Werbung

The Quiet Man Irish Single Malt 8 Jahre im Test

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterEmail this to someone

Er ist unbekannt, er ist neu und er ist seit kurzem auf dem deutschen Markt verfügbar: The Quiet Man Irish Single Malt 8 Jahre. Was hier von Nordirland zu uns herüberschwappt, hat das Zeug zum Lieblingstropfen vieler Malt Whiskey-Fans. Was letztlich vor allem an Bouquet und Geschmack liegt, denn mit den Begrifflichkeiten hapert es noch etwas.


2016 will das Unternehmen Niche Drinks die Pforten ihrer neuen Brennerei „The Quiet Man Craft Distillery“ öffnen. Ab dann sollen Single Malts aus den hauseigenen Pot Stills tropfen.

Bis es schließlich soweit ist, kauft der Kopf hinter den Whiskeys, Ciaran Mulgrew, New Make-Destillate aus anderen Brennereien auf, vermählt diese und füllt sie anschließend zur Reifung in First Fill-Bourbonfässer.

Fraglich ist in dieser Hinsicht jedoch der Begriff „Single Malt“. Denn auch wenn die eigene Brennerei im Bau befindlich ist, wird der aktuelle Malt Whisky von verschiedenen Brennereien produziert. Per Definition ist es folglich ein Blended Malt und kein Single Malt.

Nichtsdestotrotz kommt der Quiet Man nach 8 Jahren Reifung in Ex-Bourbonfässer mit 40 %Vol. in die Flasche. Laut Angaben des Importeurs wurde zudem, wie mittlerweile in der Industrie fast Usus, auf Zugabe von Farbstoff verzichtet.

Degustation des Quiet Man Irish Single Malt 8 Jahre

Der Quiet Man Irish Single Malt 8 Jahre besitzt eine Farbe, die ich als Pastellgold beschreiben würde.

In welcher Kategorie sich dieser Malt nun auch befinden möge, aromatisch liefert er einiges ab. Zwar beginnt er weich, benötigt allerdings einige Minuten Ruhe im Glas, um das Bouquet kraftvoll vorzubereiten. Gibt man dem Quiet Man Irish Single Malt 8 Jahre diese Startphase, liefert er eine Melange aus fruchtigen und floralen Aromen. Vor allem Aprikose und ein angenehm trockener Charakter, der einen Hauch Rotwein versprüht, wissen zu gefallen. Im Hintergrund zeigt sich schwach etwas Rauch. Generell besitzt der Quiet Man Irish Single Malt 8 Jahre ein Bouquet aus Nuancen. Diese schaukeln sich aber gemeinsam und kraftvoll nach oben, was deutliche Parallelen zu japanischem Single Malt zeigt. Hätte ich nicht gewusst, dass es ein Ire ist, ich hätte ihn aus einer japanischen Brennblase vermutet.

Auch im Mund ist der Quiet Man Irish Single Malt 8 Jahre angenehm weich. Er wirkt fruchtig, leicht rauchig und weiß durch eine angenehme Balance der einzelnen Noten durchaus zu gefallen. Allerdings fehlt es ihm hier etwas an Komplexität und der ein oder anderen kraftvollen Note. Etwas längerer Fasskontakt und mehr Volumenprozent hätten ihm sicherlich gut getan.

Im Nachklang zeigt er schließlich nochmal, was er in der Nase ebenfalls bot: dezenter Rauch und eine trockene Fruchtnote.

Schlussendlich kann ich sagen, dass wenn man es mit Begrifflichkeiten nicht zu ernst nimmt, der Quiet Man Irish Single Malt 8 Jahre durchaus das Potential hat, zum Lieblingswhiskey zu werden. Nicht zuletzt durch seinen akzeptablen Preis.

                                       Details:

Art: Malt Whisky

Alter: 8 Jahre

Jahrgang: k. A.

Alkohol: 40 %Vol.

Preis: 45 Euro à 0,7 Liter

Region: Londonderry/Nordirland

                            Bottler: Niche Drinks

                             Fazit: 8/10 Punkten


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.

8 Kommentare für The Quiet Man Irish Single Malt 8 Jahre im Test

  1. Matthias Hartinger 2. August 2015 zu 17:43 #

    Stellt sich für mich nur die Frage, bei welchen Begriffen man bei Niche Drinks noch ein bis zwei Augen zugedrückt hat. Vielleicht bei dem Zusatz „ohne Farbstoffe“, und wie wird das bei den weiteren Abfüllungen aus diesem Hause gehalten?

    Da regen wir uns über die NAS Whiskys auf, bei denen steht aber wenigstens nichts falsches auf dem Etikett.

    Matthias

  2. kallaskander 3. August 2015 zu 14:34 #

    Hi there,

    nun, der Standard Quiet Man scheint dieser hier zu sein.

    https://www.facebook.com/920940781301606/photos/pb.920940781301606.-2207520000.1438605579./966740046721679/?type=1&theater

    Da steht drauf, daß er ein blend ist.

