäuften Bestände loszubekommen und die Lagerhäuser für Neues frei zu machen.

Die Lagerhäuser freizubekommen, funktionierte sehr gut. Die Whiskys mit Altersangabe verkauften sich wie geschnitten Brot und zwischen 2005 und 2010 lebten Whisky-Freunde in der besten aller Whisky-Zeiten. Nie war die Auswahl bei Malts und Blends so groß. Single Malts als Eigentümerabfüllungen, als Single Casks, Faßstärken, das Kühlfiltrieren wurde zurückgedrängt und auch das ewige Färben ging zurück. Die Spanne an Single Malts reichte von 10 bis 30 Jahren ohne Probleme bei manchen Destillerien – und das alles war in einem angemessenen Preis-Leistungsverhältnis.

Als der Boom losging, hätte wohl keiner der Verantwortlichen dran gedacht, dass seine lange liegenden Bestände in nur 10 Jahren praktisch leer sein würden.

Die erste Realisierung, dass ein Boom eingesetzt hatte, weltweit, führte zu der Erkenntnis, dass es gelingen würde, die Lagerhäuser leer zu bekommen. Da es darum ging, immer mehr neue Kunden zu gewinnen und sie mit hochwertigen Produkten zu überzeugen, durften die Master Blender aus dem Vollen schöpfen.

Es wurde übliche Praxis, die 10 und 12 jährigen Standard-Abfüllungen mit einigen viel älteren Fässern aufzupeppen. Bei einigen Destillerien ging das in die Region von Casks 20 Jahre+ bei 12 jährigen Standards.

Da der jüngste in der Flasche enthaltene Whisky das Alter der Abfüllung definiert, hat sich niemand an der Praxis gestört.

Als Vorbote der NAS Entwicklung wie wir sie heute haben, war daher schon zur Mitte der 2000er Jahre der erste Schritt die Reduzierung der alten Casks in Standard Originalabfüllungen.

Die Single Malts begannen sich zu verändern und daher rührt die oft gehörte Klage, die Taliskers, Lagavulins und Laphroaigs (und alle anderen nicht genannten Whiskys dieser Welt) seien früher besser, intensiver gewesen.

Das liegt nicht nur an reduzierten Altern von bei Standards verwendeten Fässern. Das liegt auch an Produktionstechniken und „verbessertem“  Cask Management. Viel liegt es auch an nun verkäuflichen 30 Jahre alten single Cask Bottlings … zu einem Preis.

Was es mit Sicherheit nicht gibt, sind in Ketten bei Wasser und Brot gehaltene Master Blender, die in den Tiefen des Warehouses 12 seit den 1980ern eingekerkert waren und nun befreit von allen Zwängen endlich nur drei Jahre alte Fässer verarbeiten dürfen… das hätten sie schon immer gekonnt.

Und habe es getan, z. B. beim Johnnie Walker Red oder anderen Blends ohne Alter. Ein schönes Beispiel ist der Bell’s Blend. Gibt es Whisky im Überfluss trägt er das Alter 8 Jahre, wird Whisky knapp, verschwindet das Alter. Momentan hat er keines.

Das Pendel ist zurückgeschwungen. Die „age matters“ Kampagnen der 1980er Jahre und Serien wie die Classic Malts of Scotland mit ihren sechs Whiskys mit Alter waren erfolgreich, zu erfolgreich. Ein trauriges Beispiel eines Opfers des eigenen Erfolges ist Macallan.

So genug geschwafelt. Man kann das Thema NAS unter verschiedenen Blickwinkeln betrachten.

Ein Blick auf das Thema „moderne NAS“….aus mehreren Perspektiven

Im Folgenden einige Ansatzpunkt ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • NAS Whiskys sind ein Marketing Gimmick

Es wird eine Diversifikation vorspiegelt und auf die Neugier der Whisky-Trinker vertraut.

