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Whisky aus gefrorenen Flaschen: der neue Dalwhinnie Winter’s Gold

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Sich das Thema „Winter“ für seinen Whisky auf die Fahne zu schreiben, ist kein Novum in der Scotch-Industrie. Den Verzehr seines Produkts dann aber noch bei gefrorener Flasche zu empfehlen hingegen schon. So ist der neue Dalwhinnie Winter’s Gold trotz seines Mangels an Hintergrundinformationen doch für die ein oder andere Überraschung gut.


The Snow Grouse, Glenfiddich Snow Phoenix etc. Viele Scotch Whiskys sind Kinder des Winters und die Marketing-Abteilung des jeweiligen Unternehmens setzen dies dann meist auch gekonnt in Szene.

So auch bei Schottlands höchst gelegener (326 m.ü.Nn.) Whisky-Destillerie Dalwhinnie. Bei dieser steht deren neueste Qualität, Winter’s Gold, für einen europaweiten Marktstart bereit.

Jener Single Malt Scotch kommt zwar mit relativ wenig Hintergrundinformationen zur Fassreifung daher, schwört allerdings auf den aromatischen Einfluss der kalten Winterzeit. Der Dalwhinnie Winter’s Gold wurde laut Unternehmensangaben im Winter destilliert und zeitnah zur Reifung in Fässer gebracht. Um welches Jahr es sich dabei allerdings konkret handelt, wird nicht bekannt gegeben.

Jedoch soll die Individualität des Winter’s Gold vor allem durch den relativ geringen Kontakt zwischen Kondensat/Destillat mit der Kupferoberfläche der Brennblasen und Kupferkühlschlangen resultieren. Es heißt „Das Abkühlen geschieht bei den knackigen Minusgraden so schnell, dass kaum Kupfer ins Destillat übergeht.“ Eine in meinen Augen recht unbedachte Aussage, geht elementares Kupfer bei der Spirituosenherstellung generell so gut wie nie in Lösung. Nicht im subtropischen Klima, nicht in Schottlands höchstgelegener Kühlschlange.

Sehr viel wahrscheinlich ist jedoch, dass der Dalwhinnie Winter’s Gold gewisse Schwefelnoten mit sich bringt, da diese grundsätzlich durch Kupferkontakt beim Destillationsvorgang abgebaut werden. Reduzieren nun die niedrigen Temperaturen den Kontakt zwischen Destillat und Kupferoberfläche, kommt es folglich zu weniger katalytischen Prozessen, die jene Schwefelverbindungen abbauen.

Nichtsdestotrotz kann der Dalwhinnie Winter’s Gold ab September mit seinen versprochenen Noten von Karamell, Aprikose und Honig eventuell doch recht gut punkten. Im Herbst wissen wir mehr. Ab dann steht der neue Single Malt Scotch mit 43 %Vol. und einer unverbindliche Preisempfehlung von 49,99 Euro in den Regalen. Die offizielle Servierempfehlung: aus gefrorener Flasche.


 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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5 Kommentare für Whisky aus gefrorenen Flaschen: der neue Dalwhinnie Winter’s Gold

  1. kallaskander 20. August 2015 zu 15:16 #

    Hi there,

    na da ist doch einiges in einen Topf geschmissen und kräftig gerührt worden im marketing.

    Als die Spirits Konzerne noch dicke Krokodilstränen weinten, man hört seit Jahren nichts mehr davon, weil der böse böse Vodka dem armen armen whisky die Trinker wegnahm, gab es verzweifelte Versuche, den whisky jungen Trinkern weißer Spirituosen nahe zu bringen.

    Die größten Jammerer unter den whisky Anbietern waren auch die, denen die Vodkamarken um die es ging, gehörten.

    Das führte zu Dingen wie dem J&B -6 einer Variante des J&B blends, der aus dem Tiefkühlfach getrunken werden sollte. War recht kurzlebig wie andere derartige Versuch auch und als der whisky den Vodka eingeholt hatte, absatztechnisch wars auch durch.

    J&B gehört wie Dalwhinnie auch zu Diageo. Aber selbst Macallan preist mittlerweile seine überteuerten Edelwhiskies als geeignet für Cocktails und „on the rocks“ an.

    Dabei hat Dalwhinnie da wirklich etwas eigentständiges. Aber so wie das aufgemacht wurde ist es Mist.

    1992 wurde bei Dalwhinnie gelegen auf um die 300m Höhe auf dem Dalwhinnie Pass neue worm tubs eingebaut um den whisky zu kondensieren. Diageo hatte bei der Renovierung moderne condenser, also Kühlaggregate bestellt, aber der new make hat sich radikal verändert.

    worm tubs sind bis zu 100 m lange Kupferrohschlangen, die im Freien von durchströmendem Wasser gekühlt werden. Im Winter mehr im Sommer weniger – jedenfalls gibt es tatsächlich Unterschiede zwischen Winter- und Sommer Destillation. Warum das so ist kann der Chemiker besser erklären denke ich.

    Das macht beim bekannten 15er Dalwhinnie nichts, denn die casks werden einfach gemischt, die Winter- und Sommerproduktion fällt nicht auf.

    Hätte man bei Diageo neben dem Standrard 15 einen 15er Sommer- und einen 15er Winter Destillation rausgebracht wäre das was gewesen.

    Aber zu behaupten, weil der neue mehr oder nur Winterdestillat enthält müsse oder solle er aus dem Kühlschrank serviert werden, ist nur einfallslos und verschenkt eine gute Idee.

    Greetings
    kallaskander

  2. Steffen 20. August 2015 zu 21:46 #

    Ist mir schon klar, warum man den aus gefrorenen Flaschen servieren soll. Damit die Geschmacksnerven so betäubt werden, dass keiner merkt, dass er sich viel zu unreifen Whisky für viel zu teures Geld hat andrehen lassen.

  3. SMC-HH 21. August 2015 zu 09:06 #

    Es ist schon erstaunlich, dass immer mehr dieser NAS in den Markt drängen. Das kann ja nur daran liegen, dass irgendjemand für drei- bis fünfjährige Whiskies, die nicht einmal im Ansatz ihren idealen Reifegrad erreicht haben, den doppelten Preis bezahlt wie für seit Jahrzehnten bewährte und gute 12jährige Single Malts. Wirklich erstaunlich…

  4. Philip Reim 21. August 2015 zu 10:27 #

    @ kallaskander: Ich stimme dir in jedem deiner Punkte zu.
    Und bezüglich der Chemie-Frage zwischen Sommer- und Winterdestillat waren einige der im Vorfeld veröffentlichten offiziellen Aussagen auch nicht falsch. Es wurde nur an der ein oder anderen Stelle ungeschickt mit Fachbegriffen um sich geworfen.
    Eine der Hauptkonsequenzen der starken Kälte ist aber tatsächlich ein Rückgang verschiedener chemischer Prozesse, die während der Destillation passieren und eigentlich durch den Kontakt mit Kupfer katalysiert werden würden. Eine der möglichen Konsequenzen ist dann durchaus eine wahrnehmbarere Schwefel-/Gumminote.

    Aber wie du bereits geschrieben hast: Die Winter-Idee dann auf die Gefriertruhe zu übertragen und eine Servierempfehlung wie für einige Vodkas zu bringen, ist mehr als gewagt.

    Gruß Philip

  5. jan 5. Oktober 2015 zu 14:15 #

    Es wäre übrigens dramatisch, wenn Kupfer mit hineinkommen würde, denn das wäre in der Form giftig. Schwefel selbst ist ansich auch nicht gerade positiv zu bewerten. merkwürdig!

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