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Es gibt gar keine Whisky-Investoren

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Bildquelle: Ken Teegardin

Mit dem Whisky-Boom der letzten 1 bis 2 Dekaden entwickelte sich ein Phänomen, das jenen Hype sowohl befeuerte als auch außerordentlich schadete: der sekundäre Markt. Einige Endkunden handelten untereinander Whisky zu teils horrenden Preisen. So manche sahen dabei nur die Wertanlage „Whisky“. Grund genug für Eye for Spirits-Autor Günther Heinisch tief in diesem nebulösen Basar zu wühlen.


„Investition“, lat. „investire“ („einkleiden“) auch Kapitalanlage, ist in der privaten Finanzplanung (dort auch Geldanlage) und der Betriebswirtschaftslehre nach Wöhe die Verwendung finanzieller Mittel, um damit Privatvermögen durch Erträge zu vermehren und als Teil von Geschäftsprozessen, um die Gewinne eines Unternehmens zu steigern. Im weiteren Sinn gehören dazu neben kurzfristigen Anlagen auch Investitionen in Wertpapiere. Enger gefasst und am gebräuchlichsten wird der Begriff bei langfristigen Sachanlagen verwendet. Als langfristig kann dabei angesehen werden, wenn das Produktionsmittel das laufende Geschäftsjahr überdauert. Investitionen umfassen einen weiten Bereich: von Immobilien über Geschäftsfahrzeuge und Maschinen bis zur Büroeinrichtung. Sie können von öffentlichen wie auch privaten Unternehmungen getätigt werden.

„Spekulation“: Ziel einer jeden wirtschaftlichen Spekulation ist es, einen finanziellen Vorteil durch die künftige Realisierung einer erwarteten Markteinschätzung zu erzielen. Das finanzielle Ergebnis einer jeden Spekulation besteht dabei stets in der Differenz zwischen Kaufpreis und Verkaufspreis eines Marktgegenstandes, bereinigt um Kosten des Handels (Transaktionskosten) und der Kosten für das Halten des Objektes wie Lager-, Finanzierungs- und Versicherungskosten (sog. Cost of carry).
Erfolgreiche Spekulationen sind hauptsächlich auf das frühzeitige Erkennen und Ausnutzen von vermuteten Fehleinschätzungen des Marktes durch Marktbeteiligte über künftige Kursentwicklungen zurückzuführen, die sich wiederum durch ungleich verteiltes Wissen und Können zwischen Käufern und Verkäufern erklären lassen (sog. „Asymmetrische Information“). Korrigiert der Markt anschließend diese Fehleinschätzungen, resultieren daraus Spekulationsgewinne. Schlägt die Spekulation fehl, so entstehen Spekulationsverluste.

So definiert Wikipedia „Investition“ und „Spekulation“.

Offenbar gibt es einige Anleger, die den Unterschied nicht kennen und einige „Berater“, die den Unterschied sehr wohl kennen. Oder, um die Pointe vorweg zu nehmen, es gibt gar keine Anleger in Sachen Spirituosen – besonders Whisky – , nur solche, die sich dafür halten. Der Sekundärmarkt von Whisky-Auktionen und der „evil bay“ sind eine einzige Blase, in der alle Lemminge nur verlieren können.

Es mag auf den ersten Blick gerade so aussehen, als ginge es bei Whisky und nur bei Whisky immer nur nach oben.

Wer sich durch die selbsterzeugte Euphorie der Whisky-Industrie nicht blenden lässt, sondern auch mal nach rechts und links oder unten blickt, der konnte schon immer wissen, dass Bäume nicht unendlich in den Himmel wachsen.

Schon Mitte der 2000er als alle großen Getränkekonzern immerwährende Wachstumserwartungen formulierten und riesige Investitionen in Destilleriekapazitäten und Lagerhäuser – und in Vertriebsstrukturen – verkündeten, erinnerten vorsichtigere Naturen an den Crash von 1983. Aber es half nichts. Es schien keine Grenze zu geben.

