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NAS Whiskys nur die Spitze des Eisbergs? Wie die Scotch-Industrie ihre eigene Qualität nach unten schraubt

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Bildquelle: © adimas - Fotolia

Es ist eines der meist diskutierten Themen der Single Malt Scotch Whisky-Szene der letzten Jahre: Whiskys ohne Altersangabe, so genannte No-Age-Statements. Mit einem Blick hinter die Kulissen zeigen sich allerdings noch ganz andere Stellschrauben, an denen internationale Spirituosenkonzerne zur Gewinnmaximierung drehen. EfS-Autor Günther Heinisch über nicht ganz so vertrauensbildende Maßnahmen.


Wir haben uns an dieser Stelle über den anhaltenden Trend zu NAS Whiskys ohne Altersangabe ausgelassen. Ebenso über die Frage was die Bezeichnung Premium oder Super-Premium nicht nur für Whisky sondern für alle Spirituosen bedeutet.

Kürzlich las ich in einem Blog, Super-Premium definiere sich nicht über die Qualität eines Produktes, sondern sei eine Preiskategorie. Ein Produkt ist Super-Premium wenn eine bestimmte Menge einen bestimmten Preis kostet. Beim amerikanischen Bourbon ist „Super-Premium“ ein Verkaufspreis von $ 25 oder mehr für eine 750 ml Flasche. Das ist schon eine relativ niedrige Schwelle und gilt so in den USA.

Die Spirituosen-Konzerne sollten mal ihre Tabellen für Deutschland offenlegen.

Beim Thema „Premium“ hatten wir vom Scapa 16 Jahre gesprochen, der per Definition eines board of directors den damaligen 14 jährigen als Premium-Nachfolger für über 70.- € die Flasche ablöste. Scapa ist eine der nächsten Destillen die NAS-ty wird, also einen Whisky ohne Alter herausbringt, den Scapa Skiren. Der bisherige Scapa 16 ist momentan schon schwer zu finden und sollte einen 14 jährigen Nachfolger finden… von dem aber noch nichts zu entdecken zu sein scheint.

Wir reden hier deswegen vom Scapa, weil diese Destillerie ein gutes Beispiel dafür ist, dass neben dem sichtbaren und kritisierten Trend zu den NAS Whiskys im Hintergrund noch ganz andere Dinge laufen, die als Triebfeder das Geld und die weitere Rationalisierung der Whisky-Produktion und der Whisky-Industry haben.

Bei einem Besuch in Scapa im Sommer 2015 wurde einem Kollegen erzählt, dass Scapa seine Maischestandzeit oder die Vergärungszeit der mash zur wort reduziert habe. Man sei sich voll bewusst, dass das einen anderen Whisky ergeben würde.

Bisher galt „Scapa Distillery used to have the longest fermentation time in Scotland at 160 hours.“ Das sind mehr als sechseinhalb Tage Gärungszeit. Diese Zeit würde „experimental“ auf unter die Hälfte, irgendwo zwischen 52 und 72 Stunden gedrückt….

Was sein Sinn dessen? Nun, eine Beschleunigung der Produktion. Scapa mit etwas mehr als einer Million Liter reinem Alkohol pro Jahr Kapazität hat diese Kapazität bisher so gut wie nie voll ausgeschöpft. So konnte man der Maische alle Zeit der Welt lassen, um in einen Rhythmus zu kommen, der es erlaubte ein batch pro volle Arbeitswoche zu machen. Da man die Kapazität von 1,1 Millionen lpa, litres of pure alcohol, ausnutzen will, hat man die Zeit nicht mehr.

Die neue Marke liegt nun bei einer fermentation time von 56 Stunden. Man erwartet ein „slightly different end result“ – dennoch experimentiert man auch mit verschiedenen Hefekulturen zum Ausgleich der Qualität – der Scapa New Make soll in kürzerer Zeit sein gewohntes Profil behalten.

Profan gesagt, kann man mit der Verkürzung der Gärungszeit einfach die Kapazität einer Destillerie erhöhen, weil mehr pro Woche durch die Brennblasen laufen kann.

Allerdings produziert eine zu kurze fermentation time vor allem zu viel Ketone, besonders Diacetyl – macht schon ab 1ppm ein buttriges Mundgefühl und bei höherer Konzentration Noten von Butterscotch oder sogar Käse – und Brauer und Brenner lassen die gegorene wort oder Würze gewöhnlich ruhen, um sie von überflüssigen Ketonen zu befreien.

Beim Erhitzen nimmt das Diacetyl noch zu und mit einen Siedepunkt von 88°C liegt dieser zu nahe an dem von Alkohol, dass man es selbst mit column distillation, die an sich sehr sauberen Alkohol ergibt, nicht herausdestillieren kann.

Was das alles genau bedeutet, kann Philip sicher besser erklären, aber hauptsächlich wirkt sich die Maischestandzeit oder die Ruhezeit der wort auf die Bildung von Estern aus, die unser Gehirn als Fruchtnoten beim Whisky übersetzt.

Unter der Woche haben viele Destillerien eine fermentation time von um die 55 Stunden im Schnitt, einige sogar nur 48 Stunden, einige wenige bis 75 Stunden und die mash/wort steht, wenn ein Wochenende dazwischen ist, auch mal 120 Stunden.

