Philippinisches Kokosnektar-Destillat Borakay im Test » Eye For Spirits

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Philippinisches Kokosnektar-Destillat Borakay im Test

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Neue Produkte, speziell aus unbekannten Kategorien, sind immer etwas Spannendes. Vor allem wenn sie nicht nur aus einer für uns fast unerschlossenen Spirituosen-Region kommen, sondern zudem aus einem nahezu unbekannten Rohstoff hergestellt werden. Erst kürzlich kam in diesem Genre Nachschub von den Philippinen. Das Produkt: das Palmnektar-Destillat Borakay.


borakayFür Genusszwecke destilliert werden, kann alles, das Zucker enthält. Denn dann ist es fermentierbar und folglich ist es möglich den Alkohol per Destillation abzutrennen. Philippinischer Nektar der Kokospalme passt also voll in dieses Schema.

Nur hatte man in der westlichen Hemisphäre Brände der Philippinischen Inseln bisher kaum auf dem Schirm. Erst recht nicht aus Kokospalmnektar.

3 Wagemutige aus Süddeutschland nahmen sich jedoch dies mit ihrer Marke Borakay als Vorsatz. So genannten Lambanog bei deutschen Bartendern und Genuss-Menschen salonfähig zu machen.

Borakay mit seinen 33,3 %Vol. ist seit kurzem im deutschen Handel für ca. 35,- Euro je 0,7 Liter Flasche erhältlich. In eine der ersten Chargen konnte ich kürzlich einen Blick werfen.

Degustation des Borakay

Ich muss zugeben, die Spannung vorab des Tastings war hoch. Philippinische Destillate sind bei uns nicht gerade Massenware. Lambanog erst recht nicht. Dass aber auch vor allem klare Destillate ohne zusätzliche Ingredienzen gewaltiges aromatisches Potential haben, zeigen ja bereits Obstbrände, Grappa, Pisco etc. Warum dann nicht auch ein Brand aus Kokospalmnektar.

Der Borakay benötigt nicht viel Zeit im Glas zum Atmen, geschweige denn einige Tropfen Wasser. Er beginnt in der Nase angenehm weich. Nicht zuletzt liegt dies an dem feinen Hauch Vanille, den er versprüht. Neben einer ganz schwachen Note Kokos wirkt der Borakay in der Nase vor allem cremig-süßlich, ähnlich wie Milch. Allerdings belässt er es auch dabei. Er hat vielleicht 1 – 2 aromatische Nuancen. Die große aromatische Bombe wie sie die Obstfraktion der klaren Destillate liefert, fehlt ihm allerdings gänzlich.

Auch im Mund wirkt er angenehm weich und cremig. Ganz wie in der Nase wirft er allerdings auch hier nicht großartig mit Aromen um sich. Im Gegenteil neben dezenter Vanille und Kokos rückt der Borakay durch seine außerordentlich neutrale Richtung stark in Richtung Vodka. Für meinen Geschmack sogar so sehr, dass ich ihn, hätte ich nicht gewusst, was es ist, auch als Vodka klassifiziert hätte. Ein Wermutstropfen an dieser Stelle ist der Alkohol. Der Borakay besitzt „nur“ 33,3 %Vol. Für ein Destillat nicht sonderlich viel. Dennoch macht sich der Alkohol im Mund sowohl geschmacklich als auch durch eine gewisse Schärfe bemerkbar.

Einen ganz ähnlichen Weg geht dieser Lambanog schließlich auch im Nachklang. Er wirkt schwach süßlich und mit einem Hauch Vanille eher etwas wie ein dezent aromatisierter Vodka.

Der Borakay ist sicherlich kein schlechtes Produkt. Den großen Aha-Effekt als Newcomer einer unbekannten Kategorie bleibt er allerdings schuldig.

Details:

Art: Lambanog

Alter: k. A.

Jahrgang: k. A.

Alkohol: 33,3 %Vol.

Preis: ~ 35 € à 0,7 l

Region: Philippinen

Bottler: Lambanog Import & Vertriebs UG

Fazit: 6/10 Punkten


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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2 Kommentare für Philippinisches Kokosnektar-Destillat Borakay im Test

  1. Axel Huhn 24. September 2015 zu 16:25 #

    Vermutlich liegt hier eine Art „botanisches Mißverständnis“ vor, da hier wohl kaum aus Palm-Nektar (also den wenigen Tropfen Flüssigkeit aus der Blüte) destilliert wird, sondern aus dem Palmsaft, der durch beschneiden der Blüte gewonnen wird. Es handelt sich also hier schlicht um Arrak.
    Näheres hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Arrak

  2. Philip Reim 25. September 2015 zu 07:53 #

    Nein, Lambanog ist durchaus eine eigene Kategorie und Palmnektar dessen Rohstoff.
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Tuba_(Getr%C3%A4nk)

    Gruß Philip

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