Besonders die Schotten – bzw. deren internationale Besitzer – wollten nicht hören. Nüchterne Beobachter wussten, es konnte nicht gut gehen und so kann Spiros Malandrakis, Senior Analyst bei Euromonitor International schreiben: „While the overall narrative could be summarised as a dark spirits tide raising all sub-segments’ boats, it has been Bourbon’s and Irish varietals’ explosive momentum that has been the most widely covered, dissected and analysed. Almost as much, in fact, as Scotch whisky’s relative demise under the weight of its strategic overreliance on the faltering emerging market mantra.“ (Quelle: Drinksbusiness.com im August 2015)

Er meint damit die Tatsche, dass Scotch als Kategorie zwar mehr Umsatz macht, aber weniger Whisky weltweit verkauft. Und dies nicht nur in Süd-Korea, wo zum ersten Mal seit vielen Jahren 2014 mehr Wein als Scotch importiert wurde. Korea ist nicht nur ein Key Market für ganz Asien, der koreanische Markt gilt auch als Indikator.

Schon im Januar 2015 hatte Tom Bruce-Gardyne für The Spirits Business geschrieben: „Over in Taiwan, while volumes remained unchanged at 9m cases, value soared by 39% as consumers continue to trade up. As Chivas Bothers’ then commercial director, Paul Scanlon, told SB last May: “Blends have definitely slowed down significantly, with deluxe blends now in decline, however malts have grown exponentially in the last five to eight years.” Edrington has been a major benefactor through The Macallan – the country’s leading single malt by value. Gerry O’Donnell, the group’s corporate affairs director, calls Taiwan “a bright spot in Asia, where our brands are doing very well and prices are holding up.” Although he admits that The Macallan has suffered in China, it’s “not to the same magnitude as some of our competitors”. The most exposed is Pernod Ricard, whose Chinese sales have accounted for as much as 15% of the company’s profits.“ (Quelle: thespiritsbusiness.com im Januar 2015)

Dabei sieht und sah es so gut aus. Immerfort steigende Preise, besonders bei Produkten und Marken, die auf dem sekundären Markt einen Tag nach der Veröffentlichung ihren Wert bereits verdoppelt, verdreifacht, ver-x-facht haben, verhießen immer weiter steigende Renditen und heizten eine Spekulationsblase an, die Whisky-Konsumenten verärgert, weil sie nicht nur die sogenannten Premium Artikel preislich hochjagt, sondern in der Folge auch die sogenannten Standard Angebote. Gin ist von dieser Entwicklung ersteinmal verschont geblieben, hier halten die etablierten Marken die Preise und die Craft, Hand Made und Marketing Designed Gins sind hier die Preistreiber.

Beim Whisky aller Länder ist die Lage anders.

The global whiskey market was the third largest segment in the global spirits market, accounting for 11.57% of the global spirits market in 2014. The global whiskey market comprises of five major segments: Scotch Whiskey, US whiskey, Canadian whiskey, Irish whiskey, and Other Whiskey.“ (Quelle: pr-inside.com)

Oder kurz: die Spekulationsphase hat alle alten Whisky-Herkunftsländer erfasst, hat sich internationalisiert und bisher nur Kanada wirklich verschont. Oder kann man sich bei Canadian Verhältnisse wie bei Scotch oder japanischem whisky vorstellen? Eben.

Flugs gibt es Firmen, Berater oder clevere Abzocker, die aus der Gier nach immer neuen Investitionsfeldern und der Gier nach immer größeren Gewinnen eine Tugend und ein lukratives Geschäft machen.

Der sekundäre Whisky-Markt entstand zunächst nicht als Instrument der Gewinnmaximierung. Er war erst einmal ein Instrument für zu spät Gekommene oder spät eingestiegene Sammler und – die gibt es auch – Whisky-Liebhaber und Trinker, bereits vergriffene Flaschen gegen Aufpreis zu kaufen.

Daran ist nichts verwerfliches. Angefeuert und völlig irre wurde es aber, als dieser sekundäre Markt zum spekulativen Vehikel mutierte – und die Hersteller, selbst geblendet von den Preisen, mit einstiegen.

