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4 Fakten über US-amerikanischen Whiskey, die du wissen solltest

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Bildquelle: Bob AuBuchon

Old Fashioned, Pappy Van Winkle, Manhattan, Jim Beam. Die Spirituosen- und Cocktailwelt käme nicht ohne sie aus: US-amerikanische Whiskeys. Dennoch verdienen jene Getreide-Destillate hierzulande noch nicht die Aufmerksamkeit und Würdigung, die sie eigentlich verdienen. Destillate, die in vielerlei Hinsicht Superlative aufstellen.


Vergangenen November folgte ich einer Einladung der US-amerikanischen Botschaft in Berlin. Zu meiner Schande muss ich allerdings gestehen, dass ich die erste Email-Anfrage damals recht schnell löschte, da ich sie für Spam hielt. Ein solches Anschreiben erhält man nicht jeden Tag. Erst auf telefonischen Nachruf der von der Botschaft betrauten Agentur wurde mir die Seriosität der Anfrage bewusst.

Das erklärte Ziel jener Veranstaltung war ein Kennenlernen und Austausch verschiedener US-amerikanischer Hersteller von Applejack, Brandy und in allererster Linie Whiskey mit hiesigen Journalisten und Bloggern. US-Botschafter John B. Emerson leitete die Veranstaltung und lies keinen Zweifel daran, dass die US-amerikanische Wirtschaft von Rye, Bourbon und Tennessee weltweit profitiert. Sowohl ökonomisch als auch hinsichtlich Reputationsgründen. Und die Zahlen steigen.

Weitaus beschaulicher als in den Staaten, aber dennoch erkennbar, sieht der Absatzmarkt von Rye, Bourbon oder Tennessee Whiskey in Deutschland aus. Auch im deutschsprachigen Raum verankert sich US-amerikanischer Whiskey im allgemeinen Bewusstsein immer mehr zu einen hochwertigen Genussmittel. Ein Genussmittel, das für den Purgenuss geschaffen und der Cocktailkultur Höhenflüge bescherte.

Allerdings gibt es bei all den Bourbons und Ryes da draußen einige Punkte, die weniger bekannt sind. 4 davon möchte ich euch im Folgenden vorstellen.

High Proof Bourbon – Mit 62,5 %Vol. ins Fass mit 67 wieder raus

Prozentangaben gibt es bei US-amerikanischem Whiskey einige. So muss die Maische von Bourbon mindestens zu 51 % aus Mais bestehen, die eines Rye Whiskey zu 51 % aus Roggen. Auch dürfen die einzelnen Destillate nicht mit weniger als 40 %Vol. in die Flasche gefüllt werden, sofern sie noch Bourbon oder Rye Whiskey genannt werden wollen.

Weniger bekannt hingegen ist, dass US-amerikanischer Whiskey nicht über 80 %Vol. hinaus destilliert werden darf und selbst dann noch verdünnt werden muss, bevor er ins Fass kommt. Destillerien von Bourbon, Rye oder Tennessee Whiskey dürfen ihr Destillat mit lediglich 62,5 %Vol. in neue, ausgebrannte Eichenfässer füllen.

Nun gut. Dies sind historische Vorgaben, die meist eine sensorische Begründung haben. Weitaus kurioser, und für viele unverständlich, ist jedoch die Tatsache, dass einige Whiskeys wie Jim Beams Booker’s nach jahrelanger Reifung mit Alkoholvolumen von bis zu 67 Prozent aus dem Fass kommen. Kurios deswegen, da seit Jahren die meiste Whisky/Whiskey-Literatur propagiert, dass Alkohol während der Reifung verdampft. So genannter Angel’s share. Folglich müsste der Alkoholgehalt über die Jahre abnehmen.

Bei vielen US-amerikanischen Whiskeys ist dies auch durchaus der Fall. Vorausgesetzt sie reifen in Teilen des Warehouses, in dem die Luftfeuchtigkeit relativ hoch ist. Meist in Bodennähe. Dadurch ist die umgebende Luft „gesättigt“ mit Wasserdampf und der Whisky schafft es nicht, noch mehr davon an die Umwelt abzugeben. An dessen Stelle verdampft nun der Alkohol aus dem Fass. Der Whiskey verliert also im Laufe der Jahre einen gewissen Anteil Alkohol.

