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Douglas Laing Port Ellen 32 Jahre XOP im Test

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Es dürfte so um das Jahr 1983 gewesen sein, als dieser Single Malt Whisky seinen Besuch im Eichenfass antrat. Wahrscheinlich war es daher eines der letzten Fässer, die die Brennerei Port Ellen kurz vor ihrer Stilllegung noch abfüllte, der Douglais Laing Port Ellen 32 Jahre XOP einer ihrer letzten Tropfen. Was in diesem mehr als einem Vierteljahrhundert mit dem Whisky passierte, konnte ich mir kürzlich ansehen.


Port Ellen 32 JahreEine Originalabfüllung der 1983 stillgelegten Whisky-Destillerie Port Ellen zu erhalten, ist auch für wahre Fans der Marke kein Spaziergang. Erst recht nicht für deren Geldbeutel.

Etwas einfacher, wenn auch nicht wesentlich günstiger, ist der Gang über unabhängige Abfüller. In deren Portfolios schlummern nach wie vor einige Perlen der geschlossenen Whisky-Destillerie der Insel Islay. Mit einem unteren 4-stelligen Betrag sollte man allerdings auch dort rechnen.

Einer dieser unabhängigen Abfüller, der im Zuge seiner neuen Single Cask-Reihe ein Fass von Port Ellen auf Flaschen zog, ist Douglas Laing. Vergangenes Frühjahr stellten diese als Teil ihrer aktuellen XOP-Serie einen 32 jährigen Port Ellen dem whisky-begeisterten Publikum vor. Darunter auch Deutschland.

Wie für Einzelfassabfüllungen Usus bekam auch der Port Ellen 32 Jahre XOP keine massentaugliche Nachbehandlung. Das heißt, er wurde nicht gefärbt, nicht kältefiltriert und der Alkoholgehalt mit seinen 54,6 %Vol. stammt unverdünnt direkt aus dem Fass.

32 Jahre Reifungsdauer hinterlassen allerdings in Hinblick auf Verdunstungsrate/Angels‘ share auch seine Spuren. So blieb im März 2015, als man jenen Single Malt abfüllte, letztendlich nur ein Volumen übrig, das für 120 Flaschen reichte. 120 Flaschen, die den weltweiten Markt versorgen mussten.

DEGUSTATION DES DOUGLAS LAING PORT ELLEN 32 JAHRE XOP

Die Farbe des Port Ellen 32 Jahre XOP lässt sich recht präzise mit sattem Bernstein beschreiben. Schwenkt man ihn einige Male im Glas, bildet er auffallend viele Tropfen, wirkt ölig.

Das erste Aroma, das mir in die Nase stieg, war jenes von Torfrauch. Zwar hatte es diesen typischen maritimen Charakter, der in erster Linie darauf beruht, dass Torf von Islay primär unverweste Meerespflanzen sind.

Allerdings wirkte dieses Aroma nicht allesüberlagernd. Vielmehr stand es gleich auf mit einem weiteren Aroma, das der Port Ellen 32 Jahre XOP in Hülle und Fülle liefert: Holz. 32 Jahre in einem dunklen Fass eingesperrt, hinterlassen halt einfach ihre Spuren.

So wirkt das Bouquet äußerst cremig, tief und komplex. Das Holzaroma kommt sehr deutlich, vielleicht schon etwas zu deutlich. Neben süßem Popcorn und Vanille findet man allerdings kaum konkrete Noten, kein Sammelsurium an diversen Aromen. Die Nase des Port Ellen 32 Jahre XOP lebt ganz einfach von seiner ungeheuren Tiefe.

Einmal auf der Zunge wirkt dieser Single Malt auffallend salzig. Zusammen mit einem leicht öligen Charakter sowie Holz- und Torfgeschmack ein äußerst angenehmes Erlebnis. Auch hier zeigt sich neben Vanille kaum eine andere konkrete Note. Dafür aber eine Fülle und Tiefe, die seinesgleichen sucht.

32 Jahre Eichenfassreifung machen sich allerdings noch in einem weiteren Eindruck bemerkbar. Und zwar sorgt der Port Ellen 32 Jahre XOP im Mund für eine auffallende Adstringenz. Ein pelziges, trockenes Mundgefühl, das durch Gerbstoffe, wie Tannine, des Eichenholzes hervorgerufen wird. Nach 32 Jahren hatte er ja auch genügend Zeit reichlich davon aufzunehmen.

In gewissen Konzentrationen kommen jene Gerbstoffe auch in Torf vor, wodurch der hier verkostete Single Malt gleich eine zweite Quelle an jenen Stoffen besitzt. Auch wenn letztere aus sensorischer Sicht weniger bedeutsam ist.

Im Nachklang bleibt er langanhaltend und adstringierend zurück. Zudem lässt der Port Ellen 32 Jahre XOP allerdings noch etwas Platz für Vanille, ein kräftiges Holzaroma und eine leichte Rauchnote.

Schlussendlich ist der Douglas Laing Port Ellen 32 Jahre XOP ein äußerst spannender Whisky. Vor allem von jenem Standpunkt aus betrachtet, dass es mittlerweile nicht mehr viele Tropfen mit einem solch altehrwürdigem Alter gibt. Zu vertretbaren Preisen sowieso nicht. Sehr schön zeigt dieser Single Cask Whisky, dass es gerade die alten Destillate sind, die einem herkömmlichen Single Malt ihre Tiefe und Komplexität geben, die jungen Whiskys schlichtweg fehlt. Als Einzelfass-Abfüllung hätte ich persönlich diesen Whisky allerdings ein paar Jahre früher aus dem Fass genommen. Teils zu stark wirkt das Holzaroma und eine gewisse Adstringenz, hervorgerufen durch lange Fasslagerung.

                                      Details:

Art: Single Cask Whisky

Alter: 32 Jahre

Jahrgang: k. A.

Alkohol: 54,6 %Vol.

Preis: 1299,- Euro à 0,7 Liter

Region: Islay/Schottland

                     Bottler: Port Ellen/Douglas Laing

                             Fazit: 8/10 Punkten


 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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