Flaschen von neu erschienen Whiskys wurden nicht mehr als Getränk gekauft, sondern als Hype, als Geldanlage und Ware mit Gewinnerwartung, die einen schnellen Gewinn versprach. Diese Haltung bemächtigte sich auch der Whisky-Erzeuger und drehte munter am Preiskarussell. Nicht nur wo „age matters“ und jene Altersangabe den hohen Preis begründen soll, also jenseits der 20 – 25 Jahre, auch viel weiter unten. Man muss hier glaube ich Ardbeg erwähnen – das liegt am Besitzer, nicht der Destillerie selbst.

Es wurden käuferseitig nicht mehr ein oder zwei Flaschen von Neuheiten gekauft, sondern kistenweise, sofern möglich, mit der Aussicht, von später einsteigenden Marktteilnehmern sich die Gnade des frühen Einkaufs vergolden zu lassen.

Wie sehr das pervertiert ist, muss wohl nicht im Detail beschrieben werden. Völlig pervers wurde es aber, als dieses Modell zur organisierten Geschäftsidee erhoben wurde. Whisky „Experten“, Lifestyle Magazine, Wochenendbeilagen großer Zeitungen, Blogger und sonstige Interessierte – oder ein Kartell von all diesen interessierten Parteien – predigen, dass mit Whisky höhere Renditen als mit Gold oder Aktien zu machen seien.

Und die Whisky-Industrie war nicht faul. Immer ältere und damit seltenere Abfüllungen, immer edlere Ausstattungen, künstliche Verknappung und immer höhere Preise schienen den Mechanismus zu treiben und – selbsterfüllend – zu bestätigen. Diese „Erfolgsgeschichte“ hatte für die Getränkekonzerne den schönen Nebeneffekt, nicht nur bei „Premium“, sondern auch bei „normalen“ Angeboten höhere Preise durchsetzen zu können. Am Willen dazu fehlt es sicher nicht.

Bäume wachsen aber nicht in den Himmel.

The market for investing in and collecting rare whisky continues to boom, with a record number of bottles of rare whisky sold at auction in the UK during the first half of 2015, according to figures published today by whisky analyst, broker and investment experts Rare Whisky 101. …
The continued growth of the whisky secondary market contrasts with the fortunes of the primary market where whisky exports have seen values fall over the past year.
Whisky investment analyst and co-founder of Rare Whisky 101, Andy Simpson commented: “Demand for rare whisky and the supply of bottles at auction are both accelerating at an extraordinary rate, and this is driving up values. Even using the broadest metrics of the top 1000 bottles, we have seen a dramatic and dynamic rise in values since 2008 to end June 2015.

“Demand for desirable single malt Scotch brands and previously discontinued bottles remains exceptionally strong. The dead hand of marketing is gaining an ever tighter grip on the single malt category, where retail releases are becoming non-age stated (NAS) and the number of bottles ever more prolific. The dearth of truly collectable releases over recent years has only fuelled demand for older and discontinued past releases where quality and rarity are powerful motivations for purchase.“ (Quelle: Whiskyintelligence.com im September 2015)

„The dead hand of marketing“, die tote Hand des Marketings hat die Single Malt-Kategorie immer fester umklammert. Wie bildlich und wahr.

Hier wird das Problem von Whisky als Kapitalanlage deutlich angesprochen. Die Seltenheit von wirklich sammelbaren – und wertsteigernden – Abfüllungen oder Einzelflaschen hat die Nachfrage nach älteren und nicht mehr verfügbaren Releases über die letzten Jahre befeuert.

Bei diesen seltenen Flaschen ist – eine unterstellte – Qualität, aber noch viel mehr die Seltenheit selbst, die Motivation für den Erwerb. Die Rarität einer Flasche bestimmt die Bereitschaft, viel Geld für sie auszugeben.

For many in the broader Scotch industry, export and sales figures appear challenging. However, the secondary market for rarities shows little of this stress. We view this as a clear future trend, with the value of scarcity increasing demand from connoisseurs, collectors and investors.

