Werbung

Bar-Knigge: 10 Dinge, die du als Bartender nicht tun solltest

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterEmail this to someone

Bildquelle: Airik Lopez/FlickR

Einen der weltbesten Cocktails ins Glas zaubern, sich selbst übertreffen. Eines der Ziele des ambitionierten Bartenders. Letztendlich ist derjenige hinter der Bar aber ein Dienstleister. Und genau diese Dienstleistung besteht aus mehr als nur einen Drink zuzubereiten. Es ist der professionelle Service am Gast, das Gesamtbild, das einen guten von einem schlechter Bartender unterscheidet.


Sich in seinem Berufsfeld professionell zu verhalten, sollte an sich eine Selbstverständlichkeit sein. Egal in welchem Metier man dabei arbeitet, jede hat neben vielen Gemeinsamkeiten auch ihre besonderen Eigenheiten, die Professionalität definieren. 10 dieser Merkmale, die auf den Beruf des Bartenders zutreffen, möchten wir euch im folgenden vorstellen.

  • Unansehnliches Auftreten

Als Gastronom liefert man dem Gast immer etwas, das mit Genuss zu tun hat. Zumindest sollte man es. Hierzu zählt allerdings nicht nur ein einzelner Drink, sondern sämtliche Emotionen und Sinneseindrücke, die während des Aufenthalts in einer Bar entstehen.

Selbst wenn der zubereitete Drink von einer hochkarätigen Jury zur Weltklasse gezählt werden würde, wenn der Bartender diese Qualität nicht auch mit seinem Aussehen transportiert, kommt am Ende beim Gast nicht viel an.

Das heißt nicht, dass du jeden Abend im Smoking hinter der Bar stehen sollst. Ein paar grundlegende Fakten sollten allerdings beachtet werden. Neben einer sauberen Schürze, einer gepflegten Rasur bzw. gestutztem Bart, sind es auch die Fingernägel, auf die du achten solltest. Bis auf den Ansatz abgekaut ist ebenso unappetitlich wie lang und schmutzig.

Generell sollte man mit seinem Kleidungsstil und seinem Äußeren zum hochwertigsten Teil des Interieurs werden.

  • Zu viele Raucherpausen

In Zeiten, da es in den meisten öffentlichen Einrichtungen hierzulande eh untersagt ist, sich eine Zigarette anzuzünden, stehen Raucherpausen vor oder hinter dem Laden hoch im Kurs.

Sofern räumlich möglich, sollte man dies hinter das Gebäude verlegen. Es wirkt nicht besonders einladend, wenn der erste Eindruck, den ein Gast von einer Bar bekommt, ein Bartender in Rauchschwaden ist. Vor allem dann, wenn für jeden ersichtlich ist, dass es sich ohne Händewaschen direkt ans Werk macht.

Dass eine solche Raucherpause nicht im 30 Minuten-Takt ablaufen soll, versteht sich von selbst. Wenn es denn aber sein muss, dann bitte nicht wenn die Bar brechend voll ist.

  • Drinks verweigern

Bestellt ein Gast heutzutage in einer Bar eine Caipirinha oder einen Aperol Spritz kann es durchaus sein, dass er einen argwöhnischen Blick erntet. Gelegentlich gefolgt von dem Satz: „Das gibt’s bei uns nicht“.

Dies nicht etwa, weil die Bar nicht die nötigen Zutaten hätte, sondern weil jener Bartender es schlicht unter seinem Niveau ansieht, einen solchen Volkscocktail zu mixen. Für mich persönlich ist dies eines der größten Armutszeugnisse für die Professionalität eines Bartenders.

Der Gast muss seine Wahl treffen, je nachdem, ob der Bartender sich nicht zu fein für den Drink ist?

Anderes Beispiel. Wie sähe es aus, wenn ein Chirurg bei einem Notfallpatienten die Operation verweigert, weil er heute keine Lust hat auf „Fuß“. Das Beispiel drastischer, das Prinzip dasselbe.

Es spricht natürlich für den Bartender, wenn er den Gast zu gehobenem Genuss „erziehen“ möchte, ihm die Vielfalt von Spirituosen und Cocktails näher bringen möchte. Wenn der Gast an jenem Abend allerdings Lust auf eine Caipirinha hat, dann sollte sich der Bartender Limetten und Muddler schnappen und die beste Caipirinha seines Lebens mixen.

  • Nicht die Hände waschen

Ein Bartender ist kein Cocktail-Automat, der per Knopfdruck ein paar Säfte zusammen mischt. Er arbeitet mit frischen und daher verderblichen Zutaten. Er wischt mit einem Lappen die Arbeitsfläche sauber, er gibt Wechselgeld.

Alles Situationen bei denen man mit Schmutz in Kontakt kommt. Da man allerdings mit Lebensmitteln arbeitet, die vom Gast schlussendlich konsumiert werden, solltest du dir nicht erst nach einer getanen Schicht das erste Mal die Hände waschen.

  • Ständig auf sein Smartphone schauen

Gefühlt benutze ich es selbst viel zu oft. Mein Smartphone. Verbindet es einen ja auch so spielend leicht mit der gesamten Welt. Familie, Freunde, alle in einem kleinen Kasten. Was früher die Nabelschnur war, ist heute das Smartphone.