  • NAS als Notwendigkeit

Die Age matters Kampagne war zu erfolgreich, die alten casks sind weg.

  • NAS als Notwendigkeit zum wirtschaftlichen Überleben

Arran, Bruichladdich, Glenglassaugh. Junge Destillerien mussten früh jungen Whisky anbieten, um den Cash Flow zu verbessern. Außerdem waren wir neugierig, aber damit waren sie unfreiwillige Wegbereiter für eine unschöne Entwicklung.

  • NAS als Experiment

Multi Vintage-Abfüllungen wie der Glenmorangie Signet. Was passiert, wenn man alte und junge Malts kombiniert? Lässt sich das verkaufen?

  • NAS als Marketing-Masche

„Innovation“ aus dem Zwang Marktanteile zu erkämpfen, z. B. Talisker.

„limited edition“ offerings are mostly red herrings, aimed at bringing attention to the brand in an increasingly crowded marketplace. „There is a huge demand from retailers for novelty to try to keep the energy and excitement in the category,“ sagt Nick Morgan, Head of Whiskey Global Outreach bei DIAGEO. „For most brand owners, in terms of single malt, your core brand is your 10 to 12 year old expression and it’s going to be 85 to 95 percent of your business. All the other stuff is about raising awareness.“

  • NAS – es zählt nur der Cash Flow – verkauf‘ das Zeug schneller!
  • NAS und die Chemie des Fasses, die Magie der Zeit. Abkürzungen führen ins Nichts.
  • NAS als Prinzip. Ardbeg, Ardmore… muss man besonders bei Ardbeg mehr sagen?
  • NAS im Travel Retail…

und auch sonst – wen kümmert Qualität? As demand goes up, quality goes down.

  • Falsches AS oder lieber NAS ?

Oder: Alter Malt in jungen Flaschen. Ardbeg TEN in den ersten Jahren bei Glenmorangie, GLendronach 15 aktuell oder der Littlemill 14 in der gelben Tube – alle älter als das angegebene Alter.

  • NAS und das Problem des Managements

Die Struktur der Whiskyindustrie… Manager wollen ihre Boni und Shareholder ihre 25% Rendite.

  • NAS und die Zukunft

oder: Planen heißt den Zufall durch den Irrtum zu ersetzen

  • NAS – wieso funktioniert das manchmal doch?

Abunadh, Quarter Cask…. aber….

  • NAS – haben NAS Whisky wirklich kein Alter?

Irgendwo zwischen drei und ja, wie viel Jahren eigentlich? Z. B. die ersten drei Uigeadails… Vattings aus sehr alten und recht jungen Casks… und was ist heute so alles drin?

  • NAS und das Mischungsverhältnis

Würden die vielen NAS Whisky auch schmecken wenn sie wirklich nur jung wären? Man könnte auch sagen, junger whisky wird mit altem aufgepeppt, das treibt den Preis. Alter malt wird mit jungem verdünnt, das treibt die Trinkbarkeit.

  • NAS und der Preis

Wenn das Zeug jünger verkauft wird, warum dann „zum alten Preis“? Die Logik stimmt nicht zusammen.

„The dirty little secret of the Scotch industry is they’ve become addicted to high prices, but they’ve run out of old whisky,[…]“ sagt Ian Buxton.

  • NAS – wenn’s geht, wird’s auch gemacht.

Die Preistreiberei über NAS Abfüllungen versaut die Preise. Wenn die so dumm sind, das junge Zeug zu dem Preis zu kaufen… Wo ist die Grenze?

  • NAS und Ultra Premium – was heute in der Flasche ist, altert nicht im Cask.

Die breite Mitte muss heute geschont werden, denn ganz oben, wo alles nur noch super, über und hyper Premium ist und ganz alt, wird dicke verdient. Da spielt das Alter sehr wohl eine Rolle.

Try younger (cheaper) whiskies. Almost all of today’s growth lies in ultra-premium whiskies (a.k.a. the oldest stuff), so it stands to reason that demand will push those prices the highest. Remember that age doesn’t mean quality, it means rarity.

