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5 unbekannte Rum-Cocktails, die mehr als einen Blick wert sind

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Bildquelle: hitdelight/FotoliaSeit Jahren schwelt sie, seit Monaten brennt sie. Die Diskussion um Authentizität bei Rum. Während so mancher Hersteller seinen Fokus aber tatsächlich verstärkt auf Quantität statt Qualität legt, darf man die grundlegende Klasse dieser Spirituose nicht verachten. Ein Abenteuer im Purgenuss und eine definitive Hausnummer in Sachen Cocktails. Folgende 5 Drinks liefern den Beweis.


Gin und Vodka dürften noch heranreichen. Sonst fällt mir allerdings keine Spirituose ein, die in der Vergangenheit der Cocktail-Geschichte derart geschunden wurde wie das berühmte Melasse-Destillat Rum. Mit Hektolitern Kokosmilch, Sahne und Saft übergossen. Mit Obstsalat dekoriert.

Zum Glück gibt es allerdings auch die andere Seite. Jene, bei der der komplexen Spirituose mit geschmacklichen Akzenten gehuldigt wird, sie dezent in gewisse Bahnen gelenkt wird. Und dies ist man ihr auch schuldig.

Denn wirft man einmal einen flüchtigen Blick über die diversen Cocktail-Genres, so gibt es kaum andere Drinks, die mit derart vielen Unterkategorien vertreten sind. Und dies meist qualitativ hochwertig. Lässt man jetzt einmal die Sparte der Spiced Rums außen vor.

Weißer Rum, gereifter Rum, Overproof Rum etc. Verschiedene Sparten, die einzelnen Drinks wie Daiquiris, Hemingway Specials oder Mai Tais ihren ganz persönlichen Stempel aufdrücken.

Was die Wahl des passenden Rums für einen Cocktail allerdings häufig zu einem spannenden Unterfangen werden lässt, ist nicht nur die unterschiedliche Herstellung von Destillerie zu Destillerie, sondern auch deren unterschiedliche Herkunft.

Damit einher gehen sowohl klimatische Bedingungen, die sich vor allem bei der Fasslagerung aromatisch bemerkbar machen, traditionelle Eigenheiten, als auch Qualitätsstandards, die je nach Herkunftsland variieren.

Erst kürzlich wurde mir dies wieder bei der Zubereitung eines Daiquiris bewusst. Üblicherweise verwende ich für jene Sour-Variation als Basis einen Havana Club 3 Jahre. Ein kubanischer Rum ohne Ecken und Kanten. Eine gefällige, solide Grundlage für jenen Drink. Als ich jedoch im 5-2-2 Verhältnis den Havana Club mit dem deutschen Revolte Rum tauschte, erhielt ich einen gänzlich anderen Drink. Komplexer, spannender.

Nun gut. Dein Argument könnte jetzt sein, dass dies bei Gin, Scotch, Cognac etc. derselbe Fall wäre. Schmeckt die Spirituose anders, schmeckt der Cocktail anders.

Ohne Gegenargument würde ich dir recht geben.

Allerdings gibt es aus meiner Sicht, 3 Argumente, die die Auswahl des richtigen Rums für einen Cocktail, etwas schwieriger gestalten als bei den meisten anderen Destillaten.

Zum einen gibt es Rum, wie oben bereits erwähnt, in verschiedenen Ausführungen. Alle mit einem eigenen, charakteristischen Geschmacksprofil.

Was die Sache zusätzlich erschwert, ist der geographische Hintergrund. Auch wenn moderne Rum-Kategorien, eine Einteilung in traditionelle Rum-Stile fast obsolet machen, sind sie hin und wieder aus geschmacklicher Sicht sinnvoll. Ein British Style-Rum aus ehemaligen britischen Kolonien wie Jamaica hat ein grundlegend anderes Aroma- und Geschmacksprofil als ein leichter, filigraner Kubaner. In den meisten Cocktail-Rezepturen findet man allerdings meist nur die Anmerkung „Dark Rum“. Aus welcher Region dieser fassgereifte Rum allerdings stammen soll, wird häufig verschwiegen.

Um dem ganzen noch eins oben draufzugeben, kommen lasche Produktionsvorschriften mancherorts noch dazu. Dies bedeutet, dass selbst wenn Rum-Hersteller am einen Ende der Welt gesetzlich an bestimmte Herstellungsvorgaben gebunden sind, sind sie dies aber nicht am anderen Ende.

Konkreter: Gesetzlich ist es Rum-Herstellern in Barbados, Jamaica und Martinique untersagt, ihrem Destillat Zucker beizugeben. Eine Einschränkung, die allerdings nicht auf Produzenten in Guatemala, Venezuela oder den Philippinen zutrifft.