Allerdings sollte man es tunlichst vermeiden, während einer Schicht ständig damit zu spielen. Man schaut auf die Uhr und hat es im selben Moment vergessen. Man checkt kurz Mails. Man postet kurz ein Foto auf Facebook und Instagram.

Aber am Ende verursacht es nur eines: Es signalisiert Desinteresse am Gast.

  • Nicht auf den Alkoholpegel seiner Gäste achten

Als Bartender servierst du Alkohol. Unmengen davon. Neben dem qualitativen Umgang mit Gin, Whisky und Co. setzt man aber auch voraus, dass er den quantitativen Umgang damit beherrscht.

Und damit meine ich nicht die Anzahl der Zentiliter, die in einen Drink müssen, sondern wie viel die ein oder andere Person verträgt. Denn der ein oder andere Gast weiß dies manchmal nicht.

In jener Situation sollte man mit Fingerspitzengefühl kommunizieren. Wenn man Glück hat, wird der angetrunkene Gast nur müde, wenn man Pech hat aggressiv. In beiden Fällen solltest du dem Gast nicht überheblich, sondern wohlwollend Optionen aufzeigen. „Darf ich Ihnen ein Taxi rufen?“. „Darf ich Ihnen einen alkoholfreien Drink auf’s Haus bringen?“

  • Sich nur auf eine kleine Gruppe elitärer Gäste konzentrieren

Es ist so verführerisch. Unter den Gästen sind gute Freunde, alte Bekannte, mit denen man eigentlich viel zu besprechen hat. Natürlich ist gegen einen kurzen Plausch nichts einzuwenden, allerdings sollten die anderen „unbekannten“ Gäste nicht das Gefühl bekommen, unbeachtet zu bleiben.

  • Eis mit Glas schaufeln

Zu den Stoßzeiten ist auch ein geübter Bartender am Rotieren. Viel Zeit für Pausen bleibt nicht, jede Zeitersparnis ist willkommen. Allerdings heißt dies nicht, dass die Qualität leiden sollte. Bedeutet auch: Bitte niemals das Eis mit dem Glas herausschaufeln. Dafür gibt es Eisschaufeln.

  • Während der Schicht Alkohol trinken

Machen wir uns nicht’s vor. Ein professioneller Bartender kennt sein Werkzeug und somit auch den Alkohol an seiner Bar. Dadurch weiß er auch, welch toller Stoff ihn teilweise umgibt. Allerdings sollte gerade dieser Bartender auch so professionell sein, den Alkoholkonsum bis nach getaner Schicht zu verschieben.

Zum einen aufgrund persönlichen gesundheitlichen Risikos und zum anderen aufgrund der Qualität der abgelieferten Arbeit.

Einzige Ausnahme: das Vorkosten des gerade zubereiteten Drinks.

  • Das Glas am Rand anfassen

Die Drinks zubereitet, fertig für ihren Weg zum Gast. Allerdings sollte dies auf keinen Fall so geschehen, dass Bartender oder Servicekraft das Glas vor dem Kunden abstellen und es dabei am oberen Glasrand anpacken. Neben den hygienischen Gründen kann dies auch dafür sorgen, dass die sensorische Wahrnehmung eines Drinks leidet. Vor allem dann wenn Punkt 2 und 4 zutreffen.


 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Dann erhalte alle zukünftigen Artikel von Eye for Spirits. Kostenfrei. Bequem in dein Postfach.

Ein Kommentar für Bar-Knigge: 10 Dinge, die du als Bartender nicht tun solltest

  1. Martin Kramer 9. Dezember 2016 zu 13:09 #

    Hallo Philip,

    vorweg soll gesagt sein,dass ich gerne eure Beiträge lese und eure Homepage meine tägliche Lektüre am Morgen ist.
    Ich stimme alles Punkten des Artikels vollkommen zu.
    Jedoch habe ich mein Problem mit der grundsätzlichen Thematik“Drinks verweigern“.
    Meiner Meinung nach ist es keine Frage von Arroganten Gehabe des Barkeepers,sondern eben auch eine Frage des Stils und der Philiosophie der Bar. Das kommt mir in dem Artikel etwas zu kurz und es wird keineswegs darauf eingegangen. Der eigene Stil ist doch genau das,was jeder für sich sucht und viele verlangen(andernfalls landen wir mal wieder im gastronomischen Einheitsbrei). Wenn man ihn dann für sich gefunden hat,dann wird es auf einmal als kritisch betrachtet,wenn man diesen an den Gast transportieren möchte?
    Gehe ich in ein Restaurant und bestelle Essen außerhalb der Karte,bspw „Königsberger“,dann bekomme ich diese auch nicht. Dabei hat doch nahezu jede Küche heutzutage Zugriff auf Hackfleisch & Kapern, und auch der Koch ist im Normalfall dazu in der Lage eine Mehlschwitze zuzubereiten.

    Mir wird das Thema zu schnell mit Arroganz abgehakt. Oftmals steckt aber doch viel mehr dahinter,wenn man den „Drink verweigert“.

Schreibe einen Kommentar