Bruichladdich Octomore Edition 07.3 im Test » Eye For Spirits

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Bruichladdich Octomore Edition 07.3 im Test

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Die erste Version der Octomore-Edition, die vor wenigen Jahren auf dem Markt erschien, wird heute zu einem niedrigen 4-stelligen Preis gehandelt. Vorausgesetzt man hat sie nicht geöffnet. Bruichladdichs Rauch-Superlative entwickelte sich in kürzester Zeit zu einem begehrten Spekulationsobjekt. Dass dabei der Inhalt nicht immer auf gleiches Niveau klettert wie der Preis, zeigt der neue Octomore Edition 07.3.


Octomore 7.3Das Unternehmen von Schottlands Insel Islay scheut nicht mit unzähligen Informationen zu ihrer neuesten, limitierten Edition.

Anders als bei vielen anderen Herstellern, die kuschen, wenn es um die Veröffentlichung des Alters junger Whiskys geht, macht sich der neue Octomore Edition 07.3 völlig nackig.

Exakt 5 Jahre verbrachte jener Single Malt im Fass. Destilliert 2010, in Flaschen gezogen am 22.09.2015 von Adam Hannett. Das ist mal ein Informationspaket, das selten geliefert wird.

Achja, die „ppm-Zahl“ darf ich nicht vergessen. Jenes Marketing-Werkzeug, mit dem sich Bruichladdichs Octomore so gerne mit Ardbegs Supernova duelliert. Eine Zahl, die die Konzentration von „rauch-bedeutsamen“ Molekülen an der getrockneten Gerste wiedergibt.

Da dieser Wert nahezu immer von jenem abweicht, den man im finalen Whisky messen kann, ist diese angegebene ppm-Zahl bei Whiskys völlig nichtssagend. Es verkauft sich einfach nur gut.

DEGUSTATION DES OCTOMORE EDITION 07.3

Das Aussehen des Octomore Edition 07.3 lässt sich in der Farbe von Mais am besten beschreiben.

In der Nase merkt man sofort, dass dieser Tropfen bzw. dessen Malz intensiv mit Torfrauch getrocknet wurde. Dennoch ist das Torfaroma des Octomore Edition 07.3 deutlich moderater als es die viel kommunizierte ppm-Anzahl vermuten ließe.

Schiebt man den Rauch einmal beiseite, fällt auf, dass dieser Scotch hervorragend destilliert ist. Er ist weich, besitzt keinerlei Fehlnoten.

Allerdings springt einem noch ein weiterer Eindruck sofort in die Nase: das Teil ist viel zu jung.

Zwar besitzt das Bouquet neben den genannten Rauchnoten auch gewisse Nuancen, die an Zartbitterschokolade, feuchte Erde und etwas Muskat erinnern, allerdings kann dies nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass der Octomore Edition 07.3 einen auffallenden metallischen Charakter besitzt.

Zudem fehlt es enorm an Komplexität und Tiefe, die nun einmal unweigerlich mit einer mehrjährigen Fassreifung, d.h. 10 Jahre und darüber hinaus, verbunden ist.

Auch im Mund zeigt Bruichladdich mit diesen Brand, dass man ein Meister an den Brennblasen ist. Trotz seiner 63,0 %Vol. ist der Octomore Edition 07.3 weich im Mund und zeigt keinerlei störende Alkoholnoten. Dass ein solch hoher Alkoholgehalt etwas auf der Zunge pritzelt, liegt dabei in der Natur der Sache.

Abgesehen von hervorragender Destillation hat dieser Single Malt neben einem kurzen Anflug von Weintrauben und einer moderaten Rauchnote allerdings nichts mehr zu bieten. Gar nichts. Er wirkt flach, unausgeglichen und der metallische Charakter eines jungen Brandes springt einem nur so auf der Zunge herum. Auch durch Zugabe von etwas Wasser ändert sich daran nichts.

