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Mut zum Anti-Gin-Trend: Im Interview mit Start Up-Gründer Florian Faude

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Bildquelle: FfB

Mit seinem Start Up Faude feine Brände ging er mitten in der jüngsten Gin-Euphorie einen anderen Weg. Statt Wacholder sollte es ein altes Steckenpferd deutscher Brenntradition werden: Obstbrände und- geiste. Florian Faude scheint emsig daran zu arbeiten, Klassiker und Exoten dieses urdeutschen Tropfens wieder salonfähig zu machen. 


Eye for Spirits: Hallo Florian, stelle dich und dein Unternehmen doch bitte kurz vor.

Florian Faude: Mein Name ist Florian Faude, ich bin 31 Jahre alt. Nach dem Abitur und Zivildienst habe ich mich dazu entschlossen den Beruf „Winzer“ zu erlernen. Mit einem Hauskauf meiner Eltern im Jahre 2002 kam ich zu einem Brennrecht, das direkt mein Interesse und schließlich auch meine Leidenschaft geweckt hat. Gleich im Anschluss an meine Winzerausbildung habe ich die Weiterbildung zur staatlich-geprüften Fachkraft für Obstbrennerei angehängt, um mein bis dahin autodidaktisch erlerntes Wissen zu festigen.

2006 habe ich FAUDE feine BRÄNDE gegründet. Erst im Nebenerwerb und seit knapp 2 Jahren im Haupterwerb. Der vorhandene alte Brennkessel wurde durch eine neue moderne Brennerei abgelöst.

Auf knapp 2 Hektar bewirtschafte ich verschiedene Obstsorten. Da dies bei weitem nicht reicht, beziehe ich mein komplettes Obst von umliegenden Landwirten der Region.

Alles in allem war die Gründung meines Betriebs ein voller Quereinstieg, da meine Eltern nichts mit Landwirtschaft oder Brennen am Hut hatten.

EfS: Obstbrände und -geiste sind seit jeher eines der Steckenpferde deutscher Brenntradition. Nicht nur qualitativ. Dennoch tun sich Williams, Himbeer & Co. nach wie vor schwer einen Erfolg ins Regal zu bringen wie es z. B. Gin vormachte. Woran liegt dies deiner Meinung nach?

FF: Obstbrände und Geiste haben ein etwas eingestaubtes Image. Viele denken an Großvaters Obstler oder an den klassischen Rachenputzer, der bis zum kleinen Zeh die Kehle hinunter brennt. Zumindest war dies meine Erfahrung als Heranwachsender. Auch das eher konservative Erscheinungsbild trägt nicht zur Verkaufsförderung bei, gerade bei der jüngeren Generation. Zu Beginn waren auch auf meinen Flaschen dubiose Obstbilder und meine ersten Gehversuche rochen nach alten Socken. Aber schnell lernte ich, dass eine moderne Verarbeitungsweise sowie ein moderner Markenauftritt der Weg ist, der in die Zukunft führt.

Die Qualität Land auf Land ab hat auch teilweise sehr zu wünschen übrig gelassen. Oftmals hat man nicht erkannt, um welche Sorte es sich handelt, die man gerade trinkt. Ich hatte damals viele Klassenkameraden aus bekannten badischen Obstbaugebieten, die seit Generationen brennen, deren Erzeugnisse leider teilweise gebrannt haben wie Feuer und das schon beim hinein riechen ins Glas. Ich habe das nie verstanden, soviel Obst und Potential und dann so mindere Ergebnisse. „Das haben wir halt schon immer so gemacht“ waren dann die Aussagen nach der Verkostung. (Es gab natürlich auch Ausnahmen!)

In Österreich zum Beispiel haben Obstbrände, so scheint es mir ein völlig anderes Image. Nach einer Prämierungsfeier in Bad Ischl waren wir tags drauf in Innsbruck in einer Bar, in der die Tagesempfehlung voll mit Obstbränden war. In den deutschen

„Standard Bars“ hingegen, ist das leider noch nicht Usus.

Hinzu kommt, dass sich Viele einfach nicht auskennen bzw. die Vielfalt nicht sehen. Aufgefallen ist es mir bei einem Weihnachtsmarkt in Berlin. Einige der jungen Konsumenten kennen tatsächlich nur Apfel und Birne.

Gin hatte 2010 mit dem Start von Monkey 47 eine wahre Renaissance! Modernes Auftreten, super Geschichte und vor allem eine handwerkliche Meisterleistung. Gin ist – mit Verlaub – eine für jeden Anwender sofort konsumierbare Spirituose. Tonic drauf und los gehts! Früher war das Vodka Orangensaft oder Whisky Cola. Selbst diese sind auf den örtlichen „Feuerwehrhocks“ fast vollständig verschwunden… und Lieschen Müller lässt nun auch endlich die Finger von Aperol Spritz.

