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Refugin: Ein Lichtblick der Gin-Industrie

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Refugin

Ein Produkt an eine umweltschonende oder auch soziale Aktion zu koppeln, wirkt in nahezu jedem Industriezweig verkaufsfördernd und seriös. Sieht man einmal von Waffenfirmen ab. Dabei ist allerdings immer eine Gratwanderung nötig, zwischen finanziellem Beitrag für das ausgewählte Projekt und dem eigenen Gewinn. Anders beim neuen Refugin. 100 % Gewinn werden für Flüchtlingsprojekte gespendet.


Als ich das erste Mal vom Refugin (Wortspiel aus Gin und Refugee, englisch für „Flüchtling“) in verschiedenen sozialen Medien las, war ich zunächst skeptisch. Das Leid vieler als Marketinginstrument zu benutzen, um im Meer an Gins sein Revier abzustecken, fand ich im ersten Moment doch recht unseriös. Vielleicht sogar etwas pietätlos.

Dann bekam ich vor einigen Tagen eine Email.

In dieser stellte mir einer der Köpfe hinter der Unternehmung das Projekt hinter Refugin genauer vor. Und ich muss zugeben, ich hatte mich völlig geirrt.

Hinter jenem Wacholderdestillat in der schlichten, geschmackvollen Flasche steht kein fein auskalkulierter Businessplan zur Gewinnmaximierung, sondern die Idee mit einem Genussprodukt zu helfen. Und zwar zu 100 %.

Der gesamte Gewinn, den die Good New Days gGmbh (gemeinnützige GmbH) mit ihrem Refugin erwirtschaftet, wandert direkt in das Projekt „SchlaU-Schule“ in München. Diese unterrichtet jedes Jahr ca. 300 junge Flüchtlinge zwischen 16 und 21 Jahren und unterstützt diese bei der Integration.

Was den Endkunden schließlich erwartet, wenn er das Projekt mit 39,90 Euro unterstützt, ist ein Gin, der eins zu eins in die Riege moderner Wacholderdestillate passt.

Der Brand selbst basiert auf 7 verschiedenen Botanicals und deren Mazeraten. Neben dem obligatorischen Wacholder kamen Zitronenschalen, Piment, Zimt, Koriander, Lavendel und Orange zum Einsatz.

Hergestellt wird der Refugin laut Unternehmensangaben in einem „130 Jahre bestehenden Familienunternehmen aus Nordrhein-Westfalen“. Welches dies nun genau ist, kann ich nur mutmaßen. Offiziell angegeben wird es nicht.

Fakt ist allerdings, dass der Refugin in seiner 0,5 Liter Flasche für einen Preis von 39,90 Euro über den offiziellen Webshop des Unternehmens bestellt werden kann.

Nachtrag: Die Destillation des Refugin wird von der Familiendestillerie Dwersteg im Münsterland (Steinfurt) durchgeführt.


 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.

5 Kommentare für Refugin: Ein Lichtblick der Gin-Industrie

  1. Matthias 11. November 2015 zu 20:05 #

    Man müsste sich erst mal anschauen, was der Firmenchef und co hier als seine eigenes Gehalt veranschlagt (denn auch eine gGmbh zahlt Ihrem Chef gehalt)

    Eine Lohnbrennerei macht das Brennen, ein Grafiker das Etikett und die gGmbh muss es dann nur noch verkaufen

    • Philip Reim 11. November 2015 zu 21:02 #

      Hallo Matthias,

      das ist so nicht ganz richtig.
      Eine gGmbh bekommt steuerliche Vergünstigungen vom Finanzamt gestellt. Dies allerdings nur unter der Voraussetzung, dass sich die Gesellschafter keinen Gewinn ausschütten. Der Gewinn muss also komplett gemeinnützig verwenden werden.
      Auf Wikipedia gibt es dazu einen recht passenden und ausführlichen Artikel:
      https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinn%C3%BCtzige_GmbH

      Gruß Philip

  2. Martin Eggert 12. November 2015 zu 15:36 #

    Hallo Matthias,

    auch hier gilt: Erst lesen, dann schreiben.