Die fermentation time hat natürlich auch etwas mit der Größe und der Kapazität einer Destillerie zu tun und was Scapa da so drastisch macht, ist auch nicht völlig neu. Caol Ila hat die fermentation times gekürzt, seitdem sie alte, hölzerne Washbacks durch Edelstahl ersetzt haben, und andere Destillerien wie Ardbeg haben in den letzten 10 Jahren stetig die fermentation times gekürzt, um die Produktion zu erhöhen. Wahrscheinlich haben alle Destillerien die 24/7 arbeiten, entweder viele neue Washbacks eingebaut oder die fermentation time gekürzt – wenn sie nicht generell erweitert wurden.

Die genannten dürften nicht die einzigen sein und wenn man immer wieder hört, dass sich beliebte und vertraute Standard Abfüllungen über viele bekannte Destillerien sehr verändert haben und nicht mehr sind, was sie vor 10 – 15 Jahren waren, so liegt das an mindestens zwei Faktoren.

Einmal daran, dass die Whiskys selbst sich über all diese Rationalisierungsmaßnahmen verändert haben. Zum zweiten daran, dass in Jahren des Whisky-Sees in einer 12 Jahre alten Abfüllung ein relativ großer Anteil viel älterer Fässer enthalten war, was in Zeiten des Booms praktisch kaum noch der Fall ist. Das veränderte die Qualität aber vor allem auch die Gewinnspanne zu Ungunsten der Verbraucher. Bin ich jetzt wieder verbittert? Es ist auch euer Geld.

Nicht nur auf der Produktionsseite gibt es stille aber drastische Veränderungen. Den Trend zu den Whiskys ohne Altersangabe, den Trend zum Verkauf immer jüngeren, schneller produzierten Whiskys für immer mehr Geld haben wir hier ausführlich behandelt.

Spannend ist auch, was sich bei und in den Fässern tut.

 

Engpass bei Bourbonfässern? Ein Sturm im Wasserglas

Anfang des Jahres haben verschiedene US-amerikanische Publikationen davon berichtet, den Amerikanern gingen die Fässer, sogar die Weißeiche in den Wäldern aus. Es gäbe nicht genug Sägemühlen für die Dauben und nicht genug Küfereien, um Fässer zu machen und der Boom auch beim amerikanischen Whiskey würde einmal wegen zu geringer Destillationskapazität und zum zweiten wegen der fehlenden Fässer zu einem Bourbon Shortage, zur Verknappung von gutem Bourbon, führen.

Es war sogar die Rede von einer Gesetzesänderung, damit amerikanische Destillerien Fässer wiederverwenden dürfen!

Für Schottland haben diese Berichte zwei Folgen vorhergesehen. Eine Verknappung von Bourbon Fässern wegen des hohen eigenen Bedarfs in Amerika und die weitere Verknappung, weil die Amerikaner mehr Fässer wiederverwenden dürften.

Keine Rede war davon, was dies für karibischen Rum oder spanischen Sherry bedeuten würde. Schon wegen der kurzen Wege nutzen karibische Rumproduzenten die erstklassigen amerikanischen Fässer gerne und auch die Spanier verwenden für die Sherry Reifung seit Jahren auch amerikanische Fässer oder amerikanisches Holz.

Ein Sturm im Wasserglas, mehr war es nicht. Es dauerte nicht lange, bis Offizielle der amerikanischen Whisky-Industrie aber auch Blogger wie Chuck Cowdery oder Lew Bryson beim Whiskey Advocate den Gerüchten entgegen getreten sind. Es gibt genug Weißeichen und es entstehen sogar neue Küfereien. Was die Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch des amerikanischen Hypothekenmarktes mit dem Tod der Lehman Brothers Bank usw. allerdings tatsächlich getroffen hat, sind die Kapazitäten bei den Sägemühlen, aber auch das ist am Werden.

Der Nachschub an Bourbon Fässer für Schottland ist also nicht in Gefahr.

Da die Whisky Industry den Preisbogen auch so weit gespannt hat, wie es geht und die ersten Zeichen der Zeit dafür erkennbar sind, dass der Whisky Boom den Zenit überschritten hat, werden die Schotten zumindest auch in nicht zu ferner Zeit wieder insgesamt weniger Fässer brauchen.

In einem Interview für nonjatta, wo es sonst um japanische Whiskys geht, wurde Dr. Bill Lumsden gefragt, wie er das mit dem postulierten „cask shortage“ sehe und dass das Holz oder die Fässer, die es zur Zeit für Whisky gibt, nicht von der früher üblichen Qualität sei.

I agree with both points“ war seine Antwort. Es gebe wohl einen „cask shortage“ aber bei Glenmorangie und Ardbeg habe man mit langfristigen Beziehungen und Vereinbarungen mit seinen Zulieferern vorgesorgt.

Wenn jedoch heute jemand käme und wollte mal eben 50.000 Bourbon-Fässer extra, könnte er sich großen Gelächters sicher sein. Keine Chance, weil nirgendwo einfach 50.000 solcher Fässer rumstehen, die nicht schon verplant sind. Zwar glaubt er, die Situation würde sich über die nächsten Jahre wieder entspannen, weil wieder mehr Bourbon getrunken und damit Bourbon-Fässer geleert werden, aber er würde das sorgfältig beobachten und es seien ihm auch Fälle bekannt, in den Destillerien ihre Produktion reduzieren mussten, weil sie keine Fässer dafür finden konnten.