  • NAS schont heutige Bestände… damit sie auch morgen noch preislich zuschlagen können.

Wie Ian Buxton schon sagt: „So hohe Preise lassen sich nur rechtfertigen, wenn es auch alte Abfüllungen gibt, die das Preisniveau für alle Whiskys hochhieven.“

Wie gesagt das Thema ist komplex – und lieber als mit solchen Fragen und dem unguten Gefühl, dass man mich über den Tisch ziehen will, würde ich mich mit 20 jährigen Speyside Malts oder irgendeinem anderen whisky in dieser Altersgruppe beschäftigen… wenn ich sie denn zu den Preisen kaufen wollte.

Aber das ist ein anderes Thema.


 

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4 Kommentare für NAS Whiskys: Erstens nicht wahr, zweitens nicht so schlimm und drittens: Notwendig!

  1. Tobias 29. Juli 2015 zu 09:53 #

    Sehr schöner Beitrag. Vor allem die Einführung, die vielen Details und den geschichtliche Hintergrund fand ich sehr interessant und gut zu lesen. Allerding muss ich sagen, dass ich diese NAS-Stichpunkte-Aufstellung am Ende nicht so ganz verstehe.. Das hätte man vielleicht noch etwas mehr ausformulieren können – passend zum Anfang. 🙂

    NAS ist wirklich ein heikles Thema, ich bin eher der „schmeckt – wird gekauft / schmeckt nicht – kauf ich nicht“-Typ. Es gibt gute NAS (leider meistens nicht gerade billig), die kaufe ich gerne. Die Geschichten und das Marketing-Blabla sind nett, aber kein Kaufgrund für Whiskykenner (wobei sie Neulinge sicher interessieren und „verführen“ dürften). Allerdings ist so ein Alter auf der Flasche oder sogar eine „Vintage“-Abfüllung einfach schöner anzusehen. Das ist auch mal was zu Aufheben, zum in den Schrank stellen und sich an vergangene Tage erinnern. Wie soll das mit NAS gehen? Klar, da gibts auch mal eine schöne Flasche, aber der Bezug dazu ist was ganz anderes. Ich kauf gerne Flaschen aus meinem Geburtsjahr oder anderen Jahren, zu denen ich einen Bezug habe. Davon dann auch mal mehrere, zum trinken und anschauen 🙂
    Schade, dass ich in den besten Whiskyjahren (2005-2010) noch nicht so Whisky-interessiert war und auch nicht das nötige Kleingeld zur Vefügung hatte ….

  2. Holger 29. Juli 2015 zu 12:29 #

    Guter Beitrag mit tollen Hintergrundinformationen. Das NAS Thema wird uns wohl noch lange begleiten. Wir haben diese Problematik bei uns im Ladengeschäft täglich. Und teils mit genau den Fragen wie oben erwähnt. Warum kein Alter? Warum dann teurer? Sind das nur schlechte Whisky, die zusammen gemischt werden? Wir versuchen dann zu erklären und greifen dann am Schluss zum sichersten Mittel, um den potentiellen Käufer zu überzeugen. Wir lassen ihn probieren. Klapp meistens super. NAS ist nicht immer minderwertig. Die besten Beispiele in meinen Augen sind der Aberlour A’Bunadh, Laphroaig PX Cask, der Talisker Port Ruighe oder der Glenfarclas 105.
    Ich persönlich schließe mich @Tobias an: Schmeckt – kauf ich.

  3. Matthias Hartinger 30. Juli 2015 zu 16:33 #

    Hier kann ich mich meinen beiden Vorrednern nur anschliessen. Schmeckt -> kauf ich, schmeckt nicht -> lass ich.

  4. lothar kuntze 8. September 2015 zu 14:16 #

    Bitte die Engl. Texte ins deutsche Übersetzen. Danke

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