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Revolte Rum im Test

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revolte rumEr ist der Newcomer der Zuckerrohr-Szene: Revolte Rum. Ein Destillat, das das Potential zum Geheimtipp in Sachen „weißer Rum“ hat. Sowohl äußerlich, als auch durch seinen markanten Inhalt. Der Revolte Rum weiß zu gefallen, und auf das was hier aus Worms durch die Republik schwappt, sollte man als Bartender und Rum-Aficionado einen Blick werfen.


Lässt man einmal Flensburg und deutsche Rum-Verschnitte aus Jamaica außen vor, so ist Deutschland in Sachen Rum Konsument und sicher nicht Produzent. Zumindest nicht im Vergleich mit altehrwürdigen Rum-Nationen wie Kuba, Guyana oder Barbados.

Aber auch wenn Deutschland nicht gerade Wachstumsparadies für Zuckerrohr ist, so weiß man hierzulande doch, was Brennkunst bedeutet. Auch mit Zuckerrohr und Melasse als Ausgangsstoff.

Der aktuellste Nachwuchs, der dies mit Revolte Rum unter Beweis stellt, kommt aus Rheinland-Pfalz: Felix Kaltenthaler. Der Jungerunternehmer importiert für seinen Rum Melasse aus Papua-Neuguinea und fermentiert diesen mit eigens gezüchteten Hefekulturen.

Nach 6-monatiger Lagerung in Steingutfässern kommt das Destillat schließlich in schmucken schwarzen Flaschen mit Naturkorken in die Händlerregale.

Degustation des Revolte Rum

Schwenkt man den Revolte Rum zeigt er sich recht ölig. Auffallend viele Tropfen bleiben dabei an der Glaswand zurück und wollen nur schwerfällig zurück zum Boden.

So kräftig wie sich dieser Rum äußerlich präsentiert, so intensiv setzt er auch in der Nase nach. Das Aroma ist kraftstrotzend und für einen weißen Rum außergewöhnlich stark. Was nicht zuletzt an einem sehr hohen Ester-Gehalt des Revolte Rums liegt, der ihn aromatisch schon recht stark in Richtung jamaikanischen Rums lenkt. Dabei sind es vor allem Banane, frische Trauben und etwas Aprikose, die hier das fruchtige Bild prägen. Hinzukommt etwas kalter Zigarettenrauch und eine gewisse mineralische und würzig-scharfe Note. Wobei ich letzteres dem Alkohol zuschreiben würde. Allein durch das satte, kräftige Aroma des Revolte Rums erkennt man gut, dass er nicht gefiltert wurde. Einige Tropfen Wasser und die dabei entstehende Schlierenbildung im Destillat beweisen dies. Beginnt man das Nosing nach der Wasserzugabe noch einmal, wandelt sich der Revolte Rum gänzlich. Was man hier nun im Glas hat, fokussiert sich nur noch auf eine Note: Birne. Kurzum: Das Nosing des Revolte Rum könnte spannender kaum sein.

Einen ähnlichen Gang legt er anschließend im Mund ein, wenn auch nicht ganz so kräftig und abenteuerlich. Der Revolte Rum bleibt hier auffallend weich auf der Zunge und versprüht Nuancen von Rauch, Pflaume, Rosine sowie leicht mineralische Noten.

Im Nachklang tritt schließlich eine gewisse alkoholische Schärfe etwas hervor. Nicht unbedingt unangenehm, aber erkennbar. Was bleibt ist ein kurzer Anflug von dezentem Rauch und frischer Limette.

Auch wenn der Revolte Rum in Sachen Komplexität und Raffinesse im Mund etwas der Nase hinterherhinkt,  so ist er dennoch einer der ganz wenigen weißen Rums, die ich mir zum Purgenuss eingießen würde. Eines seiner großen Steckenpferde ist allerdings seine Vorstellung in fruchtig-sauren Drinks auf Basis weißen Rums. Vor allem das Geschmacksbild eines Daiquiris profitiert enorm von der aromatischen Kraft dieses Destillats. Um es zusammenzufassen: Der Revolte Rum ist einer der besten weißen Melasse-Destillate, die ich in den vergangenen Monaten verkosten durfte.

Revolte Rum - 41,5%Vol. - 22€/0,5l

Revolte Rum - 41,5%Vol. - 22€/0,5l
8.4

Bouquet

9/10

    Geschmack

    9/10

      Mundgefühl

      8/10

        Nachklang

        8/10

          Positiv

          • Hervorragend destilliert
          • Fruchtiges, verspieltes Bouquet
          • Hoher Wiedererkennungswert
          • Komplex

          Negativ

          • Leichte alkoholische Schärfe im Nachklang


          Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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          2 Kommentare für Revolte Rum im Test

          1. Wolfgang Simm 10. Oktober 2015 zu 12:10 #

            Hallo,

            ich hatte gestern per Zufall die Gelegenheit „Revolte“ sowohl im Daiquiri als auch pur zu geniessen. Ich teile Ihre EInschätzung voll und ganz. Das einzige was ich nicht verstehe ist die abschliessende Punktebewertung. Ich bin seit vielen Jahren Rum-Geniesser, sicher nicht so professionell wie Sie, aber durchauch mit Erfahrung. Für mich ist dieser Rum absolut herausragend aus der Masse und seit langem mal wieder eine Spirituose, die mich richtig euphorisch werden liess. Aber vielleicht sind Sie ja ein besonders strenger Punktevergeber, und 8 von 10 ist schon sehr viel auf Ihrer Skala. Für mich ist es eine „perfect ten“. Mal sehen, ob ich das beim zweiten Probieren auch noch so empfinde. Herzlichen Gruss, Wolfgang Simm

          2. Jonny (Jonathan) 26. Mai 2016 zu 12:47 #

            Hi,

            ich war auch total neugierig und habe – nicht zuletzt aufgrund der positiven Bewertung – eine Flasche erstanden. Mein Fazit: pur eher enttäuschend. Ist natürlich nur meine Meinung, will die aber konstruktiv begründen, denn ich habe grundsätzlich schon einmal großen Respekt vor Felix & seinesgleichen. Daher teile ich mal auf:

            1. Style: finde ich super. Name, Flache, Logo, alles sehr gut. Den Text mit der Angst an der Seite – nun ja. Aber insgesamt top gelungen.

            2. Geschmack: Da kann ich Philip & Wolfgang nur sehr begrenzt zustimmen. Ich fand der Revolte hatte Noten von „verbrannten Kunststoff“ – vielleicht das was Philip unter Rauch meinte. Insgesamt war das sehr, sehr viel Mineral. Roch auch so. Das stark minerlische erschlägt mE die Frucht (die für den Rum typische Banane, war kaum zu schmecken). Dem entsprechend war der Nachgeschmack, den ich persönlich als nicht so angenehm emfunden habe, sehr „eisern“.

            Ich hab dann das (fast leere) Glas auch ein bisschen stehen lassen und das war am nächsten Tag auch noch so. Meine Vermutung ist, dass da bei der Destillation vielleicht noch etwas Nachlauf mit drin war (Batch 5)?

            Insgesamt fand ich den Rum etwas unrund. Charakter, ja und immer gern – aber etwas weniger Mineral und mehr Süße würde ihm meines Erachtens gut tun. Ich kann mir aber vorstellen, dass die Dominanz als Gegenpol zur Frucht & Säure eines Daiquiris gut geht.

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