Amerikanische Blogger sehen diese Gefahr aber eher für die vielen Craft-Destillerien in den USA, die keine langfristigen Beziehungen zu Fasslieferanten haben. Ebenso könnte das ein Problem für einige neue und kleine schottische oder irische neue Brennereien sein.

Dr. Lumsden meint, dass definitiv etwas dran sei, dass auch die Faßqualität nicht mehr das sei, was sie einmal war. Die hohen Takte der Whisky-Produktion könnten an Gerüchten, dass es in den USA zum Teil nur 8 Wochen vom Baum zum fertigen Fass und seiner Befüllung bräuchte, etwas dran sein lassen. Jedoch könnten das auch unwahre Anekdoten sein.

Wäre es aber so, dann hätte das Einfluss auf eingie der American Whiskeys, und wenn es ein breites Phänomen sei oder werden würde, würde das auch Wellen in der Scotch Whisky Industrie schlagen. Bei Glenmorangie plc gelte aber immer noch das Programm, dass das Holz mindestens zwei Jahre gelagert sein muss, bevor es zum Fass wird.

 

Das Holz für Sherry-Fässer ist schlichtweg zu jung

Da ist es gut, einen Blick auf die andere Fassart zu werfen, die gerne für die Whisky-Reifung benutzt wird und die seit dem Verbot des fassweisen Exports aller Weinarten in der EU ab 1988 ein Markt für sich geworden sind – Sherry Casks.

Wer dachte, hier sei insoweit alles in Ordnung, dass die Sherry-Fässer zwar exorbitant teuer sind und daher immer seltener und noch teurer werden – so wie die Whiskys, die aus Sherry-Fässern überhaupt noch auf den Markt kommen – muss sich nach einem Special Report über Sherry-Fässer von The Drinks Report nur verwundert die Augen reiben. Ich habe jedenfalls nicht schlecht gestaunt.

Wir kennen sie alle, die oft nur „Dark Sherry“ genannten Abfüllungen einschlägiger Destillerien wie einst Macallan, Thamdu, in gewissem Rahmen Glenfarclas bei den First Fill Oloroso Editions oder auch Single Casks von Glengoyne oder Highland Park im Alter von 20+ Jahren und einer Farbe von tiefstem Mahagoni-Rot.

War es Michael Jackson der einmal angemerkt haben soll, dass wir die intensivst Dark Sherry gefärbten Abfüllungen, destilliert in den 1970ern, abgefüllt nach über 20 Jahren in den 1990ern einzig und alleine dem mittlerweile nicht mehr zulässigen Rekonditionieren von Casks mit Paxarette verdanken?

Dennoch machen auch ohne Nachhilfe alte Sherry Casks in denen der neue Rohbrand lange genug zu Whisky reifen durfte, intensiv dunkelrot oder Mahagoni-Rot gefärbte, vom Sherry dominierte Abfüllungen, egal von welcher Destillerie.

In dem Special Report geht es im Wesentlichen um das „Seasoning“ von Sherry-Fässern für die Whisky-Industrie.

Was bedeutet das? Da seit 1988 die Sherry Fässer nicht mehr in Großbritannien bei den Sherry Häusern warten, um von den Destillerien abgeholt zu werden, mussten sich die Brennereien umstellen, um den Nachschub von Sherry-Fässern zu sichern. Einige haben Kooperationsverträge mit spanischen Bodegas geschlossen, andere haben sich gleich ganz eingekauft und wieder andere haben – wenigstens für einige Zeit – eigene Fässer an Bodegas vermietet, mit der Bedingung, die vom Sherry entleerten Fässer sofort nach Schottland zu schicken.

Da viel zu wenig Sherry getrunken wird übersteigt der Bedarf an Sherry-Fässern für Whisky die Verfügbarkeit von auf natürliche Weise für Whisky frei werdenden ex-Sherry-Fässern.

Was passiert? Es wird in Spanien Sherry gemacht, der nur dazu dient, aus gewöhnlichen Fässern Sherry-Fässer zu machen. Das bedeutet, dass Sherry in einer Bodega in frisch auf dem Gelände gemachte neue Fässer gefüllt wird, sobald sie vom Ausbrennen abgekühlt und zusammengebaut sind. Der Oloroso Sherry dafür wird in riesigen Gärungstanks extra gemacht und bleibt für lediglich 5 Monate in den Fässern. Bis zu vier Mal wandert dieser Oloroso in neue Fässer, um sie für 5 Monate zu konditionieren – dann geht er in die hauseigene – Essig-Fabrik.

Der Betreiber der Operation sagt aber selbst, dass diese Fässer nichts für die Produktion von hochwertigen Sherrys sind. Sowohl Oloroso und PX Sherry als eigenständige Qualitäts-Produkte brauchen alte Fässer für die Reifung, kein junges frisches Holz.

Da musste ich erstmal eine Pause machen.

Es waren diese alten Sherry-Fässer, die für die klassischen Dark Sherry oder Sherried Whiskys, die sherrylastigen Whiskys, verantwortlich zeichnen. Holz, das lange Jahre von Sherry getränkt wurde und dabei selbst reifte und die Gerbstoffe verlor, das als – eher seltenes – einzelnes Sherry-Reifungsfaß diente oder aus einer alten Solera herausgenommen wurde.

Welche Art von Sherry Malt kann aus einem jungen, unreifen und tanninreichen Faß kommen, das gerade mal 5 Monate mit Oloroso konditioniert wurde?