Hier liegt die Crux. Wer gerade eine sündteure Flasche Whisky oder deren mehrere als Investition angedreht bekommen, aber keine Ahnung von dem hat, was er da grade gekauft hat, wird sich erst einmal zurücklehnen und darauf warten, dass die Flaschen in seinem Tresor oder Bankschließfach das tun, was man von ihnen erwartet: immer wertvoller werden.

The top 100 performing bottles of Investment Grade Scotch (Rare Whisky 101 Apex 100 Index) increased by 8.93% compared to the same period last year. The rising values have yielded an overall increase of 506.24% between 2008 and 31 June 2015. The Apex 250 and 1000 have recorded growth of 385.81% and 245.08% over the same time frame.“ (Quelle: Whiskyintelligence.com im September 2015)

Whoa, Nelly! Fast 400%, das könnte das beste Geschäft des Lebens gewesen sein…. könnte.

Zu jedem Marktgeschehen gehört die Binsenweisheit, dass es zwei Akteure geben muss, Käufer und Verkäufer, Nachfrage und Angebot.

Gegenwärtig tut der Markt so, als gebe es keine Limits. Es gibt im Moment genug alte und seltene Flaschen, um genug Investoren ihr Geld abzuluchsen. Und mit jedem Tag werden es mehr seltene Flaschen – so scheint es zumindest  – und mehr Investoren.

Was diese Investoren nicht wissen: Sie sind keine Investoren sondern auch nur Spekulanten.

Angebot und Nachfrage…. zu jedem Preis muss es jemand geben, der auch bereit ist, ihn zu bezahlen. Gibt es ihn nicht, ist das Angebot nichts wert. Bei einem hohen Einstiegspreis in die Whisky-Spekulation, wie gegenwärtig, muss die Bereitschaft zur Zahlung von hohen Preisen und der Wunsch, seltenen Whisky zu besitzen lange und konstant anhalten.

Was man den Damen und Herren Investoren natürlich nicht sagt, ist, wann sie ihre ersteigerten oder investierten Flaschen wieder verkaufen sollen.

Die beste Antwort ist natürlich: Jetzt! Jetzt wo die Nachfrage nach raren und seltenen Flaschen groß ist. Aber Moment, ich habe doch grade erst gekauft und die prognostizierte Rendite muss sich doch erst entwickeln, um sich zu realisieren?

Das ist offenbar eine Information, die all den Investoren fehlt. Der Boom ist jetzt und er ist gerade dabei abzuflauen. Dass Investoren momentan teuren Whisky kaufen können, ist die Folge dessen, dass jemand herausgefunden hat, dass einige Menschen eine Menge Geld in Whisky  stecken wollen. Alles in dem Glauben, sie bekämen damit etwas von außergewöhnlicher Qualität und stetig steigendem Wert. So weit die Theorie.

Keine Theorie ist es, dass der Whisky-Investitionsmarkt seiner eigenen selbsterfüllenden Prophezeiung folgt. Eine Prophezeiung bei der die Erwartung, dass Whisky selten und rar ist oder wird, die Erwartungen an Verfügbarkeit und Preis treiben. Je mehr „Investoren“ in dieses Schneeballmodell einsteigen, desto rarer und seltener werden die Whiskys, desto mehr steigen die Preise. Es baut sich eine Blase auf.

Auswüchse wie die beiden Flaschen alten japanischen whiskies treiben natürlich das Gerücht, whisky sei als Geldanlage geeignet.
A bottle of 1960 Karuizawa “The Cockerel” sold for HK$918,750, a new world auction record for any single bottle of Japanese whisky and Hanyu Ichiro’s Full Cards Series (52 cards and 2 jokers) went for HK$ 3,797,500, – another new world auction record for any Japanese whisky series, proving that the recent stock market turmoil hasn’t dented demand.
Both lots went to a single buyer from South East Asia by telephone, said the auction house.“ (Quelle: Thedrinksbusiness.com im August 2015)

Hört der Boom auf, wird der Markt überflutet. Wenn die Preise nicht mehr steigen und Whisky nicht mehr „hot“ ist, werden viele „Geldanleger“ versuchen, die versprochenen Gewinne mitzunehmen.

