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4 Tipps, wenn du deine eigene Gin-Marke aufbauen willst

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Bildquelle: Cristian Bortes/FlickRSie zu zählen, habe ich vor einigen Jahren aufgegeben. Neue Gin-Qualitäten schossen die vergangenen Monate mit einer Geschwindigkeit aus dem Boden, in deren Vergleich Unkraut recht langsam wächst. Wenn du dich davon aber nicht einschüchtern lässt und ebenfalls Wacholder in die Brennblase schmeißen willst, dann solltest du 4 Tipps beherzigen.


Über 5 Jahre schreibe ich nun bereits auf Eye for Spirits über die Entwicklung diverser Spirituosenmärkte. Immer ganz vorne mit dabei: Gin.

Um das Jahr 2010 herum war zugegeben alles auch noch etwas ruhig und schnuckelig im Bereich der Wacholderdestillate. Die ersten deutschen Brenner entdeckten damals das Genre für sich und begannen mit verschiedenen Batches ihren eigenen Stil zu finden.

Das Angenehme zu jener Zeit war, dass man sich durch die verfügbaren Brände verkosten konnte und meist große Unterschiede erkannte. Der Markt war noch nicht dermaßen geflutet, sodass für deutsche Brenner wie The Duke Gin oder Monkey 47 genug Spielraum war sich allein durch Bouquet und Geschmacksprofil einen gewissen Stellen- und Wiedererkennungswert aufzubauen.

Der Markt bot Potential, sodass ich einige Zeit später, ich denke, es war so Mitte 2011, an der Produktion einer eigenen Gin-Marke bzw. dessen Rezeptur beteiligt war. Als freier Mitarbeiter und Berater. Ein kurzes Intermezzo, bei dem ich allerdings 2 Jahre später nicht mehr teilgenommen hätte. Der Grund: allein durch inhaltliche Qualität gewinnt man heute mit Gin keinen Pappenstiel mehr.

Sollte man sich dennoch auf dieses Abenteuer eines eigenen Gins einlassen, gibt es immer noch die Möglichkeit ganz oben mitzuspielen. Sofern man verschiedene Punkte, wie die folgenden 4, beherzigt.

Werbung, Werbung und nochmal Werbung

Wie gesagt, den hiesigen Gin-Markt erobert man nicht mehr mit inhaltlicher Qualität. Die Szene ist mittlerweile soweit etabliert, dass dies ganz einfach vorausgesetzt wird. Wenn diese Stellschraube nicht stimmt, soll und muss man einen ganz großen Bogen um einen eigenen Gin machen. Außer man hat sich zum Ziel gesetzt, mehrere Tausend Euro gezielt in den Sand zu setzen.

Auch erntet man kein müdes Lächeln mehr, wenn man der x-te Hersteller ist, der eine seltene Zutat in seinem Gin verarbeitet. Diamantenstaub aus dem All, ur-alte Wurzeln aus dem Amazonas-Becken etc. Den Kunden interessiert das nicht mehr, er hat sich daran gewöhnt.

Viel wichtiger ist jedoch ein anderer Punkt hinsichtlich des Erfolgs eines neuen Gins: Werbung. In den letzten Jahren habe ich einige Gin-Marken kommen und gehen sehen. Diejenigen darunter, die mehr oder minder schnell wieder verschwanden, hatten kaum bis kein Budget für Werbung.

Dabei ist dies eine der grundlegendsten Regeln, wenn man jegliche Art von Produkt auf dem Markt bringen möchte. Wie sollen die Leute auch mein Produkt kaufen, wenn sie denn gar nicht wissen, dass es es gibt? Zumal es mittlerweile hunderte Konkurrenz-Gins gibt, die mindestens genauso gut sind wie das eigene.

Also: bei der grundlegenden Planung und beim Aufstellen des Business Plans dem Posten Marketing und Werbung einen sehr großen Stellenwert einräumen. Und damit meine ich nicht 100,- Euro für Google Adwords- oder Facebook-Werbeanzeigen. Damit meine ich 4- bis 5-stellige Eurobeträge.

Ist man bereit, solche Summen zu investieren, dann ist einem mehr Aufmerksamkeit gewiss als dem Gros der aktuellen Konkurrenz. Und die Möglichkeiten sind vielfältig. Angefangen von der klassischen Bannerschaltung auf Facebook und Websites/Blogs, Google Adwords, Print-Magazinen, Messe-Stände, Guerilla-Marketing bis hin zu Kooperationen mit gastronomischen Betrieben und Bartendern.

