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Gute Schwester im Test

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Sie ist „Die Ansatzspirituose aus dem Schwarzwald“. So beschreiben zumindest die Gebrüder Wohlgemuth, die Macher der Guten Schwester, ihr neuestes Produkt. Fruchtig und scharf kommt hier ein Mazerat an die deutschen Tische und Theken, das vor allem eines hat: Stil. Und wer weiß, vielleicht wird die Gute Schwester ja der nächste Coup in Sachen Aperitif.  


Irgendwie passt die Gute Schwester nicht so recht in eine bestehende Getränke-Kategorie. Der Hersteller nennt es schlicht „Ansatzspirituose aus dem Schwarzwald“. Vielleicht ist es aber auch ein gesüßter, aromatisierter Vodka oder gar ein Likör?

Als ich vor wenigen Wochen das erste Mal von der Guten Schwester der Gebrüder Wohlgemuth erfuhr, entsprach die Herstellungsbeschreibung passgenau einem soliden Digestif. Süßlich, fruchtig-würzig.

Nun ja, ans Ende einer Speise würde ich die Dame aus Baden-Württemberg nun nicht mehr platzieren. Hierfür macht sie als Aperitif eine viel zu gute Figur, sorgen die Ingredienzen doch für ein appetitanregendes Destillat. Es brauchte allerdings erst ein ausführliches Tasting, um das herauszufinden.

Um ihn als Serviervorschlag vor einer Mahlzeit zu prädestinieren, benötigte das kleine schwarzwälder Unternehmen Gebrüder Wohlgemuth lediglich 3 pflanzliche Zutaten. Schlehendorn und Bärwurz werden dabei durch Chili-Schoten ergänzt. Diese 3 mazerierten sie in einem Destillat aus Weizenschrot und Gerstenmalz. Ein minimalistisches Konzept, das vielversprechend klang. Zumal es durch ein ebenso simples, aber ansprechendes Label-Design ergänzt wird.

Degustation der Guten Schwester

Mit satter Terracotta-Farbe liegt die Gute Schwester im Glas und hinterlässt nach dem Schwenken viele Tropfen an der Glasinnenseite.

Sie braucht meiner Meinung nach gar nicht viel Zeit zum Atmen. Sofort nach dem Einschenken ist sie kräftig, herb-fruchtig vorhanden. Die Fruchtnoten lassen sich dabei am besten mit Schlehe und vor allem mit saftigen Pflaumen beschreiben. Auch etwas Kirsche lugt gelegentlich hervor. Ein interessantes Aromenspiel, wenn man bedenkt, dass neben Schlehe nur noch Blutwurz zum Aroma beiträgt. Der Chili hat seinen Part dann eher im Mund.

Im Mund war mein erster Eindruck, der einer vollmundigen Spirituose. Die geschmackliche Kraft kam allerdings primär aufgrund der verwendeten Drogen und weniger aufgrund übermäßiger Süße. Diese ist zwar vorhanden, unterstreicht allerdings vielmehr den fruchtigen Geschmack der Schlehe, als dass sie übertrieben den Mund verklebt. Kurze Zeit nach dem sich die Zunge an die kräftigen Fruchtnoten gewöhnt hat, folgt der Chili. Prickelnd auf der Zunge, noch prickelnder am Gaumen und letztendlich muss man runterschlucken. Der Eindruck im Mund ist daher meiner Ansicht nach zweigeteilt. Er beginnt mit einem interessanten Fruchtspiel, welches nach kurzer Zeit das komplette Feld an die Chili-Schoten übergibt. Ein individueller Ablauf, der allerdings mit einer etwas zu brennenden Schärfe endet.

Zur Beschreibung, was am Gaumen abläuft, könnte ich eigentlich die obigen Zeilen fast kopieren. Die Schlehe liefert ein fruchtiges Gesamtbild, bei dem auch wieder Pflaume deutlich hervorsticht. Die Chili-Schoten machen sich an Gaumen, Zunge und Lippe allerdings deutlich bemerkbar. Ein Griff zum Wasserglas dürfte hier für einige folgen. Etwas weniger wäre hier vielleicht mehr gewesen.

Insgesamt ist die Gute Schwester definitiv ein spannender neuer Aperitif aus deutschem Hause mit ansehnlichem Preis-/Leistungsverhältnis. Ein Aperitif, der zeigt, dass man nicht viele Ingredienzen für ein spannendes Produkt braucht. Der hinsichtlich seiner Chili-Schärfe an manchen Stellen aber dann doch etwas zu ambitioniert nach vorne prescht.

                                       Details:

Art: k. A.

Alter: k. A.

Jahrgang: k. A.

Alkohol: 25,4 %Vol.

Preis: ~ 20 Euro à 0,75 Liter

Region: Baden-Württemberg/Deutschland

                         Bottler: Gebrüder Wohlgemuth

                             Fazit: 8/10 Punkten


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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