Wenn aber plötzlich und auf einmal Tausende von Kisten Ardbog oder was auch immer auf den Markt drängen, jeder verkaufen aber niemand mehr kaufen will, wird der Markt in all seiner Grausamkeit die Preise nivellieren. Auch Whiskys, die für Tausende von Euros erworben wurden, werden über Nacht unverkäuflich und Essig war’s mit Gewinnerwartung und Spekulationsgewinn – pardon, dem Gewinn aus einer wohlüberlegten und planmäßigen Anlagestrategie natürlich.

Wen es erwischt, der kann sich immerhin damit trösten, dass er bei jeder gekauften Flasche, die er nun nicht los wird, mindestens 40% hat. Kriegt man bei keiner Bank. Slainte!

Ach übrigens, ich hätte hier ein Säckchen Tulpenzwiebeln, sehr rar, sehr wertvoll, jedenfalls waren sie das in Holland im Jahr 1637. Für 600000.- € würde ich mich davon trennen… wie keine Gebote?


 

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8 Kommentare für Es gibt gar keine Whisky-Investoren

  1. Matthias 7. September 2015 zu 14:36 #

    Auch hier wieder ein schöner in depth Artikel.

    Der Author erfasst den Anfang der Misere wirklich schön, als den Zeitpunkt als die Destillen anfingen das Spiel mitzuspielen und versuchten, die Preissteigerungen des Sekundärmarktes schon vorher abzuschöpfen.

    wo früher Glenfiddich sowas wie den Snow Phoenix zu 80€ rausbrachte, der dann auf dem Sekundärmarkt 120-160€ brachte, (und inzwischen mehrere hundert € kostet) versuchen die Destillen heute gleich, diesen Preissprung selbst einzuheimsen, da die Leute ja anscheinend bereit sind es zu zahlen.

  2. Tom 7. September 2015 zu 15:38 #

    Ok, da freue ich mich mal wenn ‚tausende Kisten‘ Karuizawa auf den Markt geworfen werden…

  3. DaRulez 7. September 2015 zu 22:19 #

    Na da schreibt wieder mal ein Verbitterter….Klar wird der Ardbog wohl nie eine Rarität, ihm fehlt schon jetzt das Besondere. Aber wer behauptet, dass PE oder Brora, oder, oder, oder billiger werden, hat keine Ahnung. Wieso sollten die auch billiger werden? Werden ja nicht mehr. Ist wie mit dem Wein, da gibts ja auch Abfüllungen, die nur eine Richtung kennen.
    Und wer mit der Tulpenblase argumentiert, der macht das entweder wider besseres Wissen oder hat einfach keine Ahnung….

    MfG

  4. sawgf 7. September 2015 zu 23:11 #

    Man muss sicher auch unterscheiden, ob ein Whisky gehyped wird, weil er gut ist und irgendwann knapp wird oder ob es sich um einen NAS-Whisky handelt, der bewusst in niedriger Auflage erscheint, einfach um Geld abzugreifen. Es gibt so viele Whiskys, die so gut wie niemand probiert hat und die einfach nur Sammlerobjekte sind. Aber dann gibt es eben auch die Whiskys, die sich über Jahre hinweg einen sehr guten Ruf erarbeitet haben und nun vom Markt verschwinden. Glendronach 15 fällt mir da ein. Wenn sich davon jemand ne Kiste geholt hat, frag ich dich: was soll denn passieren? Entweder der wird so teuer, dass man schwach wird und ihn verkauft oder man hat eben einen super Whisky.

  5. HighlandSepp 8. September 2015 zu 06:51 #

    Schöner, wahrer Artikel.
    Ich würde den Autor jedoch nicht als Verbitterten bezeichnen.
    Zwischen Ardbog und PE oder Brora liegen Welten. Um letztere gibt es keinen derartigen Hype, wie es momentan um beinahe jede neue Ardbeg-Veröffentlichung geschieht.