Äußere Individualität ist der Schlüssel

Einen Punkt an der modernen Gin-Szene werde ich wahrscheinlich nie verstehen. Einige, ach was, viele Gin Startups stecken Schweiß und Blut in die passende Rezeptur. Egal, ob Eigen- oder Lohnabfüllung die meisten Jungunternehmer, mit denen ich in der Vergangenheit zu tun hatte, sprachen mit Herzblut von ihrer Rezeptur, den Zutaten und der Herstellung.

Wenn dann allerdings die Email mit der entsprechenden Produktabbildung kommt, frage ich mich sooft: Warum? Warum gebt ihr euch soviel Mühe bei der Findung einer passenden Rezeptur, wenn ihr euren Gin, dann doch nur in eine 08/15 Flasche schmeißt.

Warum sollte der Kunde gerade euer Produkt kaufen, wenn es äußerlich dem 50 anderer gleicht? Ohne Frage verlangt individuelles Flaschen- und Etiquettendesign einiges an finanziellem Aufwand, den nicht jeder bereit ist, aufzubringen. Schaut man sich die Branchen-Größen wie Monkey 47, Tanqueray, Bombay Sapphire etc. an, besitzen alle ein markantes äußeres Aussehen. Der Kunde weiß von Weitem, was ihn erwartet.

Eines der schönsten Beispiel in diesem Zusammenhang ist die Brennerei Bruichladdich. Eigentlich im Single Malt Whisky-Bereich zuhause begann die Destillerie vom schottischen Islay vor ca. 5 Jahren aus Liquiditätsgründen mit der Produktion eines eigenen Gins: The Botanist Islay Dry Gin.

Zu jener Zeit wurde dieser Gin in eine handelsübliche Flasche in Quader-Form gefüllt. Eine Standard-Flasche aus dem Großhandel. Als mehr und mehr internationale Hersteller auf den Trichter kamen, die gleiche Flasche zu verwenden, investierte Bruichladdich und deren Dachmarke Rémy Cointreau vor 1 bis 2 Jahren in ein individuelles Flaschendesign. Optisch gänzlich anders als der Vorgänger fällt der Botanist Islay Dry Gin mittlerweile ins Auge.

Die Gastronomie als wichtigster Muliplikator

Einer der wichtigsten Eckpfeiler der Spirituosenindustrie ist die Barszene. Bei Gin insbesondere, basieren doch viele Cocktail-Klassiker und neue Ideen auf dem bekannten Wacholderdestillat. Die gehobene Bar ist also ein wichtiger Multiplikator in Sachen eigener Gin-Marke. Dies fußt nicht zuletzt darauf, da der Bartender meist ein Fachmann seines Gebiets ist und dessen Wort bei Gästen Gehör findet.

Frage also vorher an und schicke Bartendern gratis Proben deines Produkts, halte Workshops in Bars innerhalb Deutschlands und liefere Rezeptvorschläge von individuellen Cocktail-Kreationen. Solltest du nicht wissen, wo du beginnen sollst: starte regional. Kontaktiere Bartender in deiner Nähe und gehe erst im nächsten Schritt auf Landesebene. Dort suchst du dir dann in den Metropolen die wichtigsten Meinungsmacher und renommiertesten Bars.

Einzelkämpfer gehen unter

Was die aktuelle Gin-Welle in den vergangenen Jahren ebenfalls hervorbrachte, waren 2 urdeutsche Charaktereigenschaften: Ehrgeiz und Disziplin. Manch Jungunternehmer, wobei ich aus verständlichen Gründen an dieser Stelle keine Namen nennen möchte, arbeitete an seiner Gin-Marke wie ein Besessener. Mit einem Fuß nach wenigen Monaten schon fast im Burnout nahmen jene Jungs und Mädels alle Aufgaben auf ihre eigenen Schultern: Rezept-Suche, Destillieren, Etiquettierung, Verpackung, Versenden, Kundenkontakt, Lieferantenkommunikation, Nachbestellung, Vermarktung, Design, Etiquettengestaltung, Workshops, Promo-Videos und Promo-Reisen. Die Liste ist lang.

Auch wenn eine solche Einstellung zunächst löblich erscheint, ist sie dennoch sehr kurzfristig gedacht. Denn abgesehen von gesundheitlichen Risiken ist eine solche Herkulesaufgabe durch eine Person schlicht nicht zu bewältigen. Zumindest nicht in einem gründlichen und nachhaltigen Rahmen.

