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5 Punch-Rezepte aus dem 19. Jahrhundert, die du kennen solltest

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Bildquelle: maxsol7/Fotolia

Was wurden sie geschunden, verunstaltet und entwürdigt. Punches, zu deutsch Punsch, sind ein Meilenstein in der Geschichte von Drinks aus mehreren Zutaten. Eigentlich. Denn heute wird dieser High Volume-Drink vielerorts mit billigem Schnaps und viel Saft parodiert. Schade, sind Punches doch eines der spannendsten und interessantesten Drinks überhaupt. Eigentlich.


Dem Gast bietet es einen Ort voll schlichter Eleganz, eine rustikale und entschleunigende Atmosphäre. Die Rede ist vom Punch Room im Londoner Edition Hotel, das 2013 seine Türen öffnete.

Ganz dem „gesellschaftlichsten“ Drink überhaupt verschrieben, nahm sich jene Bar um Barchef Davide Segat jenem Mixgetränk an. Mehr noch: Man fokussierte sich gänzlich drauf. Ein Indiz dafür, dass die Drink-Kategorie der Punches nach Dekaden der Abwesenheit wieder auf den Schirm gehobener Barkultur und seinen Akteuren kommt. Wie passend, dass dies dann auch gleich noch in jener Stadt passierte, in der der Punch vor über 300 Jahren seinen ersten Siegeszug feierte.

So brachten damalige britische Seefahrer das Wissen um jene Drink-Kategorie aus dem Gebiet des heutigen Indien nach Westeuropa. Wohlwisssend, dass Punch die englische Ableitung des Sanskrit-Begriffs pansch ist, dem numerischen Wort für die Zahl „5“.

Und eben diese 5 bezieht sich auf die ursprüngliche Anzahl der Ingredienzen in einem Punch. Einem Getränk, das seit seiner Zeit sowohl warm als auch kalt serviert werden kann. Während heute der Begriff Punch bzw. eingedeutscht Punsch häufig als großvolumiges Abfallbecken verwendet wird, in dem billiger Schnaps und sonstige Zutaten, die kurz vor dem Verfallsdatum stehen verarbeitet werden, sah dies in den Ursprüngen jener Kategorie anders aus.

Natürlich ist mir bewusst, dass eine Aromatisierung von hochprozentigen Alkoholika seit jeher stattfindet. Häufig mit dem Ziel minderwertige Destillat-Qualität durch weitere Zutaten zu kaschieren. Punch jedoch hatte in seiner ursprünglichen Form eine ganz klar definierte Zutatenstruktur. Arrak, Zitrone, Zucker, Wasser/Tee und Gewürze bilden dabei das Fundament jener großvolumigen Mixgetränke.

An dieser Stelle sei jedoch erwähnt, dass man auf die Schreibweise der Grundspirituose achten muss. Arrak, wie er im Punch verwendet wurde, ist ein Destillat aus Palmsaft bzw. Zuckerrohr und Reismaische. Folglich ein Nahverwandter des Rums. Arak hingegen ist eine türkische Anis-Spirituose, die in der Geschichte des Punches keine Rolle spielt.

Im England des 17. und 18. Jahrhunderts ein Kassenschlager, entwickelten sich ganze gastronomische Konzepte nach diesem Getränk. Jene Punch Houses offerierten das Getränk in den buntesten Varianten. Sowohl der Drink selbst als auch die damit einhergehende Entschleunigung des Alltags sowie dessen gesellschaftsfördende Komponente brachten dem Punch Anhänger. Aufgrund des Ausschank-Rituals mit einer Kelle war man gezwungen, dem Drink Zeit zu schenken. Mehr noch: Da der Punch eine außergewöhnlich hohe Flüssigkeitsmenge besitzt, kam man um eine Begleitung nicht umhin. Ein Punch führte folglich auch zu sozialer Interaktion und Kommunikation.

Diesen verschiedenen Faktoren geschuldet, blieb der Erfolg des Punches nicht auf England beschränkt. Unter anderem Wolfgang Amadeus Mozart empfahl diesen in Wien und Salzburg und US-Amerikaner Jerry Thomas, der Ur-Vater des Bartenders, widmete der Punch-Kategorie Dutzende Rezepturen in seinem Bartender’s Guide: How to mix drinks von 1862.

So gilt jenes Werk auch heute noch als eines der ersten, umfangreichsten Rezepturbände in Sachen Punch. Akribisch und detailliert zusammengetragen. Aus eben diesen möchten wir euch im Folgenden 5 der spannendsten jener Punch-Rezepte vorstellen.

