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Moscow Mule – Wie ein Kind der 1930er eine ganze Industrie veränderte

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Bildquelle: Brent Hofacker - Fotolia

Er ist simpel, hat Stil. Anders als viele flüssige Meisterwerke der späten 30er Jahre war der Moscow Mule allerdings kein in Feinarbeit kreiertes Werk. Vielmehr entstand er als Notnagel einer schwächelnden Vodka-Industrie. Ein Notnagel, der nicht nur den Siegeszug des Vodkas lostrat, sondern zugleich der Kickstarter der Marke Smirnoff war. Der heute größten Vodka-Marke weltweit.


Vodka war für mich nie die Mix-Spirituose Nummer 1. Wahrscheinlich wird sie es auch nie werden. Und wenn ich ehrlich bin, kommt sie nicht einmal in die Nähe von Position 2 und 3.

Zwar unterstreicht der Alkohol in so manchem Drink die Aromen weiterer Ingredienzen, allerdings kommt jener Klare für mich persönlich nicht an die Raffinesse eines Gins oder die Vollmundigkeit eines Bourbons heran. Zwischen einem Martini Dry aus Gin und einem aus Vodka liegen einfach Welten.

Allerdings kann man nicht bestreiten, dass Vodka für die Cocktail-Geschichte ein wichtiges Gut war. Unter anderem aufgrund eines konkreten Drinks: dem Moscow Mule.

Damit dieser Maulesel aus Russlands Hauptstadt allerdings das Licht der Barkarten erblicken konnte, bedurfte es Ende der 1930er eine wirtschaftliche Misere.

Vom Notnagel zum Kickstarter

Vladimir Smirnov ging, um es einmal gelinde auszudrücken, mit Lenins Theorien nicht gerade konform. Die Bolschewistische Revolution im Russland des frühen 20. Jahrhunderts sowie deren kommunistische Ideologie war für ihn ein derartiges Elend, dass er seine Heimat gen Westen verließ. Zumal die Bolschewiki auch die unternehmenseigenen Brennapparaturen konfiszierte.

Frankreich sollte ab dann sein neues Zuhause sein, wo er kurze Zeit später bereits die Vodka-Produktion des einstigen Familienunternehmens fortführte. Der Gedanke, dass ein Drink namens Moscow Mule später einmal mitverantwortlich für den immensen Erfolg der Marke sein wird, war damals soweit entfernt wie Frankreich von Russland.

Dem Vater gewidmet, taufte Vladimir das neu gegründete Unternehmen Pierre Smirnoff Vodka. Allerdings hatte der Sohn ohne Frage wirtschaftliche Hintergedanken als er den Namen des Vaters „Piotr“ ins Französische „Pierre“ übersetzte, den Nachnamen latinisierte. Allerdings blieb der Erfolg bescheiden. Selbst dann noch als er aufgrund wirtschaftlicher Misere die Markenrechte an seinen US-amerikanischen Freund Rudolf Kunetchansky abtrat.

Mehr noch. Kunetchansky bekam mit Smirnoff wirtschaftlich ebenfalls keinen Fuß auf den Boden. So klammerte er sich 1939 an einen der letzten Strohhalme und veräußerte die Rechte der Marke an Heublein Inc. Im 19. Jahrhundert war Heublein eine der wirtschaftlich erfolgreichsten US-amerikanischen Spirituosenproduzenten und -importeure. Und so ironisch die Geschichte rückblickend wirkt, selbst jener erfahrende Konzern hatte anfänglich Schwierigkeiten Vodka in den USA an den Mann zu bringen.

So kam es, dass John Martin, einer der Geschäftsführer bei Heublein Inc. in der Cock’n Bull Tavern am Sunset Strip in Los Angeles mit seinem Freund Jack Morgan einige Vodkas kippte. Morgan selbst versuchte gerade sein Glück mit Ginger Beer, hing damit allerdings mehr schlecht als recht in der Luft. Man spielte also mit den beiden Ideen. Und zu einem Moscow Mule fehlte nur noch eine kleine, aber entscheidende Ergänzung.

Betrachtet man den heutigen Erfolg des Moscow Mule erscheint das erstmalige Auftauchen seines typischen Kupferbechers fast schon wie ein Deus ex machina. Es passt alles nahtlos ineinander und doch wirkt es etwas skurril.

Vor allem wenn man bedenkt, dass eine von Morgans damaligen Freundinnen ein Geschäft für Kupferwaren geerbt hatte. Kupferbecher sind dort dann logischerweise keine Seltenheit.