Steigt man innerhalb eines solchen Whisky-Lagers in Kentucky oder Tennessee die Leitern nach oben, ändert sich das Klima drastisch. Es wird ausgesprochen heiß und trocken. Den Mangel an Wasserdampf in der Luft gleich der Whiskey folglich dadurch aus, dass er eigenes Wasser an die Umwelt abgibt. Zurückbleibt ein höherer Prozentsatz Alkohol als ursprünglich ins Fass gefüllt wurde.

So kann eine Brennerei mit den verschiedenen Positionen in einem Warehouse experimentieren. Und Whiskeys die dabei nichts werden? Die kommen mit nichtssagendem Namen als Discounter-Whiskey auf den Markt.

 

US-Whiskey hat die größte Kategorie-Vielfalt

Irish Whiskey hat einige, Scotch Whiskey noch ein paar mehr. Die Rede ist von verschiedenen Kategorien, denen die verschiedenen Whiskeys zugeordnet werden. Beide Whisky-Klassen zusammen erreichen aber dennoch nicht die Anzahl verschiedener US-Whiskey-Kategorien.

Dies rührt zum einen von den unterschiedlichen Rohstoffen zum Beispiel eines Bourbons zu einem Rye her, oder aufgrund geschützter geografischer Vorgaben wie bei Tennessee Whiskey.

Richtig konfus wird es dann aber, wenn man den Begriff „straight“ anwendet. Denn jede US-Whiskey Kategorie kann per Definition als „straight“ bezeichnet werden. Vorausgesetzt sie erfüllt einige Herstellungskriterien.

Aus diesen genannten Möglichkeiten ergibt sich bereits eine Vielzahl an verschiedenen Klassen. Und dabei hatte ich noch gar nicht über Single Barrel, Bottled in Bond etc. gesprochen.

Die Debatte über Farbstoffzugabe

Bei Scotch Whisky ist die Handhabe mit Farbstoff ganz simpel geregelt. Zuckercouleur, E150a, darf dem Whisky zugegeben werden. Es muss lediglich auf der Flasche deklariert werden.

Bei US-Whiskey sieht die Sache hingegen schon wieder etwas anders aus. Gesetzesvorgaben gibt es zwar, allerdings keine, die ausdrücklich ein Verbot oder eine Erlaubnis ausspricht. Zwar ist die Tendenz recht eindeutig hin zu „Nein, kein Farbstoff in Bourbon, Rye etc.“, dennoch scheint es sich um eine Grauzone zu handeln.

Eine Grauzone bei der selbst renommierte Whisky-Experten wie der US Whiskey-Autor Chuck Cowdery ins Zweifeln geraten, oder Spirituosen-Konzerne wie DIAGEO mit einem dubiosen Label für Diskussionspotential sorgen.

Fakt ist also, dass hochwertiger US-Whiskey offiziell kein Farbstoff enthält, eine klare, allumfassende Rechtssprechung hierüber aber noch offen ist.

US-Whiskey und seine Liaison mit der Cocktail-Kultur

Lässt man einmal moderne Cocktail-Kreationen außen vor, so hat dennoch jede Whiskey-Kategorie ihre eigenen Cocktail-Klassiker. Scotch hat seine Rob Roys oder Rusty Nails und Irish Whiskey seine Irish Coffees.

Im Hinblick auf die Entwicklung der gehobenen Bar- und Cocktailkultur im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert hat dennoch keine Whiskey-Kategorie eine solchen Beitrag hierzu geleistet wie Bourbon und Rye Whiskey.

Ausgehend von der großen Verfügbarkeit jener Destillate in den USA und umtriebiger Bartender jener Zeit entwickelten sich wegweisende und stilprägende Drinks wie der Old Fashioned, Manhattan, Mint Julep oder der Whiskey Sour. Cocktails, die selbst die US-Prohibition überdauerten, und auch heuten noch zum Standard-Repertoire der gehobenen Bar zählen.


 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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