Pineapple Punch (für 10 Personen)

  • 4 Flaschen Champagner
  • 0,5 Liter Dunklen Jamaica Rum
  • 0,5 Liter Weinbrand
  • 125 ml Liter Cuaracao
  • Saft von 4 frischen Zitronen
  • 4 Ananas
  • 500 g Weißer Zucker

Die Ananas geschält und gestückelt zusammen mit 500 g Zucker in eine Punch-Schüssel geben. Anschließend ruhen lassen, bis der Zucker die Ananas leicht entsaftet. Die Ananas-Stückchen geben Wasser ab und es bildet sich eine Art Sirup. Nun alle restlichen Zutaten, bis auf den Champagner, zugeben. Die Mixtur zusammen mit viel Eis über einen Zeitraum von circa 1 Stunde stehen lassen, erst dann den Champagner zugeben. Anschließend einen großen Eisblock in die Mitte der Schüssel geben und mit getrockneten Orangenschalen und saisonalem Obst dekorieren.

Serviert wird der Pineapple Punch in Champagner Glässern.

English Milk Punch (für 5 Personen)

  • Saft von 6 frischen Zitronen
  • Schale von 2 Zitronen
  • 500 g Zucker
  • 1 Ananas (geschält, gestückelt und zerstoßen)
  • 6 Nelken
  • 20 Koriandersamen
  • 1 Zimtstange
  • 0,5 Liter Weinbrand
  • 0,5 Liter Rum
  • 125 ml Liter Arrack
  • 250 ml Grüner Tee
  • 1 Liter kochendes Wasser
  • 1 Liter Heiße Milch

Alle Zutaten bis auf die Milch werden in einen Krug/Pitcher gegeben, wobei das kochende Wasser als letzte Zutat hinzugefügt wird. Den Krug nun luftdicht verschließen und den Inhalt mindestens 6 Stunden ziehen lassen. Anschließend Milch und den Saft von 2 weiteren Zitronen hinzugeben, verrühren und abfiltrieren. Den Punch nun bis zum Servieren luftdicht in Flaschen verschließen. Den English Milk Punch schließlich auf Eis servieren.

The Spread Eagle Punch (für 8 Personen)

  • 1 Flasche Islay Scotch Whisky
  • 1 Flasche Rye Whiskey
  • Zitronenschalen nach Belieben
  • Zucker nach Belieben
  • Kochendes Wasser nach Belieben

Dieser Drink zeichnet sich vor allem durch seinen hohen Whisky-Anteil aus. Neben Islay Scotch Whisky, der in den USA des 19. Jahrhunderts eher ein exklusives Gut war, verlangt die ursprüngliche Rezeptur zusätzlich nach einer Flasche Monongahela bzw. Monongahela Rye. Dies ist keine separate Spirituosen-Gattung, sondern bezieht sich auf Rye Whiskey aus der Region um den Monongahela River im US-Bundesstaat Pennsylvania.

Rye Whiskey galt zu jener Zeit, weit vorab vor Bourbon, als der US-Whiskey schlechthin. Im Gegensatz zu heute waren damals vor allem die Bundesstaaten Maryland, Cinncinati und eben Pennsylvania die Whiskey produzierenden US-Gebiete Nummer 1. Dies änderte sich jedoch spätestens ab der US-Prohibition (1920 – 1933), sodass namhafte Marken jener Regionen gänzlich geschlossen wurden oder wie Old Overholt und Michter’s heute nicht mehr an ihren ursprünglichen Standorten im Nordosten der USA produziert werden. Für die Zubereitung des Spread Eagle Punch kann man heute auf Rye Whiskey jeglicher US-Region zurückgreifen, sollte jedoch sichergehen, dass es ein hocharomatisches und kräftiges Destillat ist.

Raspberry Punch (für 7 Personen)

  • 180 ml Frisch gepresster Himbeersaft
  • 375 g Zucker
  • 1,75 l Kochendes Wasser
  • 250 ml Porter Beer
  • 0,5 l Rum
  • 0,5 l Weinbrand
  • 4 cl Maraschino

Himbeersaft, Zucker und kochendes Wasser werden in einem Krug/Pitcher für ungefähr eine halbe Stunde ziehen gelassen. Anschließend abfiltriert und um das Porter Beer ergänzt. Nun Rum, Brandy und Maraschino hinzugeben. Nach Belieben noch warmes Wasser und Zucker beigeben.

Gin Punch (für 4 Personen)

  • 0,5 l Dry Gin
  • 125 ml Maraschino
  • Saft von 2 Zitronen
  • Schale einer halben Zitrone
  • 125 ml Zuckersirup
  • 1 Liter Soda

Alle Zutaten in einer Punch-Schüssel auf viel Eis gut verrühren.


 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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Ein Kommentar für 5 Punch-Rezepte aus dem 19. Jahrhundert, die du kennen solltest

  1. Matthias 14. September 2015 zu 17:45 #

    vor den Rezepten in Jerry Thomas stand ich auch schon, nur sind sie oft nur sehr schwer auf kleinere Mengen runterzubrechen und in größeren Mengen kriegt man Punches im privaten kaum an den Mann/Frau

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