Und in welcher Zeit? Kann man so etwas 20+ Jahre liegen lassen, um einen Dark Sherry Malt zu bekommen? Oder dient das eher dazu, nach höchstens 5 Jahren in einen NAS Malt zu landen, der ein paar Sherry Noten aufweisen soll, der aber eh gefärbt wird, so dass die resultierende Farbe völlig egal ist?

Ich war jedenfalls ernüchtert, nachdem ich das gelesen hatte.

Mir fiel seltsamerweise sofort Mr. Nick Morgan ein, head of whisky outreach bei Diageo, also der Herr über alle Diageo Whiskys . Dieser sprach in einem Interview mit The Whisky Exchange über einen „bond of trust’ between producer and consumer [that] has been broken, something he describes as ‘very regrettable“.

Wir dürfen zumindest daran zweifeln, ob die Whisky-Hersteller in ihrer Mehrheit – nicht nur in Schottland – außer dem Besten des Kunden, seinem Geld, so etwas wie Konsumentenvertrauen im Kopf haben, wenn sie tun was sie tun und wie sie es tun.

Leicht läßt sich der Eindruck gewinnen, daß an allen Ecken und Kanten gefeilt, gekürzt, ja sogar getrickst wird. „Cutting corners“ heißt das auf englisch.

NAS Whiskys sind da noch die offensichtlichsten Abkürzungen, die genommen werden. Fragt sich, ob man als Endverbraucher genug – blind? – „trust“ aufbringt, zu glauben, dass die Whisky-Konzerne es schon richtig und gut machen werden und alles was sie uns anbieten auch sein Geld wert ist.

Vertrauensbildung und Vertrauenserhalt gehen anders. Auch nicht so wie es Bacardi macht.

Die Kategorie Single Malt stellt eine der großen Wachstumsmöglichkeiten in unserer Branche dar. Wir sind mit fünf der besten schottischen Whiskys von höchster Qualität gesegnet“, sagt John Burke, Global Category Director Dark Spirits bei John Dewar & Sons. „Wir empfinden höchsten Respekt vor dieser Kategorie und sind überzeugt, dass jeder unserer „Last Great Malts“ eine willkommene Ergänzung im Repertoire auch des anspruchsvollsten Single Malt Liebhabers darstellt“, so Burke weiter.“

Es mag eine Gerücht sein, Wunschdenken als Vater des Gedankens, aber irgendwie hat man im Hinterkopf, dass Bacardi angekündigt hätte, alle Last Great Malts kämen in natural colour, non chill-filtered und damit mit mindestens 46% heraus. Beim Craigellachie und beim Aultmore hat das auch noch gestimmt und immerhin hat Bacardi Wort gehalten, daß alle eine Altersangabe tragen werden, aber der Relaunch des Aberfeldy fand mit 40% statt, der The Deveron kam in allen Qualitäten mit 40% heraus und nun auch der Royal Brackla.

Besonders vertrauensbildend die Tatsache, dass der 40%ige 12 Jahre alte Royal Brackla wohl 65.- € kosten soll.


 

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15 Kommentare für NAS Whiskys nur die Spitze des Eisbergs? Wie die Scotch-Industrie ihre eigene Qualität nach unten schraubt

  1. Stefan 1. Oktober 2015 zu 14:25 #

    Jupp, da rollt (welch schöner Hinweis auf die „neuen“ Sherryfässer“) einiges auf uns zu. Diese Generation jungsherrybehandelterfässer wird m.E. deutlichere Sherrynoten in das Destillat bringen und dabei eindimensionaler sein … leider.

    Interessanter und spannender Artikel!

    Gruß, Stefan

  2. Simon 1. Oktober 2015 zu 16:25 #

    Wenn es seit 1998 so geht, sind Whiskies aus diesen „Sherryfässer“ doch schon längst auf dem Markt. Schlecht müssen solche Whiskies nicht sein, wenn ich z.b. an einen Glenfarclas 105 Proof, einen Aberlour A’Bunadh oder an einen 2004er Ledaig von SV denke.

    Aber welche Fässer haben es denn damals nach GB geschafft, wenn für einen guten Sherry ein altes „ausgelutschtes“ Fass gebraucht wird?
    Dann werden die Bodegas einen Teufel getan haben und ihre guten Solerafässer verschifft haben.
    Dann müssen es doch auch irgendwelche Fässer gewesen sein, die auf den Transport nur mit Sherry getränkt wurden, oder?

  3. Rainer 1. Oktober 2015 zu 16:36 #

    Seit 20 Jahren trinke ich hochwertige Single Malts. Schon seit längerem beschleicht mich das Gefühl das viele „alte Favoriten“ stetig in der Qualität nachlassen. Obwohl ich mich alsLiebhaber des Malts (über zehn Schottland Besuche mit vielen Dutzend Brennerei Besuchen) sehe, bin ich sehr verunsichert. Trauen tue ich kaum einem Hersteller mehr. Die extreme unübersichtliche Flut an Abfüllungen verwirren zusätzlich.

    Hilfe tut not. Wie wäre es mit einer Serie von Euch über die letzten, bodenständigen Brennereien mit vernünftigen Produkten; konservativer Preis- und Modellpolitik; und vertrauensvoller Leitung??