    Dass die Hersteller ihre Preise derart anpassen, um den sogenannten Sekundärmarkt entgegenzutreten, sehe ich mit geteilter Meinung. Warum sollten die Hersteller Geld verschenken, wenn doch die breite Käuferschicht bereits ist, eben jene Preise in der Bucht usw. zu bezahlen?
    „Skandalös“ wird es, wenn dies dann jedoch mit einer künstlichen Verknappung oder einem selbst-inszinierten Hype einher geht.
    Es ist ein schmaler Grad, den einige Konzerne hier begehen. Unmut und Begierde liegen hier nahe beieinander. Es geht gut, solange die Gier nach vermeintlich seltenen, überhypten Flaschen besteht. Es kann aber auch schnell ins Gegenteil umschlagen.

  6. Matthias 8. September 2015 zu 07:20 #

    Das Port Ellen und Brora einem auf einmal nachgeschmissen werden, ist unwahrscheinlich,
    ABER nur eben die alten Flaschen.

    Wenn ich morgen 3000€ in die Hand nehme, kann ich mir ja online mühelos eine Flasche Port Ellen kaufen.
    Und genau diese teuren Flaschen sind ja die, die manche gekauft haben in der Hoffnung das sie binnen ein oder zweit Jahre auf einmal 5000 wert sind.

    Würde morgen der Whiskymarkt zusammenbrechen, wären die 3000€ Port Ellen Flaschen die jetzt noch in Läden oder Privathand stehen, sehr schnell nicht mehr 3000€ wert.
    Ich sag nicht, dass sie auf einmal wieder 100€ kosten, aber wenn sie bei Auktionenen dann auf einmal nur noch 2000€ bringt, kann das vorkommen.

  7. Olli 9. September 2015 zu 16:00 #

    Servus!

    Es gibt aber mich eine dritte Gruppe von Whisky (Käufern). Jene die zwar nicht investieren wie Definition und auch nicht spekulieren. Die, die einfach nur den Wert ihres Geldes halten wollen. Auf der Bank frisst es mir die Inflation auf. Die Zinsen können das nicht aufwiegen.
    Aber als Beispiel. Selbst ein Ardbeg Ten oder Johnnie Walker red von 2014 behält seinen Wert. D.h. Ich bekomme immer den in z.B. 2025 üblichen Preis. (Meistens sogar mehr. Eine gute Lagerung vorausgesetzt). Ob der Betrag in Euro dann noch die Zahlkraft hat mit der von heute ist zweitrangig. Weil mein Erspartes definitiv weniger geworden ist. Was einen schon von Investoren und Spekulanten unterscheidet ist, das es auf Zeiten von 15-30 Jahre gerechnet ist. Wenn in der zeit noch ein Boom kommt, kann man ihn sogar mitnehmen. Aber verlieren kann ich auf keinen keinen Fall. Es muss aber Geld sein, das man die nächsten Jahre nicht braucht. Nennen wir es Geld konservieren in Whisky. Wie Rosinen in Rum. Die schmecken sogar nach 30 Jahren noch.

  8. Maltklaus 3. Oktober 2015 zu 15:39 #

    Sehr schöner, anschaulicher und wichtiger Artikel!
    Den Gewinn (von bis zu 1000%) machen diejenigen, die zu Zeiten der Flaute, als einem Whisky förmlich hinterhergeworfen wurde, eingekauft haben. Kaufen, wenn der Markt am Boden ist, verkaufen in Boomzeiten. Dieses uralte Marktgesetz scheinen die modernen „Investoren“ zu vergessen. Gerade bei den „Hype-Flaschen“.
    Eine nicht angesprochene Kategorie gibt es noch: Lost distilleries. Da gibt es noch ein paar, von denen viele Fässer noch vorhanden sind, zu guten Preisen am normalen Markt. Da könnte man nun spekulieren – langfristig auf 10, 20, 30 Jahre. Zumindest sein Geld bekommt man dafür garantiert wieder, sofern es ein guter Trinkwhisky ist.

    Die beste Art, in Whisky zu „investieren“ ist in die Flaschen, die man (irgendwann einmal) zu trinken gedenkt. Immer getreu dem Leitsatz: Auch in den aktuell hochpreisigen Zeiten nur so viel für guten Whisky bezahlen, dass man nach Platzen der Blase, wenn man die Flasche dann zum Genuss öffnet, nicht sagen muss: „dafür habe ich zu viel bezahlt“.

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