    Das würde die Firma aber nicht abhalten, einige casks als single casks zu belassen und dann als single malt abzufüllen.

    Wie der blog whsikey Belfast schreibt, gibt es eine ganze range und Quiet Man hätte auch schon gereifte casks gekauft, nicht nur new make.

    http://whiskybelfast.blogspot.de/2015/05/here-comes-quiet-man.html

    „The Quiet Man whiskey range will be released with two expressions – a NAS blend and an 8 year old single malt with both expressions being chill filtered, although managing director, Ciaran Mulgrew, does state that future single cask bottlings will probably be released at cask strength and obviously without chill filtration.“

    Es gibt also beides, einen malt und einen blend.

    Greetings
    kallaskander

  3. Philip Reim 3. August 2015 zu 15:46 #

    Hallo Kallaskander,

    ich habe soeben nochmal in der offiziellen Mitteilung nachgelesen, die mir der offizielle Importeur vergangenen Juni zuschickte.
    Darin steht zwar, dass es sowohl einen Blend als auch einen Single Malt gibt, anscheinend beide aber durch New Makes verschiedener anderer Destillerien entstanden.
    Dein Argument mit Single Cask zu Single Malt klingt allerdings logisch. Nur wird das so vom Importeur nicht kommuniziert.

    Gruß Philip

  4. kallaskander 3. August 2015 zu 16:16 #

    Hi there,

    oder von der beauftragten Werbeagentur?

    Hatten wir grade beim Mellow Corn….

    Greetings
    kallaskander

  5. Maddin 3. August 2015 zu 17:39 #

    Schon mal daran gedacht, dass das ein Ire ist und der möglicherweise andere Vorschriften zur Bennenung folgen darf?

  6. whatadrink 3. August 2015 zu 20:15 #

    @Maddin: Single Malt kommt immer aus einer Destillerie – auch in Irland;

    @Philip: Hier hat sich wohl der Importeur vergaloppiert. Schon die Story mit dem New Make ist ein wenig weit hergeholt. Da sollte man mal Nachfragen…

    Irischer Single Malt wurde in großem Stil nur von Bushmills und Cooley hergestellt. Durch den Verkauf der letzteren Destille kamen eine überraschend große Zahl von „Fremdabfüllungen“ auf den Markt – z.B. von Firmen wie Cadenhead’s etc. Dazu noch eine Reihe von Firmen, die offenbar eine eigene Destillerie bauen (wollen) und zum Aufbau einer Marke amerikanischen Vorbildern nacheifern, die zugekauften Bulkwhisky unter eigenem Label abfüllen ohne die Quelle anzugeben. Das ist zulässig. Wenn man dabei so tut, als ob man selbst den Stoff destilliert hat (auch wenn man nicht direkt Falschbehauptungen aufstellt), ist das am Rande des guten Geschmacks – mehr aber auch nicht. Es ist ja trotz aller Geheimniskrämerei Irish Single Malt.

    Ich persönlich finde ein solches auf fremdem Stoff basierendes Brandbuilding wertlos. Mir persönlich wäre es viel lieber, wenn sich die Neulinge auf die irische Tradition des Pure Pot Still- oder Single Pot Still Whiskeys konzentrieren würden. Diese eigenständige Kategorie gäbe Unmengen an Experimentiermöglichkeiten her und würde eine neue Firma/Marke wirklich herausheben. Aber wer hört schon auf mich…

  7. kallaskander 4. August 2015 zu 09:14 #

    Hi there,

    ich hatte dem Kollegen von Liquid Irish auf den ersten Satz in diesem Artikel

    http://www.liquidirish.com/2015/06/an-pucan-teeling-single-cask-single-malt.html

    hin geschrieben, daß das wahre revival des Irish whiskey dann zu vermelden wären, wenn es mehr pure pot still gäbe – der nicht in Midleton destilliert wurde.

    Daran hat mich der post von whatadrink erinnert.

    Das Problem dabei ist, daß seit dem echten pure pot still und seinem beinahe Ende in den 1960ern gut 50 Jahre marketing durch Pernod Ricard ins Land gegangen sind.
    Die haben zwar die Irish Distillers finanziell gerettet, aber das Mittel der Wahl waren Irish blends wie – mit großem Erfolg – Jameson’s.
    Man muß glaube ich zugeben, daß ohne diesen Erfolg heute in Irland mit whiskey nicht mehr viel los wäre. Und in Irland selbst fand eine Art Umerziehung im Geschmack statt… gab ja lange nichts anderes als blended Irish.

    Aber es ist nicht alles trist. Schaun mer amol was die vielen geplanten und im Bau befindlichen irischen Destillerien machen werden.

    http://whiskyexperts.net/irische-destillerien-eine-aktuelle-karte/

    Schon Cooley hatte vor Jim Beam angekündigt pot still whiskey zu machen und nicht nur die.

    Greetings
    kallaskander

Schreibe einen Kommentar