Angostura No. 1 16 Jahre Rum im Test » Eye For Spirits

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Angostura No. 1 16 Jahre Rum im Test

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Mit der neuen Cask No. 1-Serie schuf die Rum-Marke Angostura 2013 ihre hauseigene Premium-Reihe. Destillate, die ein Fünkchen exquisiter sein sollen als die Standardqualitäten des Portfolios. Mit ihrem neuen Angostura No. 1 16 Jahre spannt die Destillerie aus Trinidad & Tobago nun den Weinbrand der Charente vor die Kandare. Was der Cognac-Rum hält, konnte ich mir kürzlich ansehen.


angno116 Jahre sind schon ein ansehnliches Alter für eine Spirituose. Erst recht bei einem atlantischen Inselstaat mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 28 °C. Allerdings sieht man es im Rum-Segment gerne etwas lockerer mit den Regularien bzw. orientiert sich nicht unbedingt an jenen aus anderen Spirituosenindustrien.

So besteht auch der neue Angostura No. 1 16 Jahre primär aus Destillaten aus Ex-Bourbonfässern. Darin reiften die Rums bis zu 10 Jahre. Wie alt dann das jüngste enthaltene Destillate tatsächlich ist bzw. zu welchem Prozentsatz es verwendet wurde, ist nicht bekannt.

Nach seiner Zeit in Ex-Amerikanischen Fässern bekommt der No. 1 noch einen Feinschliff in Fässern aus der Charente. Das heißt, er reifte weitere 6 Jahre in ehemaligen Cognac-Fässern. Abgefüllt wird dann mit 40 %Vol.

Schlussendlich stellt das Unternehmen hiervon 240 Flaschen für den deutschen Markt zur Verfügung.

Degustation des Angostura No. 1 16 Jahre

Bereits im Moment des Einschenkens hatte ich den Eindruck, dass der Angostura No. 1 16 Jahre auffallend viskos ins Glas fließt. Das heißt, er wirkte vergleichsweise ölig. Einmal im Glas glänzt er dann durch satte Kupferfarbe.

Ok, Farbe beiseite, hin zum Bouquet. Vanille, Holz, Tabak und klassisches Rum-Aroma im Überfluss. Der Angostura No. 1 16 Jahre liefert also bereits im ersten Moment alle Klischees eines gereiften Melasse-Destillats ab. Hinzu kommen noch etwas Kokos und verspielte Fruchtaromen. Hier sind es vor allem Orange, Banane, Mango und Pflaume, die hervorstechen. Allerdings muss man schon etwas suchen. Der Angostura No. 1 16 Jahre ist meiner Meinung nach nicht gerade ein Rum, der mit grazilen Noten protzt.

Auch im Mund bleibt es klassisch. Ein kräftiges und äußerst süßes Rum-Aroma macht recht schnell Platz für Vanille und Karamell. Dies mag durchaus Freunde finden, für mich wirkt der Angostura No. 1 16 Jahre auf der Zunge allerdings zu glatt gebügelt, zu wenige Ecken und Kanten. Anders ausgedrückt: Es fehlt ihm eindeutig an Individualität.

Eine ähnliche Linie fährt er schließlich auch im Nachklang. Etwas Holz zu Beginn weicht recht schnell süßer Vanille. Ich habe bisher selten einen Rum im Glas gehabt, der hinten raus nochmal derartig mit süßer Vanille nachhalt. Als hätte man eine alkoholhaltige Vanilleschote geschluckt.

An sich finde ich den Angostura No. 1 16 Jahre als keinen schlechten Rum, liefert er doch genau das, was einen stereotypen Rum ausmacht. Allerdings auch nicht mehr. Das heißt, er strotzt nicht vor Individualität und geht geschmacklich im Gros der Rum-Masse unter. Wer also einen Rum sucht, bei dem der Name auch Programm ist, der findet im Angostura Nr. 1 einen guten Freund. Zwar habe ich keine konkreten Informationen darüber, würde allerdings nach dieser Degustation davon ausgehen, dass der Angostura No. 1 nachgezuckert wurde. Wenn es den Geschmack des jeweiligen Kunden trifft, auch nicht unbedingt eine schlechte Sache. Man muss es nur mögen.

Details:

Art: Rum (Melasse)

Alter: 16 Jahre

Jahrgang: 2015

Alkohol: 40 %Vol.

Preis: ~ 99 € à 0,7 l

Region: Trinidad & Tobago

Bottler: Angostura

Fazit: 6/10 Punkten


 

 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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