    Wie man auf unserer Website ersehen kann, klar und transparent dargestellt, bezieht niemand ein Gehalt. Die Grafiker, Steuerberater und alle beteiligten arbeiten Ehrenamtlich. Sonst wäre es auch schlichtweg nicht möglich, bei 1.200 Flaschen profitabel zu sein und Geld übrig zu behalten, welches man spednden kann.

    Wir dürfen uns zwar ein angemessenes Gehalt bezahlen, tun das aber nicht.

    Lieben Gruß,
    Martin Eggert
    Gründer von Refugin

  3. Max 13. November 2015 zu 11:24 #

    Hallo Martin,

    hab mir das Ganze durchgelesen. Also erstmal ist die Sache natürlich lobenswert was die Grundausrichtung angeht. Ich habe auch weniger das Gefühl, dass die Spendensache eine Marketingmasche ist. Bei Elephant Gin finde ich das dagegen offensichtlich und jeder der denkt, dass da viel übrig bleibt für Dickhäuter ist halt sehr naiv. Man kann den Gewinn einer Firma so „manipulieren“ dass diese 15% Profit Spende am Ende gegen 0 geht bzw. nur noch proforma ist.

    Unter Transparenz versucht ihr auch einen genaueren Spendenbetrag pro Flasche zu ermitteln und verweist dabei auf einzelne Kostenpositionen. Ich persönlich muss sagen, dass es nur auf den ersten Blick transparent ist. Damit will ich nicht unterstellen, dass ihr nicht auf wie versprochen auf jede persönliche Bereicherung verzichtet. Damit möchte ich eher anregen, dass man für echte Transparenz wirklich genau aufschlüsseln sollte, wieviel genau wohin fließt. Insbesondere 15,85 Euro für Produktion und Verpackung können alles mögliche enthalten. Macht das noch und ihr generiert sicher noch weniger Zweifler!

    Am Ende aber doch noch ein paar Punkte eher abseits der Spendenthematik, die ich etwas kritisch sehe:
    Ihr habt laut eigener Aussage in 8 Wochen alles aus dem Boden gestampft. Ein gemeinnütziges Produkt, von dem man dann aber auch nicht mehr erwarten sollte. Kein alter Spirituosen-Brenner und sicher kein Team fachfremder Leute mit einer Lohnbrennerei kann ein Qualitätsprodukt in dieser Zeit entwickeln und geschweige denn 1.200 Flaschen verkaufsfertig machen. Wo ihr spitze seid ist Verpackung und Kommunikation, da seid ihr ja die Fachleute. Positive Bewertungen werdet ihr wahrscheinlich aufgrund der Spendensache dennoch erhalten. Keiner kann sich dieser emotionalität völlig entziehen.

    Max

  4. Lars J 26. November 2015 zu 16:49 #

    Ein Fairer Wettbewerb und eine, dem Preis entsprechende Qualität entsteht dann, wenn gleiche Marktbedingungen herrschen. Spart man an Steuern, Gehältern und ggfls. an der Qualität (8 Wochen ist wirklich ein Wimpernschlag bei der Entwicklung, gerade einer komplexeren Spirituose), kommt wahrscheinlich nichts Richtiges dabei heraus. In diesem Fall ein Gutmenschen-Produkt, bei dem sich jeder Beteiligte (auch der Käufer) toll findet, alles Andere kommt gegebenenfalls und wie es hier scheint, zu kurz.

    Ehrlich ist es sich als Betrieb allen Marktbedingungen zu stellen, seine Angestellten und Steuern zu zahlen und am Ende des Jahres vom Gewinn einen Teil zu spenden, den man für richtig hält. Viele Betriebe (auch Spirituosenhersteller) machen das so, ohne es an die große Glocke zu hängen, oder es gar dem Kunden im Produktnahmen – wie hier besonders geschmacklos geschehen – entgegen zu brüllen.

    Dem Kunden sei es ebenfalls freigestellt was er gerne (am besten direkt) wohin spenden möchte – das ist im Normalfall auch deutlich transparenter.

    Das war meine Meinung dazu.

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