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Der 3 Miles Limit Cocktail: ein halb-legaler Drink aus den USA der 20er

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Bildquelle: ryszard filipowicz/Fotolia

Man kann die US-Prohibition (1920-1933) verteufeln, verfluchen und verunglimpfen. In vielerlei Hinsicht hätte man dabei auch recht. Fakt ist allerdings, dass uns ohne jene Trockenlegung der US-amerikanischen Gesellschaft einige innovative Cocktails vorenthalten worden wären. Einer dieser halb-legalen Drinks, der dann nie unsere Kehlen besucht hätte, ist der Highproof-Hochsee-Cocktail Three Mile Limit.


Es gab in der Geschichte des Bartenders kein schwungvolleres Kapitel wie jenes zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Eine Achterbahnfahrt für einen gesamten Berufsstand.

War der Mann (und selten auch Frau) am Tresen zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Mann vom Fach, gleich auf mit Köchen, begann ab 1914 der steinige Weg bergab. Mit dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg 1917 wurde rationiert. Alkohol als Genussmittel stand da logischerweise nicht sehr gut da, und der Bartender am Ende ohne sein wichtigstes Arbeitsutensil.

Kaum hätten Spirituosen, Cocktails und Bartender mit Kriegsende eine Aussicht auf wirtschaftliche und kreative Besserung, trat ihnen mit voller Wucht die Abstinzbewegung (engl.: temperance movement) zwischen die Beine. Spirituosen als Genussmittel waren nun auf US-amerikanischem Boden endgültig passé.

Bartender suchten sich folglich andere Tätigkeiten, zogen ins Ausland oder arbeiteten im Untergrund. Oder auf hoher See.

Etwas betuchtere US-Bürger zogen während der 13 Jahre von 1920 bis 1933, in denen der Volstead Act, nahezu alle Alkoholika zu Genusszwecken verbot, per Dampfschiff umher. Nach Kuba, Bahamas etc. Und genossen Cocktails en masse.

Zu jener Zeit endete 3 Meilen (umgerechnet knapp 5 Kilometer) hinter der US-Amerikanischen Küste, deren Hoheitsgebiet und somit auch Gerichtsbarkeit. Befand man sich also in internationalen Gewässern konnte man die Korken laut und legal knallen lassen. Und das wurde auch getan. Nicht zu wenig.

Um dieser „flüssigen“ Grenze zuzuprosten und mit einem würdigen Drink zu feiern, entstand der Three Mile Limit Cocktail. Ein, wenn gut zubereitet, harmonischer Drink, vor allem aber ein hochprozentiger.

Denn was der Gast auf diesem Schiff vor allem wollte, war das Gefühl seine Bestellung und Entscheidung über Genussmittel frei zu treffen. Der Alkohol war folglich auch eine Trotz-Demonstration. Je mehr Alkohol, desto trotziger. So kam es, dass der Three Mile Limit Cocktail zum Großteil aus hochprozentigen Bestandteilen gebastelt wurde. Rum und Cognac bilden die Basis, abgerundet wird mit Grenadine und frischem Zitronensaft.

Als die US-amerikanische Regierung im Laufe der Prohibition sich dazu entschloss, das Hoheitsgebiet auf See auf 12 Meilen (umgerechnet knapp 20 Kilometer) aufzustocken, wuchs proportional die Alkoholmenge des 3 Mile Limit Cocktails. Der Kreativität des Journalisten Tommy Millard ist es zu verdanken, dass jener Cocktail 1934 nicht einfach hochprozentiger wurde, sondern mit Rye Whiskey, der dritten klassisch-amerikanischen Spirituose, ergänzt wurde. Der 12 Mile Limit Cocktail oder 12 Miler war geboren.

War Brandy die erste „National-Spirituose“ der USA, wurde diese aufgrund von Importbeschränkungen zugunsten von Rum aufgegeben. Beides also Zutaten des späteren 3 Milers. Als dann später für die 12er-Variante noch Rye Whiskey hinzugefügt wurde, hatte man fast alle bis dato bedeutsamen US-Spirituosen in einem Drink vereint.

Ein Drink entstanden aus Stolz, vor allem aber aus Trotz.

Zutaten: 

  • 3 cl Weißer Rum (kräftiger Geschmack, z.B. Revolte Rum)
  • 1,5 cl Cognac (z.B. Hennessy V.S.)
  • 1,5 cl Grenadine
  • 1,5 cl Frischer Zitronensaft

Zubereitung:

Alle Zutaten werden in einen Shaker auf Eis gegeben und kräftig geschüttelt. Anschließend in eine vorgekühlte Coupette/Cocktailschale abseihen und mit Zitronenzeste garnieren.

Zum Wohl!


 

 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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