EfS: Stichwort: Made in GSA. 2015 hat dein Fichtensprossengeist in einer Cocktail-Kreation des Bartenders Jan Jehli aus The Parlour Frankfurt den 2. Platz im Cocktailwettbewerb von Mixology belegt. Inwieweit hast du von dieser Platzierung profitiert? Gab es dadurch einen signifikanten Umsatzschub?

FF: Profitiert habe ich davon, dass Jan einen super Drink auf den Tresen gezaubert hat! Der Umsatz ist deswegen nicht in die Höhe geschnellt – darum ging es auch gar nicht. Hauptanteil des Drinks ist Monkey Gin. Ich denke es hat den Monkeys und den Faudes gleichermaßen gefallen!

Wobei ich fairerweise zugeben geben muss, dass Christoph (Stählemühle) vor mir bereits einen Fichtensprossengeist im Programm hatte. Mein Fichtensprossengeist war 2012 in einem Gemeinschaftsprojekt von Jan Jehli, Anton Röder und mir entstanden.

 

EfS: Neben dem erwähnten Fichtensprossenbrand hast du noch weitere Exoten wie Gurken- und Rote Beete-Brand im Portfolio. Wie sind die Kundenreaktionen auf solche doch sehr unkonventionellen Destillate?

FF: Viele Kunden zucken zuerst zusammen und erklären mich für verrückt. „Wie, was, sowas kann man auch brennen?!?!“

Die Bartender sind bis jetzt alle sehr interessiert. Was gibt es Schöneres als einen Twist auf eine Bloody Mary? In diesem Fall eine Rooty Mary!? Oder ein 100% Gurke Tonic? Letzteres ist zugegebenermaßen echt eine harte Nummer, das muss man schon mögen.

Aber wer tonnenweise Gurkenzesten in Kupfertassen wirft, sollte die Gurke auch glasklar probieren!

Christian Gentemann / Hotel am Steinplatz Berlin schickt in seiner Herbstkarte einen Rote-Beete Drink.

Adrian Jeschall / Patissier im Kursaal Bern Meridiano, Schweiz hat ein Prä-Dessert mit der Gurke kreiert.

Man merkt, es geht nicht ausschließlich um Drinks oder Brände als solches! Der Kreativität sind auch hier keine Grenzen gesetzt.

EfS: Viele klassische Obstbrenner sprangen in den vergangenen Jahren auf den Gin-Zug auf. An sich auch eine schlaue Idee, war ja das Wissen um Mazerate vorhanden. Du scheinst genau den anderen Weg zu gehen. In einer Zeit in der alles nach Gin zu schreien schien, hast du ein reines Obstbrände und –geiste-Projekt hochgezogen. Warum diese Ambition zum Antitrend?

FF: Na weil der Zug meiner Meinung nach schon abgefahren ist/war.

Wie oben schon mal erwähnt, habe ich Monkey bereits 2010/11 zum ersten mal in der Hemingway Bar in Freiburg kennen gelernt. Damals kannte das noch kaum einer, danach ging es Schlag auf Schlag. Nach dem Affen kamen dann Elefanten und andere Kuriositäten.

Flaschen mit teilweise utopischen Preisen, die in keinem Verhältnis zum Inhalt stehen.

Obst ist mindestens genau so spannend wie Gin, wenn nicht sogar spannender! Jedes Jahr, jede Sorte ist hier unterschiedlich und prägt einen Brand maßgeblich. Es macht z.B. einen sehr großen Unterschied, ob man einen Apfel frisch oder gelagert einmaischt. Den Gin hingegen kann man fast das ganze Jahr über in gleicher Qualität herstellen.

Obstbrände und Geiste gehören zur Gesellschaft wie Wein oder Bier! Da muss es ja Jemand geben, der diese herstellt! Ich bin froh, einer davon zu sein und mir diesen Markt mit anderen Profis zu teilen.

Mir geht es dabei ja nicht nur um das Trinken des Obstbrandes, sondern auch um die Erhaltung von Kulturgut/-landschaft. Es ist doch wunderbar auf so eine Vielfalt an heimischen Obst zurückgreifen zu können und dieses in einer glasklaren Flüssigkeit zu konservieren.

EfS: Wenn du einem Start Up-Gründer in der Spirituosenszene 3 Ratschläge geben dürftest, welche wären dies?

FF:

  • selbständig = selbst und ständig und ggf. auch nachts!
  • don’t get high by your own supply!
  • bitte keine Apothekerflaschen mehr.

EfS: Beschreibe doch bitte einmal aus deiner Sicht die deutsche Obstbrand und –geist-Szene in 5 Jahren

FF: Auf Grund des Klimawandels werden wir Zitronen anbauen und diese dann vermarkten….. 🙂

EfS: Vielen Dank Florian Faude für das Interview.


 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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