  4. Martin 1. Oktober 2015 zu 16:48 #

    Ein wirklich spannender Artikel, der einige interessante neue Aspekte beleuchtet. Als Whiskyfan kann man eigentlich nur hoffen, dass die entsprechenden Konzerne in nicht allzu ferner Zukunft über ihre eigenen Praktiken stolpern werden und der Markt sich bereinigt…

    Apropos bereinigt: Gegenlesen und Rechtschreibkorrektur sollten eigentlich Standard sein oder? Da ist man von hier eigentlich besseres gewohnt.
    Und warum werden Begriffe wie „fermentation time“ eigentlich nicht übersetzt? Nichts gegen englischsprachige Fachbegriffe, aber das ganze als Fermentationszeit zu schreiben hätte sicher nicht geschadet. Bei „wort“ war ich mir nicht einmal sicher ob es sich hier um einen irrtümlich im Text belassenen Platzhalter handelt, da mir der Begriff nicht geläufig ist.

    Trotz Gemecker ein schöner Artikel. 😉

    • Philip Reim 1. Oktober 2015 zu 18:51 #

      Hallo Martin,

      es freut uns, wenn dir der Artikel gefällt.
      Zum Thema „Gegenlesen“:
      Natürlich lese ich jeden Artikel hinsichtlich Rechtschreibung gegen, bevor er veröffentlicht wird.
      Ich fände es allerdings anmaßend, dem Autor in seinen Schreibstil reinzupfuschen.
      Ein Text lebt auch in gewisser Weise von der Ausdrucksweise des Autors.

      Alle Begriffe im Text, egal ob deutsch oder englisch, sind Begriffe, die in der Whisky-Industrie gängig sind. Dazu zählt auch „wort“.

      Viele Grüße
      Philip

  5. Steffen 1. Oktober 2015 zu 21:44 #

    Die im Text beschriebene Vorgehensweise zur Herstellung von „Sherry“-fässern ist ja noch nicht einmal so schlimm, weil das Fass wenigstens mal mit Sherry wenigstens mal mit Sherry befüllt in einer Bodega in Herez lag.
    Viel schlimmer sind doch die Fälle, bei denen man in Schottland alte, ausgelutschte Fässer nimmt, diese mit Sherry füllt, drei Monate wartet, leert, schecht gereiften Whisky einfüllt, drei Monate wartet, den Whisky dann als „Destillers Edition“ verkauft, wieder Sherry einfüllt, drei Monate wartet, wieder schlecht gereiften Whisky rein usw….

  6. Sjaunja 2. Oktober 2015 zu 08:32 #

    Das mit der Fermentationszeit ist seit Jahren bekannt. Nur nicht bewußt. Da gibt es noch mehr Destillen die die Fermentationszeit verkürzt haben. Ich selbst hatte mal die Gelegenheit die New Makes zu verkosten: war überrascht wie unterschiedlich die New Makes nur aufgrund der Fermentationszeit sind.

    Zu Ende der 90er Jahre gab es schon den ersten Qualitätseinbruch. Damals wurden die Standards durch die Bank weg schlechter. Dies lag unter Anderem da dran dass die Beimischung von alten Whiskies verringert wurde. Dies wird auch auch bei manchen Destillen bestätigt. Allerdings wird man als Whiskyliebhaber mit dieser Erfahrung von einer Gruppe beiseite gezogen, bevor es einem bestätigt wird. Die Whiskyliebhaber ohne diese „Erfahrung“ sollen diese ja uch nicht erfahren…..

    Beispiele für schlechte Sherryfässer sind meines Erachtens nach die von Glendronach und auch der aktuelle Loch Gorm von Kilchoman.

    Solche Seasoned Sherry Casks kosten um die 700 Pfund pro Faß, ein echtes, also altes Sherryfaß um die 2500 Pfund. Nur mal so als Vergleich…. 😉

  7. Chris Slainte 2. Oktober 2015 zu 08:50 #

    Hallo,

    Danke für den großartigen Artikel der so viel Aufschluss liefert. Bitter stößt der Artikel auf. Zu lesen wie schottische Hersteller ihren eigenen Gral beerdigen ist traurig. Dabei muss man sagen, dass es ja noch selten „schottische“ Distillerien gibt. Sie befinden sich in den Händen von Globalplayern die einzig den Gewinn vor Augen haben. So schön die romantische Vorstellung alter nobler schottischer Werte ist, bei denen Whisky ein Qualitätsprodukt ist gar eine Visitenkarte, so unrealistisch ist es. Alte Whiskys waren super? Ja ganz sicher. Wobei ich Whiskys mit Paxarette nicht als Whiskys bezeichnen möchte, diese Stellen aus meiner Sicht eher geschmacksangereicherte Destillate dar. Die !guten alten! Whiskys waren eher das Resultat geringer Nachfrage und alten Whiskys in Überfluss. Gebe es den Boom vorher, so wären wir nie in den Genuss der alten guten gekommen. Was ich sagen möchte ist, dass wir unserer eigenen Romantik unterliegen/unterlagen und aus dem Blickfeld verloren haben, dass auch Whisky ein Produkt ist welches dem Hersteller den maximalen Gewinn bringen soll. Um jeden Preis! das ist die Welt in der wir leben und es macht kann sicher vor Schottland keinen Halt. Ist das traurig? Jo, das ist es!

