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Bowmore Mizunara Cask Finish im Test

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Während in den letzten Dekaden japanische Destillerien in die Riege der hochwertigsten Whisky-Produzenten aufstiegen, schwamm in deren Kielwasser eine regionale Eigenheit mit: Mizunara Fässer. Jene Behälter aus japanischer Eiche machte sich jetzt auch die Scotch-Brennerei Bowmore für ihren Bowmore Mizunara Cask Finish zunutze. Ein Whisky, der es in sich hat.


Bowmore Mizunara bottle2

Einer der wichtigsten Eckpfeiler der Scotch-Produktion ist mit langem Vorlauf die Eichensorte Quercus alba (Amerikanische Weisseiche). Gefolgt von Quercus robur bilden diese beiden Holzarten das Rückgrat von Scotch Whisky.

Während sich auch japanische Whisky-Hersteller fleißig der beiden Eichenarten bedienen, findet in Fernost seit einiger Zeit aber auch eine weitere Eichenart Gefallen: Quercus mongolica bzw. japanische Eiche bzw. Mizunara Eiche.

Dieser Eichenart bediente sich kürzlich auch die Scotch-Brennerei Bowmore für ein Finishing ihres gleichnamigen Bowmore Mizunara Cask Finish. Nun kann man sagen, gut, bietet sich ja auch an, wenn der Dachkonzern Bowmores Beam Suntory, ein teils japanisches Unternehmen ist.

Fakt ist allerdings, dass Quercus mongolica wie sie im neuen Bowmore Mizunara Cask Finish zum Einsatz kam, nachweislich eine hohe Konzentration an sogenannten trans-Lactonen ans Destillat abgibt. Eine chemische Verbindungsklasse, die im Whisky für diverse Aromen wie gebackener Apfel oder Kokos sorgen.

Die Verwendung von Mizunara Eiche bei Bowmores neuester Qualität hat also nicht nur Marketing-Gründe, sondern tatsächlich auch nachweislich sensorische.

Allerdings folgt der neue Bowmore Mizunara Cask Finish ganz dem Zeitgeist moderner Single Malt Whiskys. Er ist weltweit auf 2.000 Flaschen limitiert und über die entsprechende Reifungsdauer erfährt man praktisch nichts. Nicht wie lange er in Ex-Bourbonfässern reifte, noch wie lange das Finishing in japanischen Eichenfässern dauerte.

Allerdings muss ich zugeben, dass ich nach der Verkostung dieser fehlenden Angabe nicht hinterhertrauere. Wären alle alterslosen Whiskys auf diesem qualitativen Niveau, wäre die Altersangabe für mich tatsächlich nur noch eine Randnotiz.

Degustation des Bowmore Mizunara Cask Finish

Versuche ich einmal das Thema „Bowmore auf japanisch“ zu betrachten, ist dies der Brennerei außerordentlich gut gelungen. Nicht nur experimentierte das Unternehmen mit den Aromen der Mizunara Eiche, sie orientierten sich meiner Ansicht nach zudem am generellen Geschmacks- und Aromenprofil japanischer Whiskys. Nicht zu wuchtig, die Aromen filigran und gut aufeinander abgestimmt, aber dennoch komplex. Hat man dies im Hinterkopf, dann ist Bowmore mit dem Mizunara Cask Finish ein wahres Meisterwerk gelungen.

Farblich liegt die neue Qualität der Insel Islay mit sattem Bernstein im Glas und bildet nach dem Schwenken viele Tropfen an der Glasinnenseite.

Eines der spannendsten Momente, die der Bowmore Mizunara liefert, kommt direkt nach einem kurzen Schwenken des Glases. Das Bouquet ist äußerst fruchtig, mineralisch und trocken. Die dominierenden Noten sind dabei Pfirsich und vor allem Apfel. Nicht aufdringlich, sondern vielmehr optimal eingebunden, zeigt sich parallel das Raucharoma. Perfekt ausbalanciert ist dies kein Rauch, der alles überlagert. Vielmehr ergänzt er. Die Parallele zu so manchem japanischen Single Malt ist hier unverkennbar. Der Bowmore Mizunara Cask Finish wirkt dadurch in der Nase äußerst individuell.

Im Mund macht er im Gegensatz dann aber eher einen auf dicke Hose. Er wirkt nicht mehr verspielt mit mehreren konkreten Noten, sondern lediglich kräftig und mundfüllend. Dies liegt sowohl an seinen satten 53,9 %Vol. als auch daran, dass er hier in erster Linie die Zunge bedient. Das heißt, neben einer gewissen Rauchnote liefert er vor allem Geschmacksrichtungen, die mit der Zunge erkennbar sind. Allem voran süßlich und salzig.

Der letzte Tropfen hat noch nicht einmal den Gaumen passiert, schon geht es weiter wie zuvor in der Nase. Von einem kräftigen Charakter lässt er wieder völlig ab und liefert einzelne, ganz konkrete Noten. Holz und Kokos sind dabei die Begleitaromen von einer ganz bestimmten, ganz saftigen Frucht: Maracuja. Ausgesprochen deutlich wahrnehmbar. Vielleicht auch deswegen, weil der Bowmore Mizunara Cask Finish im Nachklang sein Raucharoma völlig versteckt.

Bei aller Lobhudelei bringt dieser Single Malt Whiskys allerdings auch 2 Wermutstropfen mit sich. Er ist mit 2.000 Flaschen für den internationalen Markt ein äußerst rares Gut. Zudem hat er eine schwindelerregende, unverbindliche Preisempfehlung von 650,- GBP, umgerechnet ca. 892,- Euro. Sollte man jedoch die Gelegenheit bekommen, diesen Whisky zu probieren, wird man es bereuen, es versäumt zu haben. Und wenn es auch nur ein Glas ist.

                                          Details:

Art: Single Malt Scotch Whisky

Alter: k. A.

Jahrgang: 2015

Alkohol: 53,9 %Vol.

Preis: ~ 892,- Euro à 0,75 l

Region: Islay/Schottland

                   Bottler: Bowmore/Beam Suntory

                           Fazit: 10/10 Punkten


 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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2 Kommentare für Bowmore Mizunara Cask Finish im Test

  1. kallaskander 21. September 2015 zu 14:45 #

    Hi there,

    andernorts hieß es, es sei nur Bowmore aus dem Destillationsjahr 1990 enthalten und das finish habe drei Jahre gedauert, also ab 2012.

    Wir bewegen uns also auf dem Niveau „Bowmore 25 Jahre“ und das wäre sicher auch ohne die Zutat der japanischen Eiche ein guter whisky gewesen.

    Da fragt man sich doch ob

    a) der Aufwand und

    b) der Preis

    zu rechtfertigen sind. Der Aufwand sicher, denn das ist ein interessantes konzerninterns Experimnet.

    Der Preis wg. gebrauchten Fässern, die also schon existierten und nicht extra mühsam angefertigt werden mußten, eher nicht.

    Schade drum.

    Greetings
    kallaskander

  2. Philip Reim 21. September 2015 zu 15:36 #

    Ich hatte im Artikel extra eine Altersangabe weggelassen, da meine Informationen dazu auch nur wage waren. Hatte vorab die „Info“, dass es sich um Destillate zwischen 16 und 25 Jahren handelt.

    Klar, aber auch wenn 25 Jahre tatsächlich das jüngste Destillat wäre, selbst dann wäre aus meiner Sicht ein solcher Preis sehr happig und inhaltlich nicht nachzuvollziehen. Aus mittelfristiger ökonomischer Sicht aber schon.

    Gruß Philip

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