Und so simpel der Moscow Mule damals und heute war, war er doch ein Genie-Streich. Wenn auch ungewollt. Der einfach, aber würzige Drink in seinen Kupferbechern mit hohen Wiedererkennungswert…Los Angeles der 1940er schien darauf gewartet zu haben. Der Drink aus Vodka, Ginger Beer, Limette und Kupferbecher war ein Kassenschlager im heißen L.A. Mehr noch. In seinem Kielwasser verhalf der Moscow Mule 3 Underdogs zu äußerst beachtlichem Erfolg: dem in den USA bis dahin wenig beachteten Vodka sowie Ginger Beer und alten Kupferbehältern, die niemand mehr wollte.

Der Moscow Mule war nicht der erste Vodka-Drink. Nicht in den USA der 30er, geschweige denn weiter östlich. Auch verkaufte Smirnoff Vodka durch jenen Signature Drink nicht erst seine erste Flasche Schnaps. Die Nachfrage, die im L.A. der 40er Jahre nach jenem Moscow Mule entstand, löste allerdings einen beachtlichen Wachstumsschub für alle betroffenen Parteien aus. Vor allem für die Marke Smirnoff.

Der Erfolg des Ginger Beers war bis in die heutige Zeit allerdings vornehmlich an den des Moscow Mules geknüpft. An sich keine schlechten Aussichten, allerdings schaffte er es in der Vergangenheit selten über den Blechrand.

Auch die charakteristischen Kupferbecher sind, so ansehnlich sie auch sein mögen, für viele Bartender und -manager eine Crux. Diese kleinen Biester verlassen zu gerne die Bar. Selbst bei horrendem Pfand.

Moscow Mule – Einordnung als Drink

Googelt man einmal nach „Moscow Mule“, finden sich einige Texte und Rezepturen, die diesen Drink als Highball bezeichnen. Nun ist dies grundsätzlich nicht falsch, beschreibt ein Highball letztendlich ja nichts anderes als einen High Volume-Drink aus Spirituose und Filler.

Sowenig ein Fahrrad allerdings ein Auto ist, nur weil es fahren kann, so wenig ist ein Moscow Mule ein Highball. Aufgrund des zusätzlichen Limettensafts gehört dieser Drink in die Kategorie der Bucks. Gerne auch mal als Mules, in Anlehnung an seinen bekanntesten Vertreter, bezeichnet.

Zutaten: 

  • 5 cl Vodka
  • 2 cl Frischer Limettensaft
  • Ginger Beer

Zubereitung:

In einen Kupferbecher eine halbe Limette ausdrücken und die ausgedrückte Schale anschließend ebenfalls in den Becher geben. Eiswürfel und Vodka hinzugeben und einige Male mit dem Barlöffel verrühren. Anschließend mit Ginger Beer auffüllen. Wahlweise kann dem Drink als Dekoration ein kleiner Minze-Zweig beigeben werden.

Aufgrund der Verwendung von Vodka als Basisspirituose liegt das aromatische Gewicht hier vollkommen auf dem Ginger Beer. Vodka spielt, egal ob durch Diamant, Milch, Lava oder Kometengestein gefiltert, geschmacklich eine untergeordnete bis gar keine Rolle.

Es ist daher entscheidend sich im Vorfeld für eine konkrete Ginger Beer-Marke zu entscheiden. Im Zuge der Cocktail- und Bar-Renaissance hat man diesbezüglich auch wieder eine satte Auswahl unter Marken wie Fentiman’s, Fever Tree, Thomas Henry etc. Aufgrund des weniger intensiven und weniger würzigen Geschmacks sollte zur Zubereitung des Moscow Mules allerdings kein Ginger Ale verwendet werden.


 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.

5 Kommentare für Moscow Mule – Wie ein Kind der 1930er eine ganze Industrie veränderte

  1. Matthias 23. September 2015 zu 18:29 #

    leider hat sich ginger beer in deutschland nicht durchgesetzt so dass man, wenn man nicht gerade in großen städten wohnt, man immer noch ginger beer im netz bestellen muss

  2. sawgf 24. September 2015 zu 19:34 #

    Jap, wirklich schade, dass sich Ginger Beer so wenig durchgesetzt hat, dass es einem bis an die Haustür geliefert wird.

    • Matthias 28. September 2015 zu 06:25 #

      im gegensatz zu ihnen will ich eben nicht immer online bestellen sondern es wäre eben nett wenn man ginger beer wie in england einfach im laden kriegen würde

  3. Bluto 26. September 2015 zu 09:38 #

    Wenn ich in eine Bar komme, die ihr Ginger-Beer selber macht, fange ich an sie ernst zu nehmen 🙂

  4. Miriam 24. Februar 2016 zu 12:07 #

    Voll die coole Entstehungsgeschichte vom Moscow Mule – vielen Dank dafür! Wodka wird zwar auch nie mein Favorit, aber mit Ginger Beer kriegt man mich sofort! Muss ich dringend mal selber machen. Liebe Grüße, Miriam

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