  8. Greinarr 5. Oktober 2015 zu 14:34 #

    Hallo zusammen,
    vorweg: Ich finde es wichtig und gut, dass die im Artikel erwähnten Praktiken in die Öffentlichkeit gebracht und diskutiert werden. Für Whiskyenthusiasten ist es unabdingbar, der Industrie „auf die Finger“ zu schauen und Fehlentwicklungen anzuprangern.

    Was ich jedoch absurd finde, ist das ständige Jammern über den Verlust der „alten Werte“ der Whiskyindustrie. Als ich den vorhergehenden Artikel zu NAS-Whiskys las, war ich durchaus erleichtert, dass Philip nicht auch ins selbe Horn bläst wie ein Großteil der Whiskyberichterstattung.

    Natürlich wird NAS von den Produzenten dazu genutzt, die „Qualität“ – zumindest was das Alter der enthaltenen Whiskys angeht – zu drücken. Und natürlich ist der NAS-Trend nichts anderes als ein weiterer Indikator für die sehr hohe Nachfrage nach Whiskys weltweit. Wenn die Hersteller – trotz des nachlassenden Booms – immer noch weit mehr verkaufen könnten, müssen Sie die Entscheidung aus geschäftlicher Sicht einfach treffen; bestehende Age-Statement-Abfüllungen werden teurer und neue Abfüllungen vorwiegend als NAS abgefüllt. Und da genügend Konsumenten dankend dazu bereit sind sogar für die NAS-Whiskys Preise zwischen 50 bis 500 Euro (siehe Highland Park et al.) hinzulegen, gibt Ihnen der Verbraucher für ihr Vorgehen auch noch die Legitimation.

    Und wenn trotz dieser Maßnahmen immer noch zu wenig gereiftes bzw. halbwegs verkaufbares Destillat verfügbar ist, ist der Schritt zu kürzeren Fermentationszeiten, „Faßtricks“ oder diversen anderen „short cuts“ (Marketingbohei, Sammlerserien etc.) nicht mehr weit. Kann man ja seit Jahren bei fast allen Anbietern mitverfolgen.

    Trotz dessen sollte man sich mal vor Augen führen, wie viele neue Abfüllungen im Jahr nur alleine von den schottoschen Distillen bzw. unabhängigen Abfüllern aufgelegt werden. Die Auswahl an qualitativ hochwertigen bzw. herausragenden Whiskys war wahrscheinlich noch nie so hoch. Und im Gegensatz zu „früher“ kann man eine sehr konsistente Qualität quer durch alle Abfüllungen erwarten. Mir fallen auf Anhieb mehrere Whiskys ein, die – gerade bei den Standardabfüllungen – in den letzten Jahren an Qualität gewonnen haben.

    Klar, die absoluten Ausreißer nach oben – wie von so vielen Whiskyconnaisseuren bereits diskutiert – wird es nicht mehr geben. In der Industrie setzt man seit den 90ern auf Kontinuität und Standardisierung. Man will sich robuster Aufstellen und durch gleichbleibende Qualität punkten. Das führt zwangsläufig auch ein wenig zum Verlust von Individualität und dadurch auch zu schnellerer „Langeweile“ seitens der Whiskykundschaft. Es ist wie bei jedem Konsumgüter der einen Hype erfährt. In der Breite wird die Qualität besser, die Preise passen sich an die Nachfrage an und die Konsumenten tun sich schwerer einen „Steal“ zu landen.

    Ich für meinen Teil freue mich, dass ich Stand jetzt aus einer sehr großen Zahl an Originalbfüllungen, unabhängigen Abfüllungen, Grains, Blends und Worldwhisk(e)ys auswählen kann. Die Tatsache, dass ich eine 20- oder 30-jährige Abfüllung nur noch sehr selten zu einem ür mich bezahlbaren Preis kaufen kann muss ich dabei in Kauf nehmen. Ich tröste mich dann meistens mit einer der moderater bepreisten (M)alternativen (Rum, Armagnac, Brandy uvm.) oder kaufe statt der ganzen Flasche einfach ein Sample bei einer Flaschenteilung.

    Wie Chris Slainte bereits in seinem Kommentar erwähnte: die Whisky-Romatik geht vielleicht verloren. Die Angebetete trägt jetzt anderes Makeup und teurere Kleider als noch vor 20 Jahren. Sie ist aber immer noch dieselbe.

  9. Sebastian 7. Oktober 2015 zu 17:37 #

    Sehr informativer Artikel und vielen Dank für die Hintergrundinformationen. Die hohe Nachfrage erfordert Veränderungen.

    Als junger Whsikytrinker, der erst seit 3 Jahren dabei ist möchte ich allerdings auch anmerken, dass der Artikel in meinen Ohren einen leicht verbitterten und schon fast jammernden Unterton hat.
    Ständig höre ich von älteren Whiskytrinken „Früher war alles besser“.
    Ihr hattet einfach Glück, dass in Abfüllungen mit 12 Jahren auf dem Etikett auch 15 oder 18 jähriger Whisky drin war. Es gab praktisch immer einen Bonus. Die Zeit ist vorbei und jetzt ist der Whisky einfach fair. 12 Jahre stehen drauf und 12 Jahre sind drin. Für mich ist das einfach normal.

    Ihr hattet einfach Glück in den Genuss von Paxarett-Whisky gekommen zu sein (Bei jedem Taisting bei unserem lokalen Whiskydealer trauert mindestens einer den ganz alten Macallans nach).
    http://trinklaune.de/2012/11/22/paxarette-das-verrufene-whisky-wundermittel-in-der-praxis/
    An Paxarette sieht man doch bestens, dass vor 30 Jahren schon mit allen Tricks versucht wurde den Whisky aufzuwerten.