Auch im Nachklang ändert sich an seiner Präsentation nicht viel. Weich und leicht cremig setzt er sich am Gaumen fest und verschwindet mit einer kurzen Rauchfahne recht schnell vom Gaumen.

Der Octomore Edition 07.3 könnte ein Produkt von so mancher Scotch-Destillerie sein, die im aktuellen Zeitgeist produziert. Hervorragend destilliert, viel zu kurz gereift und in geringen Stückzahlen hochpreisig vermarktet.

Jemanden, der den Octomore als Spekulationsobjekt betrachtet, kann ich nur raten zuzuschlagen. Jeder der mit dem Gedanken spielt, sich diesen Whisky zu Genusszwecken zu holen, sollte sich anderweitig bei Bruichladdich umschauen. Dort stehen ganz andere Schätze im Regal. Und die sind erschwinglich.

Details:

Art: Single Malt Whisky

Alter: 5 Jahre

Jahrgang: 2010

Alkohol: 63 %Vol.

Preis: ~ 220,- à 0,7 l

Region: Isle of Islay/Schottland

Bottler: Bruichladdich Distillery

Fazit: 4/10 Punkten


 

 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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10 Kommentare für Bruichladdich Octomore Edition 07.3 im Test

  1. 1968superingo 28. Oktober 2015 zu 18:58 #

    Oha, dass klingt ja nicht gut. Aufgrund des Preises sind die Octomore-Abfüllungen für mich eh jenseits von gut und böse. Wird wieder ein reines Spekulationsobjekt werden! Schade ….

  2. sawgf 28. Oktober 2015 zu 19:45 #

    Ich weiß natürlich, was du damit meinst aber es wirkt schon komisch, wenn du davon schreibst, dass er keine Fehlnoten besitzt und zwei Absätze weiter auf den deutlichen Metallgeschmack eingegangen wird.
    Letztlich merkt es eh niemand, da dieser Whisky nicht getrunken, sondern gesammelt wird.

    • Philip Reim 28. Oktober 2015 zu 19:58 #

      Ein metallischer Geschmack ist per Definition keine Fehlnote. Er ist vielmehr ganz natürlich und baut sich im Laufe einiger Fassjahre ab.

      Fehlnoten können z.B. durch Bakterienbefall der Maische, zu kurze Gärungszeit, schlechte Destillation (div. Schwefelverbindungen werden nicht abgebaut) oder in gewissen Fällen auch durch Fassreifung entstehen.

      Gruß Philip

  3. sawgf 28. Oktober 2015 zu 21:03 #

    Nur weil etwas natürlich ist, heißt das ja nicht, dass es sich nicht um ein Fehlaroma handelt. Diacetyl, DMS etc.
    Die Definition der Whiskyfehlaromen würde ich daher gerne sehen. Das interessiert mich, da in sämtlichen Lebensmittel metallische Noten als unerwünschte Fehlaromen eingestuft werden.

  4. Bruichladdich 28. Oktober 2015 zu 23:16 #

    „Zudem fehlt es enorm an Komplexität und Tiefe, die nun einmal unweigerlich mit einer mehrjährigen Fassreifung, d.h. 10 Jahre und darüber hinaus, verbunden ist.“

    Da wurden die letzten Jahre aber ein paar Abfüllungen verpasst, kann das sein? Und ich dachte, das hier wäre ein erfahrene Plattform?

    • Philip Reim 29. Oktober 2015 zu 08:10 #

      Guten Morgen Bruichladdich,

      Nenne doch mal bitte ein paar deiner angedeuteten Abfüllungen.

      Gruß Philip

      • Bruichladdich 29. Oktober 2015 zu 12:37 #

        Nun, der Octomore 6.3 beispielsweise wäre beispielsweise eine solche Abfüllung und keinen Tag älter als der 7.3, den ich nun ebenfalls nicht zu den besten, aber dennoch ordentlichen Octomore zählen würde. Gegen den 6.3 hatte auch der 10-jährige Octomore keinerleich Chance.
        Der neue Kilchoman „Madeira“ wäre eine solche Abfüllung, der 2007er Springbank zum „Open Day 2015“ oder der 9-Jahre Tullabardine von „The Whisky Chamber“. Der Port Charlotte „Palaemon“ aus der „Renegade“ Reihe, oder auch die „Solist“-Reihe von Kavalan, wenn es auch mal einer sein darf, der nicht aus Schottland kommt. Oder die „Alriks“ von Glen Els, wenn dir schon dabei sind. Auch bei anderen UA finden sich doch inzwischen recht viele sehr junge Malts, die durchaus zu überzeugen wissen.