Auch wenn es häufig sehr schwer ist, einen geeigneten Partner zu finden: sucht euch einen. Mindestens einen. Zumindest sollte Produktion von Marketing und Vertrieb abgegrenzt werden. Letztere beiden können anfangs kombiniert werden, aber alles in Personalunion durchzuführen, ist zum Scheitern verurteilt.

 

Mit diesem Artikel wollte ich niemanden demotivieren in das Abenteuer eines eigenen Destillats einzutauchen. Im Gegenteil. Allerdings habe ich in den vergangenen Monaten mehrere ambitionierte, neue Gin-Hersteller kennengelernt, bei denen das Projekt an mindestens einem der oben genannten Punkte scheiterte. Die Folge ist, dass man viel Zeit und vor allem Geld für nichts in den Sand gesetzt hat.

An einer Stelle kann man am Ende aber doch sparen. An etwas, das in der Spirituosenindustrie nachweislich keinen Mehrwert bringt: ein Bio-Zertifikat.

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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3 Kommentare für 4 Tipps, wenn du deine eigene Gin-Marke aufbauen willst

  1. kallaskander 10. August 2015 zu 13:32 #

    Hi there,

    oh je….. aber auch gut gebrüllt, Löwe!

    Ich gebe dir da in vielem Recht Philip, aber beim Botanist bin ich nicht so ganz einverstanden. Neben der fancy bottle (und der Preiserhöhung) die ihm Remy verordnet hat, hatte der Botanist einen klaren Startvorteil, zwei eigentlich.

    Einmal ist das trotz der 23 botanicals ein sauguter Gin, der von Jim mit Ugly Betty wirklich meisterhaft destilliert wurde. Der Botanist hatte also eine Grundvoraussetzung die auch noch so viel marketing nicht aufmöbeln kann, wenn sie fehlt, Qualität.

    Unzweifelhaft kann ein marketing overkill dafür sorgen daß etwas ohne Qualität dennoch verkauft wird wie geschnitten Brot – aber das ist etwas anderes, auch wenn wir täglich sehen, wie es geht.

    Der andere Startvorteil war der Preis und damit das Preis-Leistungsverhältnis. Mag sein daß die alte Flasche etwas wenig originell war – immerhin war sie nicht einfach rund – aber die neue Flasche mit den geprägten Buchstaben konnte und mußte die Qualität nicht steigern, hat aber das Preis-Leistungsverhältnis nachteilig verändert.
    Wäre interessant zu wissen, ob Remy mit dem Blödsinn den Umsatz halten konnte. Ich bezweifle es.

    Aber gut. Wer einen weiteren Gin machen will, nur zu. Vielleicht ist diese eine Idee ja die eine, die den Gin revolutioniert.

    Greetings
    kallaskander

  2. Philip Reim 10. August 2015 zu 15:31 #

    Hallo kallaskander,

    wieso „trotz“ der 23 Botanicals? Mit weniger Botanicals kann man tolle Gins destillieren, genauso wie mit mehr. Aber dass der Botanist ein hervorragendes Destillat ist, da gebe ich dir recht.
    Allerdings schrieb ich bereits zu anfangs des Artikels, dass dies auch Grundlage sein sollte. Wenn dies nicht der Fall ist, hat man am Gin-Markt eh nichts verloren.
    Dass Rémy sich das neue Glas-Design auch ohne Preis-Erhöhung hätte leisten können, bezweifle ich nicht. Allerdings ist es ein wirtschaftlich denkendes Unternehmen. Folglich werden Mehrkosten auch an die Kunden weitergegeben.

    Aber da stimme ich mit dir überein: mich würde auch interessieren, wie sich der Umsatz beim Botanist entwickelt hat 🙂

    Gruß Philip

  3. Matthias 10. August 2015 zu 20:43 #

    selbst mit Marketing wird man sich momentan schwer tun.

    Barkeeper bzw Besitzer wie Jörg meyer erzählen zb, das quasi im Wochentakt Gins bei Ihm abgegeben werden und er das ganze eigentlich komplett ignoriert, und er quasi nur noch auf sowas reagiert, wenn man ihn nicht während des Abends damit belästigt, sondern zum Business Lunch irgendwann mal Mittag einlädt.

    Momentan noch einen gin erfolgreich auf den Markt zu bringen, bedarf schon ziemlich viel Geld oder Kontakte.

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