    „Diacetyl – macht schon ab 1ppm ein buttriges Mundgefühl und bei höherer Konzentration Noten von Butterscotch oder sogar Käse“ Klingt doch gar nicht schlecht. In vielen Geschmacksbeschreibungen steht Butterscotsh drin. Es gibt wohl viele Menschen die es mögen.
    Außerdem führt ein höherer Durchsatz zu mehr Whisky und das erhöht zumindestens die Chance, dass auch Fässer länger liegen gelassen werden können. Denn insgesamt ist doch noch immer so, dass die Gewinnspanne immer größer wird je älter ein Whisky wird und darauß folgt, dass Brennerein auch ein Interesse daran haben Whisky liegen zu lassen.

    Desweiteren gibt es durchaus sehr tolle Entwicklungen am Markt wie z.B. das Single Oak Project der Buffalo Trace Distillery. http://www.singleoakproject.com/
    Dabei wurden Unterschiedliche Böden, Maischen, Reifedauern und auch unterschiedlich lange abgelagertes Holz verwendet. Am bestens kurz selber lesen und staunen.

    Ich wünschen allen jedenfalls viel Spaß mit der weiteren Evolution des Whiskys, ich glaube die Zukunft wird lecker.
    Jetzt gibts erstmal einen NAS Glendronach aus einem schlechten Sherrycask, laut einem der Kommentare hier.

  10. kallaskander 8. Oktober 2015 zu 13:11 #

    Hi there,

    jammern?

    „Ihr hattet einfach Glück, dass in Abfüllungen mit 12 Jahren auf dem Etikett auch 15 oder 18 jähriger Whisky drin war. Es gab praktisch immer einen Bonus. Die Zeit ist vorbei und jetzt ist der Whisky einfach fair. 12 Jahre stehen drauf und 12 Jahre sind drin. Für mich ist das einfach normal.“

    „Wir“ wenn ich mal in die Gruppe der Älteren einordnen darf, haben für weniger Geld bessere Qualität bekommen.
    Unsere 12 jährigen waren bis vor einigen Jahren tatsächlich 12 Jahre plus einigen casks von vielleicht bis zu 20 Jahren.

    Sie waren runder, ausgwogener, intensiver und nicht nur von viel junger Eiche angetrieben und sonst nix. Und wir haben weit weinger bezahlt bei einem besseren Preis-Leistungsverhältnis.

    Ihr Jungen zahlt wesentlich mehr für schlechtere Qualität, wollt euch dran gewöhnen und redet von fair?

    Dann machen die Jungs in den marketing Abteilungen ja alles richtig und man hat einigen hoffnungsvollen jungen Menschen, die sich mit whisky beschäftigen wollen ja schon recht erfolgreich nicht nur den Kopf sondern auch das Gehirn gewaschen.

    Wie war das mit den Kälbern die sich ihre Metzger wählen?

    Ich denke alle können froh sein wenn ältere whisky trinker, die andere Zeiten erlebt haben laut und vernehmlich nicht nur jammern sondern auch schreien und in den Konzernzentralen auch gehört werden. Es könnte anderfalls gut sein, daß wir alle, ob jünger oder älter, nur noch NAS oder sonstige Phantsie Abfüllungen angeboten bekommen, die vieles sind aber eines bestimmt nicht. Fair.

    Und bevor ich mich aufrege….

    Greetings
    kallaskander

    • Greinarr 8. Oktober 2015 zu 15:22 #

      Ja sicher bekamst du vor ein paar Jahren noch mehr „bang for your buck“! Aber einfach deshalb, weil mehr Whisky da war als man verkaufen konnte. Das jetzt als Standard zu definieren bringt nichts, weil es jetzt einfach nicht mehr der Fall ist.

      Der einzige Weg aus diesem Dilemma, wäre die Anzahl der Whiskytrinker zu reduzieren und das wird meiner Ansicht nach nicht passieren. Auch wenn sich einige von der marketinggetriebenen – vielleicht sogar unehrlichen – Vorgehensweise der Whiskyhersteller abschrecken lassen, wird sich ein Großteil der Kundschaft weiterhin ausschließlich mit Whisky beschäftigen. Weil eben ein Gros der Whiskytrinker sich nicht bis ins letzte Detail über die gekauften Produkte informiert, sondern einfach ein Premiumprodukt kaufen will.

      Aber deshalb zu lamentieren bringt eben auch nichts. Man muss sich – vielleicht noch mehr als vor ein paar Jahren – einfach ausführlich mit den Produkten auseinandersetzen. Wenn man von den angewandten Praktiken weiß und sich nicht vom Marketing täuschen lässt, bin ich aber nach wie vor der Meinung, dass man in der jetzigen Zeit sehr guten Whisky zu einem akzeptablen Preis kaufen kann. Es gibt gute NAS-Produkte (Aberlour a’bunadh, Ardbeg Uigeadal, Jameson Gold uvm.) die ich ohne zu zögern kaufen würde. Bei den lange gereiften Destillaten (20+ Jahre) muss man eben noch wählerischer sein als früher.

