Edradour Single Malt Scotch 10 Jahre im Test » Eye For Spirits

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Edradour Single Malt Scotch 10 Jahre im Test

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Sie ist eine der letzten Whisky-Bastionen der schottischen Highlands. Scheinbar unberührt vom Whisky-Boom der vergangenen Jahre fährt die kleine Scotch-Destille Edradour konsequent ihre eigene Linie. Eine Linie, bei der bereits die Standard-Abfüllungen eine ansehnliche Qualität besitzen. So zum Beispiel der Edradour 10 Jahre.


Edradour 10Er ist schlicht, er ist simpel und er scheint die Auswüchse der jüngeren Scotch-Geschichte kaum bemerkt zu haben: der Edradour 10 Jahre. Dieser Single Malt aus dem Kern-Segment von Schottlands kleinster Whisky-Brennerei liefert solide das ab, was in der Scotch-Industrie an der ein oder anderen Stelle mittlerweile verloren gegangen ist: solide Handwerkskunst ohne Schnörkel.

Auch wenn die Brennerei eine ordentliche Latte an Finishes oder exotischen Fass-Experimenten vorweisen kann, der Edradour 10 Jahre fristete seine Reifungszeit konservativ in Ex-Oloroso Sherryfässern. Ob es sich dabei um klassische Sherry-Butts oder andere Fasstypen handelt, ist mir jedoch nicht bekannt. Allerdings wird er meines Wissens nach vor der Abfüllung kältefiltriert.

Degustation des Edradour 10 Jahre Single Malt

Um es kurz zu machen: der Edradour 10 Jahre Single Malt ist ein solider Sherry-Whisky. Er liefert die klassischen, zu erwartenden Aromen und macht dabei ein so gute Figur, dass man erwarten können, er wäre älter als auf der Flasche angegeben. Dennoch spielt er meines Erachtens nach nicht in der 1. Liga jener Whiskys aus Sherry-Fässern. Dass hier noch etwas Luft nach oben ist, zeigt allein die hausinterne Konkurrenz wie der Edradour The Fairy Flag.

Die Farbe des Edradour 10 Jahre ist ansprechend. Ocker-farben liegt dieser Malt im Glas und macht neugierig auf das was kommt.

Seinem niedrigen Alkoholgehalt von „nur“ 40 %Vol. ist es geschuldet, dass man für diesen Scotch kein zusätzliches Wasser benötigt. All das, was der Edradour 10 Jahre zu liefern hat, liefert er trocken. Dies sind dann in erster Linie klassische Tertiär-Aromen des Sherry-Fasses. Vor allem Leder, Sherry und Rosinen spielen hier die dominanteste Rolle. Aber auch das Holz selbst macht mit fruchtiger Birne und gebackenem Apfel auf sich aufmerksam. Beim zweiten Glas hatte ich den Eindruck als hätte er eine leichte Blauschimmel-Note, die schwach an angeschimmeltes Holz erinnert.

Im Mund präsentiert sich der Edradour 10 Jahre zunächst angenehm weich und mineralisch. Er wirft wild mit Sherry, Rosinen, Karamell und Nüssen um sich und liegt angenehm trocken im Mund. Allerdings wären etwas mehr Volumenprozent hier von Vorteil gewesen. Dadurch wäre er wahrscheinlich etwas komplexer geworden.

Zum Abschluss erfindet sich dieser Scotch nicht noch einmal neu. Er bleibt seinen Aromen und Noten treu und verlässt den Gaumen mit Rosinen, Leder, Hefe und einem staubtrockenem Nachklang.

Der Edradour 10 Jahre ist definitiv ein Single Malt, der eine Hausbar bereichert. Zudem liefert die kleine Highlands-Brennerei hier mit einem Preis von unter 40,- Euro zudem ein solides Preis-/Leistungsverhältnis ab. Wer allerdings auf die Macken des „niedrigen“ Alkoholgehalts und der Kältefiltration verzichten möchte, der sollte einen Blick auf Edradours Fairy Flag werfen.

Details:

Art: Single Malt Scotch Whisky

Alter: 10 Jahre

Jahrgang: k.A.

Alkohol: 40 %Vol.

Preis: 35 – 40 Euro à 0,7 l

Region: Highlands/Schottland

    Bottler: Edradour/Signatory

     Fazit: 7/10 Punkten


 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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2 Kommentare für Edradour Single Malt Scotch 10 Jahre im Test

  1. kallaskander 4. August 2015 zu 16:17 #

    Hi there,

    wie unterschiedlich die Geschmäcker sind… glücklicherweise.

    Ich finde im Edradour immer eine Note von Spülmittel oder Seife – nichts dramatisches, das gehört dazu, auch wenn das ähnlich wie bei Bowmore vor einigen Jahren mit seinem Lavendel beim Edradour schon mal sehr ausgeprägt war.

    Ehrlich, der Fairy Flag hat mich enttäuscht, für einen 15 Jahre alten Edradour finde ich den zu harmlos und zu untypisch.

    Der 12 jährige Caledonia ist da imo die bessere Wahl. Oder die 10 jährigen Einzelfaßabfüllungen von Signatorys The Un-Chillfiltered Collection mit ihren 46%….

    obwohl ich grade da mal einen hatte, ist mindestens 5-6 Jahre her, der nur nach Spüli geschmeckt hat….

    Greetings
    kallaskander

  2. Philip Reim 4. August 2015 zu 19:49 #

    Klingt so, als hätten einige deiner Gläser Spülmittel-Rückstände 🙂

    Bezüglich des Fairy Flag muss ich sagen, dass er für meinen Geschmack zusammen mit Glenlivets Nadurra einer der Sherry-Highlights der vergangenen Monate war.

    Gruß Philip

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