        Generell halte ich ein solch pauschales Urteil einfach für unsinnig, da diverse andere Faktoren (Fassauswahl!) deutlich wichtiger für die Reifung und letztlich das Ergebnis sind, als die reine Anzahl an Jahren im Fass. Dieses „alles unter 10 Jahren ist nix“, um es plakativ auszudrücken, erwarte ich von einem Einsteiger oder unerfahrenen Whisky-Liebhaber, sicherlich aber nicht von jemandem, der sich seit Jahren mit diesem Thema intensiv auseinandersetzt.

      • Philip Reim 29. Oktober 2015 zu 15:20 #

        Hallo Bruichladdich,

        ich kann deine Aussage bezüglich „guter Whiskys unter 10 Jahre“ absolut nachvollziehen. In Teilen würde ich sie sogar unterschreiben. Ich hatte selbst genug Whiskys, die unter 10 Jahre und der totale Genuss beim Tasting waren.
        Im Artikel habe ich auch nicht behauptet, dass ein hervorragender Whisky zwangsläufig ein hohes Alter besitzen muss. Es ist allerdings eine Tatsache, dass sich Komplexität und aromatische Tiefe erst ab einer gewissen Zeit der Fassreifung einstellen. Guter Whisky hin oder her.

        Gruß Philip

  5. kallaskander 29. Oktober 2015 zu 10:42 #

    Hi there,

    ich weiß zwar nicht genau was es bedeutet, ein paar Abfüllungen verpaßt….

    jedoch nutzt das nichts vom Octomore 10 Jahre dem Port Charlotte 10 Jahre oder dem Bruichladdich 10 Jahre zu träumen, da der neue Besitzer Remy Cointreau alle Abfüllungen der Destillerie mit Altersangabe eingezogen hat und gegenwärtig außer im Duty Free mit den PC 11 oder schon PC 12 und angeblich dem Bruichladdich 10 direkt in der Destillerie keine Abfüllung mit Altersangabe mehr verkauft.

    Außer einem Octomore 10 Jahre waren aber so ziemlich alle nur 5 Jahre alt und hatten neben dem überhöhten Preis alle die gleichen von Philip beschriebenen Probleme.
    Daher ist auch der Octomore 7.3 kein Fortschritt sondern Stillstand – außer natürlich beim Preis.
    Wenn man jedoch so junges hochgetorftes Zeug mag, kann man an allen 5 jährigen Octomoren auch Gefallen finden. Komplex und reif sind sie aber alle nicht.

    Greetings
    kallaskander

  6. Bruichladdich 29. Oktober 2015 zu 12:44 #

    Auch über den Punkt mit dem „Spekulationsobjekt“ lässt sich doch trefflich streiten.
    Gerade wegen der hohen Preise wurden die letzten 6 (!) Abfüllungen aus der Octomore-Reihe bislang nicht restlos an den Mann gebracht und sind in vielen Shops noch erhältlich. Von steigenden Preisen, die ein Spekulationsobjekt ja ausmachen, ist da nichts zu sehen. Vielmehr sind gerade Abfüllungen wie der 6.1 inzwischen oftmals unter 100€ zu haben und werden regelrecht „verramscht“. Ob da nun die jüngeren Abfüllungen preislich attraktiv sind, um zu „spekulieren“? Ich glaube, dass die hohen Preise diesen Spekulationen vorerst selbst das Wasser abgraben, zumal 18.000 Flaschen pro Abfüllung eine deutliche Ansage sind.

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