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Die Grande Dame der vergessenen Cocktails: die Pink Lady

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Bildquelle: jeystyle/Fotolia

Für die ein oder andere zu stark, für den ein oder anderen zu rosa. Man könnte fast meinen der Pink Lady-Cocktail ist ein Laden- oder Barhüter. Gut zubereitet hat dieser Drink allerdings das Potential zu einem persönlichen Liebling zu werden. So war es zumindest bei mir nach der ersten Nacht mit dieser Dame.


Machen wir uns nichts vor. Unabhängig von Aroma und Geschmack profitiert der Ruf des Pink Ladys sowohl auf der Verwegenheit, die alle Prä- und Prohibitions-Cocktails umgibt, und zum anderen aufgrund seines Sex Appeals. Letzteres vor allem durch seinen Namen und seine Farbe hervorgerufen. Sie klingt also etwas nach der Großmutter des Cosmopolitan. Eine elegante Großmutter. Eine Großmutter, die aber auch ordentlich in den Hintern treten kann.

Im Gegensatz zu vielen heutigen Girlie-Drinks war der Pink Lady ein Kind seiner Zeit. Das heißt, der Alkohol war nicht nur Wirkungsmittel, sondern essentieller geschmacklicher Baustein des Cocktails. So finden sich heute mittlerweile einige Pink Lady Rezepturen, die nicht weiter von diesem traditionsreichen Drink entfernt sein könnten. Teils wird das Rezept bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Denn spätestens wenn die ursprüngliche Rezeptur auf Gin, Zitrone, Grenadine und Curacao reduziert wird, dann, spätestens dann hat der Spass ein Loch.

Aber vielleicht ist das auch manchmal der normale Gang der Dinge, den ein Drink wie der Pink Lady erfahren muss. Einer dieser Cocktails, dessen Popularität nach der Prohibition in den USA (1919 – 1933) sukzessive abnahm. Hand in Hand mit seinem flüssigen Nahverwandten, dem Clover Club, schritten die beiden bis in die 2000er Jahre immer mehr in die Vergessenheit. Wurden letztendlich nicht mehr als eine Fußnote der Cocktailliteratur.

Dabei schien zu Beginn des 20. Jahrhunderts alles ganz anders: die Pink Lady, damals noch ein Broadway-Sternchen auf Erfolgskurs. Seinen ersten großen Auftritt hatte dieser pastell-farbene Cocktail im Jahr seiner Kreation: 1912. Denn das gleichnamige Broadway Musical von Ivan Caryll, welches 1 Jahr zuvor in New York Premiere feierte, sorgte aufgrund des gleichen Namens für den ersten medialen Schub.

Ihre zweite große Show bekam die Pink Lady dann 35 Jahre später. Wie Daniel R. White in seinem Cocktail-Buch The Classic Cocktails Book schreibt, erlebte die Pink Lady durch ihren Auftritt im nächsten Broadway Musical Happy Birthday im Jahre 1947 einen neuen medialen Höhenflug.

Ab dann ging die Karriere des rosa Drinks steil bergab. Soweit, dass selbst die Rezeptur im Laufe der Zeit stark von der Original Zutatenliste abwich. Selbst in Standard-Cocktailwerken wie Schumanns American Bar.

In der 18. Auflage von 2006 besteht darin eine Pink Lady aus Zitronensaft, Eiweiß, Zucker, Grenadine und Gin. Die nahezu identische Rezeptur die American Bar auch für den Clover Club vorschlägt. Ein kleines Sternchen auf der Seite verrät auch die Zusammengehörigkeit der beiden Drinks.

Historisch korrekt ist allerdings, dass die Pink Lady im Gegensatz zum Clover Club zusätzlich noch nach Apfelbrand bzw. Apple Jack verlangte. Je nach Geschmacksprofil kann dies auch mit Calvados zubereitet werden.

Zutaten:

Adaptiert nach Vintage Spirits and Forgotten Cocktails; Ted Haigh (2009)

  • 4,5 cl Dry Gin
  • 1,5 cl Applejack bzw. Apfelbrand
  • 2 cl frischer Zitronensaft
  • 1 Eiweiß
  • 2 Dashes Grenadine

Zubereitung:

Alle Zutaten werden in einen Shaker auf Eiswürfel gegeben und kräftig geschüttelt. Dies sollte mindestens 15 Sekunden und nicht zu zaghaft geschehen, damit sich Eiweiß, Saft und Alkohol gleichmäßig vermischen und sich am Ende eine ästhetische Schaumkrone auf dem Drink bildet.

Anschließend in eine vorgekühlte Cocktailschale bzw. Coupette abseihen und mit eine Kirsche garnieren.

Zum Wohl!


 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.

Ein Kommentar für Die Grande Dame der vergessenen Cocktails: die Pink Lady

  1. Matthias 6. August 2015 zu 18:16 #

    dem drink erging es eben wie allen Cocktails die Eiweiß enthielten.
    Bis auf eine hand voll klassische cocktailbars waren Eier etwas, das keiner in der Bar haben wollte.

    Und Applejack war in Europa bis vor ein paar Jahren so auch nicht erhältlich, auch nicht für Gewerbliche

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