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Gunroom Navy Rum im Test

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Der Name 2-silbig, der Name wuchtig. Das Portfolio, mit dem die Schweden von Integrity Spirits hierzulande seit wenigen Wochen im Gin und Rum-Segment mitmischen wollen, hat es in sich. Zumindest hinsichtlich Design, Stil und Aufmachung. Seit ich aber vor wenigen Tagen einen Blick in die Flasche des Gunroom Navy Rums werfen konnte, weiß ich: auch innen steckt ordentlich Potential.


Gunroom Navy RumEs würde allein bereits einen Artikel füllen, wenn ich diverse Rums aufzählen würde, die in jüngster Zeit auf dem deutschen Markt erschienen. Für manche wurde lediglich die Melasse importiert und anschließend selbst Hand angelenkt, die anderen wurden gleich flaschenfertig ins Land geholt.

Für letzteres entschied sich auch der Importeur Bremer Spirituosen Contor als sie vor einigen Wochen das Portfolio der Gunroom-Spirituosen importierte. Das schwedische Unternehmen Integrity Spirits produziert unter jenem einprägsamen Namen unter anderem Destillate in der „Navy-Klasse“. Neben 2 Gins darunter auch ein Navy Rum.

Ganz dem Gedanken der militärischen Seefahrt verschrieben, wird der Navy Rum entsprechend seines Namens hochprozentig abgefüllt. Und im Falle des Gunroom Navy Rums heißt hochprozentig tatsächlich auch hochprozentig. Satte 65 %Vol. liefert der neue Schweden-Rum ab.

Neben den geschmacklichen Hintergedanken bei der Produktion galt es aber auch einen alkoholischen Schwellenwert von 57 %Vol. nicht zu unterschreiten. Dieser Wert galt als Mindestkonzentration, die nötig war, damit Schwarzpulver bei Kontakt mit jener Flüssigkeit immer noch zündete. Daher auch der Seitenwink mit dem Produktnamen „Gunroom“.

Die Mannen bei Integrity Spirits, Lars Renbjer und Martin Magnusson, bedienten sich allerdings nicht nur hinsichtlich Oberflächlichkeiten wie Design und Namensgebung bei der britischen Rum-Marine-Tradition. Auch Destillerie- und Fassauswahl traf das Unternehmen gänzlich in ehemaligen britischen Kolonien.

Brennereien von Jamaika, Guyana, Barbados und Trinidad liefern dabei die Destillate, die anschließend zum British Style-Blend Gunroom Navy Rum vermählt werden. Die meisten davon in Kupferbrennblasen destilliert. Zwar kommt noch ein Destillat geheimer Herkunft dazu, der Fokus liegt laut Unternehmensangaben aber auf Guyana.

Als eine der wenigen Situation empfinde ich den Wegfall einer Altersangabe bei diesem Produkt durchaus positiv und authentisch. Da es international für Rum sowieso keine bindenden Vorgaben zur Altersangabe gibt, ist diese nichts anderes als ein aussageloses Marketingwerkzeug. Sieht man einmal von Single Cask-Abfüllungen ab. Ist es zudem noch ein Blend von verschiedenen Inseln, wie im Falle des Gunroom Navy Rums, bei dem die Fässer grundsätzlich unter verschiedenen Bedingungen reifen, wäre eine solche Angabe sowieso obsolet.

DEGUSTATION DES GUNROOM NAVY RUM

Einmal im Glas besitzt der Gunroom Navy Rum eine satte, kräftige Farbe von Bernstein. Hält man ihn nun gegen das Licht und gibt einige wenige Tropfen Wasser hinzu, erkennt man deutlich eine Schlierenbildung. Ein Indiz, dass dieser Rum nicht gefiltert wurde, zumindest nicht per Kaltfiltration.

In dem Moment, in dem man das Glas zur Nase bewegt, versprüht der Gunroom Navy Rum ein Potpourri an Kokos und Trockenfrüchten. Allem voran drängen hier getrocknete Orangen-, Zitronenschalen aus dem Glas. Dazwischen kommen gelegentlich einzelne Mango-Noten. Trotz seiner wuchtigen 65 %Vol. besitzt er in der Nase keinerlei störenden Alkoholnoten. Hervorragend destilliert, sodass noch Platz für etwas Vanille und Kakao ist. Wer hier aber hofft ein Destillat zu finden, das nur klassische, stereotype Rum-Aromen abliefert, wird enttäuscht. Der Gunroom Navy Rum lädt zum Auskundschaften ein. Diverse Aromen, die trocken-fruchtig nebeneinander stehen.

Seinen Trumpf spielte er in der Nase voll aus. So sehr, dass eine gewisse Diskrepanz zwischen Nase und Mund auffällt. Nicht weil der Mund per se schlecht ist, sondern weil er der hervorragenden Nase etwas hinterherhinkt. Er ist nicht ganz so raffiniert. Dennoch liefert er auch hier angenehm weich Vanille und Kakao ab. Nicht übermäßig aber erkennbar. Ein paar Tropfen Wasser sorgen zusätzlich für einen kräftigen, vollmundigen Charakter.

Im Nachklang legt er sich staubtrocken an den Gaumen und erinnert etwas an den Eindruck in der Nase. Allerdings nicht ganz so verspielt. Er wartet hier nur mit einer konkreten Note auf, und das ist Rosine.

Insgesamt ist der Gunroom Navy Rum in meinen Augen nicht nur ein authentisches Produkt, sondern, was den Inhalt betrifft, auch qualitativ äußerst hochwertig. Zwar gibt es an der ein oder anderen Stelle noch Verbesserungsvorschläge, aber spätestens beim Preis-Leistungs-Verhältnis gibt es nur sehr wenig Konkurrenz.

                                       Details:

Art: Rum (Melasse)

Alter: k. A.

Jahrgang: k. A.

Alkohol: 65 %Vol.

Preis: 38,90 Euro à 0,5 Liter

Region: Jamaika, Guyana, Barbados, Trinidad/Schweden

                             Bottler: Integrity Spirits

                             Fazit: 8/10 Punkten


 

 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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