Abgesehen von geschmacklichen Veränderungen im Purgenuss, die eine solche Zuckerzugabe mit sich bringt, ist dies spätestens bei der Zubereitung eines Cocktails auf Rum-Basis eine entscheidende Information.

Um dies einmal an einem konkreten Beispiel zu verdeutlichen, nehme ich beliebige Rezepturen eines Mai Tais. Manche schreibt Zuckersirup vor, manche Mandelsirup. Die eine Cointreau die andere Ingwersirup. Egal welche Rezeptur ich heranziehe, sie alle haben mindestens eine Süßungskomponente mit definierter Mengenvorgabe.

Zudem schreiben alle 2 bis 3 verschiedene Rums vor. Nehme ich jetzt Destillate, die bereits von Haus aus pro Liter eine Zuckermenge von 7 bis 8 Zuckerwürfeln enthalten, summiert sich die Süße im Drink enorm. Ein Punkt, mit dem ein Cocktail steht und fällt.

Die Wahl des richtigen Rums je nach Cocktail ist also nicht optional, sondern obligatorisch. Sie unterscheidet nämlich nicht nur einen guten von einem sehr guten Drink, sondern auch einen guten von einem schlechten.

CHOC & VINEGAR

adaptiert nach Muhammad Nazzal

Zutaten:

  • 5 cl Fassgelagerter kubanischer Rum
  • 1 BL Gelagerter Balsamicoessig 6 Jahre
  • 1 cl Mozart Dry Chocolate
  • 1 BL Demerara-Zuckersirup (1:1)

Zubereitung:

Alle Zutaten werden im Rührglas ca. 30 Sekunden miteinander verrührt und anschließend in einen vorgekühlten Cocktailspitz abgeseiht.

THE SOOTHER

adaptiert nach Albert Crockett’s Old Waldorf Bar Days

Zutaten:

  • 3 cl Cognac
  • 3 cl Fassgelagerten Jamaica Rum
  • 1,5 cl Curaçao
  • 2 cl Frischer Zitronensaft
  • 1 BL Naturtrüber Apfelsaft
  • 0,5 BL Zuckersirup (Verhältnis 2:1)

Zubereitung:

Alle Zutaten auf Eis 12 bis 15 Sekunden kräftig shaken. Anschließend in eine vorgekühlte Coupette abseihen und mit Zitronenzeste dekorieren.

DAIQUIRI, PINEAPPLE & CARDAMOM

adaptiert nach Henry Besant

Zutaten:

  • 6 cl Weißer Rum
  • 5 Große Ananaswürfel
  • 2 cl Limettensaft
  • 1,5 cl Zuckersirup (Verhältnis 1:2)
  • 4 Grüne Kardamomkapseln

Zubereitung:

Vorab müssen Kardamom und Ananas im Shaker mit einem Muddler zerdrückt und zerstoßen werden. Anschließend werden Rum, Limettensaft und Zuckersirup hinzugegeben und auf Eis ca. 15 Sekunden kräftig geschüttelt. Am Ende in eine vorgekühlte Coupette abseihen und mit Ananasstückchen dekorieren.

NEGRON

Zutaten:

  • 5 cl Weißer kubanischer Rum
  • 2 cl Limettensaft
  • 2 BL Honig
  • 4 Zweige Thai-Basilikum
  • 4 cl Soda

Zubereitung: 

Basilikum ins Highball-Glas geben und leicht andrücken. Anschließend alle anderen Zutaten einschließlich Eis hinzugeben und kühl rühren.

RAISIN SANGAREE

adaptiert nach Steffen Lohr

Zutaten:

  • 5 cl Fassgelagerter Puertoricanischer Rum
  • 1 BL Bénédictine
  • 20 Rosinen
  • 1 Messerspitze Lebkuchengewürz
  • 2 cl Zuckersirup (Verhältnis 2:1)
  • 3 cl Dornfelder Rotwein

Zubereitung:

Zunächst werden die Rosinen in ein Rührglas gegeben und mit einem Muddler fest angedrückt. Anschließend die restlichen Zutaten einschließlich Eis hinzugeben und kalt rühren. Doppelt in ein Rotweinglas auf Eiswürfel abseihen. Am Ende frisch geriebenes Muskat über dem Drink verteilen.


 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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Ein Kommentar für 5 unbekannte Rum-Cocktails, die mehr als einen Blick wert sind

  1. Fabian - In die Küche. Fertig, los! 11. November 2015 zu 11:41 #

    Uih, nicht schlecht. Da werd ich glaub einige von nachmixen!

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