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Singapore Sling – die wichtigsten Fakten über den wichtigsten „Sling“

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Singapore Sling; Bildquelle: SunnySideUp/Fotolia

Intensiv pink-rote Flüssigkeit mit rosa Schaumkrone. Gefüllt in ein Fancy Drinks-Glas und dekoriert mit einer solchen Ananas-Bombe, dass das Glas zu kippen droht. Wovon ich hier schreibe, ist die moderne Version eines Cocktails mit einer über 100 Jahre alten Geschichte: der Singapore Sling. Ein Drink, der eine ganze Cocktail-Kategorie rettete. Wenn auch nicht seine eigene.


Mitte 19. Jahrhundert. Großbritannien stillt gerade seinen Heißhunger nach neuen Ländereien und Territorien. Da tauchen südlich vom heutigen Malaysia Begriffe auf, die sich weit über 100 Jahre später in zahlreichen Cocktailbüchern wiederfinden. Nämlich immer genau dann, wenn sich ein Autor über die Geschichte des Singapore Slings hermacht.

Im Namen der East India Company gründete Sir Stamford Raffles 1819 im Gebiet des heutigen, südlichen Singapurs einen Handelsposten. Selbst als 7 Jahre später die gesamte Insel in den Besitz der britischen Regierung als Teil ihrer Straits Settlements überging, hatte dies mit hochprozentigem Trinkgenuss reichlich wenig zu tun. Es waren rein großwirtschafliche Gedanken dahinter.

Dennoch sind in diesem kurzen Abriss der Geschichte Singapurs 2 Begriffe gefallen, die unweigerlich mit dem modernen Drink Singapore Sling verknüpft sind. Raffles und Straits Settlements.

Lange bevor der erste Singapore Sling gemixt wurde und noch länger bevor er mit Unmengen von Obst zugedeckelt wurde, rutschte sein unmittelbarer Vorgänger über die Bartresen. Die Rede ist vom Straits Sling. Zwischen 1910 und 1920 wurde dieser im Raffles Hotel in Singapur kreiert.

Du erkennst den Zusammenhang? Raffles – Raffles, Straits – Straits?

Leider ist heute nicht mehr exakt überliefert, wann sich der Straits Sling in den Singapore Sling wandelte bzw. wo. Denn der heute bekannte Cocktail ist der Prototyp eines klassischen Tiki-Drinks, hat also nur noch in Grundzügen Ähnlichkeit mit seinem Vorläufer.

Zudem entwickelte sich die Tiki-Sparte an hochprozentigen Mixgetränken vor allem in den USA der 1930er und 40er, angetrieben von den beiden Unternehmern Trader Vic und Don the Beachcomber. Also ein paar Kilometer östlich der malaysischen Küste.

Aber genau an dieser Stelle legt der Name des „Straits Slings“ Steine in den Weg. Straits Settlement war eine der frühen Bezeichnungen von Singapur. Der Name des entsprechenden Slings war praktisch eine Hommage an das gleichnamige Gebiet. Ebenso wie der Singapore Sling Jahre später namentlich Tribut an die moderne Bezeichnung zollt.

Es stellt sich also die Frage: War der Singapore Sling einfach nur seiner Zeit Jahrzehnte voraus oder war er tatsächlich eine amerikanische Erfindung der Tiki-Zeit?

DER SINGAPORE SLING ALS BEKANNTESTER VERTRETER EINER FALSCHEN KATEGORIE

Mulls, Rickeys, Negus oder Champarelles. All dies sind Begriffe von historischen Drink-Kategorien, die nur durch wenige Liebhaber am Leben gehalten werden. Im Prinzip also genau wie die Sling-Kategorie. Wäre da nicht der Singapore Sling.

Er tritt mit einer solchen Absatzzahl auf den Plan, dass jeder Barlaie schon einmal von jener Kategorie gehört hat. Der Singapore Sling pusht also als Einzelgänger das gesamte Genre.

Das Kuriose daran ist allerdings, dass per Definition der Singapore Sling gar kein Sling ist. Nicht einmal, wenn man alle Augen zudrückt. Ein Singapore Sling hat mit einem klassischen Sling so viel gemeinsam wie Nickel mit Pumpernickel. Kurzum: nichts.

Cocktail-historisch betrachtet sind Slings die grundlegendste Form von Mixgetränken. Vielleicht sogar noch mehr als der Inbegriff des Cocktails, der Old Fashioned.

Während die Rezeptur von letzterem nach einer Spirituose, Süßungsmittel und Bitters verlangt, verzichten die Slings auf die bittere Tinktur. Vielmehr sollen es neben Spirituose und Zucker, Wasser und Muskat sein. Wobei letzteres optional ist.

Schaut man sich nun die moderne Rezeptur des Singapore Slings aus den 1930ern an, wirkt diese Definition fast schon lächerlich. Es ist ein Sammelsurium an diversen Zutaten, das mit einem klassischen Sling nichts mehr gemein hat. Mehr noch: die Rezeptur verlangt sogar nach Bitters (!). Das Markenzeichen der Konkurrenz.

Abgesehen von der Sling-Kategorie finde ich es grundsätzlich sehr schwer, den Singapore Sling in irgendeine klassische Kategorie zu stecken. Seine 8 Zutaten machen dies fast unmöglich. Das Eheste, was noch in Frage käme, wäre die Punsch-Schublade. Aber auch dies nur mit beiden Augen zu.

Ähnlich verhält es sich auch beim Straits Sling. Markantester Unterschied ist jedoch, dass der ursprüngliche Drink nach Kirschwasser bzw. einer trockenen Spirituose mit Kirscharoma verlangt. Die moderne Variante liefert hier mit Kirschlikör schon eine deutlich süßere Komponente.

DIE ZUBEREITUNG VON STRAITS & SINGAPORE SLING

  1. Zutaten des Straits Sling (adaptiert nach Ted Haigh, Vintage Spirits and Forgotten Cocktails)
  • 6 cl Gin
  • 1,5 cl Kirschwasser
  • 1,5 cl Dom Bénédictine
  • 2 cl Frischer Zitronensaft
  • 2 Dashes Orange Bitters
  • 2 Dashes Angostura Bitters
  • Soda

2.  Zutaten des Singapore Sling

  •  4 cl Gin
  • 1,5 cl Kirschlikör/Maraschino
  • 2 BL bzw. 0,75 cl Cointreau
  • 2 BL bzw. 0,75 cl Dom Bénédictine
  • 1 cl Grenadine
  • 1,5 cl Limettensaft
  • 2 Dashes Angostura Bitters
  • 12 cl Ananassaft

Zubereitung:

Alle Zutaten auf Eiswürfel in den Shaker geben und 12 bis 15 Sekunden kräftig shaken. Anschließend in ein vorgekühltes Highball-Glas auf Eiswürfel abseihen. Anschließend mit einem dünnen Ananas-Stückchen und einer Maraschino-Kirsche dekorieren.

Zum Wohl!


 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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