      Natürlich wäre mir auch lieber, wenn ich alles was ich haben will, zu einem absoluten Toppreis kaufen könnte, aber leider haben die vielen anderen Whiskytrinker da etwas dagegen. Aber im Gegensatz zu den „goldenen Jahren“ kann ich mich über (fast) jede Abfüllung ausführlich im Netz, bei halbwegs unabhägigen Quellen, informieren. Plus: ich kann fast alles kaufen was irgendwo auf der Welt gebrannt wird, weil ich im Web fast alles finde.

      Können wir uns darauf einigen, dass früher alles toll war, aber heute auch nicht alles schlecht? 🙂

  11. kallaskander 9. Oktober 2015 zu 09:55 #

    Hi there,

    „Man muss sich – vielleicht noch mehr als vor ein paar Jahren – einfach ausführlich mit den Produkten auseinandersetzen.
    Wenn man von den angewandten Praktiken weiß und sich nicht vom Marketing täuschen lässt, bin ich aber nach wie vor der Meinung, dass man in der jetzigen Zeit sehr guten Whisky zu einem akzeptablen Preis kaufen kann. Es gibt gute NAS-Produkte (Aberlour a’bunadh, Ardbeg Uigeadal, Jameson Gold uvm.)“

    Gut gesagt, nur wie denn auseinandersetzen wenn du keine Anhaltspunkte hast? Und ja, es gibt NAS whiskies die gelungen zu sein scheinen………
    die Frage ist aber, was ist da genau drin?

    Ich bin überzeugt, daß kaum einer der NAS-ty whiskies nur aus jungen malts besteht…. kaum ein fünfjähriger malt kann schon allein auf eigenen Beinen stehen.
    Ich würde daher wetten, daß all diese A’bunadhs, Quarter Casks, Classics, Mochs oder Traditionals oder auch Storms und wie sie alle heißen für das Geld das für sie aufgerufen wird nicht gekauft werden würden, wenn sie nur jungen whisky enthielten.
    Beim Uigeadail ist bekannt, daß es junger Ardbeg mit einem Anteil von älteren casks ist…. wäre mal interessant nur das junge Zeug ohne die Beimischung zu testen und zu tasten.

    Was meint ihr, warum diese ganzen NAS-ties mit dem Untertitel „Freiheit für den Master Blender“ vermarktet werden?
    Sie bestehen aus jungen malts sicher zu 60,70 oder gar 80% aber in jedem ist mit Sicherheit älterer, reifer und runderer whisky enthalten, bei dem das Alter sehr wohl eine Rolle spielt.
    Sonst könnte man das junge Zeug alleine kaum verkaufen.

    Und das ist die eigentlich Unehrlichkeit. Du mußt – schau dir die Preise an – die alten casks mitbezahlen, die aber mit jungem Zeug gestreckt sind.
    Das junge Zeug kannst du gar nicht beurteilen weil es mit einigen alten casks aufgepeppt wurde damit man es trinkbar bekommt.

    Und ganz offen gesagt, bei vielen NAS whiskies klappt das mit dem trinkbar bekommen auch dann nicht.

    Daher verhindert die aktuelle Strategie der whisky industry eben genau die Auseinandersetzung mit den whiskies, weil jede Angabe fehlt.

    Wenn man sich die Position zu eigen macht – ich mache das – daß es nur zwei whiskies gibt: Die die mir schmecken und die dir mir nicht schmecken, dann finden sich in letzterer Kategorie viele NAS-ties wieder. Und für die zahle ich nicht den Preis eines 12 jährigen.

    Greetings
    kallaskander

  12. Steffen 14. Oktober 2015 zu 21:09 #

    Da muß ich meinem Vorredner zustimmen. Mit einem Produkt außeinandersetzen um nicht auf den krudesten Marketing-Schrott wie Dalwhinnie winter’s gold usw. reinzufallen. Aber woher soll ich wissen, ob zur Reifung echte Sherry-Fässer benutzt wurden und wie lange die Fermentationszeit war? Das steht leider nicht auf der Flsche und ist auch im Internet nur sehr schwer rauszufinden.
    Aber eins sei auch noch gesagt: Wenn man unsere Diskussion hier mit dem vergleicht, was gerade bei Rum abgeht von wegen Vanillin beisetzen usw.. dann geht es uns Whisky-Fans immer noch gut.

  13. 1968superingo 22. Oktober 2015 zu 16:35 #

    Toller Artikel, der einen sehr nachdenklich werden lässt. Ich kann mich nicht des Eindrucks erwehren, dass gerade die Brennereien im Besitz großer Konzerne (Diageo, Pernod Ricard ….) in ihrer Qualität nachgelassen haben und aus der Not heraus NAS-Abfüllungen auf den Markt werfen. Masse statt Klasse! Schönes Gegenbeispiel hierzu ist Springbank. Da weiß man, was man kriegt. Sicherlich gibt es noch mehr Kleinere, die nette Sachen zu noch bezahlbaren Preisen im Portfolio haben. Letztlich können wir Endverbraucher nur mit dem Portemonnaie abstimmen und die Finger von den marketinggehypten Abfüllungen lassen. Leider werden die Großen immer irgendwo auf dieser Welt Dumme finden, die ihnen den Schrott für ein Heidengeld abkaufen werden. Die Whiskyära von ca. 1995 – 2010 war für die Konsumenten eine goldene Zeit. So schön wird es nie wieder werden (zumindest was schottische Whiskys betrifft).

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